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[Lesenswert] Close your eyes, hold hands – Chris Bohjalian!

Von einer Freundin wurde mir das Buch Close your eyes, hold hands von Chris Bohjalian als absolute Leseempfehlung in die Hand gedrückt und somit war ich neugierig, was mich erwarten würde. Da ich mittlerweile wenig Young Adult-Bücher lese, kannte ich Chris Bohjalian somit auch noch nicht und war gespannt, ob mir sein Schreibstil zusagen würde!

Worum geht’s Wir haben eine Coming of Age Story in einem etwas distopischen Setting, welches sehr gut in der nicht sehr entfernten Zukunft stattfinden kann. In den USA ist ein Kernreaktor explodiert und es scheint, menschliches Versagen zu sein. Genauer gesagt, der Fehler des Vaters unsere Protagonistin Emily zu sein. Diese flieht, genauso wie viele andere Menschen aufgrund der Katastrophe und lebt obdachlos in der nächst größeren Stadt in Vermont. Dort adoptiert sie einen anderen, wohl ebenfalls verwaisten und obdachlosen Jungen und gemeinsam schlagen sie sich durch.

Wie ist’s Die meisten Coming of Age Romane beschäftigen sich mit der ersten Liebe und “seichteren” Themen, hier wird man sehr stark mit den negativen Seiten von obdachlosen Jugendlichen konfrontiert. Es geht um Drogen, die Frage, wie man Geld verdienen kann (was leider im Verkauf des eigenen Körpers geschieht), um Alkoholismus und Gewalt. Das Leben auf der Straße ist hart und wird hier mehr als anschaulich beschrieben, wodurch es einen trifft und noch einige Zeit zum Nachdenken anregt.

Aber genau das hat das Buch für mich ausgemacht, da es eben nicht beschönigt, sondern sehr real erscheint. Bohjalian schreibt direkt, spannend und so, dass man einfach weiterlesen mag. Die Charaktere werden sehr gut beschrieben, sodass man sich in sie hineinführen kann und mit ihnen mitleidet. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und wurde auch vom Ende nicht enttäuscht. Definitiv ein Autor, von dem ich noch mehr lesen mag!

Habt ihr das Buch zufällig schon gelesen oder etwas anderem von Chris Bohjalian? Wenn ihr Coming of Age Stories mögt, die so gar nicht beschönigt sind, ist das definitiv was für euch. Wenn ihr einen anderen Autoren kennt, der ähnlich schreibt, lasst mir doch gerne eure Empfehlung da!

[Lesenswert] Die seltsamsten Orte der Welt – Alastair Bonnett

Ihr wisst, ich reise viel und das auch gerne an eher weniger touristisch erschlossene Orte. Somit war ich natürlich neugierig, worum es in dem Buch Die seltsamsten Orte der Welt von Alastair Bonnett genau geht. Seltsam – nicht im Sinne von Dark Tourism, davon halte ich nämlich so gar nichts – klingt nämlich per se genau nach meinem Geschmack! (Die Ecke oben rechts wurde ernsthaft von einem Affen angefuttert, der mir an diesem Strand meine Tasche geklaut hat) 🙂

Worum geht’s Das Buch ist eingeteilt in die Kapitel verlorengegangene Orte, versteckte Geographien, Niemandsländer, Geisterstädte, Ausnahmeräume, Enklaven und abtrünnige Nationen, schwimmende Inseln und vergängliche Orte. Ihr seht, eine bunte Mischung und je Kapitel hat man dann mehrere Orte, die vom Autoren genauer beschrieben werden.

Wie ist’s Der Anfang ist etwas zäh, da der Autor sich dem Thema zunächst wissenschaftlich nähert. Was nicht verkehrt ist, nur nicht unbedingt sehr geeignet für eine Strandlektüre und ohne Vorwarnung 😉 Aber als ich dann erstmal drin war, hatte ich Spaß. Einige Orte fand ich spannend, andere eher langweilig, aber da es immer nur wenige Seiten pro Ort waren, war die Mischung gut. Man konnte immer ein wenig lesen und dann wieder ins Wasser springen. Groß nachdenken musste man nicht, es war nicht anstrengend geschrieben und hat eher zur Inspiration gedient. Wobei, ich glaube nicht, dass ich einen der seltsamen Orte nach diesem Buch unbedingt besuchen müsste, ich habe mir zumindest keinen notiert.

