Kategorie: Reisen

[Reisen] Ausflug zu den Lakhaniya Dari Wasserfällen (nahe Varanasi)

Noch habe ich nichts über meine Zeit in Varanasi geschrieben, dabei passiert hier so viel und jeder Tag fühlt sich wie mehrere Tag an, aber ich drücke mich noch..denn das alles hier in Worte zu fassen, ist nicht einfach. Somit beginnen wir die Indien-Reihe dieses Mal mit meinem ersten Tagesausflug zu den Lakhaniya Dari Wasserfällen. Alleine kann ich in Uttar Pradesh leider nicht einfach aus der Stadt raus und durch die Natur marschieren, aber ein Freund von mir ist gerade mit seinem Motorrad hier und nahm mich mit. Was auch immer etwas risky ist, denn indisches Fahrverhalten ist einfach mörderisch (alle vier Minuten ein Unfall..). Wir haben es mit nur einem Todesfall (der Vogel flog gegen das Bike) und zwei kleinen Zusammenstössen geschafft, die etwa 100 Kilometer zu bewältigen.

Zunächst war es gar nicht so einfach, die Wasserfälle zu finden, wir haben uns mit Tripadvisor und der Beschreibung geholfen. Man fährt über Autobahn und Landstrasse bis zu einer Brücke, von wo aus man schon einen anderen Wasserfall sieht. Da parkt man dann sein Bike, kann sich was zu trinken schnappen und los geht es. Zunächst hat man noch einen Weg, danach wird über Steine und durch den Fluss geklettert, was mir zumindest richtig viel Spaß macht. Als Dorfkind haben wir früher im Wald gespielt und so fühlte sich das an. Einen Weg gibt es nicht, man sucht sich einfach seine Steine und irgendwann kommt man dann ans Ziel, den echt ziemlich hohen Wasserfall.

Zunächst waren wir einmal von der Stille beeindruckt, für Indien ist es hier enorm ruhig. Es sind auch nur wenige Menschen unterwegs, die einen zwar natürlich alle anquatschen und ein Bild wollen, aber auf eine nette Art. Später wurde uns von einem Polizisten übrigens dringendst abgeraten, zu den Wasserfällen zu gehen, da es viel zu gefährlich sei, wir hatten aber keine Sekunde ein ungutes Gefühl dort. Wir waren allerdings auch mittags da, abends im Dunkeln müsste es dann doch nicht sein.

Man kann hinter den Wasserfall klettern, was einfach nur grandios war! Man wird zwar nass (und das Wasser ist gut kalt), die Steine sind ziemlich rutschig, aber ach, man fühlt sich wunderbar frei und zumindest ich war sehr glücklich. Mir fehlt es, einfach alleine durch die Natur zu streifen, das hier war dringend nötig! Man könnte auch schwimmen gehen, das taten einige andere Besucher, aber a) war mir das zu kalt und b) trage ich in Indien keinen Bikini. Wir haben uns einfach nur an den Rand gesetzt und die Füße ins Wasser gehalten.

Beliebt ist der Ort zum Picknicken bei Studenten, die uns auch erzählten, dass der Wasserfall besonders während der Monsunzeit sehenswert ist. Dann trägt er verständlicherweise viel mehr Wasser und auch die Gegend ist noch viel grüner, jetzt hatte es teilweise eher etwas von afrikanischer Steppe. Nicht, dass ich mich beschwere, ich fand auch das toll! Man sollte für die knapp 2 Kilometer bis zum Wasserfall circa eine halbe Stunde einplanen, da man eben nicht nur laufen, sondern klettern muss und das etwas Zeit schluckt. Wenn ihr ihn besuchen wollt, kommt also nicht zu spät, wir fuhren um 11.30h in Varanasi los und das passte – bis auf die Tatsache, dass die Sonne natürlich so stand, dass Bilder vom Wasserfall nicht zu machen waren.

Ein kleiner, ruhiger und versteckter Ort, wenn man dem indischen Trubel mal für einige Stunden entfliehen und die Natur genießen will. Trotz der Tatsache, dass ich zum vierten Mal in Varanasi bin, kannte ich ihn noch nicht, da ich eben nicht einfach mal irgendwohin fahren kann, sondern immer auf die Begleitung anderer (und ihrer Transportmittel) angewiesen bin. Es gibt noch einen größeren, bekannteren Wasserfall hier, den Devdari Wasserfall und wir planen, dort mit meinem kanadischen Freund und der Familie meines Freundes hier hinzufahren. Da wir dafür aber ein Auto (und einen Fahrer, wtf) mieten müssen, sehe ich die Chancen, da auch wirklich anzukommen, als eher gering an.

Definitiv ein anderes Uttar Pradesh wie das, was ich von Varanasi gewohnt bin. Mit mehr Energie geht es jetzt in die letzten Tage Varanasi (nur noch 10!) und dann quer durch Rajasthan, wo ich dann wieder mehr Natur bekomme..hoffe ich zumindest! Kennt wer zufällig diese Wasserfälle oder war auch schon da? 🙂

[Reisen] Insel-Leben auf Koh Jum – Thailand #2

Jetzt ist es schon einen Monat her, dass ich den Süden Thailands erkundet habe, dringend Zeit, darüber zu bloggen. Mein gesamter Thailand-Trip war ja nur eine Notlösung, da ich in Indien kein Bargeld bekam und somit war ich komplett unvorbereitet. Ich kam in Bangkok an (der Bericht folgt noch) und machte mich dann erstmal in den Norden nach Chiang Mai (Bericht) auf. Von den wunderbar grünen Hügeln war ich sehr begeistert, solche Erhebungen hatte ich absolut nicht erwartet und das Leben dort war definitiv angenehm..ich wollte aber doch noch mehr sehen und machte mich von Bangkok aus mit dem Bus über Nacht auf nach Krabi (16€).

Ich habe mein Ticket vorher online gebucht und kann euch das auch nur raten, denn so kann man sich den Sitzplatz aussuchen; in der ersten Reihe hat man viel mehr Platz und Abstellfläche, was super war. Busfahren in Thailand hat definitiv was von Indien, man bekommt einen kreischenden Actionfilm auf Thai, der dank der vielen Schlaglöcher aber irgendwann aufgibt (die DVD sprang zu sehr), simultan noch Radiobeschallung, rauchende Busfahrer und insgesamt ein paar Vollbremsungen, die einen kurz innehalten lassen. Ein Lunchpaket gibt es auch, mein „Bohnenbrötchen“ hält laut Packung bis 2027 und mitten in der Nacht geht es raus aus dem Bus und in eine Halle zum Abendessen, was im Preis inbegriffen ist. Da es da leider nichts veganes gab, wurde mir eine große Sojamilch in die Hand gedrückt, was gar nicht schlecht war. Mit nur knapp 2 Stunden Verspätung kamen wir dann alle wohlbehalten an und auch das Gepäck fehlte nicht, hier wurden mir vorher echt gruselige Geschichten anderer Reisender erzählt. Den einzigen anderen Ausländer setzte man neben mich und so hatte ich gute Unterhaltung (er kam nämlich ebenfalls aus Berlin, wenn er auch kein Wort Deutsch sprach *g*).

Krabi selbst wollte ich nun aber gar nicht wirklich sehen, mich zog es gleich auf eine Insel, genauer gesagt nach Koh Jum (der Insel der Krabben). Ganz fachmännisch habe ich diese übrigens ausgesucht, indem ich „Insel, Thailand, einsam, billig“ gegoogelt habe, ich absoluter Reiseprofi. Zum Glück entschied ich mich gegen das überlaufene Koh Samui, zu der Zeit ging dort nämlich die Welt unter und Koh Lanta war mir schlichtweg zu teuer. Nach Koh Jum kommen nicht wirklich viele Menschen, wer eine einsame Insel sucht, hier habt ihr sie (noch). Man fährt mit der Fähre von Krabi nach Koh Lanta, springt unterwegs aber raus. Und zwar wortwörtlich, die Fähre hält nach circa einer Stunde und man springt (mit Gepäck) von Board in kleine Boote. Ich war zunächst noch irritiert, warum mich meine Unterkunft mehrfach nach meiner Ankunftszeit fragte, bis ich verstand, dass sie ja ein Boot schicken müssen..die Alternative, an Land zu schwimmen, war nicht wirklich optimal.

