Schlagwort: Buchrezension

[Lesenswert] In 80 Tagen um die Welt – Jules Verne

Klar, den Namen Jules Verne hat man schon gehört und auch der Titel In 80 Tagen um die Welt dürfte kaum jemandem unbekannt sein. So ging es mir zwar auch und ich hätte auch halbwegs sagen können, worum es geht, gelesen hatte ich es allerdings noch nie. Als ich die Ausgabe von 1958 letzt in den Händen hielt, musste ich es dann natürlich doch mal wagen und habe es nicht bereut!

Worum geht’s Der Engländer Phileas Fogg wettet die Hälfte seines Vermögens, dass es ihm gelingen wird, die Welt in nur 80 Tagen einmal zu umrunden. Gemeinsam mit seinem neuen Diener Jean Passepartout, der eigentlich Beständigkeit und Ruhe suchte, macht er sich auf, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen und stösst dabei natürlich auf allerlei Hindernisse!

Wie ist’s Oh, ich wurde gut überrascht und will hier auch nicht viel vornewegnehmen. Aber die Geschichte ist nicht nur ein Abenteuerroman, sondern es geht um Liebe, Diebstahl, Ehre, Loyalität und Freundschaft. Dabei passieren lustige Dinge in den unterschiedlichsten Ländern und hätte mir wer erzählt, dass dieses Buch zum Teil in Indien spielt (die Zugstrecke fuhr ich auch schon!), hätte ich es sehr viel früher gelesen!

Jules Verne schreibt fesselnd, die einzelnen Kapitel lassen sich schnell lesen, man sagt sich ständig „nur noch eines“ und dann ist das Buch auch schon rum. Es hätte gerne ausführlicher für mich sein können, zum Ende hin wird es fast etwas hetzend, aber das ist Geschmackssache. Interessant sind auch die Länderbeschreibungen, wenn man sich überlegt, dass Verne von 1828-1905 gelebt und der Roman auf den Erlebnissen des Amerikaners George Train beruhen. Die „Auflösung“ am Ende enthält einen logischen Fehler, welcher mich beim Lesen zwar irritiert hat, ich ihn dann aber einfach hingenommen habe, da er der vorherigen Geschichte nicht schadet.

Ab und zu werde ich gefragt, ob es sich denn überhaupt „lohnt“, noch Klassiker zu lesen und was soll ich da sagen außer „aber natürlich“. Jules Verne macht Spaß, man kann leicht verstehen, wieso er so erfolgreich war und man hat eine kurzweilige Lektüre, die einen ohne große Gedanken zurücklässt. Ich will definitiv noch „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“ von ihm lesen, aber das eilt nicht. Und jetzt kann ich wenigstens wirklich mitreden und nicht nur mit Halbwissen glänzen, wenn jemand etwas über diesen Reiseroman erzählt 😉

Wie seht ihr das, lest ihr noch gerne Klassiker? Mochte noch wer das Buch oder hat euch das Ende sehr gestört (da gibt es ja Kritiken zu im Internet, die sind doch sehr übertrieben..) und welches ist euer liebstes Werk von Jules Verne?

[Lesenswert] Unter Wasser atmen – Julie Orringer

Ich LIEBE Kurzgeschichten und Alice Munro war bisher meine liebste Autorin in diesem Genre. Als ich im öffentlichen Bücherschrank den Sammelband Unter Wasser atmen von Julie Orringer entdeckte, war ich jedoch gleich neugierig, da ich noch nie von ihr gehört hatte. Und was soll ich sagen, Alice Munro hat Konkurrenz bekommen!

Worum geht’s Orringer schreibt über die Kindheit und das ErwachsenER-Werden, über Freundschaft, Jugend, Schmerz und Tod, wie grausam, aber auch loyal Kinder sein können. Mit diesen Themen erfindet sie in ihren neun Kurzgeschichten das Rad nicht neu, aber sie hat einen so einfühlsamen, gleichzeitig fesselnden und ehrlich-schmerzenden Stil, dass man das Buch einfach nicht mehr zur Seite legen kann.

