Schlagwort: Krimi

[Lesenswert] Ich finde dich – Harlan Coben

Normalerweise lese ich einen Autor nicht sehr oft mehrmals in kurzer Zeit, aber als ich Ich finde dich von Harlan Coben im öffentlichen Bücherschrank sah, musste es doch gleich mit. Ich hatte nämlich nur das Bedürfnis, mich mit Spannung und leicht geschriebener Lektüre etwas aus der Realität zu holen und das klappte auch mit diesem Thriller wieder richtig gut!

Worum geht’s Universitätsprofessor Jake hat die Liebe seines Lebens vor sechs Jahren an einen anderen Mann verloren und musste Natalie versprechen, sie nach ihrer Hochzeit nicht mehr zu kontaktieren. Als er jedoch zufällig über die Todesanzeige des Ehemannes stolpert, entschließt er kurzentschlossen, sich zur Beerdigung aufzumachen und wird dort mit einem sehr verstörenden Bild konfrontiert: die trauernde Witwe ist nicht Natalie, sondern eine ihm gänzlich unbekannte Frau. Was also ist mit ihr geschehen?

Wie ist’s Coben schreibt einfach spannend, das muss man ihm lassen und die kurzen Kapitel lesen sich nur so weg. Man will wissen, wie es weitergeht und auch wenn die Geschichte teilweise echt sehr unrealistisch und konstruiert wirkt, ich war neugierig, welches Ende sie nehmen wird. Es gibt ein paar sehr unerwartete (übertriebene) Handlungen, einiges kann man aber auch schon recht früh erahnen, da einige der Personen doch sehr flach dargestellt werden und aufgrund dessen gar nicht anders handeln können.

Kein Buch, welches man nochmal lesen wird oder welches lange in einem nachhallt. Ich muss gestehen, ich habe jetzt schon nicht mehr alle Details im Kopf, da es eben doch sehr unrealistisch war, was da alles passiert. Aber ich wurde gut unterhalten und abgelenkt, für mich also definitiv ein Autor, welchen ich für genau diesen Zweck auch in Zukunft wieder zur Hand nehmen werde. Eben was für das verregnete Wochenende auf der Couch oder wenn ihr irgendwo unterwegs seid und noch fünf Stunden Bahnfahrt rumkriegen müsst.

Keine fanatischen Lobesschreie, aber auch absolut keine Enttäuschung – kennt ihr Bücher von Harlan Coben zufällig schon? Wenn ja, welches gefällt euch denn besonders von ihm? Dieses hier durfte jetzt auf jeden Fall schon wieder zurück in den Bücherschrank und macht hoffentlich jemand anderem schon wieder Freude

[Lesenswert] In Deinem Namen – Harlan Coben!

Wenn ich ehrlich bin, habe ich zu In Deinem Namen von Harlan Coben nur aufgrund des Covers gegriffen, denn dieses ist wahnsinnig schön gestaltet! Der Klappentext klang recht generisch, aber Harlan Coben soll sehr spannend schreiben und somit habe ich mich letzte Woche mal mit ihm in die Badewanne gelegt!

Worum geht’s Vor fünfzehn Jahren kam der Zwillingsbruder von Detective Nap Dumas grausam ums Leben. Gleichzeitig verschwand seine damalige Freundin Maura spurlos von einem Tag auf den anderen. Beides lässt ihn noch immer nicht los und als plötzlich die Mauras Fingerabdrücke an einem aktuellen Tatort auftauchen, nimmt Dumas die Ermittlungen wieder auf und beginnt eine Reise in die Vergangenheit.

Wie ist’s Die Story ist wirklich nicht neu, aber am Ende kommen ein paar „habe ich nicht kommen sehen“-Wendungen und die mochte ich. Die Figuren wurden mir irgendwie nicht sympathisch, man fiebert eher dem Ende entgegen als mit den einzelnen Charakteren mit. Was in Ordnung ist, ich muss nicht immer emotional involviert sein.