Gewohnt habe ich in der Good Morning Bungalow Anlage, einer kleinen Ansammlung von einfachen Hütten auf einem Hügel direkt über dem Strand. Die Besitzer sind sehr nett, sprechen gut Englisch, das Internet funktioniert anständig und das Essen ist auch lecker. Das Moskitonetz hatte ein paar Löcher, man spült die Toilette mit einem Wassereimer und es gibt nur kaltes Wasser zum Duschen – aber all das ist es wert, wenn man in der Hängematte liegt und vor sich hin träumt. Der Aufstieg bzw Abstieg waren zwar ganz schön steil, aber in weniger als fünf Minuten zu machen und so konnte ich Wellenrauschen auch nachts genießen, nicht aber die komplette Tsunamipanik haben. Den Strand unten hatte ich meist für mich alleine, ab und zu kam mal ein anderes Urlauber vorbeigelaufen. So einsam war es selbst auf den Andamanen nicht! Das mit dem grandiosen Panorama von weiteren Inseln in der Ferne (Kho Phi Phi)hat sich echt surreal angefühlt, richtig gephotoshopt. Die Farben in Thailand sind eine ganz andere Nummer wie hier im versmogten Indien. Man kann an dem kleinen Strand im Meer schwimmen, muss allerdings etwas aufpassen, da es viele Felsen gibt, die man erst bei Ebbe so richtig sieht. Ich marschierte für einen besseren Schwimmgenuss einfach ein paar Kilometer (ich glaube 3) am Strand entlang, kam an etwas turbulenteren (also so 15 Menschen) Hotels vorbei und fand mir immer eine neue tolle Ecke. Wer etwas luxuriöser wohnen mag, die Koh Jum Beach Villas, an denen ich vorbei lief, sahen traumhaft aus!

Neben die Seele baumeln lassen und viele Bücher lesen, kann man auf Koh Jum auch wandern. Nicht, dass ich das bei der Hitze ausgiebig gemacht habe, aber es gibt einen Berg, den man besteigen kann. Ich lief immer nur am Strand oder der Strasse entlang. Von meiner Anlage runter zur Straße gleich links gab es mit den besten Iced Thai Tea, den ich in Thailand getrunken habe und besonders gut gegessen habe ich bei Ban Ban (allerdings wie überall nur Pad Thai, zum Fisch kann ich nichts sagen). Alles auf der Insel ist etwas teurer wie auf dem Festland und Sachen wie Cola light etc sollte man das vielleicht mitbringen, denn die kleinen Läden sind jetzt nicht sonderlich umfangreich ausgestattet. Um sich auf der Insel fortzubewegen, kann man sich überall einen Roller mieten, ich bin einfach nur gelaufen, wurde aber oft angesprochen und mitgenommen. Die Leute (ganze 1000 leben hier) auf Koh Jum sind alle wahnsinnig herzlich, oftmals scheitert man zwar an der Sprache, aber gemeinsam lachen klappt trotzdem prima. Was ich vorher nicht wusste, ist, dass die meisten Bewohner Muslime sind und ich war enorm verwirrt, als ich zum ersten Mal den Muezzin habe rufen hören.

Von Koh Jum aus kann man Halb- oder Tagestouren mit dem Boot zu anderen Inseln unternehmen, zwischendurch noch Schnorcheln oder Tauchen und jeder (also alle drei Touristen, mit denen ich so sprach) erzählte mir begeistert davon. Mein Budget war leider am Ende, sonst hätte ich das gerne auch getan. Ich überlegte kurz, meinen Aufenthalt hier zu verringen (wie laut die Stille doch sein kann!) und noch zwei Tage Koh Lanta dranzuhängen, aber irgendwie war ich dann so im Nichtstun drin, dass ich mich nicht mehr aufraffen konnte. Dafür war ich nach den paar Tagen (und grandiosen Sonnenuntergängen!) aber auch wirklich tiefenentspannt und konnte mich selbst nich mehr darüber ärgern, dass eine Maus meine Sneakers angefressen hat..die Gefahren der Wildnis 😉 Apropros, natürlich könnt ihr euch auch hier überall am Strand oder in den schattigeren Palmenwäldern eine Massage gönnen, die werden hier einfach an jeder Ecke angeboten.

Von Koh Jum fährt die Fähre mittags zurück, mir war das aber zu unsicher wegen dem Bus und so legte ich noch eine Nacht in Krabi ein. Den Nachmittag erlief ich mir die Stadt, sah mir einen Tempel (Wat Kaewkorawaram) an, futterte mich durch zwei Märkte und trank natürlich noch einige Iced Thai Teas. Für mehr hatte ich ehrlich gesagt weder Zeit noch Geld, mir schwärmten aber alle vom Tiger Cave Tempel vor, solltet ihr mehr Zeit haben. Geschlafen habe ich in der Unterkunft Baan Nisarine, die primär günstig und gut gelegen war. Man muss im ganzen Haus Schuhe ausziehen und wird auf zig Zetteln belehrt, was einen etwas unschönen Charakter hat, aber für eine Nacht war’s ok. Am nächsten Tag ging es dann wieder Richtung Busbahnhof und mit nur einer Stunde Verspätung fuhren wir schließlich zurück nach Bangkok.

Dafür, dass das alles komplett ungeplant war, hatte ich auch im Süden Thailands eine tolle Zeit und kann Koh Jum jedem nur empfehlen, der mal wirklich weg von allem will (aber notfalls doch Internet haben mag *g*). Das „einsame Insel“-Feeling kann man hier noch sehr gut bekommen, besonders meine Anlage war wunderbar weg von allem und ich würde fast sagen, dass ich dort noch einmal hinfahren würde. Ich muss jetzt nicht, wie es bei Varanasi der Fall ist, aber ich würde jetzt auch nicht entrüstet aufschreien, wenn man mich da noch einmal hinbringen würde.

Seid ihr schon einmal in Thailand gewesen? Wenn ja, wo und wie hat es euch gefallen? Habt ihr eine Lieblingsinsel? Verratet sie mir doch 🙂

[Reisen] Indien & das Bargeld-Chaos

Da ich ein paar Fragen zu dem Thema „wie ist die aktuelle Geldsituation in Indien“ bekommen habe, dachte ich mir, ich schreibe mal ein paar Worte dazu. Bestimmt haben die meisten von euch am Rande mitbekommen, dass am 9. November letzten Jahres mitten in der Nacht eine Erklärung von Premierminister Narendra Modi verlesen wurde, in der alle 500 und 1000 Rupienscheine als ungültig erklärt wurden. Jupps, die Nacht, wo jeder den CNN-Livestream mit den schlimmen US-Wahlen sah 😉 Ich war zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch in Deutschland und hatte 6 Tage Zeit, mich diesem Chaos zu stellen.

Durch diesen Hauruck-Schritt war von einem Tag auf den anderen nun 85% allen Bargeldes in Indien ungültig. Um diesen Schritt nicht vorher „durchsickern“ zu lassen, waren die neuen 500er und 2000er Scheine noch nicht gedruckt worden und somit stand ganz Indien jetzt vor dem Problem, dass es nicht genug Geld gab. Das resultierte in ewig langen Schlangen vor den Banken, Chaos, Gewalt, sogar Toten und alles ging drunter und drüber. Die alten Geldscheine konnte man zu einem gewissen Tageslimit umtauschen (wenn es denn Wechselgeld gegeben hätte, aber so viele 100er Scheine sind einfach nicht im Umlauf) oder auf sein Bankkonto einzahlen. Als Tourist war man hier total aufgeschmissen, man hatte kein oder ungültiges Bargeld.

Ich landete am 16.11 morgens komplett ohne indisches Bargeld in Delhiin Deutschland kann man seine Euro nämlich nicht in Rupien eintauschen. Weder bei der Bank noch bei Wechselstuben bekommt man es und somit war mir doch etwas ungut zumute (als ich das letzte Mal in Indien war, durfte man das Geld auch nicht ausführen, somit hatte ich keine Reste mehr, zumindest ein paar kleine Scheine wären tröstlich gewesen). Ich lief zunächst an zwei Wechselstuben im internationalen Bereich vorbei, die Schilder aufgestellt hatten, dass sie kein Geld hatten. Dann probierte ich diverse Geldautomaten, die aber alle leer waren oder einfach nicht funktionierten. Um meinen Weiterflug nach Varanasi zu kriegen, musste ich das Terminal wechseln und dort gab es dann zwei Wechselstuben, die ein wenig Bargeld hatten. Man durfte pro Person aber nur 50€ maximal umtauschen, die Schlangen waren ewig, ständig stürzte das System ab und die Mitarbeiter mussten ständig weg und neues Geld holen. Ich hatte vier Stunden bis zum Weiterflug und diese verbrachte ich dort in einer sehr gestressten Menschenmenge.

Wenn man jetzt denkt, ach dann bezahle ich mit Kreditkarte, der war man noch nicht in Indien. Denn so sehr das einem von allen Seiten nahegelegt wird, es ist oftmals schlicht unmöglich (die Regierung wirbt mit bargeldlosem Bezahlen via App, die aber an ein indisches Konto gebunden ist). Die Rikscha, das Trinkwasser am Kiosk, das Obst vom Markt oder das Essen im Restaurant kann man nicht mit Karte bezahlen und somit kommt man im worst case scenario nicht einmal vom Flughafen weg. Mich holte zum Glück ein Freund ab, da musste ich meine umgetauschten 50€ (zu einem so miserablen Kurs übrigens, dass sie noch 34€ wert waren) noch nicht anbrechen. In Varanasi erwartete mich dann im Hostel die Tatsache, dass man nicht mit Kreditkarte zahlen kann, da das System komplett überlastet ist und somit nicht mehr funktionierte. Da wollte ich mich schon mit den 5% mehr anfreunden, wenn ich mit Karte bezahle, konnte es dann aber nicht tun.

