Schlagwort: Literatur

[Lesenswert] Traumpfade – Bruce Chatwin

Schon als ich damals mein Ethnologiestudium (noch mit Schwerpunkt Australien statt Indien) begann, stand Traumpfade von Bruce Chatwin auf meiner Leseliste. Jeder andere meiner Kommilitonen hatte es natürlich schon gelesen, nur ich hatte mal wieder keine Ahnung. Da es dann ständig in der Bib ausgeliehen war und ich damals kaum Geld für Bücherkäufe hatte, geriet es also so langsam in Vergessenheit. Das Internet gab mir immerhin eine gute Zusammenfassung und ich konnte mitreden. Vor kurzem fand ich es aber im öffentlichen Bücherschrank und dachte mir, dass das doch kein Zufall sein kann so kurz vor meiner Reise nach Australien. Also habe ich es mir geschnappt und jetzt hier in Canberra in passender Kulisse gelesen.

Worum geht’s Bruce Chatwin will mehr über die „Songlines“, die Traumpfade der Aborigines, erfahren und macht sich auf durch Australien. Diese Pfade durchziehen den gesamten Kontinent, jede Stelle hat ein Lied und so kam es bzw kommt es noch immer so Konflikten, wenn es um das Thema „Landbesitz“ geht. Land entsteht nur, wenn es besungen wird und die unterschiedlichen Geschichten sind wahnsinnig spannend, wenn auch nicht unbedingt in diesem Buch, dazu aber gleich mehr. Chatwin reist auf jeden Fall durch die verschiedensten Ecken, lernt kuriose Menschen kennen und nimmt einen mit in dieser Mischung aus Roman und Reisebericht.

Wie ist’s Vom Thema her sehr spannend, das kann ich nicht leugnen, aber irgendwie ist mir Chatwin und seine Schreibe leider nicht sonderlich sympathisch. Er schreibt teilweise von oben herab, stellt Menschen sehr schwarz-weiß dar und konnte mich nicht feseln. Viele von ihm gewählten Worte fand ich so gar nicht angenehm zu lesen und seine ewig langen Auszüge aus seinen Notizbüchern habe ich dann auch mehr überblättert.

Um einen Einstieg in das Thema Songlines und Australien zu bekommen, ohne groß Fachliteratur zu lesen, mag das Buch vielleicht geeignet sein. Ich weiß, dass es Freunde von mir sogar zu einem Ethnologiestudium bewogen hat, aber ganz nachvollziehen kann ich das nicht. Persönlich würde ich da lieber auf das Internet zurückgreifen und mir die Sachen so zusammensuchen. Zum Thema Landrechte findet man wahnsinnig viel, da dies noch immer ein aktuelles Thema ist. Nahm man damals den Aborigines einfach das Land weg, bekommen sie es jetzt nach und nach zurück. Eddie Mabo ist hier ein ganz wichtiger Name, er war der erste, der vor (leider erst!) 25 Jahren eingeklagtes Land zurückbekam, auch wenn er es leider nicht mehr miterlebte. Seitdem ändert sich hier so ganz langsam was, viele „Australier“ denken aber noch immer wie die ersten Siedler. Zumindest, was ich so an Gesprächen in Pubs zu hören bekomme, ist teilweise echt nicht feierlich.

Zurück zum Buch, habe ich bei vielen Anekdoten zu meine Zweifel, ob sie wirklich stattgefunden haben, da sie enorm konstruiert wirken. Somit hatte ich beim Lesen ständig einen Hauch von Skepsis im Hinterkopf und ach, ihr merkt, wir werden leider einfach keine großen Freunde. Positiv anmerken kann ich allerdings, dass ich teilweise lachen musste und vielleicht würde mich ein anderes Buch, wo ich weniger über die Thematik weiß, von Chatwin auch mehr fesseln.

So hohe Erwartungen und Vorfreude, aber es sollte mit uns einfach nichts werden. Schade, aber ich werde das Buch jetzt hier in einen öffentlichen Bücherschrank stellen und hoffentlich jemand anderem damit mehr Freude bereiten. Ganz abgeschreckt, etwas anderes von Chatwin zu lesen bin ich nicht, sonderlich hoch auf meiner Prioritätenliste ist es allerdings auch nicht. So langsam gehen mir hier jetzt die gebundenen Bücher aus, ich habe nur noch ein ungelesenes, was immerhin meinen sehr viel leichter gewordenen Rucksack freut! Habt ihr das Buch zufällig gelesen oder könnt ein anderes zum Thema „Songlines“ empfehlen?