Coben kann definitiv schreiben (ein paar Mal war die deutsche Übersetzung etwas holperig), ich fand die Kapitel meist spannend und habe nur etwas überflogen, wenn die Rückblenden doch zu langatmig wurden. Man will wissen, wie es weitergeht und ich habe das Buch auf zwei Sitzungen durchgelesen. Man kommt – dank der meist kurzen Kapitel – aber auch nach einer Pause schnell wieder rein. Also eine super Lektüre für den Urlaub, aber auch in Bus/Bahn auf dem Weg zur Arbeit (wenn überhaupt noch wer das Homeoffice verlässt).

Trotz der mich nicht unbedingt begeisternden Story kann ich mir sehr gut vorstellen, mehr von Coben zu lesen (dann aber lieber auf englisch). Habt ihr schon etwas von ihm gelesen, was ihr besonders empfehlen könnt?

[Lesenswert] Dunkel (Die Hulda Trilogie Band 1) von Ragnar Jónasson!

Den Krimi Dunkel von Ragnar Jónasson habe ich meinem Opa zum Geburtstags geschenkt, da er verdammt gut Kritiken bekommen hat. Unter anderem wurde er als einer der besten 100 Krimis und Thriller seit 1945 von THE TIMES ausgesucht und da ich Island-Krimis doch sehr mag, wollte ich ihn jetzt natürlich auch lesen!

Worum geht’s Die 64-jährige Kommissarin Hulda Hermannsdóttir aus Reykjavik soll vorzeitig in den Ruhestand gehen, darf sich aber zuerst noch einen letzten Fall, einen Cold Case aussuchen. Sie entscheidet sich für eine russische Asylsuchende, die letztes Jahr tot am Meer gefunden wurde und hat keine Ahnung, wie sehr ihr Leben plötzlich in Gefahr ist.

Wie ist’s Ragnar Jónasson kann schreiben, ich habe Dunkel an einem Tag durchgelesen. Wir haben verschiedene Erzählebenen und Zeitsprünge, die das Buch wahnsinnig spannend machen und man immer nur noch eines der recht kurzes Kapitel lesen mag. Bis man dann am Ende des Buches angekommen ist und eigentlich sofort mit Band 2 weitermachen will.

Die Story ist jetzt nicht absolut neu und umwerfend, aber sie hat Wendungen, die ich nicht kommen sah und besonders zum Ende hin wird es richtig fesselnd! Die einzelnen Figuren, allen voran natürlich Hulda, werden sehr gut beschrieben, der Leser sympathisiert nicht unbedingt mit ihnen, kann aber doch nachvollziehen, wieso sie wann wie handeln; und wird dann aber doch wieder überraschten, wenn sie Facetten zeigen, die bisher noch nicht durchgedrungen sind. Durch die verschiedenen Erzählstränge erhält man auch erst nach und nach wichtige Details, um die Story zu verstehen, aber ich mag das sehr!

Was mich ein wenig störte (und Achtung, Meckern auf hohem Niveau) ist die förmliche Ansprache, die im Buch ständig benutzt wird. Das „Sie“ verwendet man in Island wenig, man bleibt beim „Du“ und das ist hier natürlich ein Übersetzungs“problem“, aber es hat mir ab und zu etwas die Stimmung zerstört.

Der zweite Teil Die Insel ist gerade vor zwei Wochen erst erschienen und Der Nebel kommt Mitte September raus. Beide Bücher werde ich definitiv lesen, wobei ich wahrscheinlich einfach bis Herbst warte und dann direkt von Band 2 zu Band 3 übergehen kann. Denn wenn der ähnlich spannend endet, würde ich mich hier sonst nur unnötig quälen, wenn ich direkt weiterlese.

Kennt ihr etwas von Ragnar Jónasson? Vielleicht sogar die Hulda-Reihe und dieses Buch? Wenn ja, wie gefällt euch sein Schreibstil und diese Story?

[Lesenswert] Rosenrot von Arne Dahl!