Wie ist’s Absolut grandios und ein Buch, welches ich behalten und definitiv noch einmal lesen werde, da es mich so bezaubert, berührt und auch geschmerzt hat. Die einzelnen Geschichten haben Kinder/Jugendliche als Protagonisten, welche zunächst alltäglich erscheinende Situationen erleben, welche für sie allerdings einschneidend sind. Sie alle müssen irgendwie lernen, die jeweiligen Herausforderungen zu meisten, „unter Wasser zu atmen“, wobei sich auch fast alle Geschichten etwas um das kühle Nass drehen. Was eine sehr gut gelungene Metapher für den Schritt in das Erwachsenleben ist.

Ich konnte keine Geschichte pausieren, sondern musste sie fertig lesen, damit ich danach darüber nachdenken kann. Das Buch habe ich an einem Nachmittag gelesen, da ich mich einfach nicht davon lösen konnte. Ich habe es nicht im englischen Original gelesen, plane aber, dies nachzuholen, denn auch wenn die Übersetzung sehr gut gelungen ist, ich will die Wortmagie doch so lesen, wie Orringer es geplant hat. Und noch viel mehr von ihr, oh ja!

Lest ihr gerne Kurzgeschichten und könnt mir vielleicht noch eine/n Autor/in in diesem Stil empfehlen? Und wenn ihr Alice Munro mögt, schnappt euch mal eine Leseprobe von Julie Orringer, ich bin mir sehr sicher, dass ihr es nicht bereuen werdet! Absolut klasse, für mich jetzt schon eines meiner Lese-Highlights 2018!

[Lesenswert] Picknick mit Bären – Bill Bryson

Als ich in Berlin in einem öffentlichen Bücherschrank Picknick mit Bären von Bill Bryson entdeckte, musste ich doch kurz mal wieder darüber lachen, was es für Zufälle im Leben gibt. Zwar hatte ich vorher noch nie davon gehört, dass Bryson auf dem Appalachian Trail, einem Fernwanderweg in den USA, unterwegs gewesen ist und darüber dieses Buch geschrieben hat, doch passte es perfekt in meine aktuelle Pacific Crest Trail-Vorbereitung. Also Buch geschnappt und auf der Rückfahrt von Berlin nach Frankfurt in einem Rutsch durchgelesen!

Worum geht’s Der mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommene Reiseautor Bill Bryson will sich an das Abenteuer wagen, den Appalachian Trail quer durch die USA zu laufen. Da er sich nicht unbedingt alleine auf die Reise machen mag, fragt er in seinem Bekanntenkreis und findet schließlich einen Partner in seinem ehemaligen College-Freund. Die beiden älteren Herren sind nun nicht unbedingt in der optimalen physischen Verfassung, um sich durch die zwölf Bundesstaaten zu schleppen, doch sie versuchen es und erleben dabei zumindest für Außenstehende sehr lustige Situationen.

Wie ist’s Vorneweg, ich bin nicht der größte Bryson-Fan, sein Buch Frühstück mit Kangurus hat mich nicht sonderlich fesseln können. Das war hierbei anders, denn ich wollte unbedingt wissen, was die beiden Wanderer noch so erleben und habe dabei auch teilweise lauthals auflachen müssen (jupps, mitten in der Bahn). Da ich ähnliches vorhabe und selbst auch kein professioneller Wanderer oder Outdoor-Survival-Experte bin, konnte ich mich gut in die beiden hineinversetzen und bin davon überzeugt, in Kürze auch einige ihrer Erfahrungen gemacht zu haben. Zum Beispiel wenn Stephen am ersten Tag frustriert die Hälfte seines Gepäcks wegwirft, da der Rucksack einfach zu schwer und das meiste sowieso unnötig ist (das sehe ich auch in meiner Zukunft, obwohl ich beim Packen sehr streng bin) oder die beiden sich beim Überqueren eines Flusses ziemlich nass machen.