[Lesenswert] Travel Overland. Eine anglophone Weltreise – R.W.B. McCormack

Von dem Ethnologen R.W.B. McCormack habe ich schon das Buch Back Home (*Review*) gelesen und da das wirklich sehr dünne Büchlein Travel Overland. Eine anglophone Weltreise jetzt auch schon wieder viel zu lange ungelesen in meinem Bücherschrank stand, schnappte ich es mir. Das Vergnügen ist definitiv kurzweilig, es ist ein stellenweise humorvolles Sachbuch über die vielen unterschiedlichen „Englische“, die es mittlerweile in der Welt so gibt. Die Kapitel zu den eigenen Ländern sind kurz, eignen sich also super, um sie so zwischendurch zu lesen, wenn man mal fünf Minuten hat und vielleicht noch ein Smalltalk-Thema für später braucht. ich lese ja gerne beim Haarefönen, das hat super mit diesem Werk funktioniert!

Worum geht’s In ganz knappen Kapiteln geht es einmal rund um die englischsprachige Welt und es wird gezeigt, wie die Sprache im jeweiligen Land genutzt und gerne auch mal umgedeutet wird. Für mich waren natürlich besonders Kanada, Australien und Indien von Interesse, aber es kamen auch Ländern dran, an die ich gar nicht so wirklich gedacht hatte, was überraschend war. Bei einigen Sachen musste ich schmunzeln, da ich sie schon in der Realität erlebt habe, andere Dinge waren mir aber auch komplett unbekannt und somit hatte das Buch definitiv ein paar interessante Stellen.

Wie ist’s Eine gute Klolektüre, bei der man in wenigen Sätzen noch etwas lernt. In einem Rutsch lesen war mir hier zu langweilig, dafür bietet das Thema meiner Meinung nach nicht genug, aber immer mal wieder kurz 1-2 Länder lesen, war spannend. Man bekommt hier super Smalltalk-Wissen, wenn man sonst nichts mehr weiß, was man mit seinem Gegenüber bereden könnte. McCormack schreibt gut, wie man es von ihm kennt, kann die aber doch trockene Thematik nicht immer ins Lustige bringen. Kaufen würde ich hier nicht empfehlen, aber solltet ihr – wie ich – mal im öffentlichen Bücherschrank drüber stolpern, schaut doch mal rein. Für Sprachinteressierte ist es bestimmt was!

Heute nur kurz und knapp, aber das passt zum Buch, welches sich auch super eignet, wenn man mit der Bahn etc zur Arbeit pendelt und ständig aufhören muss oder abgelenkt wird. Da ich mich zur Zeit primär mir zäher Fachliteratur quäle, war es aber dennoch eine willkommene Abwechslung, doch statt weitergeben kommt das Buch jetzt doch gleich wieder in den öffentlichen Bücherschrank zurück, damit sich vielleicht der Nächste über diesen Fund (noch) mehr freuen wird! Kennt ihr es zufällig oder andere Bücher von McCormack?

[Lesenswert] Glamorama – Bret Easton Ellis

Von Bret Easton Ellis habe ich schon einige Bücher gelesen und auch, wenn keines mehr an American Psycho herankommt, mag ich seinen Stil doch sehr. Somit hupfte mein Herz ein wenig, als ich Glamorama doch tatsächlich im Bücherschrank meines Hostels in Delhi fand und schnappte es mir für die nicht gerade kurze Reise nach Australien. Ausgelesen habe ich es da zwar dann nicht – da kam eine bösartige Lebensmittelvergiftung über den Wolken dazwischen – mittlerweile konnte ich es aber doch zu Ende bringen.

Worum geht’s Wir tauchen ein in das New York der 90er Jahre, in welchem unser Teilzeit-Model Victor Ward gerade dabei ist, mit einem Partner einen Nachtclub zu eröffnen. Liiert ist er mit einem (natürlich) ebenfalls wunderschönen Model, eine Affäre mit einem anderen hat er aber auch und sein Leben ist schon sehr von „Sein und Schein“ geprägt. Doch dann beginnt es zu bröckeln, die ersten Dinge gehen schief und Victor befindet sich schließlich in einer Welt, in der er nicht mehr weiß, was Realität ist und was nicht..schließlich wird er auf eine Mission nach Europa geschickt, wo er eine ehemalige Geliebte finden und zurück „nach Hause“ bringen soll..begleitet von einem Fernsehteam und ab jetzt wird es richtig skurril.

Wie ist’s Ich will nicht lügen, die ersten fünfzig Seiten habe ich mich sehr gequält. Denn auch wenn es um die Welt der Stars und Sternchen geht, das viele „name dropping“ hat mich enorm genervt und irgendwann habe ich es einfach nur noch überflogen. Wahrscheinlich war das stilistisch genau so gewollt, dass der Leser von der Scheinwelt schon stark angeödet ist, aber das war mir fast zu viel. Danach wurde es um Welten besser, es ist teilweise echt verwirrend und es mal schnell aus der Hand legen und wieder einsteigen, fand ich auch schwer.

