Schlagwort: Lesen

[Lesenswert] Das Rosie-Projekt – Graeme Simsion

Da ich versuche, mindestens ein nichtwissenschaftliches Buch die Woche zu lesen, kann ich euch dieses jeweils gleich im Anschluss vorstellen. An nur zwei verregneten Nachmittagen in London habe ich mich mit Das Rosie-Projekt des australischen Schriftstellers Graeme Simsion beschäftigt und es nun wieder brav in den öffentlichen Bücherschrank gebracht, damit es jemand anderem Freude bereiten kann. Wer unkonventionelle Liebesgeschichten mag, der sollte unbedingt weiterlesen!

Worum geht’s Don Tillmann (welcher mich irgendwie an Sheldon und Sherlock erinnerte) ist ein Wissenschaftler. Und sucht eine Frau zum Heiraten. Da ihm soziale Beziehungen nicht unbedingt liegen (das Aspergersyndrom schwankt hier immer mit), entwickelt er einen sechszehnseitigen Fragenkatalog, welchen potentielle Kandidaten auszufüllen haben. Die Psychologiedoktorandin und Barkeeperin Rosie stolpert zufällig in sein Leben, entspricht so gar nicht seinen Vorstellungen von einer „passenden“ Frau, aber spätestens als sie gemeinsam auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater gehen, bei welcher Don seine Expertise unter Beweis stellen kann, beginnen sich seine „Ideale“ zu verändern.

Wie ist’s Zunächst einmal ist dieses Buch enorm gehyped worden und hat einen Nachfolgeroman bekommen. Meist liegt mein Geschmack abseits des Mainstreams und dann auch noch eine Liebesgeschichte..aber ich wollte es zumindest einmal versuchen. Es ist lustig geschrieben, es kommen unerwartete Wendungen, die einen überraschen und fesseln, doch ändern sie nichts am Plot, dessen Ende einem schon zu Beginn klar ist. Die Figuren sind ausführlich beschrieben, man kann ihr Handeln nachvollziehen und mitfühlen, teilweise finde ich sie aber zu sehr in stereotype Kategorien gepackt. Da hätte der Autor einfach ein wenig mehr Nuancen nutzen können.

Es ist und bleibt eine Liebesgeschichten. Welche eben einmal etwas ausgefallenere Charaktere hat. Es ist seicht, man kann das Buch in einem Rutsch runterlesen oder ohne Probleme nach einer Unterbrechung wieder in die Story finden. Die ideale Urlaubs-/Strandlektüre oder wenn man zur Arbeit pendelt. Den Nachfolger werde ich nicht lesen, dazu hat es mich einfach nicht genug begeistert, aber sollte Simsion vielleicht bei seinem nächsten Werk thematisch in eine andere Richtung gehen, wäre ich dabei.

Kennt ihr das Rosie-Projekt und vielleicht sogar den zweiten Band? Wie hat euch die Geschichte gefallen und an wen hat euch Don erinnert?

[Lesenswert] Erwartung – Jussi Adler-Olsen

Als ich den fünften Band aus der Carl Morck und seinem Sonderdezernat Q bei meinem Opa liegen sah, war klar, dass es dieses Buch sein wird, welches ich als erstes im neuen Jahr lesen werde. Die letzten Monate gab es dissertationsbedingt primär Fachliteratur und ich sage euch, manchmal hatte ich so gar keine Lust mehr zu lesen. Da kam mir der Thriller Erwartung von Jussi Adler-Olsen genau recht, denn er zieht einen in seinen Bann, ist aber nicht zu anspruchsvoll, eben genau die richtige Mischung, um unterhalten zu werden.

Worum geht’s Marco, ein fünfzehnjähriger Junge, lebt mit seiner Großfamilie und deren Anführer Zola am Rande Kopenhagens und wird von diesem in die Kriminalität gezwungen. Betteln und Taschendiebstahl bestimmen sein Leben, doch er will mehr. Als er hört, dass er „zum Krüppel gemacht werden soll“, um Zola mehr Geld einzubringen, entscheidet Marco zu fliehen. Dabei stolpert er unweit ihrer Unterkunft auf eine Männerleiche, deren Bild er später auf einer alten Vermisstenanzeige wiederfindet. Langsam beginnen sich das Leben von Marco und ein Korruptionsskandal miteinander zu verweben und Carl Morck stolpert in dieses Chaos hinein.

