Schlagwort: Buecher

[Lesenswert] Keya Das’s Second Act von Sopan Deb!

Beim Durchstreifen der englischen Büchersektion in der Bibliothek blieb mein Auge schnell an dem Cover von Keya Das’s Second Act von Sopan Deb (Amazon-Partnerlink) und nach dem Überfliegen des Klappentextes war mir schnell klar, dass dieses Buch mit mir nach Hause muss. Dort habe ich es dann an einem Tag durchgelesen und habe somit heute wieder eine Buchempfehlung für euch!


Worum geht’s

Das Leben der Familie Das gerät nach dem Outing ihrer jüngsten Tochter Keya als lesbisch und ihrem anschließenden Tod (oder war es Selbstmord?) gehörig aus den Fugen. Shantanu, der Papa, lebt isoliert von der bangladeschischen Gemeinde in New Jersey, da sich seine Frau Chaitali von ihm hat scheiden lassen und das etwas ziemlich seltenes (und nicht unbedingt befürwortetes) ist. Außer seiner Mutter hat er kaum noch ein Sozialleben und igelt sich in dem ehemaligen Familienwohnsitz ein. Mit seiner älteren Tochter Mitali hat er ebenfalls schon seit Monaten nicht mehr gesprochen und als sich der Todestag von Keya zu jähren naht, beginnt er, aufzuräumen.

Auf dem Dachboden entdeckt er eine Kiste mit handschriftlichen Notizen, die sich als ein gemeinsam mit Pamela, Keya’s Freundin, geschriebenem Theaterstück entpuppen und Shantanu bekommt eine Idee, wie er das Leben seiner Familie und sich wieder in normale Bahnen lenken und sie alle einen Weg durch ihre Trauer finden könnten.

Wie ist’s

Die ersten Seiten zogen sich etwas, aber dann zog die Geschichte mich in ihren Bann und ich wollte einfach wissen, wie es weitergeht. Die einzelnen Charaktere sind wunderbar entworfen, man bekommt viele verschiedene Einblicke in das Leben der bangladeschischen Gemeinde in den USA und das aus der Perspektive verschiedener Generationen. Persönlich lese ich schon seit über einem Jahrzehnt primär indische Autoren und war somit glücklich, endlich auch mal wieder etwas aus Bangladesch und ihrer Diaspora zu erfahren.

Die Geschichte ist streckenweise sehr traurig, wird aber auch immer wieder durch einige lustige/skurrile Situationen aufgelockert. Was manchmal an den (kulturellen) Missverständnissen liegt, aber auch daran, dass sich die Charaktere aus ihrer comfort zone hinausbewegen müssen und das wunderbar nachvollziehbar machen (ich sehe mich z.b. beim Schauspielunterricht ähnlich agieren). Es wird die eigene Rolle immer wider reflektiert und geschaut, ob man das eigentlich ist/sein will oder sie nur von außen, der Familie und der Gesellschaft zugeschrieben bekommt. Es macht Freude, den einzelnen Charakteren beim Ausbrechen aus diesen Normen zuzuschauen!

Durch die Notizen der beiden Mädchen bekommt man Rückblicke auf ihr gemeinsames Leben und ihre Träume, wodurch wir hier auch einen coming of age Roman haben. Aber eben nicht nur, da es um die Themen Trauerbewältigung und Weiterleben nach dem Tod eines geliebten Menschen geht, um Reue, aber auch Liebe und der Frage nach der eigenen Zugehörigkeit, was die Geschichte sehr komplex und spannend gemacht ist, da jede Person anders damit umgeht.


Mir hat Keya Das’s Second Act sowohl thematisch als auch von der Schreibweise sehr gut gefallen und ich war nach kurzer Zeit schon gefesselt und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Trotz der nicht gerade leichten Kost ist es definitiv ein Werk, welches ich euch für den Urlaub empfehlen kann bzw wenn ihr wirklich einen freien Tag habt, an welchem ihr euch in das Buch vertiefen und alles um euch herum vergessen könnt.