Es lohnt sich aber, hier etwas mehr Zeit und Leseintensität hineinzustecken, denn die Handlungsstränge werden so abgefahren (natürlich immer wieder um das Thema „Oberflächlichkeit“ drehend), dass man nie weiß, was später passieren wird und spätestens als ich eine so absolut nicht vorhersehbare, graphische Sexszene hatte, wusste ich wieder, wieso ich den Autoren so mag. Das Buch wird von einigen als „was nach American Psycho kommt“, betitelt und dem kann ich mich doch auch anschließen, es ist zumindest für mich sehr passend formuliert.

Wie immer bei Ellis bekommt man einen sehr detailreich beschriebenen Mikrokosmos, in dem es weder Held noch Moral gibt, sondern eben diese Grauzone, in der man sich selbst überlegen muss, wie man dazu steht. Das Buch regt definitiv zum Nachdenken an und teilweise haut Ellis Sätze raus, die nachdrücklich wirken – aber in Nebensätzen, als würde er es gar nicht bemerken. Leider ist das Buch schon weg, sonst hätte ich mal 1-2 Zitate abgetippt. Achja, neben Sex spielt auch Gewalt hier eine große Rolle, somit sollte man es nicht lesen, wenn man mit akribisch beschriebenen Gewalttaten nichts anfangen kann – also nicht, dass ich der größte Fan davon bin, hier bewirken sie aber viel im Leser, was mir sinnvoll erscheint.

Da ich es nicht noch einmal lesen werde und es in meinem direkten Umfeld auch niemanden gibt, der es lesen würde bzw eben schon gelesen hat, habe ich es jetzt schon in den dörflichen, örtlichen Bücherschrank gestellt und bin gespannt, ob ich es dort noch finde, wenn ich wieder vorbei schlendere. Solltet ihr „American Psycho“ gelesen haben und wollt etwas in die Richtung, dann kann ich euch Glamorama auf jeden Fall empfehlen – ich hatte damit echt einige Zeit Spaß, lang ist es nämlich auch noch 😉

[Lesenswert] Der Fremde – Albert Camus

Bestimmt habt ihr alle diese Klassiker, die ihr schon vor ewigen Zeiten gekauft, dann aber doch nie gelesen habt. So erging es mir mit DEM Existentialismus-Werk schlechthin, Der Fremde von Albert Camus, welches auch schon Jahre (sechs sagt mir Amazon) in meinem Regal steht und dabei locker-flockig in drei Stunden gelesen sein kann. Drei Stunden, die ich definitiv oft genug hatte, aber dann doch eher zu Sartre griff, wenn ich in der Laune war. Gut, dass ich diese Lücke jetzt endlich schließen und mich ganz in Camus verlieren konnte.

Worum geht’s Die Story ist im Grunde schnell erzählt, Hauptperson ist ein in Algerien lebender Franzose, der durch unglückliche Zufälle einen Mord begeht und dafür ins Gefängnis muss. Unser Protagonist ist eigentlich ein Büroangestellter namens Meursault, welcher ein unaufgeregtes, passives Leben führt und durch nichts zu erschüttern scheint. Zu Beginn des Buches stirbt seine Mutter, die in einem Altenheim lebt und keine sonderlich eng scheinende Bindung zu ihm hatte. Er fährt teilnahmslos zur Beerdigung, kommt zurück und beginnt sofort durch Zufall eine Liebesbeziehung mit einer Kollegin.

Gleichzeitig lernen wir seine Nachbarn kennen, mit denen er etwas interagiert und dann durch einen unglücklichen Zufall in eine Lüge verstrickt wird, die schließlich den Weg zu dem Mord ebnet. Meursault erschießt während eines Strandbesuches mit besagtem Nachbarn einen ihm unbekannten arabischen Mann mit der Waffe seines Nachbarn „wegen der Sonne“. Diese Aussage wird ihm als Unmenschlichkeit vorgeworfen und das Gericht will in einem Prozess herausfinden, ob der Angeklagte wirklich moralisch so verdorben und verroht ist, wie er den Anschein macht.