Interessant fand ich, dass auf vielen Karten zum Beispiel noch immer Inseln eingezeichnet sind, die es gar nicht mehr gibt (bzw wird ihre Existenz per se angezweifelt) und auch vom Genfer Freihafen hatte ich zum Beispiel noch nie gehört. Über den Fuchsbau (ja wirklich, da wo der Fuchs wohnt) oder die Verkehrsinsel hätte ich allerdings nicht unbedingt die Gedanken des Autoren gebraucht, welche er mit Fragen der Identität verknüpft, aber das ist eben wieder Geschmacksache.

Insgesamt ist die Sammlung an kuriosen Orten nett, kurzweilig und unterhaltend, ich würde es aber nur empfehlen, wenn man sich auf die wissenschaftliche, teilweise eben eher trockene Sprache des Autoren einlassen mag. Wer einfach nur nette Reiseberichte und Inspiration für ungewöhnlichere Urlaube sucht (wie es mir das Cover signalisiert hat), das ist nicht euer Buch.

[Lesenswert] Sansibar oder der letzte Grund – Alfred Andersch!

Mit Sansibar oder der letzte Grund von Alfred Andersch habe ich endlichen einen weiteren „will ich schon ewig mal lesen“-Klassiker ausgelesen und auch diesen lustigerweise in einem Hostel auf Tioman (einer Insel vor Malaysia) gefunden. Somit habe ich ihn geschwind an einem Tag gelesen und für den nächsten Gestrandeten zurückgelassen 😉

Worum geht’s In einer kleinen Hafenstadt an der Ostsee treffen fünf Menschen (und eine Holzskulptur, welche als Bindeglied der Gruppe agieren wird) im Jahre 1937 zusammen, die sich vorher nicht kannten und nichts gemeinsam haben, außer den Wunsch, Deutschland unbeobachtet zu verlassen. Es handelt sich dabei um Gregor (Mitglied & Verbindungsmann in der KP, auf der Flucht), den Fischer Knudsen (ebenfalls in der Partei und der Mann mit dem Fluchtboot vor Ort), den Jungen (Lehrling des Fischers, der von der Welt und Abenteuern träumt), die Jüdin Judith (die ihrer Mutter versprach, zu fliehen) und den Pfarrer Helander (der seine Holzstatue des „Lesenden Klosterschüler“ retten will, welche als entartete Kunst deklariert wurde).

Wie ist’s Den Titel des Buches kennt man, aber ich hatte absolut keine Ahnung, worum es geht und dachte ja, irgendwie um Ostafrika. Kann man noch weiter von der Realität entfernt liegen? Nicht wirklich 😉 Da ich vorher auch nicht las, worum es geht, wurde ich hier ständig neu überrascht. Ich mochte die unterschiedlichen Charaktere sehr und fand es spannend, wie ihre Schicksale miteinander verwoben wurden. Durch die verschiedenen Blickwinkel bekommt man einen guten Einblick über das Leben in der NS-Zeit; gleichzeitig wird einem bei der Lektüre nicht langweilig, da sie eben ständig zwischen den Personen (und deren kurzen Kapiteln) hin und her springt.

Es ist einfach geschrieben, man kann das Buch leicht runterlesen und muss sich nicht enorm konzentrieren. Aufgrund der kurzen Kapitel kann man auch gut Pausen einlegen; die beste Urlaubslektüre ist es allerdings nicht, da das Thema einen mitnimmt und man sich wieder einmal fragt, wie zur Hölle das alles passieren konnte. Da es sehr fesselnd geschrieben ist, habe ich es allerdings an einem Tag runtergelesen, ich wollte doch wissen, wie es für alle Beteiligten ausgehen wird.

Andersch selbst wurde 1933 aufgrund seiner politischen Aktivitäten (er war im Kommunistischen Jugendverband) im KZ Dachau interniert, was dem Roman noch mehr Bedeutung verleiht. Ich finde, dass dies ein Buch ist, was man gelesen haben sollte, es durchaus den Status des „Klassikers“ verdient und einen lange zum Nachdenken bringen wird.