Die ersten Tage vor Ort waren echt nicht schön, man kann zwar ein paar Tage von 34€ leben, es fühlt sich aber echt nicht gut an, wenn man nicht weiß, ob/wann man an Bargeld kommt. Mitte November waren die meisten Geldautomaten im Inneren von Varanasi geschlossen oder funktionierten nicht und die wenigen, die gingen, hatten wirklich enorm lange Schlangen. Dass man auch nur 2000 Rupien am Tag (also 28€) als Tageslimit pro Karte abheben konnte, hat die Sache nicht besser gemacht. Denn man hat teilweise 2-3 Stunden dort gewartet (in absolut schlimmer Atmosphäre, die sehr aggressiv-angespannt war, da das Geld aus dem Automaten ja jederzeit alle sein konnte) und bekam dann so wenig Geld. Normalerweise sind viele Touristen zu dieser Zeit in Varanasi, jetzt allerdings sah man kaum jemanden. Die meisten hatten ihre Flüge gecancelt und ganz ehrlich, ich konnte sie verstehen. Da keine Verbesserung in Sicht war, buchte ich mir schließlich zehn Tage später den einzigen Direktflug ins Ausland und verbrachte ein wenig über drei Wochen in Thailand.

Ich hoffte, dass sich die Lage bis zu meiner Rückkehr vor Weihnachten entspannen würde, zumindest Modi hatte angekündigt, dass bis zum Ende des Jahres alles überstanden sei. Mittlerweile muss ich sagen, dass das nicht so ist. Noch immer laufe ich an mehr nichtfunktionierenden wie funktionierenden Automaten vorbei. Aber man kann wieder auf Wechselstuben (mit schlechten Kursen) oder Western Union zurückgreifen, denn zumindest diese haben wieder genug Bargeld. Ich hatte die Woche Glück, ich fand einen komplett menschenleeren ATM und einen unmotivierten Sicherheitsbeamten, wodurch ich meine Karte fünf Mal hintereinander nutzen konnte. Das momentane Tageslimit von 4500 Rupien (man kriegt nur 4000, da kein Automat 500er Scheine zu haben scheint) wäre aber auch sonst schon um einiges besser. Zum Glück bezahle ich bei der DKB mit meiner Karte keine Abhebungsgebühr, das wäre sonst nämlich auf Dauer auch teuer geworden.

Ein wenig mehr Touristen sind jetzt zwar unterwegs, aber es ist trotzdem noch gähnend leer überall. Wenn man nicht weiß, wann man wieder an Bargeld kommt, hat man auch keine große Lust, Dinge zu kaufen und darunter leiden die Leute hier sehr. Egal ob Schmuckverkäufer oder Rikschafahrer, alle haben die letzten Woche nicht genug Geld verdient und so wird man jetzt noch häufiger angesprochen. Ebenso in den Restaurants, es sind nicht viele Menschen da und man isst eher das Nötigste, denn das man sich mal etwas gönnt. Besonders die Farmer haben riesige Verluste gemacht, konnte ihre Ernten teilweise nicht verkaufen und ach..man trifft verdammt viele Menschen, denen diese ganze Aktion schwer zugesetzt hat. Sinn davon war übrigens, das viele Schwarzgeld, was herumliegt, aufzuspüren, Steuerhinterzieher zu finden..irgendwelche „Erfolge“ diesbezüglich wurden von Modi in seiner Neujahrsrede allerdings nicht präsentiert. Verlierer sind wie so oft die armen Menschen, die kein Bargeld hatten in den letzten Wochen (und ewig zur Bank unterwegs waren), die ihre Jobs verloren, da sie nicht bar bezahlt werden konnten und auch für den Tourismus war das absolut keine gute Idee. Wurde die Demonetarisierung von vielen Indern zunächst noch sehr positiv angenommen, hat sich das mittlerweile geändert und sehr viele sind unglücklich mit dem gesamten Ablauf und hoffen, dass bis Ende Januar endlich wieder überall Bargeld verfügbar ist. Ich bin ja sehr gespannt, wie sich dieser Schritt auf die Wahlen auswirken wird.

Persönlich habe ich jetzt zwar genug Bargeld für den letzten Monat, wenn ich sparsam lebe, aber das kleine Problem, dass ich fast nur 2000er Rupienscheine habe, mit denen ich noch immer kein Wasser für 20 Rupien oder mein Mittagessen für 100 Rupien bezahlen kann. Man muss immer etwas teureres erwerben, um den Schein kleinzukriegen (wenn es denn genug Wechselgeld gibt), was nervt und auch wieder umständlich ist – aber ich höre auf zu meckern, ich habe immerhin Geld.

Als Tipp würde ich euch geben, dass ihr zunächst am Flughafen probiert, so viel Geld aus dem Automaten zu kriegen wie geht, das müsste mittlerweile wieder funktionieren. Wenn nicht, lasst euch dort (auch zu dem miesen Kurs, nicht bei Thomas Cook, sondern der anderen Wechselstube, die weniger Kommission nimmt) etwas Geld umtauschen, denn man will den Urlaub ja nicht auf der Suche nach Geldautomaten verbringen. Zur Lage in Delhi kann ich nämlich leider nichts sagen, da ich noch nicht dort war, aber hier in Varanasi muss man noch immer nach offenen, funktionierenden und mit Geld bestückten Automaten suchen. Solltet ihr die Tage herkommen, kann ich euch gerne meinen (hoffentlich noch immer intakten) Glücksgriff zeigen, keine Schlange kann ich allerdings nicht versprechen.

Insgesamt eine sehr interessante Erfahrung, die ich nie im Leben erwartet hätte und jetzt auch nicht noch einmal bräuchte. Kaum Geld zu haben und keine Ahnung, wann man wieder welches kriegt, ist nämlich wirklich keine angenehme Situation und ich bin sehr dankbar, dass ich so privilegiert bin, dass ich mir einfach ein Flugticket aus der Misere kaufen konnte. Es hat zwar mein gesamtes Budget gesprengt, aber dafür habe ich jetzt auch einmal Thailand gesehen und mir dort immerhin keine Gedanken um Bargeldnachschub machen müssen. Seid ihr schon einmal in solche einer Situation oder sogar in letzter Zeit in Indien gewesen? Sind eure Erfahrungen ähnlich der meinen aus Varanasi?

[Lesenswert] Reisemagazine: Lonely Planet & America Journal

Als ich am Flughafen unterwegs zu meinem Gate war (Air India, wo es so gar nichts gab..), kam ich bei Singapore Airlines und deren verdammt vollen Zeitschriftenregal vorbei. Mir sprangen sofort die Zeitschriften ins Auge und ich habe keine andere Entschuldigung, außer dass ein 8-Stunden-Flug inklusive Langeweile vor mir lagen..ich packte doch glatt zwei Magazine ein. Bis dato wusste ich weder, dass es ein lonely planet traveller Magazin noch ein America Journal gibt, denn auch wenn das Reisen und das Darüberschreiben meine Leidenschaft ist, selbst lese ich Reisemagazine und -reportagen selten. Was einfach daran liegt, dass ich die Sachen selbst zum ersten Mal erleben will und nicht schon mit so vielen Annahmen an den jeweiligen Ort herangehen mag. Als Inspiration reicht mir irgendwie schon eine Weltkarte, um zu sehen, wo ich als nächstes hinwill.

lonely planet Traveller (monatlich, 6€)

Als ich „Eisbären in Kanada“ auf dem Titel las, war ich hin und weg. Churchill steht seit Jahren auf meiner „wenn ich im Lotto gewinne, geht es dort sofort hin“-Reiseliste und letztes Jahr war ich in Winnipeg echt nah dran, es irgendwie möglich zu machen. Die Bilder in diesem Heft haben mich jetzt noch mehr überzeugt und ach, vielleicht ist es doch dieses Jahr irgendwie möglich, meinen ersten Eisbären zu treffen. Ansonsten ist das Heft eine Mischung aus Reisereportagen, Tipps, Leserempfehlungen und viel Werbung. Den Preis finde ich dafür zu hoch, die viele Werbung – wenn auch thematisch passend – nervt nämlich doch.

