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[Lesenswert] Writing from Canada – Jim Rice & Mike Hayhoe

Ich muss gestehen, die Kurzgeschichtensammlung Writing from Canada, herausgegeben von Jim Rice & Mike Hayhoe, ist schon seit einiger Zeit in meinem Besitz, aber irgendwie kam ich nie dazu, sie zu lesen. Dabei liebe ich Kurzgeschichten, gerne über Kanada und von kanadischen Autoren, aber irgendwie griff ich doch nie zu, wenn ich einmal Zeit hatte. Die Freundin eines Freundes geht allerdings in Kürze für ein paar Monate nach Kanada und da ich ihr dieses Buch als „Einstiegslektüre“ mitgeben will, habe ich es nun endlich in wenigen Tagen durchgelesen.

Worum geht’s Die Herausgeber haben insgesamt sechzehn Kurzgeschichten zusammengestellt, welche sie in die Themenbereiche „The Great Landscape“, „Townscapes“ und „Cultural Mosaic“ eingeteilt haben. Es kommen unterschiedliche Stimmen zu Wort, sowohl zeitlich als auch lokal gesehen, wodurch der Leser sehr viele Kanada-Bilder erhält.

Wie ist’s Mir hat die Mischung sehr gut gefallen, einige Geschichten sagten mir mehr zu, andere eher weniger. Besonders überrascht war ich davon, dass eine Kurzgeschichte von Alice Munro dabei war („An Ounce of cure“), welche ich bis dato nicht kannte. Da ich die Schriftstellerin sehr gerne mag, war das toll! Insgesamt ist die Auswahl sehr gut, die drei Themengebiete machen Sinn und die vielen Bilder, die man noch dazu bekommt, lockern das Buch auf. Da es viele Kurzgeschichten sind, muss man es nicht auf einmal lesen, sondern kann sich nach und nach durcharbeiten. Wobei ich es spannend fand, mehrere Geschichten hintereinander zu lesen und so einen Vergleich der verschiedenen Perspektiven zu haben. Anspruchsvoll sind sie nicht, aber eine gute Freizeitlektüre, die nicht unbedingt lange nachklingt. Wobei einen so 2-3 Geschichten doch etwas länger beschäftigen!

Das Buch ist nicht mehr so leicht zu bekommen und auch wenn es mir gefällt, gibt es bestimmt andere gute Sammelbände kanadischer Kurzgeschichten, die sich ebenso lohnen. Solltet ihr es aber wie ich einmal in einem öffentlichen Bücherschrank finden, schnappt es euch ruhig und taucht ein wenig in die verschiedenen Kanadas ein, die ihr präsentiert bekommt!

[Lesenswert] Gun Love – Jennifer Clement

Zwar ist mein eigener „will ich unbedingt bald lesen“-Bücherstapel mit über 80 Exemplaren nicht gerade klein, doch wenn mein Opa mir ein Buch empfiehlt, wird dies natürlich zuerst gelesen. Somit kam ich vor Kurzem in den Genuss von Gun Love von Jennifer Clement, welches ich in nur zwei Tagen verschlungen habe. Warum, erzähle ich euch nun!

Worum geht’s Die 14-jährige Pearl lebt gemeinsam mit ihrer Mutter Margot in einem kaputten Auto auf einem Trailerpark irgendwo in Florida. War dies eigentlich nur als „Notlösung“ gedacht, nachdem Margot als schwangerer Teenager ihr reiches Elternhaus verließ, wurde das Auto zu einem Zuhause, in welchem sich die beiden so gut es geht einrichten und versuchen, ihrem Alltag zu entfliehen. Ihr Leben am Rand der Gesellschaft verläuft recht ereignislos, bis plötzlich Eli in ihr Leben tritt.

Wie ist’s Das Buch wurde letztes Jahr enorm gehyped, somit sind meine Erwartungen natürlich hoch. Fangen wir mit meiner kurzen Kritik an, ich habe mehr Story erwartet. Es passiert nicht viel, man kann die Handlung in zwei Sätzen zusammenfassen, aber das Buch fesselt trotzdem. Dies liegt an der wunderbar bildgewaltigen Sprache, welche in der Übersetzung ebenfalls sehr gut funktioniert. Die unterschiedlichen Charaktere werden dem Leser wirklich poetisch nahegebracht und allein die ersten beiden Sätze „Meine Mutter war eine Tasse Zucker. Man konnte sie jederzeit ausleihen“ haben mich gekriegt. Das Sozialsystem „Trailerpark“ mit seinen unterschiedlichen Bewohnern und deren Probleme geben einen guten Einblick in das gegenwärtige Amerika (wobei, die Opioidkrise fast noch zu kurz kommt) und thematisieren besonders das Thema „Schusswaffen“.