[Lesenswert] Balzac und die kleine chinesische Schneiderin – Dai Sijie

Schon wieder so ein Titel, den ich zwar kannte, aber nicht wirklich wusste, worum es in dem Buch eigentlich geht. Somit wurde es echt mal Zeit, dass Balzac und die kleine chinesische Schneiderin von Dai Sijie lese und weiß, welche Geschichte sich hinter dem Titel verbirgt!

Worum geht’s Es geht sogar ein bisschen um Balzac, denn seine Bücher werden von Luo und seinem Freund am „Ende der Welt“ gelesen. Die beiden chinesischen Studenten wurden zur kulturellen Umerziehung unter Mao in ein Bergdorf geschickt, wo es außer Feldarbeit nur wenig zu tun gibt. Bis sie eine Kiste mit verbotenen Bücher in die Hände bekommen und mit diesen Geschichten, welche sie nach der Letüre weitererzählen, ihre Umwelt unterhalten. Besonders die junge Schneiderin hat es den beiden Studenten angetan und so wird sie mit Balzac, Dostojewski, aber auch Dumas und Stendhal umgarnt.

Wie ist’s Mir gefällt die Erzählart von Dai Sijie sehr gut, da sie fesselnd ist, aber auf subtilere Art und einfach ein Genuss, man badet nur so in seinen Worten. Er war selbst drei Jahre zur kulturellen Umerziehung in einem Bergdorf (von 1971-74) und weiß somit, wovon er schreibt. Die Geschichte ist eher leise, die Handlungen stehen nicht im Vordergrund, sondern es geht um Liebe. Liebe zwischen Menschen, Liebe zum Leben, aber auch Liebe zur Literatur. Wie wichtig Bücher sind, um aus einer Welt zu fliehen, die das Individuum in seiner Entfaltung unterdrückt. Nicht nur die beiden Studenten, auch die Schneiderin, welche als „wenig schulisch gebildet“ beschrieben wird, nutzt die Literatur, um sich aus ihrer Lage zu befreien.

Ein Buch, welches mir trotz der nicht unbedingt fröhlichen Hintergrundgeschichte häufig ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat, da ich nachfühlen kann, wie bedeutend Bücher für die Charaktere sind. Denn auch ich kann nicht ohne und kann mir keine Welt vorstellen, wo ich nicht meinem Alltag mit einer guten Geschichte entfliehen kann. Es gibt doch einfach nichts schöneres, als ein paar Stunden in eine andere Welt einzutauchen und dann mit neuer Energie (und vielleicht auch einer anderen Perspektive) wieder in der eigenen Realität aufzutauchen. Solch eine gut geschriebene Liebeserklärung an Literatur zu lesen tut mir dann natürlich enorm gut. Verfilmt wurde die Geschichte auch, aber ich will den Film nicht sehen, dazu hat mir das Buch zu gut gefallen!

Kennt ihr das Buch gelesen und hat es euch ähnlich verzaubert? Ich habe es an zwei Tagen durchgelesen und wurde zum Ende hin (welches ich übrigens sehr gut finde) immer langsamer, um noch etwas länger von ihm zu haben – wegen mir hätte Sijie da gerne noch 100 Seiten mehr schreiben dürfen!

[Lesenswert] Der Spieler – Fjodor Dostojewski!

Juhu, da habe ich doch tatsächlich Der Spieler von Fjodor Dostojewski in meinem Hostel auf Tioman gefunden 🙂 Seit Ewigkeiten will ich das Buch schon lesen, Dostojekwsi ist einer meiner Lieblingsautoren, doch bisher hatte ich noch nie Glück, dieses Buch in einem öffentlichen Bücherschrank zu finden. Zwar sind Strand und Sonne nicht unbedingt die passende Kulisse für diesen kurzen Roman, aber hey, da musste ich eben durch..und mit Ice Tea geht das auch!

Worum geht’s Der Titel verrät es schon, die Hauptfigur unseres Romans ist dem Glücksspiel verfallen, genauer gesagt dem Roulette. Als angestellter Hauslehrer eines verschuldeten Generals kommt der Russe Alexsej Iwanowitsch in den Kurort Roulettenburg (Deutschland), wo er sich nicht nur unglücklich verliebt, sondern durch das Spielen am Roulette-Tisch immer wieder hoch verschuldet.