Die „Concierge-Tipps“, eine der Topstories, waren jetzt auch eher lahm, irgendwie nichts, was man nicht doch schon mal gelesen hat (und Java als Geheimtipp, nuuuunja). Aber klar, es ist lonely planet und den unbekannten „da musst du hin“-Ratschlag findet man hier nicht mehr. Mehr angesprochen haben mich da die Tipps anderer Reisender, da verlasse ich mich online bei Hotelbuchungen auch immer drauf. Kurzweilige Unterhaltung und tolle Bilder findet man aber allemal und sollte ich wieder kostenlos über das Heft stolpern, nehme ich es gerne mit. Die aktuelle Januarausgabe dreht sich übrigens um Florida, hat aber auch Portland (eines meiner Reiseziele für 2017) im Angebot!

 

AMERICA JOURNAL (zweimonatlich, 5,50€)

Beim Lesen dachte ich ständig, dass das genau was für meine Mama ist. Das Heft ist eine Mischung aus Reisereportagen, Informationen, News und Trends aus den USA. Man bekommt hier „tiefgründigere“ Stories als im lonely planet, es ist mehr Lesegenuss denn reine Aufnahme von neuen Infos. Wunderschöne Bilder, die Lust aufs Reisen machen, gibt es hier nicht zu knapp – leider aber quillt auch hier wieder enorm viel Werbung durch die gesamte Ausgabe. Wobei ich mich gerade frage, ob mir das vielleicht nur so extrem auffällt, da ich online nur mit Adblocker lebe und ja kaum noch richtige Zeitschriften lese. Ich fand es einerseits etwas nervig, andererseits kann man sich aber z.b. auch noch mehr kostenloses Infomaterial zusenden lassen, was dann ein Pluspunkt trotz Werbung ist.

Besonders passend war die Ausgabe dank dem „Oregon und Idaho“-Teil wieder für mich und ich habe ein paar spannende Infos für mich mitnehmen können. Den Hawaii-Teil fand ich ebenfalls sehr anregend, die Inseln will ich auch unbedingt noch kennenlernen, das hat aber noch ein paar Jahre Zeit. Ein bisschen Tipps von anderen Reisenden gab es auch noch, was für mich bei eigentlich keinem Reisemagazin fehlen darf. Insgesamt habe ich mich vielleicht eine Stunde mit der Zeitschrift vergnügen können, da hatte ich aber auch alles gelesen.

Mein Ausflug in die Print-Reisemagazinwelt hat mir gezeigt, dass ich in nächster Zeit kein Abo abschließen werde. Beide Magazine waren ein kurzweiliger, inspirierender Genuss, aber mit viel zu viel Werbung versehen. Wenn man online lebt und dort nach Reisereportagen auf Blogs zu bestimmten Themen sucht, bekommt man keine schlechteren Ergebnisse, ich vertraue ihnen sogar mehr als einem glänzenden Magazin. Auch sind die Hefte einfach sehr dünn und dann 5-6€ für eine Stunde Lesen, nee..da können die Eisbärenbilder noch so schön sein!

Lest ihr gerne Reisemagazine und lasst euch inspirieren oder gar Reisebücher? Hat wer vielleicht sogar eines der beiden hier im ABO oder sind sie auch eher nichts für euch, da ihr alles unvoreingenommen entdecken wollt? 

[Reisen] Unterwegs in Chiang Mai!

Vom Bangkok aus, ging es fuer mich mit dem Zug nach Chiang Mai. Ich entschied mich fuer die billigste Klasse (ok, die zweitbilligste war ausgebucht und mehr wollte ich dann doch nicht ausgeben), was mich gerade einmal 270 THB (7€) fuer 14 Stunden Reisevergnuegen gekostet hat. Das Ticket koennt ihr direkt am Touristenschalter im Bahnhof kaufen und zumindest in meiner Klasse sollte immer noch etwas frei sein. Dafuer kriegt man aber weder eine Liege noch sonstige Annehmlichkeiten, man hat einfach einen Sitzplatz und wenn man Glueck hat, sitzt keiner neben einem und man kann versuchen, sich irgendwie auf die zwei Plaetze zu legen. Es sei angemerkt, dass das mit 1,76m nicht moeglich ist und die Sitze seeeeehr unbequem sind, aber hey, so reise ich eben. Nehmt am besten den Zug, der um 22.00h von Bangkok aus startet, denn so habt ihr noch den ganzen Tag in der Stadt, spart euch das Hotel und kommt morgens im Hellen durch einmalig schoene Waelder und Berge. Da waren die naechtlichen Strapazen gleich wieder vergessen! Mein Zug kam auf die Minute puenktlich in Chiang Mai an, ganz schoen verrueckt. Unterwegs verhungert ihr auch nicht, an jedem Bahnhof kommen Haendler, aber auch so gibt es Essen und Trinken im Zug – wenn man nicht ganz so low maintenance ist wie ich, da mir Wasser und Cashews vollkommen ausgereicht haben 😉

In Chiang Mai habe ich im JN Boxtel geschlafen, was ich euch auch absolut empfehlen kann. Die Lage ist super, da es zwar noch im inneren Altstadtbereich liegt, aber sehr ruhig ist und man gut schlafen kann. Jeder bekommt eine kleine Box, die zwar zuerst klaustrophobisch beklemmend aussah, dann aber doch mehr als bequem war. Drin hat man seine eigene Klimaanlage, eine harte Matratze, Ablagemoeglichkeiten und sogar einen kleinen Klapptisch. Das sehr saubere Bad teilt man sich mit den anderen Gaesten, was waehrend meines Aufenthaltes nur eine Person war, somit war das auch super. Recht gutes Internet haben sie auch und man kann sich auch unten in den grossen Aufenthaltsbereich setzen. Der Besitzer ist supernett und auch die Mitarbeiterin war sehr freundlich, nur sprach sie leider kaum Englisch (was mich echt ueberrascht, wie oft Menschen im Tourismusbereich hier kein Wort verstehen).

In Chiang Mai besucht man hauptsaechlich Tempel, davon gibt es hier naemlich ueber 200 Stueck. Die meisten kosten keinen Eintritt und sind auch absolut einsam, lediglich die touristisch gepimpten sind dann gleich etwas voller und eben mit einem kleinen Eintritt. Mir gefiel besonders gut der Wat Sri Suphan, da dieser silbern ist und somit einfach aus der Masse herausstach. Die Kunstarbeiten im Tempel sind auch absolut sehenswert, leider darf man als Frau nicht hinein, ich musste meinen Begleiter mit Foto reinschicken.

War ich dort fast alleine und konnte die Stille geniessen, so war mein zweitliebster Tempel, der Wat Chedi Luang das komplette Gegenteil. Sehr voll und laut zunaechst, somit fluechtete ich erst in den alten Teil, nutzte dann die Chance zum Monk Chat (man kann mit Moenchen ueber alles moegliche philosophieren) und ging dann zum Gebet um 18.00h. Da war ich dann ziemlich allein mit anderen Thais sowie Moenchen, man darf aber daran teilnehmen, nur eben im Hintergrund sitzen – wenn ihr die Zeit habt, nehmt das mit!

Da ich mich moralisch nicht zu einem Elefantenfarm-Besuch motivieren konnte (man weiss ja nie, ob sie die Tiere wirklich gut halten, also bin ich da raus) und nicht so fuer einen Kochkurs brenne, was viele hier machen, entschied ich mich, bei angenehm feuchten 32 Grad um 11.30h einfach mal zu einer 25km Wanderung aufzubrechen. Es ging zunaechst durch die komplette Stadt und dann den Monk’s Trail hoch zum Doi Suthep. Der Weg ist nicht sonderlich gut ausgeschildert, ich orientierte mich gut mit diesem Blogpost.

Hier wandert man ziemlich einsam quer durch den Dschungel, trifft riesige, wunderschoene Schmetterlinge, kommt an einem weiteren, sehr idyllischen Tempel vorbei und steht schliesslich oben vor all der goldenen Pracht. Es ist im zweiten Abschnitt teilweise sehr steil, nehmt genug zu trinken und vielleicht ein Shirt zum Wechsel mit, um den Tempelbesuchern oben einen Gefallen zu tun 😉 Aber absolut machbar, auch bei meiner miesen Kondition und oben kann man dann mit dem Blick ueber Chiang Mai und einem Smoothie entspannen. Da ich ein wenig dickkoepfig bin, lief ich den kompletten Weg auch wieder zurueck und kam dann doch fix und fertig und sooo hungrig wieder bei meinem Hostel an, man sieht es etwas, wuerde ich sagen:

Apropos Essen, Chiang Mai ist absolut auf Westler (Vegetarier & Veganer) eingestellt, an jeder Ecke findet ihr hier etwas leckeres. Ich war auf dem Saturday Night Market, wo ich einfach gutes Pad Thai, Morning Glory (scharfer Wasserspinat) und Gemuesewraps am Strassenstand fand, restaurantmaessig kann ich euch aber das Morning Glory sehr empfehlen. Komplett vegetarisch, auf Wunsch ist vegan auch kein Problem, kochen die sehr sympathischen Besitzer jedes Essen frisch und es schmeckt einfach wahnsinnig gut. Ich war in kurzer Zeit zweimal da, was ich eigentlich nie mache, das sagt also alles!