Wie ist’s Von der ersten Seite an fesselnd, ich liebe es, wenn ich anfange zu lese und überhaupt keine Ahnung habe, was gerade passiert. David Baldacci schreibt ähnlich und obwohl seine Bücher mit thematisch eigentlich null interessieren, lese ich gebannt jedes Wort. Das ging mir auch beim fünften Fall von Carl Morck nicht anders und ach, ich hoffe, ich finde die anderen beiden weiteren Bände bald im öffentlichen Bücherschrank! Die Geschichte entwickelt sich zunächst auf zwei Zeit- und Erzählebenen, was sie sehr spannend macht und vermischt sich anschließend in der Gegenwart. Durch einige Rückgriffe kann man dem Band auch folgen, wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt, da die Hauptpersonen erneut (quasi nebenbei) vorgestellt werden. Schön ist, dass sich ihre Beziehungen vertiefen und weiterentwickeln, man einen guten Einblick „hinter die Kulissen“ bekommt. Das Thema „Korruption in der Enwicklungshilfe“ ist bestimmt nicht innovativ, aber interessant aufgearbeitet und gibt dem sonst sehr auf Dänemark spezialisiertem Buch neue Facetten. Der Schreibstil von Adler-Olsen ist sehr angenehm, man kann leicht folgen, wird gefesselt und – sollte man doch wirklich eine Pause machen – man kann schnell wieder einsteigen. Für mich war das das ideale Buch für S-Bahn. Flughafen, Flugzeug und dann Tube – ich hatte eine super Reise nach London 🙂

Wer Thriller mag, für den ist dieses Buch definitiv was! Da die Reihe schon einige Jahre auf dem Buckel hat, gibt es mittlerweile sieben Bände, man kann also ruhig 1-2 verregnete Wochen mit Lesen verbringen. Ich will definitiv auch die beiden weiteren Werke noch genießen, aber das Schöne ist, dass die Fälle immer abgeschlossen werden und man nicht einem Cliffhanger begegnet. Somit muss man nicht sofort zum nächsten Band springen, wobei..ich es am liebsten direkt tun würde! Kennt ihr die Bücher von Adler-Olsen schon und seid ebenfalls sehr angetan? Oder konntet ihr mit dem etwas kauzigen Carl und seinen beiden Helfern Rose und Assad so gar nichts anfangen?

[Lesenswert] ABC-Lesechallenge 2018 – der Endstand!

Na, habt ihr dieses Jahr schon ein gutes Buch verschlungen? Ich versuche mich jetzt zum dritten Mal an der ABC-Lesechallenge, wobei man sich einmal quer durch das Alphabet liest. Bisher bin ich immer in den 20ern gescheitert, aber vielleicht hingekriegt einen spannenden Buchtitel zu jedem Buchstaben (und die Zeit, sie auch zu lesen) gefunden?

Endstand 2018: 16 von 26 Buchstaben „gelesen“

After the first death – Robert Cormier (klick)
B
Choke Chain – Jason Donald (klick)
D
Eating Animals – Jonathan Safran Foer (klick)
F
Girl in the woods – Aspen Matis (klick)
H
In 80 Tagen um die Welt – Jules Verne (klick)
J
Kuss – Eine kleine Kulturgeschichte, Der – Alain Montandon (klick)
Little History of Philosophy, A – Nigel Warburton (klick)
M
Nächsten Sommer – Edgar Rai (klick)
O
Picknick mit Bären – Bill Bryson (klick)
Q
Rupien! Rupien! – Vikas Swarup (klick)
Subtle Art of not giving a fuck, The – Mark Manson (klick)
Tod des Iwan Iljitsch – Leo Tolstoi (klick)
Us – David Nicholls (klick)
V
Wer die Nachtigall stört – Harper Lee (klick)
X
Yogi‘s Pacific Crest Trail Handbook – Jackie McDonnell
Zwischen jetzt und immer – Sarah Dessen (klick)

