Ein Buch, welches ganz weit oben auf meiner Sommerleseliste für dieses Jahr stand, ist Halbinsel von Kristine Bilkau (Partnerlink) und was habe ich mich gefreut, als ich es unerwartet in der Bibliothek entdeckte. Bücher, die am Meer spielen, funktionieren einfach immer für mich und ich habe bisher nur positive Dinge über dieses mit dem Preis der Leipziger Buchmesse gelesen. Somit setzte ich mich also mit ein bisschen Zeit an die Ostsee und verschlang Halbinsel nur so!
Worum geht’s
Annett, Ende 40, lebt seit vielen Jahren in einem mittlerweile etwas veraltetem Haus auf einer Halbinsel an der Nordsee. Dort hat sie – seit dem plötzlichen Tod ihres Mannes – ihre Tochter Linn alleine großgezogen, welche jetzt in Berlin lebt und ihren ersten Job nach der Uni gefunden hat. Während einer Konferenz kippt Linn um und beschließt, sich davon bei ihrer Mutter zu erholen. Aus dieser kurzen Erholungspause werden immer mehr Wochen, in welchen Linn und Annett mit- und gegeneinander versuchen, Sinn aus ihrer Lebenssituation zu ziehen und diese zu verändern. Wobei es natürlich auch immer wieder zu Konflikten kommt, welche die beiden zu lösen versuchen.
Wie ist’s
Großartig geschrieben, ich las bei einer Rezension, „dass das Buch große Themen leise anspricht“ und das trifft es genau. Es geht um so viele fundamentale, wichtige Dinge wie eigene & gesellschaftliche Erwartungen, Autonomie, Sorgen, ungeklärte Fragen, Unausgesprochenes & Vorwürfe in Mutter-Kind-Beziehungen, Zukunftsängste, Erinnerungen an die Kindheit, Trauer, Verlust, Ratlosigkeit und Verzweiflung. Was sowohl für Anett als auch ihre Tochter Linn zutrifft, obwohl sie beide an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben stehen.
Der Autorin gelingt es, die Personen so tiefgründig zu beschreiben, dass man sich leicht in sie hineinversetzen, ihre Standpunkte und Fragen verstehen und mit überlegen kann, wie man wohl selbst handeln würde. Obwohl ich nicht Mutter bin, kann ich die Beziehung aus Tochter- und Mutterperspektive gut nachvollziehen. Alles hier fühlt sich real und nicht seicht an, aber trotzdem mit der Kulisse Nordsee nach einem perfekten Buch für den Sommer.
Der Schreibstil ist suchterzeugend, ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, da ich einfach wissen musste, wie es im Leben der beiden Frauen weitergehen wird. Die Sprache selbst ist einfach, direkt und hallt trotzdem nach – ich fotografiere selten Seiten in einem Buch, hier musste es dann aber doch auf S. 67 geschehen, wo es um die Hinterfragung der doch ziemlich kuriosen Aussage „Sei authentisch“ ging.
Insgesamt ein Buch, welches sich leise und unaufdringlich Platz in meinem Kopf gesucht hat und auch jetzt Tage später denke ich noch darüber nach. Von Kristine Bilkau will ich unbedingt mehr lesen und habe mir schon Nebenan von ihr auf meinen Wunschzettel geschrieben.
Kennt ihr schon ein Buch von ihr, vielleicht sogar Halbinsel? Wenn ja, wie hat es euch gefallen?
