Schlagwort: Lesen

[Lesenswert] I want it that way – Ann Aguirre

Da ich immer wieder gerne Hörbücher aus dem sogenannten Young Adult-Bereich vorm Einschlafen/beim Fertigmachen etc höre und das sehr entspannend finde, dachte ich mir, lese ich doch auch mal etwas aus diesem Genre. Dafür ausgesucht habe ich mir beim Mira Taschenbuch Verlag (danke schön hierfür!) das Buch I want it that way von Ann Aguirre. Die Autorin war mir bis dahin unbekannt, sie ist aber eine gefeierte New York Times-Bestsellerkandidatin und hat schon elf Bücher veröffentlicht. I want it that way ist auch der erste Band einer Trilogie, von der dieses Jahr endlich Band 3 erscheinen wird!

I want it that way

Worum geht’s Nadia zieht gemeinsam mit ihren Freunden in eine WG, wo sie den attraktiven Nachbarn Ty trifft. Sie selbst hat neben Studium und Job eigentlich schon kaum Zeit für ihre Freunde und erst recht nicht für einen Freund. Doch mit dem alleinerziehenden Vater scheint sie eine ganz besondere Verbindung zu haben und so nimmt das Leben seinen Lauf, Pläne hin oder her.

Wie ist’s Schon das Cover dürfte euch ganz klar sagen, was hier Sache ist. Wir haben die typische Young Adult-Story von einer Mann-Frau-Anziehung auf den ersten Blick, die stärker als alles andere zu sein scheint und alle Hindernisse überkommen kann. Was ich als Hörbuch echt gerne mag, ist mir hier in Papierform aber irgendwie zu flach und ach, ich weiß nicht, einfach viel zu unrealistisch. Die Hauptpersonen (also Nadia und Ty) sind zwar schon „reifer“ in ihrem Denken, aber einige Dinge sind einfach so abrupt und wirken sehr gekünstelt. Ty als alleinerziehenden Vater stellt seinen Sohn in den Vordergrund und gibt sich mehr oder weniger auf, da er Schuldgefühle aus einer vorherigen Beziehung mit sich herumträgt; Nadia will es ihren Eltern recht machen und sowohl Studium als auch Job meistern, wobei sie ihre eigenen Wünsche ignoriert. Themen, die jetzt nicht neu sind, aber hier in Kombination sehr gut funktionieren.

Durch ihren Schreibstil schafft die Autorin, dass einen die Geschichte fesselt, natürlich will man ein Happy End am Schluss lesen, da einem die Personen durchaus sympathisch sind. Die Nebenpersonen hätten gerne auch noch etwas mehr Aufmerksamkeit haben dürfen, wobei die Beste Freundin von Nadia und ihr Bruder Thema des zweiten Bandes sind. Besonders gut gefiel mir das Bonuskapitel, was die Sicht von Ty zeigt (andere Autoren verpacken diese Geschichte noch einmal in ein ganzes Buch, hier war das Kapitel aber definitiv ausreichend, was ich ausreichend fand).

Wer Young Adult Literatur mag und Ann Aguirre noch nicht kennt, ich kann sie euch empfehlen und kann mir gut vorstellen, dass es genau nach eurem Geschmack ist. Für mich wäre es als Hörbuch einfach noch besser gewesen, beim Lesen brauche ich etwas „mehr“. Somit denke ich, werde ich mir Band 2 und 3 in Zukunft bestimmt irgendwann anhören, mich hat das Buch jetzt aber nicht soooooo umgehauen, dass ich sofort weiter hören müsste (wie es z.b. bei Tribute von Panem der Fall war). Da die Story in sich abgeschlossen ist und es mit anderen Personen weitergeht, kann man da durchaus eine Pause machen. Kennt wer von euch das Buch? Wie hat es euch gefallen und wie ist Band 2?

[Lesenswert] ABC-Challenge von Goldkindchen!