Sopan Deb hat leider nur noch ein weiteres Buch, Missed Translations, welches es hier in der Bibliothek nicht gibt, aber ich habe es mal auf meinen Wunschzettel gepackt 🙂 Dass da immer noch Sachen von 2007 draufstehen, ist auch so eine Baustelle für sich, aber ich komme einfach nicht hinterher – und da ich neugierig bin, wie sehen eure Wunschzettel so aus?

[Lesenswert] The Architect’s Apprentice von Elif Shafak!

Nachdem ich schon zwei Bücher von dieser genialen Autorin verschlungen habe, musste als nächstes noch The Architect’s Apprentice von Elif Shafak (Amazon-Partnerlink) dran glauben. Thematisch befinden wir uns in diesem Buch nun etwas weiter zurück in der Vergangenheit und ich war neugierig, wie mir dieses historische Setting im 16. Jahrhundert in Istanbul gefallen würde. Spoiler: 10/10!


Worum geht’s

Wir begleiten Jahan, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt und aus Zufall gemeinsam mit einem weißen Elefanten am Hofe des Sultans ankommt. Mit allem überfordert und einer neuen Rolle (nämlich die des Elefantendompteurs), die er spielen muss, schlägt er sich mehr oder weniger durch und ist gleichzeitig einfach nur fasziniert von dem Leben am Hofe, der Tochter des Sultans, den anderen Tierpflegern und besonders von dem Hofarchitekten Sinan, der seine Begabung erkennt und ihn unter seine Fittiche nimmt. Kriege, Intrigen, Aufstände..sein Leben wird definitiv nicht langweilig, während er seinem Traum, selbst ein Architekt zu werden und perfekte Gebäude zu entwerfen, immer näher kommt.

Wie ist’s

Opulent, wir haben hier sehr viele Geschichten, die ineinander verwoben werden und das Buch zu einer grandiosen Mischung machen. Jahan, unsere Hauptperson und Chota, den weißen Elefanten, muss man einfach mögen und so fiebert man mit den beiden und ihrem neuen Leben am Hofe mit und lernt dabei noch die skurrilsten Elefanten-Fakten. Da das Buch ihre kompletten Leben umfasst, bekommt man sehr viel mit, z.b. wie die unterschiedlichen Sultane herrschen und besonders der Architekt Sinan und seine Prachtbauten spielen eine große Rolle. Es ist prall, märchenhaft erzählt und zieht einen in seinen Bann – und auch wenn man merkt, dass die Geschichten eine traurige Wendung nehmen, muss man einfach weiterlesen, da man wissen will, wie genau es ausgeht.

Elif Shafak entwirft hier eine Welt, die mit der Realität durchaus mithalten kann bzw sind viele Sachen wie der Architekt Sinan und die von ihm entworfenen Gebäude eben von der Wirklichkeit für diese Geschichte ausgeliehen. Mir macht das Buch große Lust, selbst nach Istanbul zu fahren und diese Gebäude noch einmal zu bewundern, nachdem ich jetzt dieses Buch gelesen habe. Geschichte wird hier wieder lebendig und spannend, man lernt bei der Lektüre nebenbei interessante Informationen über das damalige Leben kennen. Die Autorin schafft es auch jedes Mal, dass ich schon beim Lesen am Googlen bin, da ich so viel genauer wissen will, was sie manchmal nur nebenbei anschneidet – das habe ich selten bei Büchern und erfreut mich enorm!

Aber natürlich ist unsere Hauptperson als Junge an den Hof gekommen und somit haben wir auch wieder einen Coming of Age Roman, wo wir den typischen Fragen nachgehen, wer man eigentlich ist oder sein will, welche Träume/Ziele man im Leben entwickelt, der ersten Liebe, Machtspielen etc. Also nichts neues, aber durch die Erzählweise einfach immer wieder spannend und in Kombination mit einem ebenfalls jungen Elefanten-Freund grandios!