Schön ist, dass auch Fakten hier nebenbei eingeflochten werden und man über die Wegstrecke sowie die amerikanische Flora und Fauna sowie deren Veränderungen einiges lernt. Allerdings muss ich auch sagen, dass mich der Bericht nicht reizt, diesen Weg selbst zu laufen, dazu wird er als zu monoton „immer durch den Wald ohne Ausblicke“ beschrieben. Dank Bryson habe ich aber doch nach der Lektüre das Gefühl, ihn ein wenig gedanklich mitgewandert zu sein. Mittlerweile hat mein Opa das Buch auch schon durch und ich glaube, auch meine Mama wird daran noch ihre Freude haben. Es ist einfach nett geschrieben, unterhaltsam und kurzweilig – eine perfekte Urlaubs- und Reiselektüre, solltet ihr euch für Wandern interessieren. Das Buch wurde übrigens auch verfilmt, wie ich gelernt habe, aber ich glaube, ich belasse es bei meinen eigenen Bildern, die ich mir beim Lesen zusammengedacht habe.

Hat wer von euch das Buch schon gelesen? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? Es ist kein „muss ich wieder lesen“-Werk, wodurch es bald zurück in den öffentlichen Bücherschrank kommt, aber ich spreche trotzdem eine klare Leseempfehlung aus, da ich viel Spaß dabei hatte!

[Lesenswert] Girl in the woods – Aspen Matis

Die letzten Jahre habe ich fast nur noch Bücher von Freunden ausgeliehen oder in der Bibliothek/öffentlichen Bücherschränken zugeschlagen. Girl in the woods von Aspen Matis ist somit das erste Buch, welches ich mir mal wieder selbst gekauft habe, da ich es eben unbedingt lesen wollte. Es wird u.a. von Oprah Winfrey, die es in ihrem Buchclub vorstellte, und Lena Dunham empfohlen und zumindest letzteren Geschmack teile ich häufig. Auch wenn gefühlt jeder mit dem Pacific Crest Trail wohl eher Der große Trip von Cheryl Strayed verbindet und ich die Autorin sehr mag, konnte ich mich bisher noch nicht dazu motivieren, dieses zu lesen und jetzt ist es auch zu spät 😉

Worum geht’s Debby, die von ihrer Mutter sehr behütet wurde, wird mit 19 Jahren an ihrem zweiten Tag auf dem College vergewaltigt und kann in diesem Umfeld nicht mehr funktionieren. Sie beschliesst, dass sie in die Natur muss, um zu heilen und herauszufinden, wer sie eigentlich ist und wer sie sein will. Schon in ihrer Jugend hat sie Bücher von John Muir verschlungen und ist Teile des Pacific Crest Trails gewandert – somit steht für sie fest, dass sie ihn nun komplett von Mexiko nach Kanada laufen will.

Wie ist’s Was wollte ich dieses Buch mögen! Und ich will es auch nicht kleinreden, als 19-Jährige den kompletten PCT zu laufen, ist eine absolut grandiose Leistung. Aber ich habe mehr erwartet bzw. wurde enttäuscht. Zunächst einmal dachte ich, dass es Debby aka Wild Child darum geht, unabhängig zu werden, dabei lässt sie die komplette Wanderung von ihren Eltern finanzieren und sich von diesen auch immerzu Pakete zuschicken. Dann beginnt sie schon am ersten Tag eine Beziehung mit einem anderen Wanderer, statt dass sie sich alleine auf macht und danach mit einem anderen. Das passte nicht mit dem Buchrücken und somit meiner Idee von diesem Buch zusammen. Ich habe einen Coming of Age Roman mit Schwerpunkt auf Bewältigung der Vergewaltigung erwartet; dies wird zwar von der Autorin in kurzen Gedichten immer wieder angeführt, aber meist geht es allzu banal um Sex. Fand ich langweilig.

Dadurch sowie durch lebensgefährdende Handlungen (Wasser in der Wüste wegkippen, damit man bis zur nächsten Stadt gezwungenermassen laufen muss), die wirklich nicht nachvollziehbar sind, hatte ich Schwierigkeiten, mich mit der Person irgendwie zu identifizieren und somit mit ihr mitzufühlen. Ehrlich gesagt war ich mehr genervt, wenn sie wieder etwas sehr irrationales machte oder sich erneut über ihre Eltern beschwerte, die doch alles taten, um sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Einige Passagen waren sehr redundant, womit ich sie überflogen habe. Gefesselt wurde ich leider nicht, ich wollte mehr, dass das Buch endlich vorbei ist und muss gestehen, dass ich die vielen lobenden Worte von Kritikern und auch auf Amazon einfach nicht nachvollziehen kann. Aber wie immer gilt, Geschmäcker sind verschieden!