Wie ist’s Das Buch ist in zwei Teile untergegliedert, die Ereignisse vor dem Mord und die Gerichtsverhandlung nach der Verhaftung, was ihm eine einfache Struktur verleiht. Die Wirkung, die das Buch auf mich hat, ist nicht wirklich leicht in Worte zu fassen, aber zunächst einmal war ich absolut gefesselt und habe es in einem Rutsch gelesen. Dass ich es erneut lesen werde, steht auch außer Frage, das muss ich spätestens in einem Jahr erneut machen. Der Anti-Held Meursault, der sich nicht in die „gelebten, sozial erwarteten“ Regeln von Heuchelei und Lügen in die Gesellschaft einfügt, ist eine enorm spannende Gestalt. Camus hat hier einen ganz dem Existentialismus entsprechenden Charakter sowie eine Grundstimmung im Buch entworfen, die man unbedingt selbst lesen muss, um sie zu verstehen. Worte darüber zu schreiben widerspricht genau dem, was ausgedrückt werden soll.

Man kann sich leicht in Meursault hineinversetzen, viele seiner Gedanken zum Thema „Sinnesleere“ nachvollziehen und auch der Mord erscheint plötzlich gar nicht mehr so abwegig, man kann ihn irgendwie begreifen, wenn man sich darauf einlässt. Seine Gleichgültigkeit zu diesem „absurden Leben“, zu dem Leben im Allgemeinen in Kombination mit Gefühls- und Gotteslosigkeit, welche besonders der Gefängnispriester nicht fassen kann, werden dem Leser durch die schlichte, oftmals sehr klare Sprache Camus unbewusst nahegebracht. Das Buch wirkt in jedem Satz, hallt in einem nach und lässt einen noch lange nicht nur über unsere Hauptperson hier, sonder das Leben nachdenken.

Diese „Kritik“ zu schreiben, ist mir echt nicht leicht gefallen, irgendwie kann ich alles, was es so in mir auslöste, noch nicht richtig in Worte fassen. Dass es verdient als ein Weltklassiker gilt, unterschreibe ich sofort und auch, dass ich sowohl dieses noch einmal wie auch weitere Werke von Albert Camus dringend lesen muss. Schande über mein Haupt, dass ich so viele Jahre damit gewartet habe, das hätte mich bestimmt retrospektiv gesehen einige Dinge ganz anders wahrnehmen lassen. Solltet ihr es auch noch nicht kennen, ich lege es euch absolut ans Herz und keine Angst, es ist nicht kompliziert geschrieben!

[Lesenswert] Frühstück mit Kängurus – Bill Bryson

Zwar schreibe ich selbst wahnsinnig gerne Reiseberichte für meinen Blog (und andere Seiten), lesen mag ich solche meist aber nicht. Was einfach daran liegt, dass ich die Orte unbeeinflusst zum ersten Mal erleben will und mich überraschen lassen mag. Klar schaue ich vorher online, was es so zu entdecken gibt, aber ich lasse mich beim Reisen eben doch einfach treiben, frage Leute vor Ort und schaue um die Ecke. Das kann ich zum Glück, da ich selten kurze Reisen unternehme, sondern eben genug Zeit habe.

Das Reise-Buch Frühstück mit Kängurus von Bill Bryson stand bestimmt lockere fünf Jahre ungelesen in meinem Schrank, denn a) hatte ich Australien so gar nicht mehr auf dem Plan für die nahe Zukunft und b) gab es einfach so viele Bücher, die ich vorher lesen wollte. Jetzt war ich zufälligerweise aber spontan von Indien aus drei Wochen in Australien (ok, nur in Canberra) und dachte mir, dass ich das Buch nun auch lesen und sehen kann, was Bill so von Down Under gehalten hat. Lustigerweise haben wir zur Hauptstadt eine recht ähnliche Meinung!

Worum geht’s Bill nimmt uns quer durch Australien mit, was er in mehreren Roadtrips, mal allein, mal mit Begleitung, bereist, aber doch noch immer nicht alles entdeckt hat. Das Land ist aber auch einfach verdammt groß und teilweise fährt man mehrere hundert Kilometer durch das reine Nichts. Erinnert mich sehr an meinen Trip vom Yukon hoch nach Yellowknife in Kanada (absolut zu empfehlen übrigens!). Es geht viel um die Natur, die Menschen, man bekommt einiges zur Geschichte und Kultur serviert, aber in leichten, kurzen Häppchen.

Wie ist’s Ganz nett, aber nicht unheimlich fesselnd oder motivierend, jetzt sofort den nächsten Flug zu buchen und selbst loszufahren. Praktisch fand ich, dass ich Orte/Dinge gleich googlen konnte, über die er schrieb und mir so doch selbst aus der Ferne ein Bild machen konnte. Teilweise habe ich andere Erfahrungen gemacht, das fand ich sehr spannend und auch die Perspektive, aus der er (weißer Engländer, der lange in den USA gelebt hat) kommt, kommt hier gut durch und bringt ihn zu anderen Erfahrungen. Diese Leseart hat den Reisebericht für mich interessanter gemacht, aber da spricht kurz die Ethnologin.