Das Buch fesselt einen nicht durch seine Story, es ist fast egal, wie es weitergeht, solange es denn noch Seiten gibt, die man lesen kann. Man wartet auf kein Ende, weder auf ein happy end noch etwas Schlimmes, sondern lebt mit Pearl und ihrer Mutter von einem Tag in den anderen. Einige Sätze lassen einen beim Lesen innehalten, da sie wirklich so treffend sind, dass es wehtut. Es ist kein leichtes Buch, welches ich für unterwegs empfehlen würde, sondern wenn man Zeit hat, nicht ständig (durch Bahndurchsagen etc) abgelenkt wird und in der mit Worten gemalten Kulisse versinken kann.

Für mich definitiv eines der besten Bücher, welches ich seit einiger Zeit gelesen habe und ganz klar eine Leseempfehlung. Für so ziemlich jeden übrigens, nur nicht für Hardcore-Thrillerfans, die werden mit nämlich keine Freude haben.

[Lesenswert] Knots & Crosses – Ian Rankin

Diese Woche will ich euch den Krimi Knots & Crosses von Ian Rankin vorstellen, welchen ich in Tel Aviv in einem öffentlichen Bücherschrank fand und dort auch zurückließ (ihr könnt ihn links oben im Bild sogar sehen *g*). Mir kam der Name Ian Rankin irgendwie bekannt vor – dass er ein enorm bekannter schottischer, noch lebender, Krimi-Autor ist, wusste ich allerdings nicht.

Worum geht’s Das Buch Knots & Crosses (dt. Verborgene Muster) ist das erste Buch aus seiner Inspektor John Rebus Reihe. In Edinburgh verschwinden junge Mädchen, welche nach wenigen Tagen tot aufgefunden werden. John Rebus, der mit allerlei privaten Problemen zu kämpfen hat, wird auf diesen Fall angesetzt und erhält zeitgleich mysteriöse Briefe, die zu einem Teil seiner Vergangenheit gehören, welchen er am liebsten vergessen würde.

Wie ist’s Man hat hier einen Krimi-Roman, in welchem der eigentliche Krimi so gar nicht im Mittelpunkt steht. Es dreht sich um die traumatisierte, sehr klischeehaft dargestellte Hautperson John Rebus, dessen aktuelle Beziehungen zu Ex-Frau, Tochter und neuer möglicher Frau an seiner Seite sowie um seine Vergangenheit. Die verschwindenden Mädchen nehmen einen überhaupt nicht mit, die Aufklärung des Falles scheint nicht zu eilen. Da es das erste Buch einer Reihe ist, werden die Charaktere mit vielen Worten, aber leider auf wenigen Ebenen dargestellt und haben mich so gar nicht gekriegt. Bis zum Ende hin musste ich immer wieder überlegen, wer jetzt John, wer Jack und wer Jim ist 😉

Da das Buch schon einige Jahre älter ist, macht man eine kleine Zeitreise. Es wird ständig und überall geraucht sowie getrunken und Mobiltelefone sind noch nicht allgegenwärtig. Es erinnert ein wenig an alte Detektivromane, wo der Kommissar immer mit einer Pfeife herumrennt, nur rennt hier eben niemand, sondern es wird die Vergangenheit offengelegt.

Ian Rankin ist sehr erfolgreich, das kann aber definitiv nicht an diesem Buch liegen. Da muss man dann schon die weiteren John Rebus Romane lesen, denke ich. Was ich nach dieser Lektüre aber nicht machen werde, da es einfach nicht spannend und fesselnd war, wie ich mir das von einem Krimi wünsche. Stattdessen ist es eher eine flache Charakterstudie, welche sehr einfach und vorhersehbar ausfällt – und mir viel zu viel um Erektionsprobleme geht, also nee. Sollte es in nächster Zeit wieder mal ein Krimi sein, bevorzuge ich doch weiterhin Jussi Adler-Olsen.