Ebenfalls sehr schoen, wenn auch absolut berlin-hipsterhaft ist die Seescape Gallery, wo der Smoothie nur nach Instagram schreit, aber auch verdammt lecker ist. Dass es nebenbei Kunst und einen tollen kleinen Shop gibt, erwaehne ich auch noch gerne. Ansonsten habe ich mich an Thai Ice Tea, Smoothies an Strassenstaenden und gebranntenen Nudeln sattgegessen und mir auch noch ein paar Kaffee gegoennt, die ich in Indien so dann nicht wieder kriegen werde.

Eigentlich wollte ich mir noch eine Massage goennen, da diese hier in Nordthailand weniger schmerzhaft und dafuer guenstiger sein sollen. Ausgesucht hatte ich mir das Chiang Mai’s Women Correctional Institute, wo man von Gefangenen massiert wird – eine Stunde kostet hier 200 THB. Die Frauen erhalten waehrend ihrer Haft eine umfangreiche Ausbildung, danach bekommen sie so die noetige Praxis und haben nach ihrer Entlassung eine neue Chance, einen Job im Leben zu finden. Den Ansatz finde ich absolut richtig und haette ihn gerne unterstuetzt, es war dort aber schon morgens (sie oeffnen um 8) so voll, dass ich nicht so lange warten wollte. Mal sehen. ob ich im Sueden noch eine Massage bekommen werde – in Bangkok habe ich mir ja immerhin eine Fussmassage gegoennt.

Und dann war meine Zeit in Chiang Mai leider schon wieder um, die Zeit verfliegt beim Reisen ja nur so! Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen lowbudget-Einblick geben und vielleicht ja die ein oder andere Idee, was ihr bei eurem Aufenthalt machen koennt. Ich freue mich, diesen Ort kennengelernt zu haben und bin besonders von der Natur noch immer hin und weg!

Seid ihr schon einmal in Thailand gewesen? Wenn ja, wo und wie hat es euch gefallen? Fuer mich geht es nun ueber Krabi nach Koh Jum, wobei ich diese Insel komplett wahllos ausgesucht habe, ich glaube aber, dass sie mir richtig gut gefallen wird, da ich eben nicht massentouristisch ueberlaufen, sondern eher Einsamkeit am Strand suche. Danach ist mein Thailandtrip auch schon fast vorbei und es geht zurueck nach Indien – wobei, wenn ihr noch einen Tipp fuer Bangkok habt, nur her damit, vor meinem Abflug habe ich da noch etwas Zeit!

[Reisen] Ausflug in die Löwenstadt Braunschweig #2

Gestern habe ich euch schon von meinen ersten Eindrücken über Braunschweig berichtet, heute geht es um die Neueröffnung des Herzog Anton Ulrich-Museums (HAUM), dem eigentlichen Grund meines Kurztrips in die Löwenstadt. Nach einem gemeinsamen Frühstück im Hotel ging es auch gleich zum Museum, wo wir zunächst in entspannter Runde plauderten und alles über den sieben Jahren dauernden Umbau des Museums erfuhren. Diesen Blick hinter die Kulissen fand ich wahnsinnig spannend, ging ich während meines Ethnologiestudiums auch ständig im Völkerkundemuseum ein und aus. Jeder Museumsalltag ist anders, der im HAUM klang sehr spannend und abwechslungsreich!

HAUM Braunschweig

Rembrandt Familie

Im Anschluss bekamen wir eine Hintergrundführung im Museum, wo uns die einzelnen Raumkonzepte erläutert und einige der über 4000 Kunstwerke detailliert erklärt wurden. Ich hätte unserer sympathischen Führerin ewig zuhören können, man bekommt durch ein wenig Hintergrundwissen einen ganz anderen Blick auf das jeweilige Kunstwerk – so ging es übrigens nicht nur mir, wo immer wir stoppten, bildete sich eine Menschentraube, da auch die anderen Besucher zuhören wollten. Zur Eröffnung war das Museum eine Woche eintrittsfrei (sonst 9€/7€), was sehr gerne von der Bevölkerung aufgenommen wurde – ich werde definitiv noch einmal kommen, wenn es wieder leerer ist!

HAUM Braunschweig

HAUM Braunschweig

Nach der Führung hatten wir noch etwas Zeit, die drei Etagen mit insgesamt 38 Ausstellungsräumen zu bewundern, ich war nur irgendwann gar nicht mehr aufnahmefähig. Die einzelnen Räume sind mit farblich passenden Wänden gestaltet, was man mag oder eben nicht. Mir persönlich gefällt diese Abwechslung sehr gut, da wird man immer wieder neu stimuliert und schaltet nicht ab und gleichzeitig unterstreichen die Farben die Stimmung der einzelnen Themen.

HAUM Braunschweig

Noch ist das Museumsbistro geschlossen, ab 2017 wird man sich dort aber eine Pause gönnen können, bevor man sich weiter auf Erkundungstour macht. Im oberen Stockwerk gibt es viele Skulpturen und Angewandte Kunst, man wird mit der Masse einiger Sammlungsbestände (Email, Majolika, Fürstenberg-Porzellan) fast schon erschlagen, so viel gibt es. Für mich von Interesse waren auch die ostasiatischen und ethnologischen Objekte, die ich gar nicht erwartet hatte, richtig umgehauen hat mich aber der Raum für junge Kunst. Diese Intervention mitten zwischen den Sammlungen sieht man nicht kommen, man betritt durch die Tür eine vollkommen andere Welt und die im Moment gezeigten Installationen von Wolfgang Petrick sind genau mein Ding! Grotesk, morbide, aber irgendwie doch schön, haben sie mich sehr an der Heidelberg Project in Detroit erinnert.

HAUM Braunschweig

HAUM Braunschweig

Unsere Gruppe war nach dem Besuch gemäß des Museumsmottos „frisch verführt“ und einfach nur begeistert. Dass es solch eine beeindruckende Sammlung in Braunschweig gibt, ich hätte es nie erwartet und fühle mich wie ein Banause. Auch meine Familie und Freunde, denen ich allen schon davon erzählt habe, sind ganz erstaunt, nie hatte jemand von dem Museum gehört. Das muss schleunigst geändert werden und vielleicht kann ich ja auch einen von euch mit diesem Beitrag motivieren – da können sich einige Museen in Berlin, die viel mehr gehyped werden, nämlich mal eine Scheibe abschneiden!

HAUM Blogger

Leider hatten wir alle noch ein enges Tagesprogramm, weswegen wir uns nur noch schnell für ein Gruppenbild in der Sonne versammelten und uns dann trennten. Mit dabei waren Alexandra & Matthias, Anna, Eva, Jessica, Melanie, Ulrike und Maria und ich habe mich besonders darüber gefreut, dass auch Bloggerinnen aus Braunschweig direkt dabei waren, so konnte man noch ein paar Insidertipps erhalten.

Braunschweig

Braunschweig Kloster

Für mich ging es dann zunächst mit Eva in das Kloster St. Aegidien, worin sich auch das Jüdische Museum befindet. Erneut ging ich ohne wirkliches Vorwissen dorthin und wir hatten so eine spannende Führung, ich bin begeistert, man merkt, dass auch hier einiges an Herzblut drinnen steckt. Davon abgesehen beeindruckt das Gebäude an sich natürlich schon und man fühlte sich in eine andere Zeit versetzt; wer dem Trubel der Stadt etwas entfliehen mag, kann das hier in kürzester Zeit zu Fuß tun. Danach huschte ich zur Touristinfo und schnappte mir meinen Audioguide „Fokus Mittelalter“. Leider hatte ich nicht mehr allzu viel Zeit und musste mich auf einige Sehenswürdigkeiten beschränken – schön gemacht ist er aber und wer keine Lust auf eine Führung mit Guide hat, kann hier getrost auf eigene Faust losziehen!

Braunschweig Audiotour

York Schmitz

Für mich ging es dann noch zum Handelsweg, wo ein paar kleine Galerien, das sehr schöne Cafe (mit Plattenladen & Ausstellungen) Riptide sowie ein paar nette Interior Design Läden sind. Im ein Raum entdeckte ich eine Ausstellung von York Schmitz, die ich ganz für mich alleine hatte, was nach dem Andrang im Museum eine willkommene Abwechslung war. Bevor mein Zug fuhr, traf ich mich noch einmal mit Melanie und Anna beim Happy Rizzi Haus, was ein nunja sehr speziell aussehendes Haus ist (die Modekette New Yorker hat hier ihre Büros). Danach verzweifelten wir ein wenig bei dem Besuch, ein Cafe mit noch drei Plätzen zu finden und schlussendlich landeten Melanie und ich irgendwo am Kornmarkt.

