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[Lesenswert] Picknick mit Bären – Bill Bryson

Als ich in Berlin in einem öffentlichen Bücherschrank Picknick mit Bären von Bill Bryson entdeckte, musste ich doch kurz mal wieder darüber lachen, was es für Zufälle im Leben gibt. Zwar hatte ich vorher noch nie davon gehört, dass Bryson auf dem Appalachian Trail, einem Fernwanderweg in den USA, unterwegs gewesen ist und darüber dieses Buch geschrieben hat, doch passte es perfekt in meine aktuelle Pacific Crest Trail-Vorbereitung. Also Buch geschnappt und auf der Rückfahrt von Berlin nach Frankfurt in einem Rutsch durchgelesen!

Worum geht’s Der mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommene Reiseautor Bill Bryson will sich an das Abenteuer wagen, den Appalachian Trail quer durch die USA zu laufen. Da er sich nicht unbedingt alleine auf die Reise machen mag, fragt er in seinem Bekanntenkreis und findet schließlich einen Partner in seinem ehemaligen College-Freund. Die beiden älteren Herren sind nun nicht unbedingt in der optimalen physischen Verfassung, um sich durch die zwölf Bundesstaaten zu schleppen, doch sie versuchen es und erleben dabei zumindest für Außenstehende sehr lustige Situationen.

Wie ist’s Vorneweg, ich bin nicht der größte Bryson-Fan, sein Buch Frühstück mit Kangurus hat mich nicht sonderlich fesseln können. Das war hierbei anders, denn ich wollte unbedingt wissen, was die beiden Wanderer noch so erleben und habe dabei auch teilweise lauthals auflachen müssen (jupps, mitten in der Bahn). Da ich ähnliches vorhabe und selbst auch kein professioneller Wanderer oder Outdoor-Survival-Experte bin, konnte ich mich gut in die beiden hineinversetzen und bin davon überzeugt, in Kürze auch einige ihrer Erfahrungen gemacht zu haben. Zum Beispiel wenn Stephen am ersten Tag frustriert die Hälfte seines Gepäcks wegwirft, da der Rucksack einfach zu schwer und das meiste sowieso unnötig ist (das sehe ich auch in meiner Zukunft, obwohl ich beim Packen sehr streng bin) oder die beiden sich beim Überqueren eines Flusses ziemlich nass machen.

Schön ist, dass auch Fakten hier nebenbei eingeflochten werden und man über die Wegstrecke sowie die amerikanische Flora und Fauna sowie deren Veränderungen einiges lernt. Allerdings muss ich auch sagen, dass mich der Bericht nicht reizt, diesen Weg selbst zu laufen, dazu wird er als zu monoton „immer durch den Wald ohne Ausblicke“ beschrieben. Dank Bryson habe ich aber doch nach der Lektüre das Gefühl, ihn ein wenig gedanklich mitgewandert zu sein. Mittlerweile hat mein Opa das Buch auch schon durch und ich glaube, auch meine Mama wird daran noch ihre Freude haben. Es ist einfach nett geschrieben, unterhaltsam und kurzweilig – eine perfekte Urlaubs- und Reiselektüre, solltet ihr euch für Wandern interessieren. Das Buch wurde übrigens auch verfilmt, wie ich gelernt habe, aber ich glaube, ich belasse es bei meinen eigenen Bildern, die ich mir beim Lesen zusammengedacht habe.

Hat wer von euch das Buch schon gelesen? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? Es ist kein „muss ich wieder lesen“-Werk, wodurch es bald zurück in den öffentlichen Bücherschrank kommt, aber ich spreche trotzdem eine klare Leseempfehlung aus, da ich viel Spaß dabei hatte!

[Lesenswert] Frühstück mit Kängurus – Bill Bryson

Zwar schreibe ich selbst wahnsinnig gerne Reiseberichte für meinen Blog (und andere Seiten), lesen mag ich solche meist aber nicht. Was einfach daran liegt, dass ich die Orte unbeeinflusst zum ersten Mal erleben will und mich überraschen lassen mag. Klar schaue ich vorher online, was es so zu entdecken gibt, aber ich lasse mich beim Reisen eben doch einfach treiben, frage Leute vor Ort und schaue um die Ecke. Das kann ich zum Glück, da ich selten kurze Reisen unternehme, sondern eben genug Zeit habe.

Das Reise-Buch Frühstück mit Kängurus von Bill Bryson stand bestimmt lockere fünf Jahre ungelesen in meinem Schrank, denn a) hatte ich Australien so gar nicht mehr auf dem Plan für die nahe Zukunft und b) gab es einfach so viele Bücher, die ich vorher lesen wollte. Jetzt war ich zufälligerweise aber spontan von Indien aus drei Wochen in Australien (ok, nur in Canberra) und dachte mir, dass ich das Buch nun auch lesen und sehen kann, was Bill so von Down Under gehalten hat. Lustigerweise haben wir zur Hauptstadt eine recht ähnliche Meinung!

Worum geht’s Bill nimmt uns quer durch Australien mit, was er in mehreren Roadtrips, mal allein, mal mit Begleitung, bereist, aber doch noch immer nicht alles entdeckt hat. Das Land ist aber auch einfach verdammt groß und teilweise fährt man mehrere hundert Kilometer durch das reine Nichts. Erinnert mich sehr an meinen Trip vom Yukon hoch nach Yellowknife in Kanada (absolut zu empfehlen übrigens!). Es geht viel um die Natur, die Menschen, man bekommt einiges zur Geschichte und Kultur serviert, aber in leichten, kurzen Häppchen.

Wie ist’s Ganz nett, aber nicht unheimlich fesselnd oder motivierend, jetzt sofort den nächsten Flug zu buchen und selbst loszufahren. Praktisch fand ich, dass ich Orte/Dinge gleich googlen konnte, über die er schrieb und mir so doch selbst aus der Ferne ein Bild machen konnte. Teilweise habe ich andere Erfahrungen gemacht, das fand ich sehr spannend und auch die Perspektive, aus der er (weißer Engländer, der lange in den USA gelebt hat) kommt, kommt hier gut durch und bringt ihn zu anderen Erfahrungen. Diese Leseart hat den Reisebericht für mich interessanter gemacht, aber da spricht kurz die Ethnologin.

Ansonsten nennt er skurrile Fakten, gräbt historische Ereignisse aus, die die Australier lieber unter den Teppich kehren und zeichnet ein recht vielfältiges Bild. Aborigines kommen für mich viel zu kurz, was ich sehr schade finde. Das Buch erschien schon 2002, aber ich finde, trotz dieser 15 Jahre stimmen noch sehr viele Beobachtungen, die er gemacht hat, mit den meinen überein. Teilweise ist das Buch doch sehr langatmig und übertrieben, an einigen Stelle aber doch enorm witzig (Bryson hat einen trockenen Humor), wie andere seiner Werke, fand ich es jetzt auch nicht. Ich habe eher durchgehalten, damit ich es jetzt in den nächsten öffentlichen Bücherschrank stellen kann und etwas mehr Platz im Regal habe.

Nicht das überzeugendste Werk, was ich von Bill Bryson gelesen habe, seine kurze Geschichte von fast allem fand ich um Längen besser. Wenn ihr einen Reisebericht, keinen -führer über Australien lesen wollt, könnt ihr hiermit vielleicht trotzdem euren Spaß haben, Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden, aber ich würde es jetzt nicht an meine Freunde mit einer absoluten Leseempfehlung weitergeben. Frühstück mit Kängurus hatte ich leider nie, ich habe sie aber beim Picknicken am Nachmittag häufig angetroffen 🙂