[Lesenswert] When breath becomes air – Paul Kalanithi

Zufällig stolperte ich – wie so oft – in einem öffentlichen Bücherschrank über When breath becomes air von Paul Kalanithi und war sofort sehr, sehr neugierig! Denn Memoiren eines gerade einmal 37-jährigen Neurochirurgen, welcher kurz vor dem Höhepunkt seiner Karriere, auf den er bis dato hingearbeitet hat, an Krebs erkrankt und sein Leben hinsichtlich der eigenen Sterblichkeit neu reflektieren muss, beschreibt ziemlich gut, womit ich mich selbst beschäftige. Also, nein, ich bin nicht todkrank, aber die Themen Endlichkeit und Lebenssinn sind dennoch mein tägliches Brot.

Worum geht’s Paul Kalanithi steht kurz vor dem Höhepunkt seiner Karriere, auf die er sein Leben lang hingearbeitet wird. Er will als Neurochirurg praktizieren, nachdem er in Stanford, Cambridge und Yale studiert hat. Alles scheint für ihn zu funktionieren, er gewinnt Preise für seine Forschung, eine prestigeträchtige Anstellung ist in naher Zukunft..lediglich in seiner Ehe kriselt es ein wenig, da diese immer hintenansteht. Doch plötzlich wird Paul mit einer Diagnose konfrontiert, die den Arzt zum Patienten werden lässt und all seine Pläne mit ihrem zeitlichem Rahmen umwirft.

Wie ist’s Das Buch ist posthum erschienen, man weiß, wie es ausgeht, aber man will es beim Lesen nicht wahrhaben und es bricht einem ein wenig das Herz. Die Seiten sind gefüllt mit Reflektionen über das Leben, den Tod, die eigene Sterblichkeit, Fragen zu Zeit und Sinn, Beziehungen und Freundschaften. Man merkt, dass der Autor enorm intelligent ist, ein breit gefächertes Wissen hat und wie schwer es für ihn ist, von der Rolle des (all)wissenden Arztes in die des Patienten zu schlüpfen und sich mit seinem so unfair erscheinenden Schicksal zu versöhnen.

Paul Kalanithi schreibt auf mehreren Ebenen über seine tödliche Krebsdiagnose: mit etwas Abstand widmet er sich ihr über Philosophie und Literatur, dann geht er auf der medizinischen Ebene über das Verhältnis zwischen Arzt und Patient auf sie ein und dann beschreibt er auf der (zwischen)menschlichen Ebene, was solch eine Diagnose für das Selbst sowie sein Umfeld bedeutet. Dabei wird er niemals sentimental oder dramatisch, doch gerade wegen dieser fehlenden emotionalen Komponente wirkt das Buch bei mir noch mehr. Da es eben kein Mitleid fordert.

Das Buch endet – wie sein Leben – zu früh, man merkt als Leser schnell, dass hier noch so viele Worte, die einem zum Nachdenken bringen, hätten stehen können. Die letzten Seiten werden von seiner Frau bestritten, welche einen guten Abschluss bringen, aber den Leser trotzdem weiter nachdenken lassen.

Ich habe das Buch an einem Tag gelesen, habe aber bewusst Pausen gemacht, da ich nachdenken und es wirken lassen wollte. Es hat mich gefesselt, berührt und gefordert – und ich werde es definitiv noch einmal lesen, da so viele Botschaften in ihm stecken. Ich finde, dass dies ein Buch ist, welches von jedem einmal gelesen werden sollte!

[Lesenswert] A Handful of Rice – Kamala Markandya

Zwei Dinge freuen mich besonders: wenn ich englischsprachige Bücher in öffentlichen Bücherschränken finde und wenn diese dann noch von indischen Autoren sind oder zumindest thematisch Indien behandeln. Als ich A Handful of Rice von Kamala Markandhya fand, war ich also doppelt glücklich und habe das Buch genutzt, um meine Flixbus-Reise nach Düsseldorf angenehmer zu gestalten 🙂

Worum geht’s Ravi zieht es – wie so viele Jugendliche in Indien – in die Stadt und er lässt seinen Vater im Dorf zurück. Dort angekommen, schlägt er sich zunächst mit kleinkriminellen Jobs durch, bis er betrunken versucht, bei der Familie des Schneiders Apu einzubrechen. Es entsteht eine Beziehung zwischen der Familie und ihm, die schließlich immer enger wird, da er sich in die jüngere Tochter Nalini verliebt.