Nein, das war mal nichts. Also so gar nichts, nur 16 Buchstaben habe ich „gelesen“. Immerhin waren ein paar Klassiker dabei, die ich schon ewig lesen wollte! Erschwert wurden die Bedingungen dadurch, dass ich viel Zeit unterwegs verbracht habe und auf dem Pacific Crest Trail z.b. keine Bücher mitschleppen konnte. Aber auch sonst habe ich primär Bücher aus Bücherschränken gelesen und mich beim Kaufen brav zurückgehalten, wodurch ich weniger Auswahl hatte (aber keine Sorge, mehr als genug gute Werke waren dabei). Dann hat man natürlich auch immer das „Problem“, dass es einfach beliebte Buchstaben für Titel gibt (T, G, D), von denen man dann eben mehrere Bücher liest, das einem für diese Challenge aber nichts bringt. Hauptfaktor war bei mir dieses Jahr aber ganz klar, dass ich nicht viel Zeit hatte. Wenn ich unterwegs bin, höre ich häufig Podcasts, da ich durch die Gegend laufe, in der Metro nicht ständig aus meinen Gedanken oder dem Lesefluss gerissen werden mag und somit hach..mein Bücherstapel mit ungelesenen Werken ist hoch. Sehr hoch, mich gucken hier bestimmt vierzig Bücher vorwurfsvoll an.

ABER (und nun kommen wir zum positiven Lichtblick) jetzt habe ich mehr Zeit und werde zwar auch 2019 wieder viel unterwegs sein, aber mehr Bücher mitschleppen und sie dann in neuen Schränken lassen können. Auswahl habe ich aktuell in meinem eigenen Bücherschrank schon genug, somit werde ich mich hier erst einmal austoben (und brav ein paar Bücher in den Koffer werfen) und ich jetzt nicht an dieser ABC-Challenge verbeißen, sie 2019 aber trotzdem weiterführen. Allerdings modifziere ich sie dahingehend, dass ich alle Bücher auflisten werde, die ich gelesen habe. Denn ich will wissen, wie viele ich in einem Jahr wirklich lese; die Anzahl war 2018 definitiv nicht mehr allzu hoch, ich habe nur so viel Unifachkram gelesen, dass mir manchmal einfach die Augen „weh“ taten und die Leselust verschwunden war, das wird 2019 nicht mehr geschehen! 🙂

Also auf in eine neue Runde – ich würde mich freuen, wenn noch wer von euch dabei ist! Ich update alle drei Monate auf meinem Blog, um zu sehen, was sich tut und fände es natürlich interessant zu sehen, wie es bei anderen so läuft!

[Lesenswert] The Girls: a novel – Emma Cline

Woohoo, ich bin endlich mal wieder zum Lesen gekommen, man glaubt es kaum! Ihr wisst, ich liebe Bücher, am liebsten würde ich den halben Tag lesend und die andere Hälfte mit schreiben, essen und etwas erleben verbringen. Auch an meiner ABC-Lesechallenge 2018 arbeite ich noch, aber ich glaube, wie auch schon im letzten Jahr werde ich es nicht hinkriegen, ALLE Buchstaben abzuarbeiten. Gut, dass bald 2019 ist und ich eine neue Chance habe (und noch so einen verdammt hohen Stapel mit Werken, die ich schon längst gelesen haben wollte).

The Girls: a novel von Emma Cline stand schon seit seinem Erscheinen auf meiner „to-read“-Liste und somit habe ich mich enorm gefreut, als ich in Mexico City das Buch doch tatsächlich in einem öffentlichen Bücherschrank in der U-Bahn fand. Besser geht’s doch nicht, somit war das meine Urlaubslektüre für die Stadt (und die Pyramiden von Teotihuacan) und steht jetzt auch schon wieder brav in seinem Regal – oder wird von jemandem verschlungen, wer weiß! Dankenswerterweise war es auf Englisch, mein grausiges Spanisch ist nämlich definitiv noch nicht gut genug für ein Buch, die Museumsschilder hingegen gehen. Ok, jetzt aber zu den Mädels!