Ich freue mich weiterhin, dass ich Elif Shafak entdeckt habe (und frage mich ernsthaft, wieso ich das nicht schon früher getan habe) und habe noch zwei weitere Bücher auf meinem Lese-Stapel von ihr liegen – wenn das so weitergeht, habe ich bis Ende des Jahres alle ihre Werke durch. Sagt, kennt ihr auch ein Buch von ihr und wenn ja, wie hat es euch gefallen?

[Lesenswert] Let’s be less stupid – Patricia Marx

Das pinke Büchlein Let’s be less stupid von Patricia Marx hat im Schrank meiner aktuellen Wohnung (ich sitte Haus und Katzen in Panama; Amazon-Partnerlink) meine Neugierde geweckt. Der Untertitel verrät mir, dass es „an attempt to maintain my mental faculties“ ist und da mich alles rund um unser Denken doch sehr interessiert, habe ich es mir direkt mal geschnappt.

Worum geht’s Um unser Gehirn, wie wir denken und wie sich das über die Zeit verändert. Die Autorin hat ihr eigenes (zunehmendes) Alter und ihre abnehmenden kognitiven Fähigkeiten dabei ständig als Beispiele für alles mögliche parat. Es geht um Intelligenz, wie genau unser Gedächtnis nun funktionieren (soll) und warum es das oftmals nicht tut.

Wie ist’s Patricia Mary hat ehemals für Saturday Night Live geschrieben und ich hatte somit erwartet, dass unser Humor sich ähnelt. Leider ist das aber null der Fall und ich fand viele Witze flach bzw einfach gar nicht witzig. Passiert ja, dass man nicht zusammen passt, aber schade! Denn wie gesagt von der Thematik her hatte ich mir da einiges erhofft.

Leider geht sie nicht sehr auf die einzelnen Themen ein, hangelt sich von einer Oberflächlichkeit in die nächste, führt wenige Studien an und ihre Selbsttests sind einfach nur unnötig (aka einfach nicht mein Humor). Wer wirkliche Intelligenztests oder Denktrainer bzw. Anleitungen sucht, wird sie hier nicht finden. Für mich nicht mal eine Strandlektüre im Urlaub, da das Buch null Mehrwert für mich hatte und ich habe es nicht beendet. Was ich vielleicht bei einem von hundert Büchern mache – und auch ein Grund ist, dass ich es trotzdem vorstellen wollte. Denn man soll nicht immer nur Empfehlungen, sondern ruhig auch mal abraten.

Erwartet habe ich ein mir Mehrwert bringendes Sachbuch mit lustigen Beispielen, um die „trockene“ Theorie aufzulockern. Aber das bekam ich hier nicht, es ging von einem (schlechten) Wortwitz zum nächsten Leser-Quiz und ganz wenig wurde auch etwas fundierte Kenntnis eingestreut. Aber erinnern werde ich mich an nichts aus diesem Buch; wobei doch, das Cover bleibt mir in Erinnerung, da es mir sofort ins Auge gestochen ist, mich dabei aber fies getäuscht hat! Danke, nein, next.

[Lesenswert] Leticia Valle. Memoiren einer Elfjährigen – Rosa Chacel

Als ich Leticia Valle. Memoiren einer Elfjährigen von Rosa Chacel im öffentlichen Bücherschrank fand, war ich definitiv neugierig, wie es sein kann, dass eine Elfjährige schon so viel erlebt hat, dass sie Memoiren verfassen kann (Amazon-Partnerlink). Somit musste das Buch natürlich mit zu mir und ich habe es in zwei Sitzungen durchgelesen!

Worum geht’s Die elfjährige, spanische Halbwaise Leticia lebt mit ihrem Vater, einem länger verschollen gewesenen Kriegsinvaliden, im Schweizer Exil. Sie entdeckt sich selbst, ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Ambitionen, schärft und erweitert ihren Geist mit Hilfe zweier Menschen: Dona Luisa, die ihr Musikunterricht erteilt sowie deren Mann Don Daniel, welcher sie in allen anderen wissenschaftlichen Aspekten unterrichtet. Es kommt zu einer nie ausgesprochenen, moralisch sehr fragwürdigen, Dreieckskonstellation zwischen dem Ehepaar und ihr, besonders jedoch zwischen ihrem sehr viel älteren Lehrer und ihr.