Happy Rizzi Haus

Ihr merkt es, ich bin von Braunschweig absolut begeistert und schäme mich fast ein wenig, noch nie zuvor mal aus dem Zug ausgestiegen zu sein. Ich habe zwar schon einiges gesehen, aber im Sommer muss ich doch noch einmal wiederkommen, das Museum alleine in Ruhe besuchen und mich bei schönem Wetter durch die Stadt treiben lassen. Vielleicht gefällt mir die Stadt so gut, da es irgendwie (wenn man meinen Vornamen mal nimmt) eben auch meine Stadt ist und es wirklich an jeder Ecke Löwen gibt!

Braunschweig

Seid ihr schon einmal in Braunschweig gewesen? Vielleicht ja sogar schon im neu eröffneten HAUM? Für Kunstliebhaber kann ich es nur empfehlen und von Berlin aus ist es auch wirklich nicht weit weg. Hätte ich mehr Zeit gehabt, rund um Braunschweig gibt es auch noch viele Wanderwege, die laut Internet sehr schön sein sollen..aber das macht im Sommer auch mehr Spaß! 🙂

Vielen liebe Dank an das Herzog Anton Ulrich-Museum sowie das supernette Team vom Stadtmarketing Braunschweig!

[Reisen] Ausflug in die Löwenstadt Braunschweig #1

Was Kurztrips in deutsche Städte angeht, so bin ich eine echte Niete. Zwar kann ich die meisten Orte geographisch recht gut auf der Karte einordnen, mehr als den Bahnhof habe ich aber selten gesehen. So ging es mir auch mit Braunschweig. Seit Jahren schon stoppe ich mit dem ICE dort auf dem Weg nach Berlin, ausgestiegen bin ich nie. Einmal fuhren wir mit einem Sprinter runter nach Darmstadt und nahmen kurz vor Braunschweig am Flughafen zwei Hasen (jupps, das Leben ist manchmal komisch) für eine Familie mit, die ihnen in Südhessen ein neues Zuhause gegeben haben. Doch auch damals konnten wir uns leider nicht motivieren, mal in die Stadt zu fahren. Was ein absoluter Fehler war, denn ich bin soooo begeistert von der Löwenstadt, die ich nun dank dem lieben Team vom Stadtmarketing erleben durfte! Tausend Dank noch einmal für diesen tollen Aufenthalt in „eurer“ Stadt, ich verstehe mittlerweile, wieso ihr hier so gerne lebt! Der Name „Löwenstadt“ ist hier übrigens echt Programm, ich habe zu Beginn meines Aufenthaltes noch jeden Löwen fotografiert, das wurde aber schnell zu viel, denn sie sind überall!

Braunschweig

Fokus unserer Bloggerreise lag auf der Neueröffnung des Herzog Anton Ulrich-Museums, darauf gehe ich im morgigen Beitrag ein. Heute will ich euch ein paar Eindrücke von der Stadt geben und was wir dort noch so gemeinsam als Gruppe getan haben. Von Frankfurt aus fuhr ich mit dem ICE schon sehr früh los und hatte somit noch den gesamten Nachmittag zur Verfügung, bevor es zum gemeinsamen Kennenlern-Abendessen ging. Vom Bahnhof aus kann man schnell in die Stadt laufen, wo ich an einem schönen Park mit Fluß (die Ocker geht einmal um die Stadt herum) vorbeikam und erstmal eine Pause an der frischen Luft machte. Untergebracht wurden wir im Best Western City Hotel, welches ich euch nicht unbedingt empfehlen würde, die Mitarbeiter sind allerdings alle enorm freundlich und ließen mich mein Gepäck schon mal dort lagern.

Braunschweig

Vom Hotel aus stolperte ich direkt ans Hauptpostamt (ein herrliches Gebäude), lief ein paar Meter und stand auf einem großen Platz, der mir signalisierte, hier bist du in der Fußgängerzone. Diese ist übrigens riesig, ich verlief mich auch gleich mal, aber zum Glück stehen immer wieder Orientierungsschilder an der Seite. Von der Architektur her die Altstadt eine schöne Mischung aus historischen Häusern, einige noch mit Fachwerk und neueren Geschäftsfassaden, was aber gut funktioniert. Fachwerk kenne ich aus dem Odenwald zwar zur Genüge, aber immer nur in kleineren Dörfern, nie so sehr in einer Stadt und davon musste ich (trotz Regen) einige Fotos machen.

Braunschweig

Erste Anlaufstelle waren der Dom und die Burg Dankwarderode, wobei ich ersteren gleich besichtigte. Kostet keinen Eintritt und man bekommt noch einen ehrenamtlichen Guide dazu, super! Heinrich der Löwe ließ den Dom mit seinen romanischen Kunstwerken für seine Frau Mathilde und sich errichten und man kann hier ihr Grabmahl besichtigen. Besonders interessant fand ich den siebenarmigen Leuchter, der über dem Marienaltar thront und etwas fehl am Platz wirkt. Die Burg Dankwarderode bietet mit dem gesamten Domplatz ein hervorragendes Motiv für Bilder und ich wüsste jetzt schon, dass all meine nordamerikanischen Freunde vor Begeisterung juchzen würden!

Braunschweig

Für mich ging es weiter ins Schlossmuseum, denn dieses wollte ich mir unbedingt angesehen. Genauer gesagt, hat Christo vor dem Museum die Installation Package on a hunt stehen, die ich sehen musste. Normalerweise ist seine Kunst zeitlich beschränkt, dieses Werk wird allerdings nicht wieder ausgepackt und ach, ich stand dümmlich grinsend auf diesem trubeligen Platz, wo der Wagen stand und sonst von niemandem beachtet wurde. „Hallo, sie laufen hier an grandioser Kunst vorbei“, kam mir ein paar Mal leise über die Lippen!

Das Schlossmuseum selbst ist auch ein kleiner Geheimtipp von mir, bei 3€ Eintritt waren meine Erwartungen nicht sehr hoch, wurden aber um einiges übertroffen. Noch recht neu, ist das Museum sehr interaktiv gestaltet, man erhält einen Audioguide und kann sich selbst durch die Ausstellung führen. Es gibt viele Informationen, Geschichten, Musik und man kann z.b. im weißen Saal an einer gedeckten Tafel Platz nehmen, während man dem Guide zuhört. Eine herrliche Spielerei, mit der ich etwas über eine Stunde Spaß hatte. Viel besucht war das Museum nicht, ich fühlte mich ein wenig, als würde ich in meinem neuen, sehr schönen Schloss herumspazieren.

Braunschweig

Braunschweig

Braunschweig

Apropos Schloss, hier fiel ich doch wirklich meiner Unwissenheit zum Opfer und hätte unsere gemeinsame Stadtführung echt früher gebraucht. Wenn ich Schloss denke, dann sehe ich ein altes, imposantes Gebäude vor mir. Ich komme also zum Schlossplatz, sehe die Quadriga und gehe durch die großen Tore des Gebäudes – und stehe mitten in einem gigantischen Einkaufszentrum. Was war ich verwirrt! Statt meines Museums sah ich nur Rolltreppen, Geschäfte und herumwuselnde Menschen mit Taschen. Das „neue“ Schloss steht aber noch gar nicht mal so lange, davor war es ein Park und davor stand das Schloss schon einmal. Damit es möglichst historisch korrekt aussieht, wurden beim Neubau viele original Teile verwendet und als Kompromiss wurde nicht nur Schloss, sondern auch Einkaufszentrum daraus. Absolut verrückt, wenn man überlegt, dass man mal kurz zu DM will und dafür ins Schloss muss. Klingt nicht ganz nach meinem normalen Lebensstandard, nach dem ersten Schock hatte ich aber Spaß darin und nutze diese skurrile Situation für eine kurze Pause aus (gutes, kostenloses WLAN gibt’s natürlich auch).

Apotheke Braunschweig

Nun wurde es Zeit für das Kennenlernen der anderen Blogger, wir bekamen nämlich eine Stadtführung. Leider regnete es etwas und wurde auch schon dunkel, aber ich mag solche geführten Entdeckungen sehr und unserer Führerin, Frau Billmann, brachte uns die Geschichte der Stadt amüsant näher. Man kann diese Führung (und noch viele mehr) im Tourismusbüro der Stadt buchen – oder sich dort einfach informieren lassen, was man so machen kann. Insgesamt bekam ich zu den meisten Orten, an denen ich den Tag über schon vorbeilief, nun ein paar Sätze und konnte alles besser einordnen – Braunschweig hat spannende Ecken! Im Anschluss ging es in die Apotheke, die wann immer ich davor/danach dran vorbeilief, enorm gut besucht war. Dort verbrachten wir einen schönen Abend mit gutem Essen (probiert unbedingt die hausgemachten Limonaden) und noch besseren Gesprächen und ich freute mich schon darauf, den nächsten Tag mit diesen lieben Bloggern verbringen zu dürfen. Unser Highlight – der Besuch des HAUM – stand ja noch auf und so ging es nicht allzu spät ins Bett!

[Reisen] 3 Monate Indien!