Ansonsten nennt er skurrile Fakten, gräbt historische Ereignisse aus, die die Australier lieber unter den Teppich kehren und zeichnet ein recht vielfältiges Bild. Aborigines kommen für mich viel zu kurz, was ich sehr schade finde. Das Buch erschien schon 2002, aber ich finde, trotz dieser 15 Jahre stimmen noch sehr viele Beobachtungen, die er gemacht hat, mit den meinen überein. Teilweise ist das Buch doch sehr langatmig und übertrieben, an einigen Stelle aber doch enorm witzig (Bryson hat einen trockenen Humor), wie andere seiner Werke, fand ich es jetzt auch nicht. Ich habe eher durchgehalten, damit ich es jetzt in den nächsten öffentlichen Bücherschrank stellen kann und etwas mehr Platz im Regal habe.

Nicht das überzeugendste Werk, was ich von Bill Bryson gelesen habe, seine kurze Geschichte von fast allem fand ich um Längen besser. Wenn ihr einen Reisebericht, keinen -führer über Australien lesen wollt, könnt ihr hiermit vielleicht trotzdem euren Spaß haben, Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden, aber ich würde es jetzt nicht an meine Freunde mit einer absoluten Leseempfehlung weitergeben. Frühstück mit Kängurus hatte ich leider nie, ich habe sie aber beim Picknicken am Nachmittag häufig angetroffen 🙂

[Lesenswert] ABC-Challenge 2017 – 1. Update!

Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal an der ABC-Challenge (hier geht’s zu meinem Endstand) teilgenommen und hatte so viel Spaß dabei, dass ich auch dieses Jahr wieder mitmachen mag. Bei dieser Challenge geht es darum, innerhalb eines Jahres Buchtitel zu lesen, sodass jeder Buchstabe im Alphabet abgedeckt ist. Klingt eigentlich zunächst ganz einfach, es gibt jedoch Buchstaben, an denen ich zumindest verzweifelt bin. Um die Challenge noch einen Ticken schwieriger zu machen, verbiete ich mir nämlich, Bücher nur wegen ihres Anfangsbuchstabens zu kaufen – ich muss sie entweder wirklich unbedingt lesen wollen und/oder sie im öffentlichen Bücherschrank finden. Da ich minimalistischer leben mag und mein Bücherregal sowieso aus allen Nähten platt, kaufe ich mir seit zwei Jahren nur noch sehr selten Bücher; meist leihe ich sie einfach aus oder hole sie aus einem öffentlichen Bücherschrank, wohin sie nach dem Lesegenuss auch wieder gehen.

Da wir jetzt schon im ditteni Monate hinter uns haben, dachte ich mir, wird es Zeit für ein erstes Update! 

ZWISCHENSTAND:  von sechsundzwanzig Buchstaben sind acht „gelesen“

 

Aging and the Indian Diaspora – Sarah Lamb
Barney’s Version – Mordecai Richler
Cockroaches – Jo Nesbo
D
Everyone has a story – Savi Sharma
F
Glamorama – Bret Easton Ellis
H
India – Shashi Tharoor
J
K
Life of Pi – Yann Martel
M
N
O
P
Q
R
Stadt und die Hunde, Die – Mario Vargas Llosa
T
U
V
W
X
Y
Z

Ich habe mich dazu entschieden, sowohl englische als auch deutsche Titel für die Challenge zu nutzen, da ich zu circa 50% englische Bücher lese und das hier auch abgebildet werden darf. Außen vor lasse ich Hörbücher und Ebooks (fragt mich nicht, wieso), wobei ich sie zwar liebe, sie aber nicht sichtbar in meinem Bücherregal stehen.

Dass es bisher „nur“ acht Bücher sind, überrascht mich, da ich eigentlich mehr lese. Aber wie immer liegt das u.a. daran, dass ich jetzt schon Buchstaben „doppelt“ habe und diese nicht extra aufzähle. Bis zum Halbzeitsupdate wird sich da aber hoffentlich noch einiges ändern. Seit Dienstag bin ich auch wieder in Deutschland und habe schon erfahren, dass mein liebster öffentlicher Bücherschrank nicht mehr ist und ich mich jetzt einmal erkundigen muss, wo es hier im Umkreis noch welche gibt. Nicht nur, damit ich Lesenachschub kriege, sondern auch, damit ich einige Bücher auf die Reise schicken kann, die hier nur im Regal stehen und besser bei jemandem anderen aufgehoben sind.

Macht noch jemand bei der Challenge mit? Wie sieht euer Zwischenstand aus? Hat jemand einen guten Buchtipp für einen der schwierigeren Buchstaben wie Q? 