Wie ist’s Ich war sehr fasziniert, von der Erzählart. Rosa Chacel nennt die Dinge nicht bei Wort, sie spricht nicht aus, was passiert, sondern lässt es den Leser durch viele kleine Aspekte erahnen und „fühlen“. Man begibt sich mit Leticia in diese Welt der Erwachsenen, von der man unbedingt Teil sein will, es aber doch noch nicht wirklich ist. Die Protagonistin wird sehr komplex, leidenschaftlich und ehrlich dargestellt, die selbst nicht immer weiß, welche Wirkung sie auf ihre Außenwelt hat und überfordert scheint.

Man wartet, dass „etwas“ passiert, doch man muss die nebenbei eingestreuten Sätze lesen, aufmerksam verfolgen, was geschieht, da es eben keinen groß beschriebenen, dramatischen Moment gibt. Was diese Geschichte so glaubhaft macht, so fesselnd und faszinierend. Da man beginnt, zu verstehen, wie Leticia denkt, wie ihre Vergangenheit sie zu dem Menschen geformt hat, welcher jedoch gerade erst dabei ist, erwachsen zu werden. Der Roman endet ohne großen Knall, lässt den Leser nachdenklich zurück, man hat dieses „was habe ich da gerade erlebt“-Denken, welches surreal erscheint. Ein wirklich großer Lesegenuss, der zwar nicht an Lolita herankommt, aber mir sehr gut gefallen hat! Dass das Buch bereits 1946 erschienen ist, macht es noch besser, da es definitiv zu einem kleinen gesellschaftlichen Aufschrei geführt haben dürfte.

Kennt ihr das Buch oder habt etwas schon anderes von Rosa Chacel gelesen? Da es mich nicht loslässt, will ich unbedingt noch mehr von ihr lesen und sehen, wie sie mit anderen Themen umgeht.

[Lesenswert] Die Wahrheit über Alice – Rebecca James

Auf der Suche nach etwas seichter Unterhaltung stolperte ich im Bücherschrank über Die Wahrheit über Alice von Rebecca James und da ich bisher noch nie einen Coming of Age Roman einer australischen Schriftstellerin gelesen hatte, war ich sofort neugierig (Amazon-Partnerlink)!

Worum geht’s Die selbstgewählte Außenseiterin Katherine wird vom beliebtesten Mädchen der Schule, Alice, zu ihrer Party eingeladen. Bisher hat sie es vermieden, sich ihren Klassenkameraden anzunähern, da sie ihre Vergangenheit geheimhalten mag. Doch sie beschließt, dass es Zeit wird, eine Freundin zu finden und lässt Alice und deren Freund nach und nach an sich herum – nur um herauszufinden, dass die geglaubte Seelenverwandtschaft in einer absoluten Katastrophe gipfelt.

Wie ist’s Ich habe es in einem Rutsch gelesen, denn Rebecca James versteht es, fesselnd zu schreiben. Das Buch ist spannend, die Charaktere sehr interessant und vielschichtig entworfen und die Geschichte hat immer wieder ein paar Wendungen, die man nicht kommen sieht. Ist die Vergangenheit Katherines zwar recht schnell durchschaut, weiß der Leser aber wirklich nicht, wo die Reise hingeht und besonders das Ende fand ich wahnsinnig gelungen.

Ein aus der Ich-Perspektive erzähltes Jugendbuch, in welchem es viel um Erwachsenwerden, die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, aber auch menschliche Abgründe, psychische Störungen und Gewalt geht. Teilweise sehr verstörend-hart, aber eben real geschildert und somit ein Buch, welches definitiv auch für erwachsene Leser sehr gut funktioniert. Man könnte das Buch sofort in eine Serie verwandeln und ich wäre lockere neun Folgen dabei (mit YOU konnte ich ja leider nichts anfangen..), aber das Lesen war wirklich ein Genuss und ich konnte und wollte das Buch nicht aus der Hand legen.