Kennt wer von euch dieses Buch? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? 

[Lesenswert] After the first death – Robert Cormier

Gekauft hätte ich mir das Buch After the first death von Robert Cormier allein vom Buchrücken her nie, wenn ich ein englischsprachiges Buch in einem öffentlichen Bücherschrank finde, bin ich aber weniger „picky“ und so durfte das dünne Büchlein mit mir nach Hause bzw in den Urlaub. Ich hatte hierbei nicht die Originalfassung, sondern die für die „Senior Library“ aufbereitete Fassung, aber ob es hier einen großen Unterschied gibt, sei mal zu hinterfragen – es ist auf jeden Fall für Nichtmuttersprachler geeignet, da das Englisch sehr leicht gehalten ist.

Worum geht’s Ein Bus mit Erstklässern wird von dem Jugendlichen Miro und drei weiteren Männern entführt, um die Geiseln gegen politische Gefangene, Geld sowie das Aufdecken einer geheimen Regierungsabteilung auszutauschen. Gefahren wird der Bus genau an diesem Tag von der Teenagerin Kate, da ihr Onkel erkrankt und sich somit die gesamte Dynamik ändert. Miro, der eigentlich als „Initiation“ den Fahrer hätte töten sollen, ist nun gezwungen, sich mit Kate auseinanderzusetzen, welche zu überleben versucht. Gleichzeitig spielt auch Ben, Sohn des Leiters der geheimen Regierungsabteilung, plötzlich eine Rolle in diesem Drama, welche sein weiteres Leben und die Beziehung zu seinem Vater für immer verändern wird.

Wie ist’s Ich fand es leider sehr langweilig, da die Story leider nicht in die Tiefe geht und dazu doch so viel Potential hatte. Die Charaktere hätten sehr viel besser ausgearbeitet werden müssen, so dass man als Leser eine Beziehung zu ihnen aufbauen könnte, aber dafür waren nicht genug Seiten vorhanden. So habe ich das Buch recht teilnahmslos in einem Nachmittag gelesen, zwischendurch Pausen gemacht, da es mich nicht gefesselt hat und mich am Ende leider mehr oder weniger gezwungen, es zu beenden, da es mir schlichtweg egal war, wer überlebt und wer nicht.

Anscheinend wird das Buch gerne im Englisch-Leistungskurs gelesen, ich muss zugeben, ich bin froh, dass wir da 1984, Animal Farm und dergleichen gelesen haben, da diese mehr Tiefgang hatten. Hier hätte ich mir bei der Klausur auch schwer getan, mehr zu interpretieren als das Buch hergibt 😉 Also ihr merkt, wir kommen einfach nicht zusammen und hätte ich das Buch nicht im Urlaub dabeigehabt, hätte ich es wohl gar nicht erst komplett gelesen.

Kennt wer das Buch und hat es vielleicht sogar im LK lesen müssen? Wie hat es euch gefallen 🙂

[Lesenswert] Us von David Nicholls!

Im öffentlichen Bücherschrank fand ich das Buch Us von David Nicholls, von welchem ich bis dahin nur One Day (kennen bestimmt viele von euch!) gelesen hatte. Da ich Lust auf etwas seichte Lektüre für’s Herz hatte, schnappte ich mir das Buch und las es dann auf meiner Zugfahrt nach Mailand in einem Rutsch durch!

Worum geht’s Douglas wird von dem nächtlichen Geständnis seiner Frau, dass sie ihn verlassen wird, wenn ihr Sohn ausgezogen sei, vollkommen überrascht. Er versucht, den letzten gemeinsamen Urlaub – einen Interrailtrip, die „Grand Tour“ durch die europäischen Kunstmuseen – zu nutzen, um seine Ehe zu retten, seiner Frau zu zeigen, wie sehr er sie liebt und gleichzeitig auch die Beziehung zu seinem mittlerweile erwachsenen Sohn gerade zu rücken.