Worum geht’s Angesiedelt in den 60er Jahren haben wir unsere vierzehnjährige Hauptprotagonistin Evie, die ihren letzten Sommer „in Freiheit“ genießen will, bevor sie auf ein Internat geschickt wird. Sie hat zunächst ein paar typische „Teenagerprobleme“ (Probleme mit der besten Freundin und ihren kürzlich geschiedenen Eltern, eine unerwiderte Verliebtheit in den Bruder der besten Freundin, Langeweile und die Suche nach sich selbst), welche jedoch etwas ins Abseits geraten, als sie eine Gruppe Mädchen im Park entdeckt. Besonders ein Mädchen, Suzanne, zieht ihren Blick magisch an und somit beginnt sie, ihnen zu folgen und Kontakt aufzunehmen. Schnell lernt sie, dass die so frei erscheinenden, unkonventionellen Mädchen außerhalb der nordkalifornischen Stadt auf einer Ranch mit wenig Essen und Regeln, dafür aber mit viel Drogen und Liebe leben und einen „Anführer“ namens Russell haben, welche sie allem verfallen scheinen. Evie wird neugierig und will das Leben auf der Ranch kennenlernen, was schließlich in einem Albtraum endet.

Wie ist’s Es hat mich überrascht, denn der Klappentext klingt so viel reißerischer als das Buch ist. Es ist keine Horrorstory von einer Sekte, die gewalttätig wird, das ist nur der Rahmen, in welchem dieser so berührende Coming of Age Roman spielt. Er hat zwei Zeitebenen, 1969 und das Heute, wo Evie als erwachsene Frau die Situation erneut durchlebt. Ich mag den Schreibstil von Emma Cline, er fesselt einen auf sanfte Weise, ohne plakativ zu sein. Aber man will wissen, wie es weitergeht, was Evie entscheidet, wo ihr Leben hingehen soll.

Emma Cline haucht ihren Charakteren Leben ein, man kann sich mit ihnen identifizieren, da sie so breit aufgestellt sind. Es sind Teenagersorgen, die wir alle mal durchlebt haben und so fragt man sich natürlich, was man selbst an dieser Stelle getan hätte. Und ärgert sich über Dinge, die Evie über sich ergehen lässt, welche man auch selbst über sich hat ergehen lassen..diese Passivität, mit der wir Frauen als Mädchen zu kämpfen haben, kommt sehr gut durch. Die Angst, dass man anderen nicht gefällt, dass man nicht gemocht wird, dass man eben versucht, so zu sein, wie andere einen haben (und lieben) wollen – die vielschichtige Beziehung zwischen Evie und Suzanne ist für mich Kernstück dieses Buches.

Für mich ist es eine Urlaubslektüre, die gut unterhält, einen nachdenklich, aber nicht zu nachdenklich stimmt und ein Buch, über welches sich gut reden lässt. Einige Sätze sind wunderschön geschrieben, die wenigsten klingen allerdings lange nach (da versprechen all die Lobeshymnen auf den ersten Seite doch etwas viel). Da ich gerade Wild Wild Country (auch eine absolute Empfehlung)gesehen habe, hatte ich irgendwie ständig diese Bilder im Kopf und teilweise beide Szenarien auch etwas vermischt.

Habt ihr The Girls von Emma Cline zufällig schon gelesen oder steht es auch noch auf eurer Liste? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? Und wenn wer noch eine aktuelle Empfehlung für einen weitere, gelungenen Coming of Age-Roman hat, nur her damit! 🙂 Eine Bestellung hier steht in nächster Zeit nämlich an!

[Lesenswert] Tödliche Tropfen – Jakob Stein

Meine Mama brachte sich dieses Buch als Flugzeuglektüre mit in die USA und da sie es sowieso hier lassen wollte, habe ich das recht dünne Büchlein dann auch mal geschwind gelesen. Vorneweg, ich bin kein großer Krimi-Fan, sie müssen schon ausgefallen gut geschrieben sein, dass ich sie lese und besonders mit lokalen Kriminalromanen tue ich mir doch schwer. Somit hatte Tödliche Tropfen von Jakob Stein, welcher sich hauptsächlich auf und um den Frankfurter Flughafen abspielt, keinen leichten Start!

Worum geht’s Die schlimm zugerichtete Leiche einer Frau wird in einem Feuerwehrübungsplatz auf dem Frankfurter Flughafen gefunden. Hauptkommissar Schwaner und sein Team beginnen die Ermittlungen in etwas ruckeliger Zusammenarbeit mit den zuständigen Personen am Flughafen und finden sich kurze Zeit in der Welt der teuren Weine wieder.