Wie ist’s Ich finde nicht, dass es sonderlich großartig geschrieben ist, um heute einmal negativ zu starten. Es ist nicht spannend, die Schreibart aber auch nicht poetisch, es wird vielmehr knapp heruntererzählt, was passiert. Emotionen findet man hier wenige und Empathie konnte ich für die verschiedenen Charaktere auch nicht entwickeln. Aber es ist ein sehr gutes Portrait einer indischen (Groß-)Familie, die mit dem Überleben kämpft, ihren Alltag gestaltet und immer wieder vor neue Hindernisse und Katastrophen gestellt wird.

Somit finde ich das Buch vom thematischen Aspekt her dennoch sehr gelungen, da Armut sehr facettenreich portraitiert wird. Oftmals habe ich auch gedacht „ja, stimmt, so haben mir das Freunde in Indien erzählt“ oder Episoden gelesen, die ich selbst schon beobachtet habe. Kamala Markandayw wird aber für ihren Schreibstil gepriesen und da kann ich nicht mitmachen, denn den fand ich leider schwach. Wenn ihr aber ein sehr realistisch geschriebenes Familienepos (auf dafür verdammt wenigen Seiten) lesen wollt, welches im städtischen, indischen Unterschichtenmilieu spielt, dann ist das euer Büchlein. Ich will definitiv noch Nectar in a Sieve von ihr lesen, welches schon 1955 erschienen ist und enorm gefeiert wurde.

Kennt ihr zufällig etwas von der Autorin, vielleicht ja sogar a handful of rice? Wie hat es euch gefallen? Welche indische, gerne zeitgenössische Schriftstellerin neben Arundhati Roy könnt ihr mir empfehlen?

[Lesenswert] Leben gehen – Anne Tyler

Anne Tyler ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur und wäre es nicht für den öffentlichen Bücherschrank, hätte ich wohl noch lange Zeit nichts von ihr gehört. Oder gelesen. Sie gewann für ihren Roman „Atemübungen“, welchen ich auch noch hier habe, sogar den Pulitzerpreis, aber zum Glück ist es ja nie zu spät, sich solches Wissen noch anzueignen. Da ich mit einem kleineren Werk von ihr starten wollte, schnappte ich mir somit zunächst einmal Leben gehen.

Worum geht’s Evie lebt das recht unaufregende Leben eines zurückgezogenen Highschool-Teenagers in einer kleinen Stadt in North Carolina, wo nicht allzu viel passiert. Durch Zufall entdeckt sie im Radio den lokalen Musiker Bertram „Drumstrings“ Casey und entscheidet, gemeinsam mit einer Freundin ein Konzert von ihm zu besuchen. Was sie auch tut und einige Konzerte und eine etwas skurrile Tat (sie ritzt sich den Namen „Casey“ auf der Club-Toilette auf die Stirn) später, kommt sie sogar mit Drum in Kontakt und es beginnt, sich unter externem Druck seitens seines Drummers und Managers David eine ungewöhnliche Teenagerliebe zu entwickeln, welche jedoch unter keinem guten Stern steht.

Wie ist’s Schwierig. In dem Sinne, dass ich die Charaktere sehr gut entworfen fand, die Geschichte aber leider etwas zu „un-rund“, da fehlten mir einfach noch so 20-30 Seiten, in welchen mehr passiert oder zumindest darüber gesprochen werden sollte. Dass Evie sich den Namen in die Stirn ritzt, ist ein so untypisches Verhalten für sie, welches sie aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen lässt, alles hinterfragen lässt und da hätte man noch so einiges mehr schreiben können. Ebenso die Reaktion von Casey auf diese Tat einer ihm bis dato unbekannten Person, die ihn alles andere als kalt lässt. Sowohl Evie als auch Casey sind spannende Protagonisten, welche mit der ein oder anderen Überraschung um die Ecke kommen und langweilig wird die Story nicht, aber teilweise kann man die Geschehnisse und Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen. Das Buch dümpelt nur manchmal etwas sommerlich-schwer daher, was zwar einerseits Stimmung erzeugt, teilweise aber auch etwas demotivierend wirkt und einen dazu anregt, eine Lesepause zu machen.