Wie ist’s Persönlich lese ich Dostojewski nicht der Geschichte, sondern der Atmosphäre und den einzelnen Charakteren wegen. Es gelingt ihm einfach, jede noch so für mich uninteressant klingende Story mit Worten zu malen, die einen fesseln. Spannend an der Geschichte des Spielers ist, dass Dostojewski hier definitiv autobiographisch schreibt, da er selbst sein Leben lang mit dem Glückspiel bzw der Sucht zu kämpfen hatte. Die unglückliche Liebe hat er ebenfalls erlebt und hier verarbeitet. Das Werk ist leicht zu lesen, man taucht schnell in die menschlichen Abgründe ein, welche von Geld, Macht und Liebe dominiert werden und beginnt, sich selbst ein wenig in diesen Gedanken zu verlieren.

Dostojewski kann einem sehr gut vermitteln, wie Spielsüchtige denken, wieso sie immer wieder in das Casino zurückkehren, um noch mehr Geld zu verlieren. Nicht nur der Hauslehrer, auch eine alte Tante ruinieren sich vor Ort, was klarmachen soll, dass es jeden „treffen“ kann. Der Roman zeigt, wie ein Mensch schließlich komplett von der Spielsucht besessen sein kann, sodass ihm alles andere egal zu sein scheint. Keine Urlaubslektüre (ich habe es am Strand liegend versucht), da man hier nicht unbedingt gute Laune bekommt, aber definitiv ein Klassiker, den man einmal in ein paar ruhigen, verregneten Stunden gelesen haben sollte! Achja, Dostojewski soll diesen Roman seiner Frau übrigens in nur 26 Tagen diktiert haben, da er die Rechte an ihm schon verpfändet hatte, bevor er geschrieben war.

Welches ist euer Lieblingswerk von Dostojewski? So langsam sollte ich alle durch haben, aber das Gute daran ist, dass man sie auch immer wieder lesen kann, da einen die Atmosphäre einfach umhaut. Den Spieler habe ich aber zurück ins öffentliche Bücherregal gestellt, so kann sich jemand neues daran erfreuen!

[Lesenswert] Eleanor Oliphant is Completely Fine – Gail Honeyman

Das Buch Eleanor Oliphant is Completely Fine von Gail Honeyman fand ich im Hostel in Malacca und wurde natürlich von dem besonderen Namen der Hauptperson angesprochen. Ohne mich näher mit dem Buchrücken zu befassen, fing ich einfach mal an zu lesen und kann nun nach der Lektüre sagen, dass man kaum ein besseres Cover hätte wählen können!

Worum geht’s Eleanor ist 29, lebt in Glasgow und arbeitet seit ihrem Abschluss in der Buchhaltung einer Grafikdesignfirma. Sie ist sehr intelligent, allerdings kann sie – aufgrund ihrer Vergangenheit, welche ihr auch große Brandnarben im Gesicht beschert hat – nicht sehr gut mit ihren Mitmenschen umgehen. Viele soziale Konventionen findet sie fragwürdig, sie ist lieber offen und ehrlich. Dadurch bleibt sie in ihrem Büro allerdings ein Außenseiter und ihr Privatleben am Wochenende dreht sich meist um einen Tesco-Großeinkauf und ein paar Flaschen Wodka auf der Couch. Dies allerdings soll sich ändern, als sie zufällig den Sänger Johnnie Lomond auftreten sieht und sich in ihn verliebt.

Wie ist’s Fesselnd auf eine ganz spezielle Art, was wohl am Schreibstil liegen muss. Denn Eleanor ist dem Leser sehr lange ein Rätsel, ihre Vergangenheit entfaltet sich nach und nach, doch man fühlt trotzdem schon mit ihr mit. Obwohl sie definitiv kein „wow, ist die mir sympathisch“-Charakter ist, da sie eben ihre eigenen Verschrobenheiten hat und dadurch andere Menschen verletzt. Doch Gail Honeyman gelingt es, eine eigentlich schon oft erzählte Geschichte, so zu beschreiben, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Besonders Arbeitskollege Raymond schafft es, einen anderen Blick auf Eleanor für den Leser zu eröffnen, was die Geschichte zu einem doppelten Genuss macht!