Mit dem Buch Rosenrot von Arne Dahl durfte es endlich mal wieder ein Schwedenkrimi für mich sein. Da es schon der 5. Band um das sogenannte A-Team war, hatte ich kurz Bedenken, nicht in die Story reinzukommen, aber die waren definitiv unnötig, denn die Geschichte kann durchaus für sich stehen.

Worum geht’s Ein ehemals alkoholabhängiger, gerade wieder in den Dienst gekommener, Polizist erschiesst einen südafrikanischen Flüchtling bei einer Razzia und gleichzeitig wird während eines Einbruches in Stockholm eine Leiche gefunden. Ob diese beiden Vorfälle irgendwie miteinander in Verbindung stehen, muss das A-Team, eine recht illustre Truppe nun aufklären..und dass eine Kollegin eine Beziehung mit besagtem Polizisten hatte, macht die Sache nicht gerade einfacher.

Wie ist’s Zu Beginn hat es sich seeeeehr gezogen und ich musste mich regelrecht zwingen, auf meine 30 Minuten am Tag zu kommen. Aber ab der Hälfte war ich dann in der Story (wenn auch nicht bei den Charakteren) und wollte wissen, was hier nun genau passiert ist und welche Hintergründe offengelegt werden. Es wirkte alles etwas zu konstruiert und irgendwie nur bedingt glaubwürdig, aber ich wurde in der zweiten Buchhälfte dann doch gut unterhalten. Als ich dann endlich drinnen war, war das Buch jedoch schon wieder vorbei, hm.

Es gibt ein paar überraschende Wendungen, was mir gut gefiel und die Story immer mal wieder mit Spannung aufgeladen hat; aber da ich mich nicht wirklich mit den einzelnen Charakteren anfreunden konnte, war es mir irgendwie recht gleichgültig, was mit ihnen geschieht. Wäre man hier (vielleicht ist das in Band 1-4 geschehen) etwas mehr in die persönliche Tiefe gegangen, wäre das bestimmt anders gelaufen. Dahl schreibt nicht schlecht, aber eben auch nicht so, dass er mich fesselt. Hier gab es ein bisschen viele Bibelstellen und Rätsel, die mich doch etwas genervt haben *g* Somit muss ich auch keine weiteren Bücher aus dieser Reihe lesen und ich glaube, es wird auch noch etwas dauern, bis ich mir mal wieder einen Schwedenkrimi gönne. Dafür habe ich aber auch einfach noch zu viele andere Werke auf meinem „to read“-Stapel, die mich mehr interessieren!

Kennt ihr Bücher von Arne Dahl? Vielleicht sogar dieses? Welchen schwedischen Autoren lest ihr am liebsten?

[Lesenswert] Trügerische Ruhe von Tess Gerritsen

Von Opa habe ich mir Trügerische Ruhe von Tess Gerritsen geschnappt, denn irgendwie klang die Story etwas nach Stranger Things (wo mir immer noch 1,5 Staffeln fehlen, Schande über mein Haupt) und somit war ich neugierig! Und schwupps, war mein Samstag weg und ich mit dem Buch fertig 😉

Worum geht’s In einer eigentlich idyllischen Kleinstadt beginnen Jugendliche plötzlich, gewaltvolle Taten bis hin zu Mord zu begehen, welche die Einwohner in einem Schock-Zustand zurücklässt. Die „neu hinzugezogene“ Ärztin Claire versucht, sich gemeinsam mit dem Polizeichef Kelly einen Reim aus diesen Taten zu machen..und plötzlich beginnt auch ihr eigener Teenagersohn Noah erste Anzeichen von Persönlichkeitsveränderung zu zeigen.

Wie ist’s Verdammt spannend, ich muss es sagen. Angepriesen wird es als „Medizin-Thriller wie von Michael Crichton, der auf dem Terrain von Stephen King spielt“ und das passt! Mir gefiel der Schreibstil von Tess Gerritsen, man will immer „nur noch ein Kapitel lesen“ und schwupps, ist es 3 Uhr morgens und man am Ende. So etwas will ich haben, wenn ich denn mal einen Krimi lesen! Es gibt ein paar unerwartete Wendungen, welche einen noch mehr an das Buch fesseln, das Ende kam dann aber doch etwas langweilig um die Ecke.