In letzter Zeit war ich viel am Ausräumen, Aussortieren, Problem- bzw Hortungsstellen in meinem Leben aufzuspüren und ich muss sagen, Bücher sind ganz klar eine Schwachstelle. Wenn man ein semi-nomadisches Leben führt, noch durch die halbe Welt reisen und erst „irgendwann mal“ seßhaft mit Haus und Bücherzimmer werden mag, sollte man sie nicht so ansammeln, wie ich es tue! Zwar ist es durch meinen Kaufstopp und die vielen öffentlichen Bücherschränke, die ich nutze, schon weniger geworden, aber ich habe noch immer zu viele ungelesene Bücher in meinem Regalen stehen. Und verstauben. Das mag ich ändern und ich dachte mir, dass ein Anreiz hierzu die ABC-Challenge von Nicole ist, die ich auf ihrem Blog Goldkindchen zufällig gefunden habe. 2015 hat sie begonnen, sich durch das Alphabet zu lesen und ich dachte mir, das versuche ich jetzt auch! Wobei ich schon gemerkt habe, es gibt Buchstaben, welche häufiger vertreten und ich z.b. schon mehrere Bücher mit „G“ gelesen habe, aber ich versuche trotzdem, zumindest jeden Buchstaben einmal zu erwischen!

Momentaner Stand: sechs von sechsundzwanzig Buchstaben sind „gelesen“:

A
B
C
D
E
Foreign Body – Robyn Cook
Gone Girl – Gillian Flynn
H
I want it that way – Ann Aguirre
J
K
L
M
Not that kind of girl – Lena Dunham
O
P
Q
Ruhm – Daniel Kehlmann
S
Todeswächter – Veit Etzold
U
V
W
X
Y
Z

Ich habe mich dazu entschieden, sowohl englische als auch deutsche Titel für die Challenge zu nutzen, da es in meinem Bücherschrank von beidem wimmelt. Hörbücher lasse ich außen vor, wobei ich sie zwar liebe, sie aber nicht sichtbar in meinem Bücherregal stehen und darauf warten, dass ich sie endlich in die Hand nehme und danach entweder behalte, einem lieben Menschen gebe, verkaufe oder in den öffentlichen Bücherschrank stelle. Bis zum Ende des Jahres wird es hoffentlich etwas leerer in den Regalen sein, denn wer weiß, wo ich bis dahin schon wieder bin 😉 

Seid ihr auch solche Buchsammelkäufer und habt zig ungelesene Werke im Regal, die ihr aber eigentlich unbedingt lesen wollt? Dann macht doch auch bei dieser schönen Challenge mit oder setzt euch eine eigene, z.b. ein Buch pro Monat! Ich bin sehr gespannt, wie ich hier vorankomme und wie es am Ende des Jahres aussehen wird – ich denke zur Halbzeit werde ich einmal updaten, wie es so läuft! Über Mitleser/ -streiter würde ich mich aber sehr freuen!

[Lesenswert] Todeswächter von Veit Etzold

Der Thriller war ein Weihnachtsgeschenk von meiner Mama an meinen Opa und ich habe mir das Buch auch noch geschnappt, bevor es in den öffentlichen Bücherschrank gewandert ist. Der Todeswächter von Veit Etzold hätte mich von der Covergestaltung nämlich auch so im Geschäft angesprochen, das sah mit dem aufklappbaren Sarg einfach interessant aus!

Todeswächter von Veit Etzold

Worum geht’s In Berlin geschehen drei grausame Morde, eher Hinrichtungen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben. Doch finden die Ermittler des LKA (allein voran Pathopsychologin Clara) an den Leichen antike Münzen, welche doch auf eine Verbindung schließen lassen. Da es allerdings immer unterschiedliche DNA an den Tatorten und verschwundene Angehörige der Toten gibt, stehen die Ermittler zunächst vor einem Rätsel.

Wie ist’s Die Kapitel sind kurz und spannend geschrieben, somit liest man immer „noch eins“ und plötzlich ist es halb drei in der Nacht. Hier hat der Autor durchweg gewusst, wie man Spannung erzeugt. Der Wechsel zwischen Ermittlern und Killerperspektive ist ebenfalls spannend, mich hat die Geschichte nur irgendwie nicht so ganz gekriegt, die Personen waren mir „egal“, ich konnte keine Verbindung aufbauen. Die Dialoge zwischen den Ermittlern waren sehr flach und auch die einzelnen Beziehungen untereinander einfach unwichtig für die Story (es ist der dritte Band mit dieser Ermittlerin, hier hätte ich mir definitiv mehr gewünscht).