Die immer mehr in die Öffentlichkeit kommenden Themen „Einsamkeit“ und „Isolation“ spielen eine große Rolle, ebenso die Frage, wie man Kinder, denen schlimme Dinge widerfahren kann, beim Heranwachsen unterstützen und „erfolgreich“ in die Gesellschaft integrieren kann. Hier hätte gerne noch ein wenig mehr Kritik geäußert werden dürfen, doch zeigt das Buch deutlich, dass man auch die emotionalen Bedürfnisse, das Verlangen nach Sozialkontakt, beachten muss. Insgesamt ist das Buch sehr gut geschrieben, man schmunzelt, man hat Tränen in den Augen, hinterfragt und denkt noch einige Zeit über das Gelesene nach. Trotzdem würde ich es aber auch als Urlaubs-/Bahn etc-Lektüre empfehlen, denn nach Tiefs kommen eben auch wieder Hochs und vermiesen einem nicht die gute Laune.

Kennt ihr das Buch schon? Wie hat es euch gefallen? In den UK ist es sehr erfolgreich gewesen und Reese Witherspoon hat sogar die Filmrecht erworben und ich kann es mir sehr gut als Verfilmung vorstellen; mal sehen, ob das irgendwann realisiert wird. Bis dahin kann ich euch die Lektüre auf jeden Fall empfehlen und es ist wieder so ein Buch, was man eigentlich jedem schenken könnte 🙂

[Lesenswert] Hunger – Roxane Gay

Die Schriftstellerin Roxane Gay kannte ich bisher primär von Kurzgeschichten und ihr Buch „Bad Feminist“ steht auch schon länger auf meiner to-read Liste. Somit war ich natürlich sofort angefixt, als ich ihr anderes Buch Hunger. A Memoir of (my) Body in meiner House-Sitting-Wohnung fand. Buch geschnappt, an den Pool gelegt und fast vergessen, ins kühle Nass zu springen, so gefesselt war ich!

Worum geht’s Roxane beschreibt in diesem Werk enorm schmerzhaft, wie sie als Teenager von einer Gruppe Nachbarjungen vergewaltigt wurde und danach ihren Körper als Schutzschild benutzt. Um effektiv nicht für Männer attraktiv zu sein, beginnt sie zu essen und zu essen, was sich natürlich auf ihre Beziehung zur gesamten Außenwelt und zu sich selbst auswirkt.

Wie ist’s Es berührt. Es tut weh. Es ist unglaublich gut geschrieben und fesselt einen. Roxane Gay hat eine klare, leicht zu lesende Art, doch hinterlassen ihre Sätze Wirkung. Das Buch besteht aus vielen, sehr kurzen Kapiteln, sodass man es aus der Hand legen könnte, aber man will nicht. Man will wissen, wie es in ihrem Leben weitergeht, was passiert, welche positiven und negativen Erfahrungen sie macht. Wenn man am Ende ist, hallt das Buch nach, ich wollte sofort mehr von ihr lesen, denn ich habe das Gefühl, die Autorin nun auf eine sehr intime, ehrliche, ungeschönte Art zu kennen; ein Gefühl, wie man es mit Freunden in der Realität hat.

Zwar fokussiert sich das Buch auf das Thema „Essstörung“, aber es bietet doch viel mehr. Es ist ein coming of age-Roman einer jungen Frau, die äußerlich nicht dazu passt/passen will, die mit ihrer Identität, ihrer Sexualität, ihrem „Ich“ kämpft, zweifelt und stärker aus diesen Momenten hervorgeht. Es ist die Geschichte einer starken Frau, die nicht stark sein wollte, sondern nur versuchte, für den Rest der Gesellschaft unsichtbar zu werden. Was aber einfach nicht funktioniert, wenn man so gut schreiben kann.

Absolute Lese-Empfehlung! Ich hatte das Buch an einem Nachmittag durch, da ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte und werde definitiv alles, was ich von Roxane Gay in die Finger bekomme, lesen. Ihr Schreibstil ist inspirierend, ihre „Stimme“ außergewöhnlich und sie mir einfach wahnsinnig sympathisch, so.