Wenn ihr Thriller mögt, die vielleicht mal andere, sprich jugendliche, Protagonisten haben oder in Australien spielen, kann ich euch Die Wahrheit über Alice uneingeschränkt empfehlen!

[Lesenswert] Elefanten auf LSD und andere verrückte Experimente – Alex Boese

Vor schon einiger Zeit habe ich das Buch Elefanten auf LSD von Alex Boese aus einem öffentlichen Bücherschrank mitgenommen und als seichte Reiselektüre eingeplant gehabt (Amazon-Partnerlink). Dann kam ich aber irgendwie nie dazu und konnte nun endlich den Flug nach Indien (und zwei Zugreisen dort) zum Lesen dieses doch sehr informativen und abwechslungsreichen Buches nutzen!

Worum geht’s Der Wissenschaftsgeschichtler Alex Boese stellt auf 365 Seiten unzählige spannende, skurrile und teilweise verstörende Experimente aus Vergangenheit und Gegenwart vor. Hierbei gelingt es ihm, Leichtigkeit und Humor in die Thematik zu bringen, die einzelnen Studien aber immer mit genug Fachwissen (und weiteren Quellen zum Nachlesen) zu hinterlegen, um weitere Neugierde zu stillen. Solltet ihr ausgefallene und doch auch etwas intellektuelle Smalltalk-Themen suchen, das Buch wäre bestimmt eine gute Lektüre 😉 Eingeteilt in zehn Kapitel (u.a. Tierreich, Entwicklung oder auch Tod) und mit vielen Bildern untermalt, liest man sich hier schnell und nebenbei Wissen an.

Wie ist’s Kurzer Disclaimer: ich habe Psychologie studiert und somit natürlich Interesse an allen möglichen Experimenten. Gleichzeitig habe ich im Studium schon mit vielen der hier vorgestellten Versuchen Bekanntschaft gemacht, aber es gab trotzdem noch genug neue Experimente bzw. gingen einige Beschreibungen hier auch tiefer als im Studium oder ich hatte sie schlichtweg vergessen. Durch die Abwechslung der vorgestellten Studien wird die Lektüre nicht langweilig, der Schreibstil ist nicht ermüdend, sondern unterhaltsam und ich war sehr schnell mit dem Buch durch. Der Humor ist teilweise etwas flach, aber das könnte auch durch die Übersetzung zustande gekommen sein.

Man lernt nebenbei, hat wirklich lustige neue Smalltalk-Aufhänger, ich habe gleich mit meinem Flugnachbarn gequatscht (über den armen Elefanten und das LSD) und ich finde, dass das Buch wirklich eine gute, seichte Reiselektüre ist. Da die einzelnen, abwechslungsreichen Experimente immer kurz vorgestellt werden, kann man mal schnell „zwischendurch ein paar Seiten“ lesen und muss sich nicht enorm konzentrieren. Wenn man dann doch tiefer gehen will, hat der Autor einem weitere Literaturhinweise unter die einzelnen Experimente und in den Anhang gepackt, was ich sehr hilfreich finde.

Zwar habe ich vom Cover her nicht viel von dem Buch erwartet, aber ich wurde erstaunlich gut unterhalten, habe einige neue Experimente kennengelernt und würde das Buch – wäre ich in Deutschland – definitiv einer Freundin geben, die sich ebenfalls für diese Thematik interessiert. Wenn ihr euch also ebenfalls ein wenig mehr mit psychologischen Experimenten beschäftigen wollt, aber eben auf entspannender Leseebene, die sich nicht nach Arbeit und Anstrengung anfühlt, dann wäre dieses Buch vielleicht was für euch!