Die Geschichte mit ihren Wendungen ist aber nichts sonderlich Neues, das hat man alles so schon gelesen und würde mich spontan nicht motivieren, mehr von diesem Autoren zu lesen. Man weiß sehr schnell, wer der Mörder ist und aus welchem Motiv, es geht also nur noch im dessen Jagd und dann hat man ein sehr knappes, langweiliges Ende. Sehr gut gemacht fand ich, dass die Schauplätze in Berlin immer etwas beschrieben wurden, man ein gutes Gefühl für die Umgebung bekam und es zu meinem Berlinbild gepasst hat. Die vielen Nietzsche-Zitate passten zwar gut in die Thematik, wurden aber absolut nicht aufgegriffen und standen somit einfach isoliert zwischen der Geschichte herum – das hätte man bestimmt besser lösen können.

Insgesamt kein Buch, welches mir sonderlich lange im Gedächtnis bleiben wird (bis auf die Sache mit dem Hund, die verstörend war) und somit würde ich es jetzt auch nicht weiterempfehlen. Vielleicht muss man die beiden vorherigen Bände gelesen haben, um mehr in der Geschichte zu sein, so war es ein netter Zeitvertreib, aber mehr auch nicht. Hoffentlich freut sich der nächste Besitzer mehr darüber!

[Lesenswert] Foreign Body – Robyn Cook!

Die erste Buchbesprechung 2016 und ich sage es gleich vorneweg, Foreign Body (Die Hand des Bösen) von Robyn Cook war nicht mein Buch! Der Autor war mir vorher unbekannt und da es a) kein mich neugierig machendes Cover hat und b) ein Thriller ist, wäre es nie bei mir gelandet, wäre da nicht die Müllkippe in Yellowknife gewesen, wo ich seit einigen Monaten alle meine Bücher herhabe. Was andere wegwerfen, lese ich jetzt und spende es dann an die Bücherei in Montreal, damit sich noch jemand anderes daran erfreuen kann! Bücher wegwerfen geht aber auch einfach gar nicht!

Foreign Body Robyn Cook

Worum geht’s Die Großmutter der Medizinstudentin Jennifer stirbt vollkommen überraschend nach einer Operation in Indien. Dies erfährt Jennifer allerdings erst durch einen Anruf des Krankenhaus und lässt sie vollkommen verwirrt nach Indien aufbrechen. Dort angekommen, wird sie gedrängt, den Leichnam schnellstmöglichst und ohne Autopsie verbrennen zu lassen und langsam kommen Jennifer Zweifel an den geschilderten Komplikationen. Sie lässt ein befreundetes Pathologen-Paar einfliegen und gemeinsam beginnen sie, zu ermitteln.

Wie ist’s Irgendwie total übertrieben und aus der Luft gegriffen, ich fand das Buch einfach nicht glaubwürdig. Wie Indien dargestellt wurde, gefiel mir nicht sehr und die ganze Erzählart mit all seinen passenden Zufällen war nicht meines. Ich habe mich durchgequält, da ich es zu Ende lesen wollte, aber es hat sich gezogen und gezogen. Da man sich aber nicht großartig konzentrieren musste und die Story so langsam ablief, habe ich das Buch immer morgens um 6 auf dem Weg zur Arbeit gelesen und dafür war es ok. Aber empfehlen würde ich es niemandem und der Autor müsste mir jetzt auch nicht wieder unterkommen. Das war so gar nicht nach meinem Geschmack, dabei klang es zu Beginn noch gut, das Thema „Medizintourismus in Indien“ hätte sehr gut umgesetzt werden können.

Von welchem Buch seid ihr zuletzt enttäuscht gewesen und welches war euer Lieblingsbuch 2015? Eine schwere Frage, ich weiß, aber ich bin auf der Suche nach neuen, guten Bücher, die ich nach Kanada lesen werde!

[Lesenswert] Mary Higgins Clark – We’ll meet again

Woohoo, so langsam bekomme ich meine zwei Bücher pro Woche wieder hin, der lange Arbeitsweg mit der Metro ist also doch zu etwas gut. Allerdings lese ich morgens um 6 definitiv langsamer als zu meinen normalen „Wachzeiten“. Von Mary Higgings Clark habe ich schon einige Krimis/Thriller gelesen und fand sie immer wahnsinnig spannend geschrieben. We’ll meet again (oder auch Wenn wir uns wiedersehen) hatte also hohe Erwartungen zu erfüllen!