Wie ist’s Erstaunlich fesselnd, was ich nicht erwartet habe. Durch die Zeitsprünge kann man die Beziehung der beiden Hauptpersonen sehr gut nachvollziehen und sich auch in ihre jetzige Situation hineinversetzen, selbst wenn man an einer ganz anderen Stelle im Leben steht. Das Buch gleitet nicht ins Kitschige ab, lässt einen durchaus mal schwer schlucken, aber eben auch immer wieder Schmunzeln. Man leidet mit Douglas, aber auch mit Connie mit und wünscht ihnen ein anderes Ende, auch wenn man selbst nicht weiß, wie dieses denn noch kommen soll. Dass die Story auf einer Interrail-Reise durch Europa spielt und Kunst thematisiert (was ich beides in kleinem Stil gerade auch getan habe), macht für mich persönlich alles noch interessanter und gibt einen tollen Rahmen vor. Wenn das Herz zu schwer wird, gibt es ein paar Seiten über Kunst oder die jeweiligen Städte und macht somit auch noch Lust, die unterschiedlichen Schauplätze zu besuchen.

Die Kapitel sind recht kurz, man kommt schnell rein und die Sprache ist einfach gehalten – für mich also die perfekte Urlaubslektüre, ob jetzt am Strand oder unterwegs zum jeweiligen Ort. Es hätten gerne noch ein paar Seiten länger sein dürfen und hat mich insgesamt mehr begeistert wie „One“ vom Nicholls. Wer weiß, vielleicht wird es hiervon auch noch eine Verfilmung geben, ich hatte insgesamt viel Freude und auch wenn das Buch nicht ewig nachklingen wird (und schon wieder im öffentlichen Bücherschrank steht), ganz in Vergessenheit geraten wird es nicht. Sollte ich noch ein Buch von ihm finden, wird das definitiv auch gelesen!

Kennt ihr das Buch? Wie hat es euch gefallen? Oder mögt ihr David Nicholls nicht? 🙂

[Lesenswert] Der Kuß – Eine kleine Kulturgeschichte von Alain Montandon

Als ich so durch den winterlichen Heidelberger Wald spazierte, fand ich auf einer Bank ganz verlassen das dünne Büchlein Der Kuß – Eine kleine Kulturgeschichte von Alain Montandon. Das Cover sah lustig aus und der kurze Klappentext über die Geschichte des Küssens klang ebenfalls kurzweilig und amüsant und so durfte es mit. Gelesen habe ich es dann im Urlaub in Barcelona und dort auch gleich bei einem deutschsprachigen Couchsurfer zurückgelassen – ich hoffe, dass das Buch noch eine Weile durch die Welt reisen darf 😉

Worum geht’s Sowohl historisch, kulturell als auch in der Literatur sammelt der Autor Anekdoten über das Küssen, seine unterschiedlichen Spielarten und reichert diese Studie mit zahlreichen Zitaten an. Das Küssen wird als kulturelles Phänomen durchleuchtet, wobei so einige witzige Fakten (in den USA dürften Küssen in Bundesstaaten unterschiedlich lange andauern) an die Oberfläche gelangen.

Wie ist’s Kurzweilig, unterhaltsam und definitiv für zukünftige Smalltalk-Momente, in denen einem nichts einfällt, hervorragend geeignet. Das Buch ist dünn, die Kapitel kurz und so hat man die 130 Seiten schnell gelesen. Teilweise sind die Zitate etwas zu lang und unausagekäftig, wodurch ich zum Überfliegen angeregt wurde. Man bekommt ein paar kuriose Fakten, ein wenig historisches Wissen (die Römer unterschieden drei Arten von Küssen) und viele literarische Zitate, in denen der Kuss eine Rolle spielte.