Es ist mal wieder Zeit, meinen Rucksack zu schultern, den Dreamliner von Air India zu besteigen (wenn er denn nicht wieder einfach gestrichen wird, ohne dass einem Bescheid gesagt wird) und nach Indien, genauer gesagt nach Varanasi, zu fliegen. Nach dem zwar wunderschönen, aber wirklich verflucht kalten kanadischem Winter letztes Jahr, zieht es mich dieses Mal in wärmere Gefilde. War eigentlich Madagaskar (und ein Zwischenstop auf einer griechischen Insel, wobei ich davon nicht wirklich angetan war) geplant, kommt das Leben meist doch anders als geplant und so sitze ich heute Abend eben wieder im Flieger gen Osten 🙂

Für mich ist es jetzt das vierte Mal Indien, hätte man mir das mal vor zehn Jahren erzählt, ich hätte es nicht geglaubt. Damals war ich noch im Grundstudium (Ethnologie) mit Schwerpunkt Australien, wollte dorthin und nach Papua-Neuguinea. Aber nach 3x sechs Monaten Indien davon (sechs Monate in Delhi und 12 Monate in Varanasi) fühle ich mich dort schon fast zuhause und ja, vermisse es. So beschwerlich das Leben manchmal ist (kein Strom, Wasser, Internet), so atemberaubend ist es gleichzeitig und ich freue mich schon so sehr darauf, den ersten Affen und den ersten Wasserbüffel zu treffen – von all meinen Freunden dort erst zu schweigen, mit denen ich trotz fast drei Jahren ohne Besuch noch Kontakt habe. Wer etwas über meine vorherigen Besuche lesen mag, auf Viva Varanasi habe ich ein wenig geschrieben.

Diesmal werde ich aber auch hier von meinen Erlebnissen berichten, so oft es nur geht und versuchen, möglichst viele meiner Eindrücke zu teilen. Bei Fragen zum Reisen durch Indien (z.b. alleine als Frau, das bekomme ich recht oft) könnt ihr mich gerne anschreiben – oder solltet ihr zufällig in den nächsten Wochen durch Nordindien reisen, kommt doch mal vorbei! Varanasi ist die Stadt, die ich jedem Indienreisenden ans Herz leben würde, an so einem atmosphärisch aufgeladenen, historisch sich so bedeutsam anfühlenden Ort war ich in meinem Leben sonst noch nie. Die Menschen, die man hier trifft – sowohl Einheimische als auch Reisende – sind so herzlich und offen, ich kann die guten, tiefgründigen Gespräche gar nicht mehr aufzählen, die ich hier geführt habe und mit so vielen noch immer eine Verbindung (und seien es nur drei FB-Nachrichten im Jahr) habe. Dieses Mal wird wohl auch das erste Indienjahr sein, wo ich keinen Besuch bekomme, also entweder alleine reisen oder jemanden vor Ort kennenlernen werde!

Dieses Mal sind es jetzt „nur“ drei Monate, die wahrscheinlich nur so verfliegen werden, aber mittlerweile kenne ich meinen Körper und weiß, dass er ab Monat 5 in Indien einfach nicht mehr kann, nur noch auf Reserve läuft und wenn dann die falsche Mücke zusticht, wird es echt nicht mehr schön. Dann kriegt man noch vom Arzt auf der Straße ein Medikament, ohne Verpackung etc und findet heraus, dass man auf das Antibiotika allergisch ist..insgesamt würde ich sagen, hat mein Überlebenswille dieses Mal bei der Flugbuchung dominiert und gesagt, das reicht!

Sehr freue ich mich übrigens darüber, dass ich dieses Mal mein iPhone mitnehme und so halbwegs gute Bilder machen kann (sonst hatte ich nur ein „wird dir nicht geklaut“-uralt Handy dabei, was gar nichts konnte) und wenn ich genug Platz habe, darf sogar noch meine „richtige“ Kamera mit. So oft erzähle ich nämlich von Momenten in Indien, die mir einfach keiner glauben will..und so kann ich sie dann einfach mal zeigen und auch mit euch teilen. So normal Indien für mich ist, so exotisch ist es ja für viele andere immer noch..dabei wäre ich z.b. auf Mallorca verloren, für mich absolut unbekanntes Terrain 😉

Neben unendliche Mengen an leckerstem vegetarischen Essen in mich stopfen, werde ich natürlich auch die Orte meiner Forschung für die Doktorarbeit besuchen und schauen, wie Varanasi sich sonst so verändert hat. Bevor es zurück nach Deutschland geht, werde ich auch noch einmal für ca eine Woche nach Delhi, Freunde vom Goethe-Institut (da war ich mal Praktikantin) treffen, die Stadt neu entdecken und viel Kram einkaufen (das Tolle bei Air India ist nämlich, dass man 2x 23kg frei hat, wenn man es nur irgendwie zum Flughafen bekommt *g*). Wenn ich dann vielleicht noch jemanden für einen Kurztrip finde und die Straßen frei sind, soll es über Weihnachten herum noch nach Kathmandu gehen (so viel zu ich entfliehe der Kälte, ab in den Himalaya) und nach Kalkutta zu einer Hochzeit..aber das wird nicht geplant, sondern einfach getan!

Ich hoffe, ihr habt Lust auf dieses Indien-Abenteuer mit mir, natürlich gibt es auch andere Beiträge, ich bloggte auch noch einiges vor, sollte das Internet wirklich noch so crappy wie vor drei Jahren sein..ab 16.2. ist dann wieder alles beim Alten bzw ich zumindest wieder in Deutschland. Für wie lange, wer weiß! 🙂 Seid ihr schon einmal in Indien gewesen oder steht es auf eurer Reise-Liste? Dann nur zu!

[Reisen] Mein Urlaub auf den Färöer-Inseln!

„Wo fährst du hin?“ war wohl so ziemlich die häufigste Reaktion, als ich erzählte, dass ich auf die Färöer-Inseln fahren werde. Haben die meisten zwar schon mal gehört, aber wo diese Inseln so genau liegen, war dann schon eher unbekannt. Sie befinden sich grob gesagt zwischen Island und Schottland und sind autonom, gehören aber zur dänischen Krone. Hin kommt man auch sehr gut von Kopenhagen aus mit der eigenen Airline Atlantic Airways, die Strecke fliegen sie einmal täglich. Ich persönlich wollte hin, seit ich in Island war, da mich besonders die Landschaft dort wahnsinnig neugierig gemacht hat. Ein paar Tage Ruhe von der Welt fand ich aber auch ganz gut. Normalerweise sind die Färöer-Inseln verdammt teuer, ich bin aber gerade nach der Saison geflogen, habe in günstigen Hostels gewohnt und eben von Nudeln gelebt – dann kann man sich das auch mal leisten.

Bevor ich euch in einem weiteren Beitrag alles über meine Erlebnisse erzählen, Tipps und Tricks verraten werde und was sich vielleicht nicht so sehr lohnt, habe ich aber erst einmal ein kleines Video zusammengeschnitten, einfach um zu zeigen, wie es dort so aussieht. Vielleicht hat ja der ein oder andere Lust, sich ein paar Minuten an diesen doch eher unbekannten Flecken Erde zu begeben:

Verraten kann ich euch schon einmal, dass ich unbedingt wieder hin will, die Landschaft hat mich in ihren Bann gezogen und ich würde sie sehr gerne noch einmal im Frühling oder Sommer erleben. Dann aber vielleicht doch mit jemandem, denn es war sehr schwierig, Leute vor Ort kennenzulernen. Nicht, dass sie unfreundlich waren, oftmals scheiterte es aber doch an der Sprache oder auch daran, dass einfach niemand da war. War jetzt der kleine Kontrast zu Indien, wo ich in zwei Wochen endlich wieder bin.

Ich hoffe, euch hat das Video gefallen – seid ihr denn auch schon einmal dort gewesen? Oder wollt ihr auch einmal hin? 

[Reisen] Kurzurlaub in der Eifel!

Mein konstanter Reisedrang zieht mich meist ganz schön weit weg, dabei gibt es auch in der Nähe so viele sehenswerte Flecken zu entdecken. Da kam der Urlaub meiner Mama gerade recht, um mal wieder ins Auto zu springen und eine Ecke in Deutschland zu besuchen, die wir noch nicht kannten. Diesmal wollten wir nicht lange im Auto sitzen und entschieden uns, einmal durch Hunsrück & Eifel zu fahren, etwas Natur, Kultur und Wellness zu bekommen und erholter zurück nach Hause zu kommen. Meine Vorstellung von der Vulkaneifel bestand eigentlich nur aus Maaren, Bergen und Weinbergen am Fluss, somit war ich gespannt, wie es in der Realität aussehen würde.