Mary Higgins Clark We'll meet again

Worum geht’s Molly wird nach 5,5 Jahren aus dem Gefängnis entlassen, in welchem sie aufgrund des Mordes an ihrem Mann saß. Allerdings kann sie sich partout nicht an die Mordnacht erinnern oder gar daran, dass sie ihm etwas angetan hat; gemeinsam mit ihrer ehemaligen Schulfreundin Fran, die mittlerweile eine True Crime Journalistin ist, beginnt sie nach der Wahrheit zu suchen. Als ein weiterer Mord in Mollys Umfeld geschieht, spitzen sich die Dinge zu und so langsam beginnt nicht nur die Fassade des perfekten Ehemannes, sondern auch die Mauer, die Molly vor der Erinnerung schützt, zu bröckeln..

Wie ist’s Meine Erwartungen wurden vollkommen erfüllend, das Buch ist ein richtiger Pageturner und liest sich nur so runter. Mir fiel es schwer, es überhaupt aus der Hand zu legen, da ich wissen wollte, wie sich alles auflöst. Man hat zwar seine 2-3 Verdächtigen, aber am Ende kommt doch alles anders als man denkt. Tolle Leistung der Autorin, die durchgehend fesselnd schreibt, aber auch auf unwichtige Details verzichtet. Für einige könnte hier etwas Atmosphäre fehlen, ich fand die Reduziertheit sehr angenehm! Durch die primär kürzeren Kapitel kann man es auch super unterwegs lesen und kommt immer wieder schnell in die Handlung rein.

Wer schon Bücher von der Autorin kennt, wird auch hier nicht enttäuscht sein. Aber auch allen anderen, die gerne Thriller lesen, kann ich es wärmstens ans Herz legen, ich hatte mit den 400 Seiten definitiv eine gute Zeit! Leider habe ich jetzt kein Buch mehr von Higgins Clark hier bei mir in Kanada, ich bin wieder angefixt worden, noch mehr von ihr zu lesen! Mal sehen, was mein liebster öffentlicher Bücherschrank in Deutschland im Februar für mich bereithält!

[Lesenswert] Freakonomics – Steven Levitt & Stephen Dubner

Als ich vor gefühlt zehn Jahren das erste Mal über Freakonomics von Steven D. Levitt & Stephen J. Dubner (deutsch/englisch) gestolpert bin, war ich schon vom Titel sehr angetan. Ich bin jemand, der immer begeistert hier schreit, wenn ein eigentlich trockenes (oder ernstes) Thema amüsant, locker-flockig rübergebracht wird (ich sage nur Last Week with John Oliver). Wie das aber im Leben dann oft geschieht, hatte ich einfach nie Zeit und dann geriet das Buch in Vergessenheit. Umso glücklicher war ich, als ich es doch tatsächlich am Ende der Welt aka Yellowknife in einem öffentlichen Bücherschrank fand! Zufälle gibt es manchmal, das ist doch verrückt!

Freakonomics

Worum geht’s Der Wirtschaftswissenschaftler Steven Levitt versucht, gemeinsam mit dem Journalisten Stephen Dubner, gesellschaftliche Phänomene mit ökonomischen Werkzeugen und den abstrusesten Korrelationen der Allgemeinheit zu erklären. Was nach langweiliger Statistik klingt, ist enorm spannend und bringt einen definitiv häufiger zum Schmunzeln. Die Themen sind vielfältig und kurios, so geht es zum Beispiel um die Frage, ob Swimmingpools gefährlicher als Waffen für Kinder sind, wieso Drogendealer so lange bei ihren Müttern wohnen und was Sumo-Ringer und amerikanische Lehrer verbindet. Oder wie Immobilienmakler denken (wollen sie wirklich immer den höchsten Preis für den Klienten rausschlagen) und ob es einen Zusammenhang zwischen der Schulbildung der Eltern und den Namen ihrer Kinder gibt? Denkt man zunächst, dass es da doch einfach keine Verbindung geben kann, werden einem schnell die Augen geöffnet und man hat ein neues Thema zum Smalltalken.