Mir gefällt der ausgefallener Schreibstil, aber allein von diesem Buch aus, welches sie übrigens 1970 veröffentlichte, würde ich nicht denken, dass Anne Tyler später mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Was mich aber nur noch mehr neugierig auf „Atemübungen“ macht! Ich habe den auf dem Buch basierenden Film von 1999 übrigens als Trailer bei Youtube gefunden und sollte ich mal viel Zeit haben, würde ich mir den doch glatt anschauen!

[Lesenswert] In 80 Tagen um die Welt – Jules Verne

Klar, den Namen Jules Verne hat man schon gehört und auch der Titel In 80 Tagen um die Welt dürfte kaum jemandem unbekannt sein. So ging es mir zwar auch und ich hätte auch halbwegs sagen können, worum es geht, gelesen hatte ich es allerdings noch nie. Als ich die Ausgabe von 1958 letzt in den Händen hielt, musste ich es dann natürlich doch mal wagen und habe es nicht bereut!

Worum geht’s Der Engländer Phileas Fogg wettet die Hälfte seines Vermögens, dass es ihm gelingen wird, die Welt in nur 80 Tagen einmal zu umrunden. Gemeinsam mit seinem neuen Diener Jean Passepartout, der eigentlich Beständigkeit und Ruhe suchte, macht er sich auf, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen und stösst dabei natürlich auf allerlei Hindernisse!

Wie ist’s Oh, ich wurde gut überrascht und will hier auch nicht viel vornewegnehmen. Aber die Geschichte ist nicht nur ein Abenteuerroman, sondern es geht um Liebe, Diebstahl, Ehre, Loyalität und Freundschaft. Dabei passieren lustige Dinge in den unterschiedlichsten Ländern und hätte mir wer erzählt, dass dieses Buch zum Teil in Indien spielt (die Zugstrecke fuhr ich auch schon!), hätte ich es sehr viel früher gelesen!

Jules Verne schreibt fesselnd, die einzelnen Kapitel lassen sich schnell lesen, man sagt sich ständig „nur noch eines“ und dann ist das Buch auch schon rum. Es hätte gerne ausführlicher für mich sein können, zum Ende hin wird es fast etwas hetzend, aber das ist Geschmackssache. Interessant sind auch die Länderbeschreibungen, wenn man sich überlegt, dass Verne von 1828-1905 gelebt und der Roman auf den Erlebnissen des Amerikaners George Train beruhen. Die „Auflösung“ am Ende enthält einen logischen Fehler, welcher mich beim Lesen zwar irritiert hat, ich ihn dann aber einfach hingenommen habe, da er der vorherigen Geschichte nicht schadet.

Ab und zu werde ich gefragt, ob es sich denn überhaupt „lohnt“, noch Klassiker zu lesen und was soll ich da sagen außer „aber natürlich“. Jules Verne macht Spaß, man kann leicht verstehen, wieso er so erfolgreich war und man hat eine kurzweilige Lektüre, die einen ohne große Gedanken zurücklässt. Ich will definitiv noch „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“ von ihm lesen, aber das eilt nicht. Und jetzt kann ich wenigstens wirklich mitreden und nicht nur mit Halbwissen glänzen, wenn jemand etwas über diesen Reiseroman erzählt 😉

Wie seht ihr das, lest ihr noch gerne Klassiker? Mochte noch wer das Buch oder hat euch das Ende sehr gestört (da gibt es ja Kritiken zu im Internet, die sind doch sehr übertrieben..) und welches ist euer liebstes Werk von Jules Verne?

[Lesenswert] Unter Wasser atmen – Julie Orringer

Ich LIEBE Kurzgeschichten und Alice Munro war bisher meine liebste Autorin in diesem Genre. Als ich im öffentlichen Bücherschrank den Sammelband Unter Wasser atmen von Julie Orringer entdeckte, war ich jedoch gleich neugierig, da ich noch nie von ihr gehört hatte. Und was soll ich sagen, Alice Munro hat Konkurrenz bekommen!

Worum geht’s Orringer schreibt über die Kindheit und das ErwachsenER-Werden, über Freundschaft, Jugend, Schmerz und Tod, wie grausam, aber auch loyal Kinder sein können. Mit diesen Themen erfindet sie in ihren neun Kurzgeschichten das Rad nicht neu, aber sie hat einen so einfühlsamen, gleichzeitig fesselnden und ehrlich-schmerzenden Stil, dass man das Buch einfach nicht mehr zur Seite legen kann.