Wie ist’s Dieses Buch ist das dritte Buch von Jakob Stein und hat – wie schon die Vorgänger – den Frankfurter Hauptkommissar Martin Schwaner als Hauptperson. Somit werden er und sein Team lose vorgestellt, man baut nicht wirklich eine Beziehung zu den unterschiedlichen Personen auf und das Buch kratzt emotional definitiv nur an der Oberfläche. Die Story entwickelt sich schnell, die Sätze sind kurz und die Beschreibungen knapp. Es liest sich teilweise mehr wie ein Blogbeitrag/Zeitungsartikel und konnte mich hierdurch nicht überzeugen. Fesselnd ist der Plot leider auch nicht, da vieles eben nur angeschnitten wird und somit baut sich da für mich kaum Spannung auf.

Da ich viel auf dem Frankfurter Flughafen unterwegs bin und auch die Gegend kenne, waren die Hintergrundkulissen-Blicke spannend, aber erneut viel zu knapp. Und wie andere kritisieren, wohl auch inkorrekt, hierzu kann ich aber nichts sagen. Zur eigentlichen Geschichte, ohne zu viel zu verraten: es kommt am Ende eine Wendung, die überrascht, Sinn ergibt, aber so viel besser hätte verwertet werden können. Das Thema Weinhandel und Betrug ist keines, mit dem ich viel in Kontakt komme, aber es hätte durchaus spannend(er) vermittelt werden können.

Insgesamt hat mich das Buch nicht überzeugt, mehr von dem Autoren oder Krimis, welche den Weinhandel thematisieren, zu lesen. Wenn man kurze, seichte Unterhaltung mag (ich las es beim Laufen vom Flughafen zu meinem Hotel quasi nebenbei), Sätze, die schnell und einfach zu lesen sind und man das Buch auch problemlos mal weglegen kann..vielleicht ist das eures, wenn ihr gerne mehr über den Frankfurter Flughafen lesen wollt. Ansonsten würde ich euch eher davon abraten und habe das Buch jetzt auch hier zurückgelassen, vielleicht freut sich ein anderer Hotelgast darüber.

Kennt ihr ein Buch von Jakob Stein? Mögt ihr regionale Krimis? Was könnt ihr empfehlen? Ich fand ja Winterkartoffelknödel von Rita Falk damals (bevor der Hype losging) sehr unterhaltsam!

[Lesenswert] Im Reich der Königin von Saba – Carmen Rohrbach

Als ich das Buch Im Reich der Königin von Saba von Carmen Rohrbach im öffentlichen Bücherschrank fand, schnappte ich es mir sofort. Ich mag Dokumentationen mit starken, weiblichen Charakteren und diese Story klang somit genau nach meinem Geschmack.

Worum gehts Die Autorin reist zunächst in den Jemen, um Arabisch zu lernen und danach alleine mit einem Kamel durch den Jemen zu wandern. Diese Idee gestaltet sich in der Realität allerdings als weitaus schwieriger und zeitintensiver, da es zum Beispiel nicht erlaubt wird, dass sie ohne männliche Begleitung unterwegs sein darf. Carmen Rohrbach umschifft all diese Hindernisse allerdings nach und nac und kommt doch noch zu ihrem Abenteuer!

Wie ist‘s Ich habe das Buch sehr schnell gelesen und fand es in Ordnung. Es war jetzt nicht unheimlich fesselnd, ich konnte es gut aus der Hand legen und war nicht zu invested in die Geschichte. Denn irgendwie bleibt die Autorin etwas unnahbar und so baute ich wenig Empathie auf. Sehr interessant fand ich jedoch die Einblicke in das Land, den Alltag, die kurzen Vorstellungen von Menschen, die sie dort kennenlernte und man quasi nebenbei etwas von der Kultur lernt. Und auch. Wie unterschiedlich sie in diesem Land ist, welches im Aufbruch scheint. Sie geht auch auf die Geschichte ein, gibt viele Infos zu den Städten, die sie bereist und man lernt, wie man mit einem Kamel umzugehen hat. Was ich wohl eher kaum im Leben brauchen werde, aber wer weiß, sollte ich doch mal ein wildes Kamel treffen, bin ich vorbereitet.

Insgesamt nicht die beste Reisereportage, die ich je gelesen habe, aber auch nicht die langweiligste und somit würde ich sie euch empfehlen, wenn ihr etwas mehr über den Jemen lernen wollt und/oder den Umgang mit Kamelen 😉

[Lesenswert] ABC-Lesechallenge 2018 – Halbzeit!