Wie ist’s Ich habe das Buch mit großem Interesse und viel Lächeln gelesen. Die Themen waren durchgehend spannend, man kann sie ruhig nicht der Reihe nach lesen, da sie nicht aufeinander aufbauen. Sie sind in sich gut geschrieben, es gibt sehr viele Quellennachweise, wenn man sich näher mit einer Sache beschäftigen will und das Buch macht einfach Spaß! Absolut nicht trocken, einige Dinge sind so absurd, dass man sie sich gar nicht vorstellen kann und wenn sie einem dann belegt werden, staunt man einfach nur.

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, lasen es drei meiner Bekannten hier in Kanada und alle waren ähnlich begeistert bzw gefesselt. Wir hatten danach auf jeden Fall spannende Diskussionen beim Abendessen 😉 Auch wenn das Buch schon etwas älter ist, kann ich es euch definitiv noch immer ans Herz legen – vielleicht habt ihr ja jemandem im Kopf, der sich über ein „wirtschaftwissenschaftliches“ Weihnachtsgeschenk freuen würde.

Das Wall Street Journal hat ein sehr passendes Zitat zu dem Buch verfasst, welches ich hier nur noch kurz wiedergeben möchte: „If Indiana Jones were an economist, he’d be Steven Levitt…Criticizing Freakonomics would be like criticizing a hot fudge sundae“. Da schließe ich mich gleich mal an und notiere mir mental, dass ich am Wochenende mal dringend Eis kaufen sollte 🙂 Durch meinen Vollzeit-Job bin ich jetzt leider wieder von 2 auf 1 Buch pro Woche gefallen, wobei ich mir definitiv auch Lesen für die nächsten zwei Tage vornehme..ich habe noch so viele Bücher hier in Kanada, die gelesen werden wollen, das wird knapp!

[Lesenswert] Prep – Curtis Sittenfeld

Als ich das Taschenbuch Prep von Curtis Sittenfeld im öffentlichen Bücherschrank entdeckt, musste ich sofort zuschlagen. Zwar hatte ich noch nie davon gehört, aber auf der Rückseite war folgende Time-Review abgedruckt: „Critics have compared…Sittenfeld to Salinger and Plath. But her novel Prep…pegs her as a name to watch in her own right“. Da ich sowohl Plath als auch Salinger geradezu verschlungen habe und noch immer sehr gerne lese, konnte ich gar nicht mehr anders, als das Buch einzupacken!

Prep Curtis Sittenfeld

Worum geht’s Die 14-jährige Lee Fiora will ihrem Leben in Indiana entfliehen und entscheidet sich trotz ihres sehr erstaunten Umfeldes auf das prestigeträchtige Ault Internet in Massachusetts zu gehen. Das Buch begleitet ihr Leben dort über die nächsten vier Jahre bis zu ihrem Abschluss und behandelt die Themen, Freundschaft, Beziehungen, Selbstfindung, Gender, Liebe und beschreibt, was es heißt, in der Highschool zu sein.

Wie ist’s Ich muss sagen, dass das Buch die lobenden Kritiken und den Platz auf der New York Times Bestsellerliste durchaus verdient hat. Es ist zwar nicht ganz so fesselnd, wie ich es mir gewünscht hatte und teilweise etwas langatmig, aber es ist ein absolut überzeugender coming of age Roman. Lee Fiora wird als sehr komplexe Person gezeichnet und die Autorin kommentiert ihr Verhalten immer wieder – eben so, als wäre sie damals das junge Mädchen gewesen, dessen Aufwachsen wir hier am eigenen Leib erfahren. Man kann sich absolut in die Schulzeit hineinversetzen, hat einige Situationen bestimmt auch so erlebt und oftmals sind die dazu geschriebenen Kommentare einfach nur so treffend! Es wird ein hervorragendes Bild von der Hierarchie, dem „Klassenkampf“, dem Gruppenverhalten, welches in jeder Schule (und besonders im Internat) vorherrscht und wie schwer es für jeden Einzelnen ist, seinen Platz darin zu finden.