[Lesenswert] The Rules – Stacey Kade

Auf dem Weg zum Flughafen hielten wir in Portland noch kurz bei einem öffentlichen Bücherschrank, um noch ein paar Bücher aka Gewicht loszuwerden, aber als ich The Rules von Stacey Kade sah, musste es dann doch mit (Amazon-Partnerlink). Es klang nach einer leichten Flugzeuglektüre mit bisschen coming of age und Dystopie, worauf ich da gerade Lust hatte!

Worum geht’s Ariane Tucker muss fünf Regeln befolgen: 1. Traue niemandem, 2. Vergiss nie, dass du gesucht wirst, 3. Misch dich nicht ein, 4. Halte dich bedeckt und 5. Verliebe dich nicht. Denn sie ist kein normaler Teenager einer amerikanischen Kleinstadt, sondern eine Mischung aus Mensch und außerirdischer DNA, welche mit Hilfe ihres „Adoptivvaters“ aus dem Forschungslabor entfliehen konnte. Nun muss sie unauffällig leben, um nicht entdeckt zu werden. Was funktioniert, bis sie beginnt, die Regeln dank Zane, dem Sohn des hiesigen Polizeichefs, zu missachten und Kontrolle über ihre „Fähigkeiten“ zu verlieren.

Wie ist’s Natürlich ist ziemlich offensichtlich, was passiert und ach, das ganze Buch wirkt doch etwas sehr konstruiert und wird zum Ende hin teilweise etwas diffus, da man merkt, dass ein zweiter Teil hinzugefügt werden will. Ich habe die etwas über 400 Seiten in etwa sechs Stunden gelesen (bei Condor hat man kaum Filme zur Auswahl..) und hätte ich noch mehr Bücher dabeigehabt, es wohl lieber mal zur Seite gelegt. Es ist zu Beginn fesselnd, verlor mich aber mittendrin, da nicht viel passierte außer dem Konflikt „Regeln befolgen – Junge treffen“. Sonderlich ausgearbeitet wurden die Charaktere nicht, wodurch man sich nicht sehr mit ihnen verbünden kann – irgendwie waren sie mir gleichzeitig aber auch einfach nicht sympathisch.

Klar, es ist ein Jugendroman und mit 14 oder 15 hätte mir das Buch bestimmt sehr viel besser gefallen, so war die Love Story einfach nicht sehr neu. Der Schreibstil ist einfach gehalten, die Perspektiven wechseln zwischen Ariane und Zane ab, was es etwas spannender macht, aber fesselnd ist anders. Die Idee von einem Mensch-Außerirdischer-Hybrid mit besonderen Fähigkeiten hätte so viel mehr ausgearbeitet werden können, was der Geschichte mehr „Blut“ statt nur Skelett verliehen hätte, schade! Den zweiten Teil würde ich wohl im Bücherschrank stehen lassen, denn wirklich wissen, wie es nun weitergeht, muss ich einfach nicht.

Fazit: Gut für einen Langstreckenflug, sonst hätte ich wohl irgendwann aufgehört zu lesen und nicht bis zum Ende durchgehalten. Aber ich bin auch wirklich nicht mehr Zielgruppe, somit nicht auf mein Genörgel hören, wenn ihr jünger seid und viel Spaß mit dem Buch hattet!

[Lesenswert] Der Fünfzigjährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half – Mikael Bergstrand

Manchmal denke ich ja, dass Buchtitel nur eine bestimmte Anzahl an Zeichen haben dürften, denn wer bitte kann sich denn diesen hier merken! Aber gut, abgehalten hat es mich natürlich dann auch nicht, das Buch Der Fünfzigjährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half von Mikael Bergstrand in einem Tag durchzulesen (Amazon-Partnerlink)!