Die Charaktere werden gut eingeführt, die unvermeidbare Liebesgeschichte hätte für mich auch wegbleiben (oder etwas weniger kitschig sein dürfen..), aber der kleine Ort mitten im Nirgendwo mit seinen Bewohnern wird atmosphärisch gefüllt. Es war auch eine gute Balance aus medizinischem/anthropologischem Fachjargon und eben normaler Sprache, wodurch ich nie gelangweilt war.

Jupps, ich würde definitiv mehr von Tess Gerritsen lesen, ein Name, den ich zwar kannte, aber noch nie zu einem ihrer Werke gegriffen habe. Also, sollte ich mal eins im öffentlichen Bücherschrank finden, darf es mit zu mir..wobei nichts von ihren romantic novels, da bin ich dann doch raus.

Habt ihr schon etwas von Gerritsen gelesen? Vielleicht ja sogar Trügerische Ruhe? Wenn ja, wie hat es euch denn gefallen? 🙂

[Lesenswert] Vater Unser von Jilliane Hoffman

Von Jilliane Hoffman wollte ich schon lange etwas lesen und als ich nun den Thriller Vater Unser im öffentlichen Bücherschrank fand, habe ich es mir geschnappt und direkt an zwei grau-verregneten Tagen durchgelesen!

Worum geht’s Der angesehene Chirurg David Marquette aus Miami scheint seine Frau sowie seine drei kleinen Kinder auf schrecklichste Weise ohne jegliche Vorwarnung getötet zu haben. Da zunächst niemand zu verstehen scheint, ob er nun ein geschickt getarnter Mörder oder ein an Schizophrenie erkrankter Mann ist, nimmt sich die junge Staatsanwältin Julia (unter Leitung ihres Bosses Rick, mit welchem sie auch seit Kurzem eine Affäre hat) der Frage an, ob es hier um kaltblütigen Mord oder Unzurechnungsfähigkeit geht. Die ermittelnde Polizei geht sogar noch weiter und will Marquette zu einem Serienmörder machen, da er mit anderen ungeklärten Morden gaaaaanz lose in Verbindung gebracht werden kann..

Wie ist’s Das Buch fängt wahnsinnig gut an, ich war gefesselt und konnte es zunächst nicht mehr aus der Hand legen. Aber dann wird es leider immer zäher und langweiliger. Es tauchen Seitenstränge und Personen auf, die nirgendwohin führen und man merkt schnell, dass es mehr eine Art „Füllbuch“ für den nächsten Band sein soll. Was ich schade fand, denn ich hatte wirklich hohe Erwartungen.

Einiges wirkt doch sehr konstruiert und unrealistisch, Gefühle sind hier teils sehr, hm, unwirklich dargestellt und manches ist einfach zu sehr Zufall, was mir nicht gefällt. Dass es um das Thema Schizophrenie sowie eine intensivere Beleuchtung der Todesstrafe in den USA geht, finde ich gut, aber auch hier hätte ich mir gerne mehr Tiefe zur Problematik der (Un-)Zurechnungsfähigkeit gewünscht. Diese musste dann aber durch eine sehr aufgezwungen wirkende Liebesgeschichte weichen.

Man taucht tief in die Julias Psyche ein, viele Rückblenden erklären ihr Aufwachsen, ihre Familiengeschichte und wieso sie handelt, wie sie es tut. Fand ich gut, aber hat viel Raum in diesem Buch eingenommen und somit wurde hier auch die Spannung nach und nach entzogen und der Fokus vom eigentlichen Mord und dessen Aufklärung genommen. Per se kann das gut sein, ich bin aber einfach vom Klappentext ausgehend mit anderen Erwartungen an die Lektüre herangetreten und wurde etwas enttäuscht.

