Zwar ist es schon eine ganze Weile her, dass ich das Buch „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ von Peter Handke gelesen habe, da ich aber doch noch ab und an daran denke, verdient es einen eigenen Beitrag. Der Autor an sich ist schon eine sehr spannende Persönlichkeit, der sein Jurastudium vor der letzten Prüfung abbrach, Erzählungen, Prosa, Theaterstücke und Übersetzungen seit 1966 verfasst und selbst sagt, dass ein Künstler mehrere Verwandlungen durchlaufen muss, welche qualvoll, aber eben notwendig seien. Ohne auch nur den Klapptentext zu lesen (ok, es gab auch keinen) wusste ich schon, dass ich diesen Autoren mögen werde!

Worum geht’s Hauptperson ist Josef Bloch, der wie gewöhnlich zu seinem Job als Monteur erscheint, dort jedoch das passive Verhalten der Kollegen (keiner grüsst ihn) als Botschaft auffasst, dass er gefeuert wurde. Der ehemalige Torwart (dazu kommt ganz am Ende des Buches etwas) beginnt, wahllos durch Wien zu streifen, geht ins Kino, in Restaurants und Cafes und kehrt in einem Hotel ein. Die Kassiererin des Kinos und er kommen sich näher und es kommt zu einem tragischen Ende der Beziehung, die ich absolut nicht habe kommen sehen. Bloch verliert mehr und mehr den Bezug zur Realität, Wahrnehmungsstörungen setzen ein, Worte passen für ihn nicht mehr zu den Objekten, wenn jemand mit ihm spricht, stimmen die Worte nicht mit den Lippenbewegungen überein und er sieht sich selbst in als Statist in einer Welt, die keinen Sinn ergibt, auch wenn er sie versucht zu dekonstruieren.

Wie ist’s Absolut großartig geschrieben, Peter Handke hat mich schon nach wenigen Seiten mit seinem Stil gefesselt und ich verstehe, wieso er von vielen so gefeiert wird. Er schreibt aus der Sicht des Protagonisten, der sich mehr und mehr verliert, die Realität anders wahrnimmt und den Leser mit seinen Gedanken wirklich fordert. Man muss sich selbst viele Dinge erklären und kann nicht einfach jeden Satz so hinnehmen, wie er geschrieben ist. Die Wahrnehmungsstörung wird so zur Realität des Lesers und man kann sich (mal mehr, mal weniger gut) in seine Situation hineinversetzen. Überrascht wurde ich aber auch oft, da kommen Wendungen und Gedanken auf, die ich einfach nicht erwartete. Was meinen Lesegenuss natürlich noch steigerte! Das Ende hat mich ehrlich gesagt etwas irritiert zurückgelassen und ich weiss, dass ich dieses Buch in einigen Jahren noch einmal lesen werde, das geht dank der Kürze ja ganz gut. Als Urlaubs- oder Bahnlektüre würde ich es aber absolut nicht empfehlen, man muss sich schon darauf einlassen und konzentriert an die Sache gehen, sonst bleibt man schnell sehr irritiert zurück und hat nicht wirklich viel Spaß.

Mein erster, aber bestimmt nicht letzter Handke, das kann ich schon einmal sagen. Ich glaube allerdings, dass man dieses Buch nur sehr mögen oder absolut nicht leiden kann..viele haben es bestimmt nach wenigen Seiten entnervt aus der Hand gelegt, da es eben anders ist. Wirklich viel mit Fussball hat es auch nicht zu tun, sollte man den Titel hier zu wörtlich nehmen. Bei mir hat es einen bleibenden Eindruck hinterlassen, was bei meinem Lesepensum nicht allzu oft passiert und ich will unbedingt ein von ihm geschriebenes Theaterstück sehen. Kennt es wer von euch zufällig oder kann mir ein anderes Buch von Peter Handke empfehlen?

1 comment on “[Lesenswert] Die Angst des Tormanns beim Elfmeter – Peter Handke”

  1. Als Amerikanischer Uebersetzer des TORMANNS hat mir dieser Eindruck sehr gefallen. Das Buch macht den Leser fast in einen Schizophen-Paranoiikaer wie der Bloch einer ist. Ich finde das Ender verblueffend & hab immer fantasiert, das in dem Moment wo der Ball unerwartet uaf den gefrorenen Torwart triffte er auch arretier wird. DER LANGE BRIEF ZUM KURZEN ABSCHIED sollte de Leser auch gefallen.

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