Habt ihr dieses oder ein anderes Buch/andere Kurzgeschichte von ihr schon gelesen? Wenn ja, wie hat es euch gefallen, ist wer ähnlich begeistert? 🙂

[Lesenswert] The Understudy – David Nicholls

Manchmal passen Bücher und Umgebung einfach nicht zusammen. So erging es mir zumindest Anfang der Woche, als ich auf meiner einsamen Insel lag und eigentlich Dostojewski lesen wollte. Aber bei Strand, Sonne, Meer und Hängematte ging das einfach nicht. Somit suchte ich in der öffentlichen Bibliothek vor Ort und fand eine seicht klingende Urlaubslektüre, nämlich The Understudy von David Nicholls. Ich habe von ihm schon One Day sowie US gelesen und war gespannt, worum es in diesem Buch gehen würde, da ich den Titel noch nie gehört hatte.

Worum geht’s Stephen, Namensvetter eines berühmten Schauspielers, versucht schon seit Jahr(zehnt)en, einen Fuß in die Tür der Schauspielwelt zu bekommen. Aber irgendwie reicht es immer nur zum Komparsen, besonders gerne als Leiche, oder eben wie aktuell als Ersatz am Theater, wenn der Hauptdarsteller ausfallen sollte. Was besagter Josh aber nie tut. Aber nicht nur im Berufsleben mag es nicht klappen, Stephen hat gerade eine Scheidung hinter sich und ein nicht gerade einfaches Verhältnis zu seiner Tochter. Als Hauptdarsteller Josh (eine kleine Berühmtheit) ihn schließlich zu einer Party einlädt, hofft Stephen, wichtige Kontakte knüpfen zu können, lernt jedoch Josh’s Frau Nora kennen und ist fasziniert.

Wie ist’s Genau wie eine Strandlektüre sein sollte! Einfach zu lesen, die Story baut sich gut auf, man erhält genug Infos über die Charaktere, um mitfühlen zu können und will wissen, wie es weitergeht. Dazu hat Nicholls einen teilweise sehr schwarzen Humor, welcher mich ein paar Mal zum laut Auflachen gebracht hat. Vorhersehbar ist die Story zwar, ein paar überraschende Wendungen gibt es allerdings auch, die es spannender machen – aber gleichzeitig bleibt es seicht und nett, man kann die Geschichte lesen, ohne sich riesige Gedanken zu machen. Ich habe sie an einem Tag durchgelesen, wobei ich immer wieder Schwimm- & Schnorchelpausen gemacht habe, da man nach einer Lesepause auch leicht wieder in die Story reinkommt.

Nachdem ich durch war, habe ich es gleich einer anderen Touristin in die Hand gedrückt, welche ebenfalls leichte Strandunterhaltung gesucht hat. Denn genau dafür würde ich es empfehlen, wer „mehr“ will wird hiermit definitiv nicht glücklich werden.

Habt ihr schon etwas von Nicholls gelesen? One Day war ja enorm gehyped, was ich nie so verstanden habe, da ich es auch nur „ok“ fand, denn die Stories werden für mich immer nur durch den Humor des Autors getragen. Aber ich will gar nicht meckern, für meinen Inseltag war es eine passende Lektüre und ich hatte Glück, dass ich es dort überhaupt gefunden habe!

[Lesenswert] Von Mäusen und Menschen – John Steinbeck

Der Titel Von Mäusen und Menschen von John Steinbeck war mir zwar ein Begriff, aber worum es in dem Buch ging – ich hatte absolut keine Ahnung. Da mir der Buchrücken auch nichts erzählte, sprang ich einfach mal ins eiskalte Wasser und nutzte meine siebzehnstündige Zugfahrt (ok, so lange habe ich nicht für die paar Seiten gebraucht..) produktiv!

Worum geht’s Die beiden Freunde Lennie und George ziehen durch die USA und halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Sie träumen davon, genug Geld zu sparen, um sich eine eigene kleine Farm mit Tieren und Garten zu leisten. Eben etwas, was ihnen „gehört“ und nicht ein Ort, wo sie nur geduldet werden. Das Problem dabei ist nur, dass Lennie geistig etwas zurückgeblieben, gleichzeitig aber wahnsinnig stark ist, wodurch es zu „Unfällen“ kommt, welche das Duo zwingen, weiterzuziehen. George versucht, Lennie vor sich selbst zu schützen, scheitert aber immer wieder.