Für mich ein Buch, was sich sehr gut zwischendurch lesen lässt, da man es eben auch mitten im Kapitel aus der Hand legen oder in der Bahn, wo es etwas lauter ist, lesen kann. Es braucht keine besondere Konzentration, da es gut verständlich geschrieben ist und man sich nicht allzu sehr in den einzelnen Kapitel verliert, da sie eben schnell enden. Als Urlaubslektüre, wie ich es mir ausgesucht habe, macht es sich auch sehr gut..und falls ihr jemandem etwas schenken (und vielleicht mitteilen wollt), wäre das Werk doch auch eine Idee 🙂

Insgesamt ein nettes Buch, welches man nicht gelesen haben muss, aber wenn sich jemand für die Geschichte des Küssens interessiert, schaut es euch mal an. Gut geschrieben (zwar nicht mit fesselnder Spannung) ist es allemal und auch die Auswahl der Themen gut. Dass es viele weiterführende Fußnoten mit Literatur gibt, finde ich sehr lobenswert, wenn jemand wirklich in die Thematik eintauchen will, kann er es mit diesem amüsanten Einstiegswerk definitiv tun.

Kennt jemand das Buch zufällig? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? Welches Buch darf bei euch mit in den nächsten Urlaub? Da ich gerade mit dem Zug unterwegs nach Mailand bin, habe ich etwas in die Vollen gegriffen und fünf Bücher dabei..aber hey, es sind ja knapp 8 Stunden Zugfahrt, da gehen ja locker 1-2 Bücher drauf..und mal schauen, ob ich einen öffentlichen Bücherschrank finde, wo ich sie dann zurücklassen und ihnen etwas la dolce vita gönnen kann!

[Lesenswert] Travel Overland. Eine anglophone Weltreise – R.W.B. McCormack

Von dem Ethnologen R.W.B. McCormack habe ich schon das Buch Back Home (*Review*) gelesen und da das wirklich sehr dünne Büchlein Travel Overland. Eine anglophone Weltreise jetzt auch schon wieder viel zu lange ungelesen in meinem Bücherschrank stand, schnappte ich es mir. Das Vergnügen ist definitiv kurzweilig, es ist ein stellenweise humorvolles Sachbuch über die vielen unterschiedlichen „Englische“, die es mittlerweile in der Welt so gibt. Die Kapitel zu den eigenen Ländern sind kurz, eignen sich also super, um sie so zwischendurch zu lesen, wenn man mal fünf Minuten hat und vielleicht noch ein Smalltalk-Thema für später braucht. ich lese ja gerne beim Haarefönen, das hat super mit diesem Werk funktioniert!

Worum geht’s In ganz knappen Kapiteln geht es einmal rund um die englischsprachige Welt und es wird gezeigt, wie die Sprache im jeweiligen Land genutzt und gerne auch mal umgedeutet wird. Für mich waren natürlich besonders Kanada, Australien und Indien von Interesse, aber es kamen auch Ländern dran, an die ich gar nicht so wirklich gedacht hatte, was überraschend war. Bei einigen Sachen musste ich schmunzeln, da ich sie schon in der Realität erlebt habe, andere Dinge waren mir aber auch komplett unbekannt und somit hatte das Buch definitiv ein paar interessante Stellen.

Wie ist’s Eine gute Klolektüre, bei der man in wenigen Sätzen noch etwas lernt. In einem Rutsch lesen war mir hier zu langweilig, dafür bietet das Thema meiner Meinung nach nicht genug, aber immer mal wieder kurz 1-2 Länder lesen, war spannend. Man bekommt hier super Smalltalk-Wissen, wenn man sonst nichts mehr weiß, was man mit seinem Gegenüber bereden könnte. McCormack schreibt gut, wie man es von ihm kennt, kann die aber doch trockene Thematik nicht immer ins Lustige bringen. Kaufen würde ich hier nicht empfehlen, aber solltet ihr – wie ich – mal im öffentlichen Bücherschrank drüber stolpern, schaut doch mal rein. Für Sprachinteressierte ist es bestimmt was!

Heute nur kurz und knapp, aber das passt zum Buch, welches sich auch super eignet, wenn man mit der Bahn etc zur Arbeit pendelt und ständig aufhören muss oder abgelenkt wird. Da ich mich zur Zeit primär mir zäher Fachliteratur quäle, war es aber dennoch eine willkommene Abwechslung, doch statt weitergeben kommt das Buch jetzt doch gleich wieder in den öffentlichen Bücherschrank zurück, damit sich vielleicht der Nächste über diesen Fund (noch) mehr freuen wird! Kennt ihr es zufällig oder andere Bücher von McCormack?