Na, habt ihr dieses Jahr schon ein gutes Buch verschlungen? Ich versuche mich jetzt zum dritten Mal an der ABC-Lesechallenge, wobei man sich einmal quer durch das Alphabet liest. Bisher bin ich immer in den 20ern gescheitert, aber vielleicht kriege ich es 2018 hin und finde einen spannenden Buchtitel zu jedem Buchstaben (und die Zeit, sie auch zu lesen). Beim ersten Update hatte ich es gerade einmal auf fünf gelesene Bücher geschafft, aber vergessen wir das mal geschwind und kommen wir heute also zum Halbzeit-Update!

HALBZEIT-UPDATE 2018: 13 von 26 Buchstaben „gelesen“

 

After the first death – Robert Cormier (klick)
B
Choke Chain – Jason Donald (klick)
D
Eating Animals – Jonathan Safran Foer (klick)
F
Girl in the woods – Aspen Matis (klick)
H
In 80 Tagen um die Welt – Jules Verne (klick)
J
Kuss – Eine kleine Kulturgeschichte, Der – Alain Montandon (klick)
Little History of Philosophy, A – Nigel Warburton (klick)
M
N
O
Picknick mit Bären – Bill Bryson (klick)
Q
Rupien! Rupien! – Vikas Swarup (klick)
Subtle Art of not giving a fuck, The – Mark Manson (klick)
Tod des Iwan Iljitsch – Leo Tolstoi (klick)
Us – David Nicholls (klick)
V
Wer die Nachtigall stört – Harper Lee (klick)
X
Y
Z

 

Passend zur Halbzeit der Challenge habe ich auch Halbzeit bei meinen gelesenen Büchern hinbekommen, was doch ganz gut passt. Seit einem Monat bin ich allerdings etwas weniger am Lesen bzw habe ich kaum noch richtige Bücher, da ich beim Wandern auf das Gewicht achten muss. Somit sitze ich jetzt abends eben lesend auf dem iPad im Zelt, was zwar praktisch ist, aber einfach nicht dasselbe Gefühl..und somit lese ich definitiv weniger. Aber ich habe ja noch ein paar Monate Zeit, um die übrigen Buchstaben hinzukriegen!

Macht noch wer dieses Jahr bei einer Lesechallenge mit? Wenn ja, wie schlagt ihr euch zur Zeit so?

[Lesenswert] Wer die Nachtigall stört – Harper Lee

Gaaaaang gemütlich arbeite ich meine „Klassiker, die mal doch mal gelesen haben sollte“-Liste ab und da stand natürlich auch Wer die Nachtigall stört von Harper Lee drauf. Haben viele von euch bestimmt im Englischunterricht gelesen, sollten wir auch, aber irgendwas kam dann damals doch dazwischen. 1960 ist das Buch erschienen, Harper Lee hat dafür den Pulitzer-Preis gewonnen und dann einfach nie wieder ein Buch geschrieben. Kann man auch mal machen 😉

Worum geht’s Das Buch ist ein Coming of Age Roman, welcher in einer Kleinstadt in den Südstaaten der USA während der Great Depression (genauer 1933-1935) spielt. Scout und ihr älterer Bruder Jem erleben Alltagsrassismus an jeder Ecke, welcher sich intensiviert, als ihr Vater in seiner Tätigkeit als Anwalt einen wegen Vergewaltigung einer weißen Frau angeklagten Afroamerikaner vor Gericht verteidigt. Thematisch geht es in dem Buch aber auch um Freundschaft, Aufwachsen ohne Mutter, erste Liebe, das Geschehen in der Nachbarschaft und die Kindheit von Scout wird sehr komplex vor dem Leser ausgebreitet.

Wie ist’s So viel mehr als ich dachte! Man hat mit dem Buch ein paar Schlagworte im Kopf, die Geschichte wird aber viel komplexer erzählt und besonders aus Sicht des Mädchens wird dies sehr spannend. Anfangs dachte ich erst, ok, vielleicht habe ich das Buch doch falsch eingeordnet, aber Harper Lee baut die Geschichte sehr langsam auf, gibt einem quasi nebenbei Infos mit, wie das Leben in der Zeit ausgesehen haben mag, wie schrecklich der zwischenmenschliche Umgang teilweise war, wie wenig an der einen, dafür aber sehr viel an der anderen Ecke reflektiert wurde. All dies erlebt Scout, welche herausfinden muss, was ihre Ansichten sind und hier wird der Leser sehr gut mitgenommen.