Eifel Wandern

Am Montag früh ging es von Frankfurt/Main aus los und da es stark regnete, stoppten wir erstmal im Fashion Outlet in MontabaurBei Nike und The Body Shop wurden wir auch gleich fündig und nach einem Kaffee ging es weiter Richtung Bad Bertrich – wer etwas mehr Zeit hat, von dem kostenfreien Parpkaltz (für 4 Stunden) dort, kann man auch gemütlich bei schönem Wetter in die Altstadt schlendern, das fiel bei uns nur leider ins Wasser.

Direkt im für sein Heilwasser bekannten Kurort Bad Bertrich schliefen wir allerdings nicht, wir suchten uns über booking.com (keine bezahlte Werbung, ich buche 99% meiner Hotels dort) eine Bleibe in der Nähe. Für nur 35€/Nacht für uns beide kamen wir im Ferienhaus Lenarzt in Kliding unter und bis auf die Tatsache, dass die Heizung einfach nicht heiß werden wollte, war es dort auch sehr schön. Die Besitzerin ist superlieb und man merkt, dass ihr es einfach Freude bereitet, andere Menschen von ihrer Heimat zu begeistern und so zogen wir mit enorm vielen Tipps ab. Da das Wetter aber nicht mitspielen wollten, machten wir nur eine einstündige Rundwanderung in der Nähe, nämlich den Erlebnisweg Achterhöhe. Er hat eine sehr leichte Schwierigkeit, ist angenehm in einer Stunde durch Wald und Feld zu laufen und man hat einen tollen Blick über die Eifel (bei uns gab es mystischen Nebel, das hatte auch was). Eichhörnchen und Reh trafen wir auch, der Naturteil war also fast schon abgehakt.

Eifel Wandern

Schalkenmehrener Maar

Schalkenmehrener Maar

Da ich aber Maare erleben wollte, ging es noch zum Pulvermaar, was direkt neben dem Holzmaar liegt, wenn man noch ein anderes Maar sehen mag. Für mich war es etwas enttäuschend, da es im Grunde nur ein runder See ist, der zwar schön klares und tiefes Wasser hat, ich habe aber irgendwie noch abfallende Felsen am Ufer erwartet. Naja, die Felsen gab es sonst aber ständig beim Autofahren, da man eigentlich immer bergauf oder bergab fährt und das in teilweise ganz schön abenteuerlichen Kurven 😉 Wir liefen dann noch etwas am Maar entlang, bis es dunkel wurde. Das Schalkenmehrener Maar sahen wir uns am nächsten Tag noch an, man kann um die meisten Maare herumlaufen und wäre schöneres Wetter gewesen, hätten wir das auch getan. So waren unsere Maar-Besuche nur recht kurz – einatmen, ausatmen, Foto machen und weiter. Im Sommer kann man hier übrigens sehr gut schwimmen gehen und das hätte ich schon gerne getan, aber das Wasser war leider schon viel zu kalt (und ich viel zu verweichlicht).

Eifel

Vegetarisch und nicht gut bürgerlich essen, ist etwas schwieriger – montags hatte alles entweder zu, es gab in den kleinen Ortschaften nichts, wo ich etwas zu essen fand und in den „schicki-micki“-Kurhotelrestaurants wollten wir nicht essen. In Lutzerath wurden wir dann aber doch noch beim Döner fündig, da gab es vegetarische Döner (u.a. mit Cocktailsoße, sehr kurios) und verdammt gute Pommes. Solltet ihr abends was suchen, in diesem Ort gibt es auch noch ein paar Lebensmittelgeschäfte und im Norma einen guten Bäcker, wo wir dann auch mal frühstückten. Die umliegenden Ortschaften sind aber recht tot, man muss dann schon nach Bad Bertrich oder nach Cochem an die Mosel runterfahren, ohne Auto ist man hier auch recht verloren.

Cochem

Runter an die Mosel wollten wir natürlich auch und so fuhren wir nach Cochem, was eine schöne Altstadt mit kleinen Gässchen und alten Gebäuden hat. Highlight hier ist ganz klar die Reichsburg, die wir aus der Ferne bestaunten, nicht jedoch besichtigten. Uns stand der Sinn nach Wellness und Entspannung und wir flohen vor dem grauen Wetter in die Vulkaneifel-Therme. Wir gönnten uns eine Tageskarte für Bad und Sauna (18,50€) und ich ließ mich noch massieren, was mir sehr gut gefiel. Die Therme ist nicht die größte ihrer Art, noch sind die Aufgüsse enorm ausgefallen, aber es waren nur wenige Menschen dort und das Heilwasser, was dort in jedem Becken war, tat meiner Haut auch gut. Würde ich definitiv wieder hingehen! Wir blieben bis zum Schluss dort und fuhren danach fix und fertig, aber tiefenentspannt in unsere Ferienwohnung.

Vulkaneifel Therme

Am nächsten Tag war schon unser Abreisetag, wir entschieden uns, bis nach Koblenz an der Mosel entlangzufahren und hatten endlich auch etwas Sonnenschein. Einen Zwischenstopp legten wir an der Burg Eltz ein, zu der wir eine kurze Wanderung (20-25 Minuten) machten. Waren wir auf dem Weg fast alleine, wurde es auf der Burg ganz schön voll und so genoßen wir sie nur von außen und sahen uns nicht die Innenräume an. Bei mehr Zeit würde ich das bei einem zukünftigen Besuch aber definitiv tun, da die Führungen sehr gut sein sollen.

Burg Eltz

Burg eltz

Burg Eltz

Auf dem Weg entlang der Mosel kommen einem aber ständig links und rechts Burgen und Schlösser in den Weg, wer mag, kann hier eine ganze Reihe besichtigen und viel Zeit verbringen. Die vielen kleinen Ortschaften habe auch sehr schöne historische Ortskerne, wir bewunderten einige sehr alte Kirchen auf unserem Weg. Ganz klar ist die Strecke auch für Weinliebhaber ein El Dorado, man kommt ständig an einem Weingut vorbei, wo das Schild „Weinprobe“ aushängt; leider sind weder meine Mama noch ich Wein-Menschen und somit war das nichts für uns. Wir bestaunten lieber die herbstlich eingefärbten Bäume und Weinberge und stoppten erst wieder in Koblenz.

Deutsches Eck Koblenz

Wieder eine Stadt, die ich nur vom Namen her kannte und außer dem „Deutschen Eck“ auch nichts damit assoziieren konnte. Direkt dort parkten wir dann auch, ließen den Ort etwas auf uns wirken und spazierten dann einfach mal durch die Innenstadt. Mein Herz hüpfte beim Anblick des Forum Confluentes, ein absolut grandioses Gebäude und hätten wir mehr Zeit gehabt, hätte ich mich gerne auch in der sich darin befindenden Bibliothek umgesehen. Da Koblenz aber nur 150km entfernt ist, werde ich da bestimmt noch einmal hinfahren.

Forum Confluentes

Auch wenn unser Ausflug etwas vom schlechten Oktoberwetter überschattet war, habe ich wieder einen schönen Flecken Deutschlands entdecken können, der mir besonders von seinen waldreichen Hügeln, dem stimmungsvollen Nebel und den steilen, schroffen Bergen her gefiel. Hat man davon die Nase voll, kann man dann aber gemütlich direkt an der Mosel entlangfahren, was bestimmt im Sommer mit den Fahrrädern eine schöne Sache ist. Wir trafen übrigens verdammt viele Wohnwagen, bei denen die Saison wohl noch lange nicht vorbei ist. Wenn ihr Einsamkeit sucht, die findet ihr hier oben bestimmt, besonders in den kleinen Dörfern sahen wir so gut wie keine Menschen. Praktisch ist auf jeden Fall ein Navi, ohne mein Smartphone wären wir teilweise ganz schön aufgeschmissen gewesen, da Ortsschilder eher Mangelware sind und auch die Sehenswürdigkeiten und Wanderwege nicht wirklich gut gekennzeichnet sind („alle Wege führen nach Lutzerath“). Vorherige Recherche im Internet lohnt auch, wobei die Menschen sehr offen und hilfsbereit sind – ein älterer Mann in der Sauna hörte gar nicht mehr auf, mir Tipps zu geben, die wir dann auch umsetzten. Von unseren Ausgaben her würde ich die Region auch als sehr günstig einordnen, wobei wir aber eben auch nicht in schickeren Restaurants unterwegs waren – eher Frühstück beim Bäcker und abends was beim Döner bzw eben unterwegs..aber so reise ich nun mal viel lieber. In der Ferienwohnung hatten wir auch eine vollausgestattete Küche, aber nee..dafür fährt man ja nicht in den Urlaub.

Seid ihr schon einmal in der Eifel gewesen? Wenn ja, was könnt ihr besonders empfehlen? Und welchen Flecken Deutschlands muss ich mir noch ansehen? Heute geht es für mich erst einmal nach Braunschweig, da war ich bisher auch nur am Bahnhof und ich bin schon sehr gespannt, wie mir die Löwenstadt gefallen wird. Tipps hierfür nehme ich natürlich auch sehr gerne!