Mir ist die Hauptperson nicht unbedingt sympathisch, somit habe ich keine sehr enge Verbindung zu ihr aufgebaut und konnte ich das Buch immer wieder zur Seite legen. Teilweise waren einige Passagen auch etwas zu langatmig, aber selbst wenn man dort überfliegt, verliert man nicht viel von der Story. Ich würde nicht so weit gehen und Sittenfeld mit Salinger und Plath zu vergleichen, ganz so herausragend fand ich ihre Stil doch nicht, aber insgesamt hat sie ein sehr gutes Bild vom Heranwachsen in einem Internat gezeichnet.

Wenn ihr gerne coming of age Romane lest, kann ich euch dieses Buch definitiv empfehlen! Mit etwas über 460 Seiten kann man sich damit auch einige Zeit beschäftigen. Lest es ruhig im Original, die Sprache ist einfach gehalten und auch auf unnötig verschachtelten Satzbau wird verzichtet, es liest sich gut runter! 

[Lesenswert] Menschensöhne – Arnaldur Indridason

Seit ich im Januar in Island war und mich Hals über Kopf in dieses Fleckchen Erde verliebt habe, ist meine Faszination für alles, was damit zu tun hat, ungebrochen. Somit habe ich mich sehr gefreut, als ich im öffentlichen Bücherschrank den bereits 2006 erschienen Krimi Menschensöhne von Arnaldur Indridason gefunden habe. Es handelt sich hierbei um das erste Buch aus der sehr erfolgreichenKommissar Erlendur Sveissons Reihe des Autoren – mittlerweile ist Band 11 daraus erschienen.

Menschensöhne

Worum geht’s Inmitten Reykjaviks wird ein pensionierter Lehrer brutal ermordet und zur gleichen Zeit bringt sich einer seiner ehemaligen Schüler in einer Psychiatrie um. Da muss es wohl einen Zusammenhang geben und Kommissar Erlendur Sveinsson beginnt mit Hilfe von Palmi, dem Bruder des Selbstmörders, zu ermitteln. Irgendetwas in der gemeinsamen Vergangenheit der beiden Personen muss zu der heutigen Tragödie geführt haben.

Wie ist’s Ein absoluter Page-Turner, so fesselnd, dass ich das Buch in zwei Tagen gelesen habe. Ich wusste vorher nicht, dass die Erlendur Sveinsson-Reihe enorm erfolgreich ist und hatte somit gar keine Erwartungen an den Krimi. Ganz großer Fehler und absolute Unterschätzung! Die Personen werden gut beschrieben, man kann sich in sie hineinversetzen und wird durch die Story immer wieder überrascht. Dachte ich zuerst, dass es bestimmt wieder „nur“ um Missbrauch geht, wurde ich hier schnell eines Besseren belehrt. Nein, ich habe so einige Wendungen wirklich nicht kommen sehen und bin von der Fantasie und Erzählgeschwindigkeit des Autors sehr begeistert. Da die Kritiken in seinem Erstling alle noch Schwächen sehen und seine nachfolgenden Bücher loben, will ich mich unbedingt nach und nach durch die Reihe lesen und selbst sehen, ob da was dran ist. Denn ich fand dieses Buch schon klasse – Island als Schauplatz passt super zum Stimmung des Buches!

Kennt ihr das Buch zufällig schon oder andere Werke aus der Erlendur-Reihe? Wenn ihr Krimis mögt, empfehle ich euch den Autoren und wenn ihr Island als Schauplatz auch noch mögt, seid ihr wirklich genau richtig. Meine höchste Empfehlung ist immer, dass ich das Buch meinem Opa zu lesen gebe und das werde ich in diesem Fall definitiv machen. Er liebt Krimis und ich denke, dass ihn die ausgefallene Handlung bei diesem Buch auch begeistern wird!