[Lesenswert] Life of Pi – Yann Martel

Als ich mit meinem Studium begann, wozu ich viele englische Texte lesen musste, wollte ich nebenbei auch noch unterhaltsame, englische Bücher lesen. Damals pickte ich als erstes Buch Life of Pi von Yann Martel und verzweifelte daran. Aus Lust wurde Frust und ich hob es mir für „später“ auf. Dass daraus über zehn Jahre wurden, hatte ich nicht erwartet, aber zum Glück stolperte ich in meinem Hostel in Bangkok darüber. Bücher mit Indienthematik lese ich besonders gerne in Indien und wenn dann noch Orte vorkommen, die ich schon besucht habe, bin ich absolut begeistert.

Worum geht’s Der deutsche Titel „Schiffbruch mit Tiger“ ist etwas aussagekräftiger und bringt die Story ziemlich gut auf den Punkt. Wir haben den jungen Inder Pi, der als einziger den Untergang des Schiffes überlebt, welches seine Familie und ihn nach Kanada bringen soll. Mit ihm Boot befinden sich zunächst eine Hyäne, ein Zebra und besagter Tiger. Ein Überlebenskampf bahnt sich an, welcher in einem spannenden Abenteuerroman mit vielen Details verpackt ist.

Wie ist’s Zu Beginn war ich etwas verwirrt, denn das Buch spielt auf zwei Erzähl-Ebenen und bis es zum eigentlichen Schiffbruch kommt, dauert es einige Seiten. Die aber sehr gut geschrieben sind, Einblick in das Leben in Indien geben und einfach Spaß machen und Spannung aufbauen. Das gesamte Buch ist leicht zu lesen (lustig, dass ich das jetzt einfach sagen kann), es ist witzig, grausam, berührt und man will es nicht aus der Hand legen. Man fiebert mit Pi mit, hofft auf ein Happy End, ist sich teilweise selbst nicht so ganz sicher, was Realität, was Traum ist und schwankt immer mal wieder. Insgesamt waren da einige Twists dabei, die ich nicht hab kommen sehen und ach, es ist ein großer Lesespaß und verdient all die Preise und Lobeslieder, die es bekommen hat. Schande über mein Haupt, dass ich so lange damit gewartet habe!

Auch ganz überraschend kam für mich die Beschäftigung mit verschiedenen Religionen, das Buch bietet einiges an Tiefe und kann zu spannenden Diskussionen anregen – jupps, ich habe die Erfahrung gemacht und war hin und weg. Spontan würde ich auch sagen, dass das Buch jedem gefallen wird, es ist einfach so erfrischend anders, man kann die Geschichte einfach nicht nicht mögen. Würde ich definitiv verschenken, wenn ich wüsste, dass die Person es noch nicht kennt und ich brenne jetzt, weitere Bücher des kanadischen Autoren zu lesen.

Habt ihr Life of Pi gelesen oder gesehen? Mir geht es jetzt so, dass ich das Buch so toll finde, dass ich den Film nicht sehen mag, da ich meine eigenen Vorstellungen nicht zerstören mag. Wenn euch der Film gefällt, würde ich aber doch den Griff zum Buch vorschlagen, da dieses bestimmt ausführlicher ist!

[Lesenswert] The book of lost things – John Connolly

Manchmal wählt man nicht die Bücher sondern die Bücher wählen den Leser. So fühlte es sich zumindest an, als mir The book of lost things von John Connolly aus dem öffentlichen Bücherschrank entgegen fiel. Erst stellte ich es wieder weg, da es nicht gaaaanz so nach meinem Geschmack klang, nachdem ich aber den gesamten Schrank durchforstet hatte und nichts besser fand, schnappte ich es mir doch. Immerhin ist es auf englisch und so kann ich wenigstens noch ein paar neue Worte lernen.

Worum geht’s Der zwölfjährige David versucht den Verlust seiner Mutter zu verarbeiten und die neue Frau (und den neuen Bruder) seines Vaters in sein Leben zu integrieren. Er flieht in eine Welt der Bücher, wo Märchen Realität werden und wird innerhalb dieser Fantasiewelt mit seinen Ängsten konfrontiert. Dabei muss er diverse Abenteuer bestehen und trifft wunderliche Gestalten, die ihn vor so manche Herausforderung stellen.