Jilliane Hoffman schreibt aber gut, ich kann verstehen, wieso ihre Bücher so häufig auf den Bestsellerlisten stehen und ich kann mir definitiv vorstellen, eines ihrer früheren Werke (Cupido z.b.) zu lesen. Das hier stelle ich jetzt zurück in den Bücherschrank (eigentlich wollte ich es ja an Opa weitergeben, was immer viel heisst, aber nein, dazu ist es einfach zu langatmig) und wer weiß, vielleicht finde ich da ja mal einen anderen Thriller von ihr!

Habt ihr schon etwas von der Autorin gelesen? Wenn ja, welches Buch denn und wie hat es euch gefallen?

[Lesenswert] Griessnockerl Affäre von Rita Falk!

Als das Buch Winterkartoffelknödel vor zehn Jahren raus kam, war ich definitiv sehr neugierig, denn bis dahin hatte ich noch nie einen niederbayrischen Provinzkrimi gelesen. Danach hatte ich das aber auch irgendwie wieder vergessen, bis Opa mir nun die Griessnockerl Affäre von Rita Falk in die Hand drückte. Mittlerweile ermittelt Dorfpolizist Franz Eberhofer schon den 10. Fall, die Griessnockerln (das gibt es dann in Suppenform im Buch) waren allerdings erst seit vierter, somit bin ich noch immer nicht ganz up to date.

Worum geht’s Polizistenmord! In der Provinz und dann hat Franz zu dem ermordeten Kollegen auch noch ein angespanntes Verhältnis und erscheint plötzlich dringend tatverdächtig. Natürlich muss er den inkompetenten Kollegen unter die Arme greifen und versuchen herauszufinden, was da wirklich passiert ist. Während gleichzeitig zuhause einiges im Argen liegt, denn es taucht eine ehemalige Liebschaft von der Oma auf.

Wie ist’s Ich habe gelernt, dass ich nicht alleine mit meinen grammatikalischen Verfehlungen bin und es auch Eberhofer nicht so genau mit dem Genitiv nimmt oder wann man als und wann man wie nutzt 😉 Aber teilweise tut das Lesen ein wenig weh, wobei es wirklich authentisch wirkt und eben nach gesprochener Sprache. Also, wenn ihr einen Provinzkrimi lesen wollt, sprachlich habt ihr ihn hier. Ein paar passende Rezepte gibt es im Anhang auch noch, wenn man sich so richtig in Stimmung bringen will.

Die Story ist etwas sehr seicht für meinen Geschmack, die Figuren werden alle eher oberflächlich beschrieben (oder man kennt sie mittlerweile wohl einfach schon sehr gut) und sonderlich viel Spannung kommt auch nicht auf. Dadurch habe ich mich nicht wirklich in die Charaktere einfühlen und mitfieber können. Aber man kann das Buch innerhalb weniger Stunden gemütlich runterlesen, Pausen machen, ohne danach Probleme zu haben, wieder in die Story zu finden und wird nett unterhalten. Etwas für die Bahn, den Strand, wenn man eben nicht viel denken, sondern abschalten mag. Muss ich mehr Bücher von Rita Falk lesen? Nein, außer die Story klingt wirklich sehr, sehr fesselnd, aber ich bin mir sicher, die nächste Person, die es jetzt im Bücherschrank entdeckt, wird sich freuen 🙂

Mögt ihr Provizkrimis? Vielleicht ja die Reihe von Rita Falk? Oder könnt ihr damit auch eher wenig anfangen?

[Lesenswert] Schnee, der auf Zedern fällt – David Guterson

Kennt ihr diese Bücher, an denen man einfach ewig liest und nicht das Gefühl hat, dass sich storymässig etwas tut? So erging es mir bei Schnee, der auf Zedern fällt von David Guterson und auch wenn das Buch noch so (wohl zu recht) gelobt wird, wir hatten es einfach nicht leicht miteinander!