Wie ist’s Es liest sich wahnsinnig gut runter, John Steinbeck hat einfach eine fesselnde Art, zu schreiben! Man ist gleich in der Geschichte drinnen, fühlt mit George und Lennie mit, will das Unheil nicht kommen sehen, doch gleichzeitig ist man nicht überrascht. Alles, was passiert, macht Sinn und ist nicht aufzuhalten, so sehr Lennie es auch versucht. Das Ende ist einfach eine logische Schlussfolgerung, lässt einen aber trotzdem nachdenklich zurück. Man fragt sich, was man selbst in der Situation getan hätte.

Das Buch hätte für mich gerne dicker, die Personen noch tiefer beschrieben sein dürfen und gerne hätte ich auch noch mehr Story gehabt. Die es nicht braucht, das hat Steinbeck schon hervorragend gelöst, ich hätte nur einfach gerne mehr Lesegenuss gehabt. Was mein einziger Meckerpunkt ist, denn ich wurde gut unterhalten, habe es in einem Rutsch durchgelesen und will nun noch weitere Werke des Autoren lesen. Tortilla Flat habe ich noch im Regal stehen, welches ebenfalls so dünn ist, dass ich es bisher nie angefangen. Aber gut John, ich lasse mich auf dich ein und lese dann einfach viele, dünne Werke!

Welches Buch von John Steinbeck hat euch besonders beeindruckt? 🙂

[Lesenswert] Der Marsianer – Andy Weir

Oh, was habe ich mich gefreut, als ich Der Marsianer von Andy Weir kurz vor meinem Abflug im öffentlichen Bücherschrank gefunden habe. Konträr zu meiner eigentlichen Abneigung gegenüber Filmen (sie sind einfach zu lang zeitlich gesehen bzw für die Entwicklung der Charaktere zu kurz), habe ich Der Marsianer anzuschauen nämlich wahnsinnig genoßen! Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis ich das Buch verschlingen würde – denn wenn der Film gut ist, dann ist das Buch meist noch besser!

Worum geht’s Mark Watney, enorm pragmatischer Botaniker auf Mars-Mission, wird nach einem schweren Sturm als von seiner Crew totgeglaubt auf dem roten Planeten zurückgelassen. Da er niemand ist, der sich so leicht unterkriegen lässt, versucht er, mit allerlei kreativen Einfällen, so lange am Leben zu bleiben, bis die nächste Mission zum Mars eintreffen soll.

Wie ist’s Obwohl ich das Ende aufgrund des Filmes schon kenne, habe ich das nicht gerade dünne Buch in zwei Tagen verschlungen. Es ist spannend und informativ geschrieben, man lernt so einiges, sollte ich mal auf dem Mars überleben müssen und wird gleichzeitig einfach gut unterhalten (ein paar kleine Logiklöcher kann man hierbei einfach mal übersehen). Der Humor ist wunderbar schwarz, ich habe teilweise laut gelacht und nur am Ende ein paar eher technisch geschriebene Absätze überflogen, so genau wollte ich dann doch nicht wissen, wie Raketen funktionieren 😉

Man schließt Mark ins Herz, man fiebert mit ihm mit, man leidet, wenn mal wieder etwas schiefgeht und überlegt ständig, ob es nicht doch noch eine andere Lösung geben könnte. Ich habe das Buch auf Deutsch gelesen und muss sagen, dass ich sogar mal nichts an der Übersetzung auszusetzen habe, hier gingen Wortwitze etc. nicht verloren! Der Schreibstil ist eher leicht und liest sich schnell runter, was das Buch zu einer perfekten Urlaubs-/Reiselektüre macht und man kommt nach einer Pause auch schnell wieder rein!

Empfehlenswert ist das Buch eigentlich für jeden, da das Thema (Mann-Mars-Überleben) spannend und zumindest für mich doch etwas anders ist und man Mark einfach mögen und das Abenteuer mit ihm durchleben muss. Im Endeffekt hat mir das Buch wieder einen Ticken besser gefallen, aber wenn ihr lieber visuell stimuliert werden, dann schaut euch den Film von Ridley Scott an, denn schlecht ist er absolut nicht! Matt Damon macht einen hervorragenden Job! 🙂