[Lesenswert] Euphoria – Lily King

Über Euphoria von Lily King bin ich zufällig vor längerer Zeit im Dussmann gestolpert, als ich in der englischen Bücherecke etwas stöberte. Eigentlich wollte ich es mir auch sofort kaufen, doch dann dachte ich mir, ich schaue mal, ob meine Bibliothek (das Grimm-Zentrum direkt um die Ecke) es nicht auch hat. Ist ja immerhin irgendwie wissenschaftlich, als ethnologisch relevant, wenn es auch Fiktion ist. Und ich hatte Glück, zwar war es noch wochenlang ausgeliehen und auch nur auf deutsch verfügbar, aber ich konnte es vorbestellen und vorletzte Woche endlich abholen.

Euphoria Lily King

Worum geht’s Lily King läßt sich vom realen Leben der Ethnologie Margaret Mead und ihrer gemeinsamen Forschung mit deren Mann in Neuguinea Anfang der 1930er Jahre inspirieren. Im Buch heißt die junge Amerikanerin Nell Stone, welche mit ihrem Mann Fenn einige Jahre schon geforscht hat und nun in Australien auf den britischen Ethnologen Andrew Bankson stößt, von welchem sowohl sie als auch ihr Mann fasziniert scheinen. Gemeinsam philosophieren sie über ihre jeweilige Feldforschung mit ihren Hindernissen und Ergebnissen und sind verzweifelt-motiviert, mit ihrer Forschung am Sepik doch noch „brauchbare“ Daten zu bekommen. Nell und Fenn lassen sich bei den Tam nieder, die sie zu erkunden versuchen und Andrew kommt immer wieder zu Besuchen vorbei, die zwar fruchtbar für die Forschung, aber auch zerstörerisch für diese fragile Dreiecksbeziehung sind. Nell und Andrew kommen sich immer näher, während Fenn einen gefährlichen Plan hat, wie er sich in der Fachwelt profilieren kann.

Wie ist’s Absolut grandios, ich habe das Buch nur so verschlungen und mir gewünscht, ich hätte es schon zu Beginn meines Ethnologiestudiums lesen können. Es ist Fiktion, aber man nimmt doch viel daraus mit, wie es sich „im Feld“ lebt und ich habe mich oft an meine eigene Forschung in Indien erinnert gefühlt. Wobei das um Welten „weniger einsam“ war, konnte ich ja niemanden mehr „entdecken“, sondern nur versuchen zu verstehen, wie die Menschen dort ihrer/unserer Welt Bedeutung verleihen. Man sympathisiert mit Nell, Fenn wird einem zusehends unsympathischer und der Underdog Andrew bekommt zwar mein Herz, aber leider nicht alles in dem Roman, was er sich wünscht. Auch wenn das Thema zunächst nach Wissenschaftspublikum klingt, ich glaube, dass sich jeder darin verlieren könnte, geht es eben nicht nur um Forschung, sondern um Selbstfindung, Liebe, Eifersucht, Macht, Wut, Habgier und dem Drang nach noch „immer mehr“. Die „sinnlichen“ Stellen hätte man wegen mir weglassen können, doch machen sie durchaus Sinn, wenn man bedenkt, was die wirkliche Margaret Mead eben so erforscht und publiziert hat und es sie geben dem Roman auch eine weitere Spannungsebene.

Der Schreibstil von Lily King ist fesselnd, flüssig und lässt einen sich gut in die jeweilige Situation einfinden. Man hat das Gefühl, man erfährt, wie es war, früher zu forschen, als es noch ein Abenteuer war und man nicht nur noch ins Flugzeug steigen musste. Da ich selbst nach Papua-Neuguinea zwecks meiner Doktorarbeit wollte, bereue ich es bei diesem Bericht doch, es nicht getan zu haben, aber manchmal passen die äußeren Umstände einfach nicht. Nach wie vor fasziniert mich die Ecke aber und ich würde am liebsten sofort selbst hin mit nichts außer einem dicken, leeren Buch und meiner Kamera. Wer eine etwas andere Sommerlektüre oder eben einen Liebesroman in ungewöhnlichem Setting sucht, dem lege ich diesen Roman sehr ans Herz – man kann ihn in zwei Tagen auch locker durchlesen!