Wie ist’s Absolut grandios und ein Buch, welches ich behalten und definitiv noch einmal lesen werde, da es mich so bezaubert, berührt und auch geschmerzt hat. Die einzelnen Geschichten haben Kinder/Jugendliche als Protagonisten, welche zunächst alltäglich erscheinende Situationen erleben, welche für sie allerdings einschneidend sind. Sie alle müssen irgendwie lernen, die jeweiligen Herausforderungen zu meisten, „unter Wasser zu atmen“, wobei sich auch fast alle Geschichten etwas um das kühle Nass drehen. Was eine sehr gut gelungene Metapher für den Schritt in das Erwachsenleben ist.

Ich konnte keine Geschichte pausieren, sondern musste sie fertig lesen, damit ich danach darüber nachdenken kann. Das Buch habe ich an einem Nachmittag gelesen, da ich mich einfach nicht davon lösen konnte. Ich habe es nicht im englischen Original gelesen, plane aber, dies nachzuholen, denn auch wenn die Übersetzung sehr gut gelungen ist, ich will die Wortmagie doch so lesen, wie Orringer es geplant hat. Und noch viel mehr von ihr, oh ja!

Lest ihr gerne Kurzgeschichten und könnt mir vielleicht noch eine/n Autor/in in diesem Stil empfehlen? Und wenn ihr Alice Munro mögt, schnappt euch mal eine Leseprobe von Julie Orringer, ich bin mir sehr sicher, dass ihr es nicht bereuen werdet! Absolut klasse, für mich jetzt schon eines meiner Lese-Highlights 2018!

[Lesenswert] Picknick mit Bären – Bill Bryson

Als ich in Berlin in einem öffentlichen Bücherschrank Picknick mit Bären von Bill Bryson entdeckte, musste ich doch kurz mal wieder darüber lachen, was es für Zufälle im Leben gibt. Zwar hatte ich vorher noch nie davon gehört, dass Bryson auf dem Appalachian Trail, einem Fernwanderweg in den USA, unterwegs gewesen ist und darüber dieses Buch geschrieben hat, doch passte es perfekt in meine aktuelle Pacific Crest Trail-Vorbereitung. Also Buch geschnappt und auf der Rückfahrt von Berlin nach Frankfurt in einem Rutsch durchgelesen!

Worum geht’s Der mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommene Reiseautor Bill Bryson will sich an das Abenteuer wagen, den Appalachian Trail quer durch die USA zu laufen. Da er sich nicht unbedingt alleine auf die Reise machen mag, fragt er in seinem Bekanntenkreis und findet schließlich einen Partner in seinem ehemaligen College-Freund. Die beiden älteren Herren sind nun nicht unbedingt in der optimalen physischen Verfassung, um sich durch die zwölf Bundesstaaten zu schleppen, doch sie versuchen es und erleben dabei zumindest für Außenstehende sehr lustige Situationen.

Wie ist’s Vorneweg, ich bin nicht der größte Bryson-Fan, sein Buch Frühstück mit Kangurus hat mich nicht sonderlich fesseln können. Das war hierbei anders, denn ich wollte unbedingt wissen, was die beiden Wanderer noch so erleben und habe dabei auch teilweise lauthals auflachen müssen (jupps, mitten in der Bahn). Da ich ähnliches vorhabe und selbst auch kein professioneller Wanderer oder Outdoor-Survival-Experte bin, konnte ich mich gut in die beiden hineinversetzen und bin davon überzeugt, in Kürze auch einige ihrer Erfahrungen gemacht zu haben. Zum Beispiel wenn Stephen am ersten Tag frustriert die Hälfte seines Gepäcks wegwirft, da der Rucksack einfach zu schwer und das meiste sowieso unnötig ist (das sehe ich auch in meiner Zukunft, obwohl ich beim Packen sehr streng bin) oder die beiden sich beim Überqueren eines Flusses ziemlich nass machen.