Worum geht’s Dem Lachsfischer Kabuo (Amerikaner japanischer Abstammung) wird der Mord eines anderen Fischers vorgeworfen. Zeugen gibt es keine, aber Indizien, welche nun während eines Schneesturms auf der kleinen Insel San Piedro in einem Gerichtsverfahren ans Licht gebracht werden. Ishmael Chambers, der die einzige Zeitung vor Ort betreibt, versucht, das Verbrechen mit all seinen in der Vergangenheit liegenden Begebenheiten, die dazu geführt haben könnten, aufzuklären. Wobei er nicht ganz ohne eigenes Motiv zu handeln scheint.

Wie ist’s Atmosphärisch sehr dicht geschrieben, man verliert sich in Seiten von Beschreibungen und als Leser wusste ich machmal nicht mehr, wo ich bin. Wir haben verschiedene Erzählstränge, zeitliche Sprünge, Schnee, Kälte und viele Details, sei es zum Thema Fischen oder wie sich Wasserleichen so verhalten in ihrem Zersetzungsprozess. Statt auf 500 hätte die eigentliche Geschichte für mich auch viel kürzer erzählt werden können, ohne von ihrer Intensität einzubüßen.

Doch so sehr ich gerade auch meckerte, die Geschichte ist wahnsinnig interessant. Es geht um das Leben der Menschen in den USA vor/während des Zweiten Weltkrieges und was dies mit ihnen getan hat. Dabei werden vor allem Amerikaner mit japanischer Abstammung, welchen zuvor in Harmonie mit den schon einigen Generationen dort lebenden Amerikanern lebten und dann in all dem Chaos zu Opfern werden. Darüber habe ich bisher wenig gelesen (und auch wenig drüber nachgedacht, sind wir mal ehrlich) und fand diesen Einblick somit sehr neu und spannend. Dass man da so viele – für mich echt unwichtige – Fisch- und Erdbeerdetails reinbringen musste, ist schade, denn so werde ich das Buch nicht wirklich weiterempfehlen ausser ihr WOLLT unbedingt einen sehr dichten Roman mit allen möglichen Details, die ihr später mal als euren Gegenüber überraschenden Smalltalk auf einer Party loswerden wollt 😉

Kennt ihr den Roman? Zumindest der Name war mir ein Begriff, ich hatte ihn allerdings als Filmtitel abgespeichert. Und hat ihn vielleicht sogar wer gelesen und ist so ganz anderer Meinung?

[Lesenswert] Wenn der Mond stirbt – Richard Crompton

Und da wurde es doch schon wieder ein Krimi, anscheinend finde ich so langsam Gefallen an diesem Genre. Denn auch Wenn der Mond stirbt von Richard Crompton lag viele, viele Jahre in meinem „noch zu lesen“-Bücherregal und ich griff nie danach. Dabei klang es durchaus spannend, denn die Handlung spielt in Nairobi (Kenia) und ich glaube, dass ich noch nie ein Buch mit diesem Schauplatz gelesen habe.

Worum geht’s Die übel zugerichtete Leiche einer Massai, welche als Prostituierte arbeitet, wird im Abwasserkanal der kenianischen Hauptstadt gefunden. Der Ermittler Mollel, ebenfalls Massai und sonst etwas störrischer und in Ungnade gefallener Ermittler, wird „von oben“ auf den Fall angesetzt und findet schnell heraus, dass da mehr als nur Raub dahintersteckt. Es geht in die Tiefen der lokalen Politik sowie zu einem sehr einflussreichen Prediger, welcher mit ausländischen Spendengeldern finanziert wird und seine eigene Agenda hat.

Wie ist’s Leider etwas verworren, teilweise verliere ich mich ein wenig in der Story bzw muss Google fragen, was da eigentlich gerade vor sich geht. Man taucht in die kenianische Politik ein, in Korruption, Polizei(gewalt), Armut, soziale Ungleichheit und diverse Konflikte zwischen ethnischen Gruppen. Was den Roman aufgrund seiner Themenvielfalt aber auch spannend macht und man hinein tauchen und mehr erfahren will, um zu verstehen, wieso hier wer gerade wie handelt. Doch das „Mehr“ bietet der Autor an dieser Stelle nicht, was sehr schade ist!