Worum geht’s Der Schwede Göran Borg ist nicht glücklich. Nach einem Jahr in Indien, wo er das Leben wieder genießen konnte, gute Freunde fand und sich (leider unglücklich) verliebte, ist er wieder zurück in Malmö. Sein Job als Werbetexter macht ihm keinen Spaß und er weiß nicht wirklich, wohin mit sich. Um diese Identitätskrise zu überwinden, geht er zu einer Therapeutin, welche ihm jedoch nicht helfen kann. Denn alles, was er will, ist, zurück nach Indien zu gehen und die Hochzeit seines besten Freundes Yogi zu feiern. Doch wird dieses „Flucht“ immer wieder von indischer Seite verschoben, bis Göran es nicht mehr aushält und einfach hinfliegt – um vor Ort festzustellen, dass es hier einige Probleme gibt, bei denen seine Hilfe definitiv gebraucht wird!

Wie ist’s Es ist der zweite Band, aber man kann problemlos in die Geschichte einsteigen, da es immer mal wieder erklärende Rückblenden gibt. Ich habe nicht erwartet, dass mir das Buch gefällt, da es nach einer billigen Nachmache des 100-Jährigen klang. Aber ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich krank im Bett lag und somit eh nichts anderes zu tun hatte, oder mir seichte Literatur zu gefallen beginnt 😉 Denn das Buch ist seicht, hat seine stereotypen Indien-Momente und mich trotzdem gut unterhalten.

Dabei waren mir die Charaktere nicht einmal sonderlich sympathisch, doch irgendwie haben sie mich trotzdem gekriegt und ich wollte wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Es gab ein paar Stellen, an denen ich laut lachen musste und sogar überraschende Wendungen, die ich nicht kommen sah. Am Ende schwächelte das Buch meiner Meinung nach dann aber doch, man merkt, dass hier schon ein weiterer Band in Planung war und da hätte ich mir mehr erhofft.

Da ich sowohl in Delhi als auch in Darjeeling, wo das Buch spielt, schon war, fand ich die Beschreibungen (u.a. wie man ein Geschäft in den geschäftigen Gassen findet, wenn man sieben verschiedene Wegbeschreibungen bekommt..) teilweise sehr gelungen und konnte mich an ähnliche Momente erinnern. Teilweise waren sie aber auch etwas „von oben herab“ und damit kann ich leider nicht gut. Man merkt, der Autor hat das Herz am rechten Fleck und war definitiv schon einige Male in Indien, teilweise spricht aber auch die Frustration aus ihm.

Den starken Drang, Teil 1 oder Teil 3 zu lesen, habe ich nicht; würde ich sie aber hier in Indien finden und erneut einen faulen Lesetag haben wollen, wahrscheinlich würde ich sie mir doch schnappen. Aber wirklich weiterempfehlen als „eines der Bücher, welches ihr über Indien gelesen haben müsst“, würde ich es nicht – da bleibt Shantaram von Gregory David Roberts wohl für immer mein Favorit!

Kennt ihr die Göran Borg-Reihe zufällig? Wenn ja, wie hat sie euch gefallen und was ist euer liebstes Buch, wenn es um Indien geht? 🙂

[Lesenswert] Crime Magazin von Stern

Bis vor etwa einem Jahr hätte ich nie gesagt, dass mich True Crime (also Wahre Verbrechen) sonderlich interessieren, sei es als Buch, Film oder Dokumentation. Aber durch den Zeit Verbrechen Podcast wurde ich dann doch so laaaaaangsam in dieses Genre gezogen und als ich dann auf der Frankfurter Buchmesse zwei Ausgaben des Crime Magazin des Sterns in die Hand gedrückt bekommen habe, war es um mich geschehen.


Das Heft ist mit 5,50€ pro Ausgabe (ohne Abo, eine Gratisausgabe könnt ihr euch hier sichern, aber lest das Kleingedruckte) nicht ganz so günstig, aber da es mich im Schnitt 2 Stunden unterhalten hat, auch nicht allzu teuer. Es ist eine spannende Mischung aus Reportagen über Verbrechen, wobei diese weltweit stattfinden/stattgefunden haben. Dazu springen wir zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen eher sachlicher Erklärung und mitnehmender Reportage aus Sicht der Opfer und man wird als Leser einfach wahnsinnig gut unterhalten!