Schön ist, dass auch Fakten hier nebenbei eingeflochten werden und man über die Wegstrecke sowie die amerikanische Flora und Fauna sowie deren Veränderungen einiges lernt. Allerdings muss ich auch sagen, dass mich der Bericht nicht reizt, diesen Weg selbst zu laufen, dazu wird er als zu monoton „immer durch den Wald ohne Ausblicke“ beschrieben. Dank Bryson habe ich aber doch nach der Lektüre das Gefühl, ihn ein wenig gedanklich mitgewandert zu sein. Mittlerweile hat mein Opa das Buch auch schon durch und ich glaube, auch meine Mama wird daran noch ihre Freude haben. Es ist einfach nett geschrieben, unterhaltsam und kurzweilig – eine perfekte Urlaubs- und Reiselektüre, solltet ihr euch für Wandern interessieren. Das Buch wurde übrigens auch verfilmt, wie ich gelernt habe, aber ich glaube, ich belasse es bei meinen eigenen Bildern, die ich mir beim Lesen zusammengedacht habe.

Hat wer von euch das Buch schon gelesen? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? Es ist kein „muss ich wieder lesen“-Werk, wodurch es bald zurück in den öffentlichen Bücherschrank kommt, aber ich spreche trotzdem eine klare Leseempfehlung aus, da ich viel Spaß dabei hatte!

[Lesenswert] Girl in the woods – Aspen Matis

Die letzten Jahre habe ich fast nur noch Bücher von Freunden ausgeliehen oder in der Bibliothek/öffentlichen Bücherschränken zugeschlagen. Girl in the woods von Aspen Matis ist somit das erste Buch, welches ich mir mal wieder selbst gekauft habe, da ich es eben unbedingt lesen wollte. Es wird u.a. von Oprah Winfrey, die es in ihrem Buchclub vorstellte, und Lena Dunham empfohlen und zumindest letzteren Geschmack teile ich häufig. Auch wenn gefühlt jeder mit dem Pacific Crest Trail wohl eher Der große Trip von Cheryl Strayed verbindet und ich die Autorin sehr mag, konnte ich mich bisher noch nicht dazu motivieren, dieses zu lesen und jetzt ist es auch zu spät 😉

Worum geht’s Debby, die von ihrer Mutter sehr behütet wurde, wird mit 19 Jahren an ihrem zweiten Tag auf dem College vergewaltigt und kann in diesem Umfeld nicht mehr funktionieren. Sie beschliesst, dass sie in die Natur muss, um zu heilen und herauszufinden, wer sie eigentlich ist und wer sie sein will. Schon in ihrer Jugend hat sie Bücher von John Muir verschlungen und ist Teile des Pacific Crest Trails gewandert – somit steht für sie fest, dass sie ihn nun komplett von Mexiko nach Kanada laufen will.

Wie ist’s Was wollte ich dieses Buch mögen! Und ich will es auch nicht kleinreden, als 19-Jährige den kompletten PCT zu laufen, ist eine absolut grandiose Leistung. Aber ich habe mehr erwartet bzw. wurde enttäuscht. Zunächst einmal dachte ich, dass es Debby aka Wild Child darum geht, unabhängig zu werden, dabei lässt sie die komplette Wanderung von ihren Eltern finanzieren und sich von diesen auch immerzu Pakete zuschicken. Dann beginnt sie schon am ersten Tag eine Beziehung mit einem anderen Wanderer, statt dass sie sich alleine auf macht und danach mit einem anderen. Das passte nicht mit dem Buchrücken und somit meiner Idee von diesem Buch zusammen. Ich habe einen Coming of Age Roman mit Schwerpunkt auf Bewältigung der Vergewaltigung erwartet; dies wird zwar von der Autorin in kurzen Gedichten immer wieder angeführt, aber meist geht es allzu banal um Sex. Fand ich langweilig.

Dadurch sowie durch lebensgefährdende Handlungen (Wasser in der Wüste wegkippen, damit man bis zur nächsten Stadt gezwungenermassen laufen muss), die wirklich nicht nachvollziehbar sind, hatte ich Schwierigkeiten, mich mit der Person irgendwie zu identifizieren und somit mit ihr mitzufühlen. Ehrlich gesagt war ich mehr genervt, wenn sie wieder etwas sehr irrationales machte oder sich erneut über ihre Eltern beschwerte, die doch alles taten, um sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Einige Passagen waren sehr redundant, womit ich sie überflogen habe. Gefesselt wurde ich leider nicht, ich wollte mehr, dass das Buch endlich vorbei ist und muss gestehen, dass ich die vielen lobenden Worte von Kritikern und auch auf Amazon einfach nicht nachvollziehen kann. Aber wie immer gilt, Geschmäcker sind verschieden!

Kennt wer von euch dieses Buch? Wenn ja, wie hat es euch gefallen?