[Lesenswert] Der rote Schrei – Mary Willis Walker

Ein neuer Tag, ein neuer Krimi – diesmal mit einem Titel, unter dem ich mir absolut nichts vorstellen konnte. Von der Autorin Mary Willis Walker hatte ich auch noch nicht gehört, aber mich machte neugierig, dass Der rote Schrei mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnet wurde. Der Name war mir immer ein positiver Begriff 😉

Der rote Schrei

Worum geht’s Die Journalistin Molly Cates hat ihr Buch über den verurteilten, geständigen Serienmörder Bronk publiziert, welcher in Kürze hingerichtet werden soll. Sie will noch einen letzten Artikel über ihn schreiben, doch es werden ihr plötzlich Steine in den Weg gelegt..und dann geschieht ein weiterer Mord, der viel zu viele Parallelen zu den Morden von Bronk hat. Gemeinsam mit ihrem Exmann, einem Polizisten, macht sich Molly daran, Licht ins Dunkle zu bringen und die Wahrheit herauszufinden.

Wie ist’s Sehr spannend, ich habe es an einem Tag gelesen! Die Charaktere werden sehr schön beschrieben, man kann sich gut in sie hineinversetzen und ich mag sehr, dass sie „nicht nur schwarz oder weiß gezeichnet“ sind. Es gibt Widersprüche, was gut ist und die Geschichte spannender macht. Die Mischung aus Spannung, harter Thematik wie der Todesstrafe und seichter Liebesgeschichte funktioniert gut, man kann das Buch leicht runterlesen, aber auch mal aus der Hand legen, wenn man etwas zu erledigen hat. Wieder hineinkommen ist absolut kein Problem!

Ein fast vollkommen rundes Buch, mir war lediglich am Ende etwas zu wenig Zeit, es endete sehr abrupt. Wobei es den Leser nicht im Regen stehen lässt, alle Unklarheiten werden aufgelöst und man kann das Werk getrost beiseite legen. Absolut eine Empfehlung von mir und ich bin immer noch kein großer Krimifan – dieses hier hat mich aber von Beginn an gefesselt und nicht mehr losgelassen!

Kennt ihr die Autorin? Sie hat von diesem Buch noch einen Fortsetzungsroman mit dem Titel „Unter des Käfer’s Keller“ geschrieben und sollte mir dieses in die Hände fallen, kann ich wohl alle Termine an diesem Tag absagen und mich auf der Couch vergraben!

[Lesenswert] Trick of the dark – Val McDermid

Krimis/Thriller sind mit Abstand die häufigsten Bücher in öffentlichen Bücherschränken und da ich in Kanada gerade auf diese angewiesen bin, bekomme ich einen guten Überblick in dieser Kategorie. Viele Autoren, wie auch Val McDermid, sind mir vom Namen her nämlich ein Begriff, gelesen hatte ich aber noch nichts von ihr. Da mich das Cover von Trick of the Dark aber sofort angesprochen hatte, habe ich es mir geschnappt und in zwei Nächten durchgelesen.

Trick of the dark - Val McDermid

Worum geht’s Die Hauptperson Charlie Flint bekommt ein anonymes, mysteriöses Paket mit Zeitungsausschnitten über einen brutalen Mord an ihrem alten College zugeschickt. Da sie gerade in einer persönlichen Krise steckt und von ihrem Job als Psychologin suspendiert wurde, geht sie den Hinweisen nach und muss zurück in ihre eigene Vergangenheit reisen.

Wie ist’s Ganz ehrlich, hätte ich nicht mitten im Yukon ohne Internet gesessen, ich hätte das Buch nicht zu Ende gelesen. Aber da ich nichts anderes zu tun hatte, habe ich mich durchgequält. Ich verband McDermid mit großartiger, spannender Literatur, aber hier dümpelte die Geschichte so dahin, es war einfach langweilig. Man hatte viele Charaktere, die sehr schwarz-weiß gezeichnet wurden – viele Personen waren lesbisch, die andere Hälfte konnte damit gar nicht. Es wurde immer wieder das Thema Coming Out angesprochen, aber in einer so distanzierten Weise, dass es einen komplett kalt ließ.

Die gesamte Mordgeschichte wirkt sehr konstruiert und einfach total unglaubwürdig, so agieren Menschen einfach nicht. Vorhersehbar ist sie auch noch und ach, man will das Buch einfach nur fertig haben – ein Pageturner in negativer Weise quasi. Ich glaube, ich habe hier das eine schlechte Buch von ihr erwischt, andere Bücher haben so begeisterte Kritiken – schade!

Heute also absolut keine Empfehlung, dabei versuche ich in jedem Buch noch etwas Gutes zu finden. Was war euer letzter literarischer Flop?