Natürlich sind die Schreibstile der einzelnen Autoren unterschiedlich und so fand ich einige fesselnder als andere, aber das ist normal. Was mich aber durch die komplette Ausgabe absolut begeistert hat, waren die Bilder. Diese waren teilweise so ausdrucksstark, dass sie die Worte absolut in den Schatten gestellt haben und einfach so auf den Leser gewirkt haben. Und gewirkt haben. Und immer noch gewirkt haben. Grandios!


Als ich die Ausgabe dann meiner Patin geben wollte (welche solche True Crime Sachen sehr gerne mag), fand ich heraus, dass sie das Crime Magazin im Abo schon lange bezieht und ich nun die ausgelesenen Ausgaben haben kann, juhu! Somit wandert meine Ausgabe (von Oktober/November 2018, aber wen stört das schon, Mord verjährt in Deutschland ja nicht *g*) in den öffentlichen Bücherschrank und erfreut hoffentlich noch jemanden.

Liest wer von euch das Crime Magazin oder hört den Zeit Verbrechen Podcast? Ich habe nur noch zwei Folgen nicht gehört und versuche, sie mir aufzusparen..aber ach, sie sind einfach so interessant!

[Lesenswert] Unlearn – Humble the Poet

Vor Ewigkeiten stolperte ich zufällig auf YT und dann Instagram über Kanwer Singh aka Humble the Poet und fand den ehemaligen, kanadischen Grundschullehrer nicht nur sympathisch, sondern war sehr daran interessiert, was er noch so zu sagen hat. Da aktuell sein zweites Buch „Things no one else can teach us“ erschienen ist und ich mir dieses wohl in Indien kaufen werde, will ich heute aber noch einmal über seinen Erstling „Unlearn 101 simple Truths for a better Life reden (Amazon-Partnerlinks).


Knackig und kurz gibt Humble auf 300 Seiten dem Leser „einfache Wahrheiten“ preis, zunächst als Zitat, dann als begleitenden Fließtext. Insgesamt 101 solcher Kapitel gibt es, das letzte Kapitel darf der Leser dann selbst schreiben & wenn er mag, sogar dem Autor via Email zusenden. Ich glaube, dass ich das 2020 sogar tun werde, wobei ich nie das Gefühl habe, genug gelernt zu haben, um so etwas zu schreiben.

Für mich ist das kein „ich lese es von vorne bis hinten“-Werk, wobei ich dies beim ersten Mal sogar getan habe. Meist schlage ich es einfach auf und lese 2-3 Kapitelchen für den Tag, lasse mich zum Nachdenken anregen und bringe das Gelesene häufig noch in Gesprächen mit Familie und Freunden ein. Das Buch wird einem nicht langweilig, man vergisst einzelne Lektionen wieder, andere bleiben einem wie eingebrannt im Gedächtnis und trotzdem verändert sich die individuelle Sichtweise auf die Dinge manchmal mit der Zeit.

Durch das sehr schöne Layout würde sich das Buch sehr gut als „Coffeetable“-Buch machen, wobei es wirklich zu schade zum Ignorieren ist. Es muss in die Hand genommen und „durchgearbeitet“ werden und ich bin davon überzeugt, dass es jedem helfen kann. Einige Sachen sprechen natürlich mehr zu einem als andere, aber gelangweilt oder komplett fehl am Platz habe ich mich bei keiner der 101 Wahrheiten gefühlt. Viel kann man natürlich schon auf Instagram lesen oder von einem der vielen Podcasts lernen, bei denen Humble zu Gast ist, aber ich will ihn mit diesem Kauf auch unterstützen und das Buch „in der Hand“ halten, wenn ich mich danach fühle, etwas Weisheit zu bekommen.

Solltet ihr schon auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken sein, ich glaube dieses oder sein neues Werk sind einfach für jeden etwas – wobei, wenn ihr ihn noch nicht kennt, lest euch mal ein wenig ein, vielleicht seid ihr dann auch so begeistert wie ich! Ach, ich freue mich schon sehr auf Buch 2!

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