Wieder ein Buch, was gerne noch etwas länger hätte sein dürfen, wobei das Ende durchaus „rund“ ist, den Leser zwar nachdenklich, aber nicht mit drängenden Fragen zurücklässt. Der Schreibstil ist sehr angenehm, er fließt daher, doch kann man durch die kurzen Kapitel auch gut mal aufhören (wenn man aus dem Bus aussteigen muss). Stark konzentrieren muss man sich beim Lesen nicht, aber es macht Spaß. Teilweise kommen aber auch Tode um die Ecke, die so unerwartet sind, dass ich doch noch einmal zurückblättern musste, ob ich da ein Anzeichen für überlesen hatte.

Scout und Jem sowie ihr Freund Dill und Atticus (ihr Vater) werden sehr gut porträtiert, bei einigen anderen Charakteren hätte ich mir aber doch noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Zwar gelingt es der Autorin sie allein durch ihre Handlungen und wegen Äußerungen gut einordbar zu machen, aber ich hätte einfach gerne noch mehr von ihnen selbst gehört. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, da ich einfach noch 50 Seiten mehr gewollt hätte.

Habt ihr das Buch auch gelesen, vielleicht sogar in der Originalversion „To kill a mockingbird“? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? Und an welchen Klassiker werdet ihr euch als nächstes wagen? Da bei ibooks viele Klassiker lizenzfrei zu kriegen sind, werde ich da dieses Jahr noch den ein oder anderen lesen!

[Lesenswert] Leben gehen – Anne Tyler

Anne Tyler ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur und wäre es nicht für den öffentlichen Bücherschrank, hätte ich wohl noch lange Zeit nichts von ihr gehört. Oder gelesen. Sie gewann für ihren Roman „Atemübungen“, welchen ich auch noch hier habe, sogar den Pulitzerpreis, aber zum Glück ist es ja nie zu spät, sich solches Wissen noch anzueignen. Da ich mit einem kleineren Werk von ihr starten wollte, schnappte ich mir somit zunächst einmal Leben gehen.

Worum geht’s Evie lebt das recht unaufregende Leben eines zurückgezogenen Highschool-Teenagers in einer kleinen Stadt in North Carolina, wo nicht allzu viel passiert. Durch Zufall entdeckt sie im Radio den lokalen Musiker Bertram „Drumstrings“ Casey und entscheidet, gemeinsam mit einer Freundin ein Konzert von ihm zu besuchen. Was sie auch tut und einige Konzerte und eine etwas skurrile Tat (sie ritzt sich den Namen „Casey“ auf der Club-Toilette auf die Stirn) später, kommt sie sogar mit Drum in Kontakt und es beginnt, sich unter externem Druck seitens seines Drummers und Managers David eine ungewöhnliche Teenagerliebe zu entwickeln, welche jedoch unter keinem guten Stern steht.

Wie ist’s Schwierig. In dem Sinne, dass ich die Charaktere sehr gut entworfen fand, die Geschichte aber leider etwas zu „un-rund“, da fehlten mir einfach noch so 20-30 Seiten, in welchen mehr passiert oder zumindest darüber gesprochen werden sollte. Dass Evie sich den Namen in die Stirn ritzt, ist ein so untypisches Verhalten für sie, welches sie aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen lässt, alles hinterfragen lässt und da hätte man noch so einiges mehr schreiben können. Ebenso die Reaktion von Casey auf diese Tat einer ihm bis dato unbekannten Person, die ihn alles andere als kalt lässt. Sowohl Evie als auch Casey sind spannende Protagonisten, welche mit der ein oder anderen Überraschung um die Ecke kommen und langweilig wird die Story nicht, aber teilweise kann man die Geschehnisse und Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen. Das Buch dümpelt nur manchmal etwas sommerlich-schwer daher, was zwar einerseits Stimmung erzeugt, teilweise aber auch etwas demotivierend wirkt und einen dazu anregt, eine Lesepause zu machen.