Wie ist’s Für jemanden, der Märchen liebt, ist dieses Buch genau das Richtige. Ich persönlich fand es etwas langatmig und zäh, habe oftmals ein paar Seiten überblättert und es hat mich einfach nicht gefesselt. Angefangen habe ich das Buch am Flughafen, habe es dann im Flugzeug aber schnell aus der Hand gelegt und dann erst einen Monat später wieder ausgepackt – ich wollte es nicht weiter durch die Gegend schleppen und habe es durchgelesen. Ich hatte einen psychologisch spannenderen Roman erwartet, der besser auf die Entwicklung von David eingeht, aber hier bekommt man einfach eine Heldengeschichte mit Märchen, die nur wenig an der Oberfläche kratzt. Die Hauptperson streift durch die Fantasiewelt und trifft eine Märchenfigur nach der anderen, was nicht gerade neu ist, wenn man die Märchen schon kennt.

Thematisch haben wir neben Wut, Eifersucht, Trauer und Missmut aber auch Freundschaft, Loyalität und Liebe und somit eigentlich die perfekte Mischung für einen coming of age Roman. Leider nutzt der Autor dies aber nicht aus und stellt die Märchen ständig in den Vordergrund, dabei wäre David’s Entwicklung so viel spannender, hach! Die Beziehung zu seinem Vater und der Stiefmutter wird am Ende etwas mehr thematisiert, was ich super fand, hier hätte es gerne noch mehr sein dürfen!

Noch ein Pluspunkt ist, dass der Autor am Ende des Buches sehr ausführlich beschreibt, warum er welches Märchen benutzt hat und wie sich das Buch entwickelt hat. Das gab eine interessante Insiderperspektive, die ich mir bei vielen anderen Büchern wünschen würde! Oftmals fragt man sich ja, was genau sich der Autor hierbei gedacht hat und das wurde einem dieses Mal beantwortet. Schade, dass es kein Buch ist, welches ich großartig finde, dann wäre dieser Abschluss noch besser gewesen.

Erwachsene Märchenfreunde, das dürfte was für euch sein, dem Rest würde ich eher abraten, da ich mich schon sehr dazu durchringen musste, das Buch wieder in die Hand zu legen und zu beenden. Wäre ich nicht buchstäblich auf einer einsamen Insel ohne andere Bücher gewesen, ich bezweifle, dass ich es in Deutschland beendet hätte. Hoffentlich gefällt es dem nächsten Leser besser! Für mich eines der schwächsten Werke, welches ich dieses Jahr gelesen habe.

[Lesenswert] 3 Wishes – Liane Moriarty

Über den Debütroman 3 Wishes bzw Drei Wünsche frei der australischen Schriftstellerin Liane Moriarty stolperte ich in meinem Hostel in Bangkok eher zufällig. Ich suchte seichte Strandlektüre und der Einband sah definitiv danach aus. Ohne mich näher mit dem Umschlag oder gar der Kurzbeschreibung zu befassen, nahm ich es mit und fing an, es auf Koh Jum zu lesen. Wie ihr erkennen könnt, waren meine Erwartungen nicht allzu hoch 😉

Worum geht’s Der Roman dreht sich um das Leben der Kettle-Schwestern Lyn, Cat und Gemma, welche als Drillinge ihre jungen Eltern überraschten und seitdem ihr Leben in Australien mal mehr und mal weniger gemeinsam meistern. Das Buch beginnt an ihrem 34. Geburtstag, welchen sie standesgemäss im Restaurant mit einer Torte für jeden feiern – dieses Mal gibt es aber die Überraschung, dass sie Briefe bekommen, die sie an sich selbst vor 20 Jahren geschrieben haben. Was ihre damaligen Ichs für Ideen für ihre Lebensziele hatten und wie die Realität aussieht, ist nur ein Thema des Buches.

Wie ist’s Erstaunlich unkitschiger als erwartet! Zwar trotzdem ein kurzweiliger Roman, aber fesselnd, da der Schreibstil der Autorin etwas unter die Oberfläche geht und sie ihren Personen wunderbar Leben einhaucht. Sehr schön finde ich die Zeitsprünge und besonders die Mischung zwischen Kapiteln mit den sehr real gezeichneten Schwestern und dann kurze Episoden von Fremden, die die Drillinge irgendwann mal gesehen/getroffen/erlebt haben. Habe ich so selten gelesen und fand ich gut gemacht! Die Themen sind nicht neu, wir haben Liebe, Trauer, Verlust, eine Scheidung und den (unerfüllten) Kinderwunsch – dadurch, dass sie sich aber auf drei sehr unterschiedliche Schwestern verteilen, bekommt das Ganze mehr Spannung. Wer gerne Bücher mit viel Familiendynamik und unterschiedlichen Beziehungskonstellationen liest, das ist bestimmt eures. Ebenfalls schön fand ich, dass der Roman in Australien spielt, da lese ich leider viel zu wenige Bücher von.