Die Story an sich ist ganz spannend gestaltet, es kommen ein paar unerwartete Wendungen, doch störe ich mich etwas an unserer Hauptperson, welcher einen kleinen Heldenkomplex hat und mir (bisher) nicht allzu sympathisch ist. Gut finde ich die Beschreibungen von Nairobi, die Szenen sind atmosphärisch teilweise dicht gefüllt und ich glaube dem Autoren, dass er selbst Jahre vor Ort gelebt hat. Zwar bin ich kein riesiger Krimi- und auch kein Massai-Hardcore-Buchfan, aber ich könnte mir doch vorstellen, den Nachfolger Hell’s Gate zu lesen, welcher dann in der Provinz spielt.

Per se will ich definitiv mehr Bücher mit dem groben Schauplatz „Afrika“ lesen und das natürlich besonders gerne von afrikanischen Autoren. Sollte die Buchmesse diesen Herbst doch irgendwie in Frankfurt stattfinden, werde ich mich da mal ein wenig intensiver umsehen. Wenn ihr allerdings jetzt schon einen Tipp habt, gerne her damit!

[Lesenswert] Mord in bester Lage – Michael Böckler

Da mich normalerweise weder Krimis noch das Thema „Wein“ sonderlich reizen, stand das Buch Mord in bester Lage von Michael Böckler viele Jahre ungelesen in meinem Regal. Da ich mich jetzt aber doch etwas intensiver daran mache, alle ungelesenen Bücher in die Hand zu nehmen, durfte es mich die letzten Tage durch die Selbstisolation begleiten.

Worum geht’s Baron Emilio von Ritzfeld-Hechenstein will eigentlich das Dolce Vita in Südtirol auf dem Weingut seiner neuen Freundin Pina genießen. Doch statt sich „nur“ durch die Weine der Region zu testen, tauchen plötzlich mehrere Leichen in seinem Umfeld auf, welche auch noch mit besagter Freundin in Verbindung zu stehen scheinen. Somit muss er am Ende doch seine Karriere als Ermittler wieder entstauben und herausfinden, was da eigentlich vor sich geht – natürlich mit genügend Weinverkostungen zwischendurch.

Wie ist’s Wir hatten es nicht leicht miteinander, sagen wir es so. Die Beschreibungen Südtirols, der Weine und der regionalen kulinarischen Spezialitäten war zu Beginn spannend, am Ende aber einfach zu viel für mich. Denn so ein Weinkenner bin ich (immer noch) nicht, dass ich mich da an halbseitigen Beschreibungen einer Rebsorte erfreuen kann.

Die Story ist leider recht vorhersehbar, teilweise doch etwas abstrus (wer mag keine satanistisch verwirrten Mönche, welche ritualistische Morde planen und auch noch sexuell überreizt sind) und die Personen dürften für mich gerne komplexer sein. Emilio wird schrullig, mit einigen Macken gezeichnet, aber wie gesagt, das hätte ich gerne ausführlicher gehabt. Es ist der zweite Band aus der Reihe um den ermittelnden Baron, man muss die Vorgeschichte allerdings nicht kennen, da mit Rückblenden wichtige Ereignisse aufgegriffen werden. Es gibt ein paar spannende Wendungen, aber wie gesagt, der Großteil dümpelt eher so dahin.

Am Ende des Buches gibt es noch einen ausführlichen Anhang mit Wein- und Restauranttipps sowie Rezepten, wenn man sich motiviert fühlt, selbst einmal vor Ort in Südtirol auf den Spuren von Emilio zu wandeln. Für Liebhaber der Gegend oder welche, die es noch werden wollen, vielleicht von Interesse.

Insgesamt bin ich nicht sonderlich überzeugt von dem Buch, also ist die Motivation, ein weiteres aus der Reihe zu lesen, auch wenig vorhanden. Aber wenn man Lust auf einen Provinzkrimi hat und das Buch zufällig mal im öffentlichen Bücherschrank, wieso nicht 😉