Mir gefällt der ausgefallener Schreibstil, aber allein von diesem Buch aus, welches sie übrigens 1970 veröffentlichte, würde ich nicht denken, dass Anne Tyler später mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Was mich aber nur noch mehr neugierig auf „Atemübungen“ macht! Ich habe den auf dem Buch basierenden Film von 1999 übrigens als Trailer bei Youtube gefunden und sollte ich mal viel Zeit haben, würde ich mir den doch glatt anschauen!

[Lesenswert] Rupien! Rupien! von Vikas Swarup

Das Buch Rupien! Rupien! von Vikas Swarup ist vielen von euch eher als Slumdog Millionaire bekannt, wie die 2008 herausgekommene Verfilmung nämlich genannt wurde. Zwar habe ich den Film damals auch gesehen und durchaus gemocht, als ich jetzt jedoch das „Original“ bei meiner Mama fand, musste ich es doch schnell mal lesen. Denn fast immer gefällt mir das Buch besser und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht, wobei der Film doch auch sehr sehenswert ist, wenn ihr ihn noch nicht kennt.

Worum geht’s Der auf den ersten Anschein „ungebildete“ Straßenjunge Ram Mohammed Thomas (der Name allein ist schon eine Geschichte für sich) wird verhaftet, nachdem er die indische Quizshow „Wer wird Millionär“ bis zur letzten Frage richtig beantwortet und somit gewonnen hat. Da aber niemand glaubt, dass es mit rechten Dingen zugeht, da er das doch alles gar nicht wissen kann, kommt er zunächst ins Gefängnis, wird dort aber von einer Anwältin herausgeholt, die der Sache auf den Grund gehen mag. Episodenhaft erzählt er nun aus seinem Leben, wie er die jeweilige Antwort auf die Fragen wissen konnte und bietet dem Leser einen schillernden Einblick in den indischen Alltag.

Wie ist’s Für mich die ideale Urlaubslektüre, die Spaß macht, beim Lesen aber null anstrengt. Leicht geschrieben, fliegen die Seiten nur so dahin, jede Frage (und Antwort) bekommt ein Kapitel und meist habe ich zwei gelesen und mir danach eine Pause verordnet. Denn ich wollte das Buch eine Zeit lang genießen und konnte mir so jeden Tag etwas gönnen. Man weiß vor dem Kapitel nie, in welchen Lebensabschnitt von Ram man eintauchen wird, was es enorm spannend macht und rätselt schon während dem Lesen mit, welche Frage ihm am Ende gestellt werden könnte. Die Einblicke in sein Leben sind spannend, einige Geschehnisse sieht man einfach nicht kommen, andere erinnern mich selbst an Erfahrungen, die ich in Indien gemacht habe.

Sehr gute Unterhaltung, die man aber eben auch nach jedem Kapitel zur Seite legen kann, da die Geschichte nicht chronologisch geschieht und man schon weiß, dass er gewinnt, also man da nicht mehr mitfiebern muss. Man lacht, man leidet mit Ram mit, wird wütend über Ungerechtigkeit und kann dann wieder nur staunen, was in Indien alles passiert. Wer sich auf leichte Art an das Land herantasten mag, das ist euer Buch! Man lernt quasi nebenbei etwas über die unterschiedlichen Religionen und Kasten, ihr Zusammenleben sowie wichtige Momente der indischen Geschichte kennen und dafür mag ich das Buch besonders. Es vermittelt Wissen, aber auf höchst unterhaltsame Weise – wobei man es aufgrund der Geschichten auch nicht gleich wieder vergisst.

Jupps, das Buch gewinnt gegen den Film, welcher sich auch etwas unterscheidet. Mir haben alle kleinen Geschichten gefallen und ich fand ihre Verschiedenheit sehr gut, da sie obwohl nur mit einer Hauptperson aufzeigen, wie vielschichtig und komplex die indische Gesellschaft ist und es genau dieses Kaleidoskop ist, welches mich jedes Mal wieder umhaut, wenn ich in Varanasi wohne. Mumbai – die Stadt, in welcher das Buch häufig spielt – kenne ich leider noch nicht allzu gut, habe jetzt aber erneut Lust bekommen, dort endlich auch mal einige Zeit zu verbringen. Oh 2019, du wirst ein reise-lastiges Jahr, ich habe es schon im Gefühl. Wer seichte Indien-Unterhaltung zum Lesen mag, schaut euch dieses Buch mal näher an!