Man kann das Buch locker in zwei Tagen lesen, aber auch ohne Probleme eine Pause machen und leicht wieder einsteigen. Die Kapitel sind kurz, es passiert nicht zu viel in kurzer Zeit, was das Lesen angenehm leicht und unanstrengend macht. Ein wenig langatmig wird es dadurch aber auch. Ein paar Mal laut aufgelacht habe ich aber doch, teilweise war mir der Humor aber auch zu flach – hier hat ja jeder einen anderen Geschmack! Insgesamt ein Buch, welches ich als Strandlektüre weiterempfehlen würde, mehr aber dann doch auch nicht.

Kennt ihr die Autorin und vielleicht ein anderes gutes Buch von ihr? Was war eure letzte Strandlektüre?

[Lesenswert] House of Night Reihe von P.C. & Kristin Cast

Ich freue mich immer besonders, wenn ich eine gesamte (oder zumindest ein paar Teile von einer) Reihe im oeffentlichen Buecherschrank finde und so kam ich auch an die House of Night Reihe des Mutter-Tochter-Duos P.C. & Kristin Cast. Da ich seichte Kost erwartete, nahm ich die Buecher als Reiselektuere nach Indien mit – ohne schlauerweise vorher noch einmal zu googlen, denn erstens fehlt der erste Band, was schon einmal etwas ungut war und dann ist die Serie nicht mit meinem letzten Band abgeschlossen, sondern ist fast doppelt so umfangreich. Bis ich da wieder mal ein Buch finde, habe ich wahrscheinlich schon wieder vergessen, was genau passiert ist.

House of Night Reihe

Worum geht’s In Band 1, Marked, bekommt die 16-jaehrige Zoey ploetzlich eine Mondsichel auf der Stirn, was bedeutet, dass sie von der Vampirgoettin Nyx gezeichnet wurde. Fortan muss sie im Internat House of Night leben und sich auf ihr spaeteres Leben als Vampir neben den Menschen vorbereiten. Nicht jeder kann diesen Uebergang schaffen, doch Zoey scheint besondere Faehigkeiten zu haben. Im Internat lernt sie ihre neuen Freunde, ebenfalls „Gezeichnete“ kennen und es kommen die Themen Freundschaft, Liebe & Leidenschaft, Machtintrigen aber auch viel zum Thema Vampire in den Buechern vor. Spannend sind die Konflikte, die sie zwischen ihrem alten und neuen Leben austragen muss und auch ihre Cherokee-Herkunft bildet eine recht interessante Komponente fuer die Story. Nyx scheint mit Zoey und ihren Freunden, die auch alle besondere Faehigkeiten bekommen, einiges vor zu haben!

Wie ist’s Anscheinend wird es als Mischung zwischen Harry Potter und Twilight angepriesen, das wusste ich vorher nicht. Wer Vampirromane liebt und vielleicht etwas juenger ist, wird diese Reihe bestimmt moegen und auch die Tatsache, dass es so viele Baende gibt. Ich habe sie gelesen, da ich nichts anderes hatte, aber in Deutschland haette ich die Reihe wohl nach dem ersten Buch wieder zurueck in den Buecherschrank gestellt. Die Autorinnen geben sich Muehe, mich lassen die Charaktere aber irgendwie kalt und auch die Story hat keinen „ich muss das Buch heute Nacht noch fertiglesen“-Effekt. Vielleicht bin ich aber langsam auch zu alt 😉 Irgendwie baut sich dann doch etwas Spannung auf, doch dann gibt es so eine einfache, schnelle Loesung, das ich damit nie wirklich gluecklich war. Sonderliche Ueberraschungsmomente gibt es auch nicht, es plaetschert eben so daher und gibt einem eine Auszeit von der Realitaet.

Man muss die Serie uebrigens weder chronologisch noch komplett lesen, es wird so viel wiederholt, dass man der Story ohne Probleme folgen kann. Was teilweise etwas nervend war und ich dann ein paar Absaetze ueberflog, wenn nur erzaehlt wurde, was schon passiert ist – so kann man auch auf seine Wortanzahl kommen. Insgesamt war das keine Liebe zwischen uns, wobei ich die Tatsache, dass Mutter und Tochter gemeinsam schreiben, sehr schoen finde. Vielleicht kommen sie ja mit einem etwas erwachseneren Buch mit mehr Tiefe raus, da wuerde ich sofort reinlesen!

Lest ihr gerne solche langen (13 Baende!) Serien? Meine Lieblingsserie ist nach wie vor Outlander von Diana Gabaldon, wo ich nichts tun kann, ausser sofort das neueste Buch kaufen und den Rest des Tages lesen und lesen und lesen..das hat Suchtcharakter fuer mich – fuer noch jemanden?