Habt ihr das Buch zufällig schon gelesen oder davon gehört? Mein Ethnologenherz hüpft immer, wenn es über den wissenschaftlichen Tellerrand hinausgeht und solche Bücher dürften dazu beitragen, dass ich nicht immer in verwirrte Gesichter schaue, wenn ich sage, dass ich Ethnologin bin..wenn auch so eine langweilige, neumodische Vertreterin, die nicht mehr tagelang mit dem Kanu, sondern nur ein paar Stunden mit dem Flugzeug bis zu ihrem „Feld“ braucht – und ja, ich wäre wahnsinnig gerne in den 30er Jahren an den Sepik gegangen und wahrscheinlich an Malaria erkrankt 😉 

[Lesenswert] 39,90 von Frédéric Beigbeder

Schon wieder hatte ich Glück und fand im öffentlichen Bücherschrank ein Werk, welches ich schon seit seinem Erscheinen lesen wollte. 39,90 von Frédéric Beigbeder kam 2011 heraus und somit hat es diesmal nur fünf Jahre gedauert, bis auch ich in den Genuss dieses Romans kam. Dafür habe ich ihn aber in zwei Tagen durchgelesen, da ich ihn gar nicht mehr aus der Hand legen wollte und in jeder freien Minute das Buch geschnappt habe!

Neununddreißig Neunzig Buch

Worum geht’s Octave Parango hat von außen gesehen einen Traumjob in einer renommierten Werbeagentur in Paris. Doch er hasst seinen Job, seine Kollegen und irgendwie auch sein Leben, hat er sich gerade auch noch von seiner schwangeren Freundin getrennt, da er damit so gar nicht klarkam. Er nimmt den Leser mit in seinen Alltag aus absurden Kundenwünschen, sinnlosen Konferenzen, käuflicher Liebe und Drogen und zeigt sehr zynisch, dass eigentlich alles und jeder käuflich ist. Für einen großen Kunden geht es dann nach Florida zu einem Videodreh, wo die Lage eskaliert.

Wie ist’s Das Buch ist eine Abrechnung mit der Werbebranche, in der der Autor selbst zehn Jahre als Werbetexter tätig war. Man hat das Gefühl, dass er viele dieser Momente selbst (in sehr abgeschwächter Form) erlebt hat und durch die zynische Sichtweise im Roman jetzt besser mit ihnen umgehen kann. Mir persönlich hat sein Schreibstil sehr gefallen, die Aufmachung des Buches ebenfalls und die Story war teilweise absolut nicht vorhersehbar und überraschend, was noch einmal ein großes Plus ist. Man bekommt einen Einblick in die Welt der Creative/Art/sonstwie Directors, der einen an einigem zweifeln lässt und zum Nachdenken anregt. Jedem, der „irgendwas mit Medien“ machen mag, kann ihn das Buch ans Herz legen, da man so auf unterhaltsame Art einen Einblick in die Branche erhält.

Das Buch selbst kann man dann wiederum in diesem Rahmen bewerten, es selbst als Werbung und Kampagne sehen, was vom Autoren sehr gut gemacht wird. Also dieses Aufzeigen, dass wir selbst doch immer alle an diesem Spiel beteiligt sind und konsumieren statt uns aktiv zu wehren und zu hinterfragen. Ich hoffe, das ergibt gerade Sinn, wenn nicht, schnappt euch den Roman (oder den Film, wobei ich immer das Buch vorziehen würde) und schaut, wie ihr mit ihm zurechtkommt! Zwischen laut in der Bahn auflachen und etwas schockiert auf die Seiten starren, was da gerade passiert, sind auf jeden Fall viele Reaktionen bei mir dabei gewesen und wäre ich nicht so schlecht im Merken von Zitaten, würde ich einige der gut geschriebenen Zeilen sofort wiedergeben!

Kennt ihr das Buch oder den Film? Wie hat er euch gefallen?