Im Moment fühlt es sich fast ein wenig so an, als würde ich Kurzurlaube machen. Erst meine siebzehn Stunden in Chengdu und jetzt noch etwas über 48 Stunden in Sydney. Wobei ich seitdem wieder brav an einem Ort, nämlich in Canberra, bin, der Hauptstadt, die so viele Reisende eben nicht besuchen. Da ich Anfang des Jahres schon einmal hier gewesen bin, kann ich euch erste Tipps geben, solltet ihr einen Abstecher nach ACT planen. Jetzt aber erstmal zurück nach Sydney, der wohl meistbesuchten Stadt Australiens.


Ich kam mittags ziemlich müde am Internationalen Flughafen an und machte erstmal davon Gebrauch, dass man hier – bevor man durch den Zoll etc geht – eben noch einmal durch einen Dutyfree kommt. Solltet ihr Freunde in Australien haben, sie werden es euch mehr als nur danken, wenn ihr einen etwas Alkohol oder Tabak mitbringt, beides ist hier nämlich verflucht teuer. Da meine Couchsurfinghosts mich um Wodka baten, war meine erste Amtshandlung Down Under also, Smirnoff zu erwerben und diesen dann durch den Zoll zu tragen. Wurde ich das letzte Mal in Perth bei der Einreise ausgiebigst gecheckt, wurde ich jetzt einfach nur durchgewunken. Ärgerlich, wenn ich bedenke, dass ich den losen Tabak sogar abgewogen habe, damit ich nicht über das erlaubte Limit komme. Am Flughafen selbst nutzte ich dann erstmal die Möglichkeit, kostenlos zu duschen, nutzte das Wifi und kam einfach mal an. Achja, als Deutscher kann man das Touristenvisum ganz einfach kostenlos online beantragen, das dauert auch nur einige Minuten und schon hat man es. Gültig ist es dann für ein Jahr, ihr könnt mehrmals einreisen, pro Aufenthalt allerdings nur drei Monate bleiben. Das ist zumindest der aktuelle Stand.


Um zu meinem Couchsurfingplatz nach Summer Hill zu kommen, wo ich erstmal mein Gepäck loswerden wollte, nutzte ich die Metro. Hier lohnt es sich zunächst mal eine OPAL-Card zu holen, welche umsonst ist und dann von euch mit Geld aufgeladen wird. Man muss allerdings immer mindestens zehn Dollar aufladen, was etwas blöd ist. Man bekommt die Karte an jeder Metrostation, auch direkt am Flughafen. Solltet ihr wie ich geizig sein und nicht allzu viel Gepäck haben, spart euch die übertrieben teure Flughafenmetrogebühr und lauft einfach zur nächsten „normalen“ Station. Diese war für mich Wolli Creek, was ein zwanzigminütiger Spaziergang entlang eines Sees war. Also durchaus machbar und die gesparten $15 mehr als wert.

Ihr wisst, ich liebe Couchsurfing und ziehe dies jedem noch so zentralen Hostel vor. Es war auch in Sydney nicht schwierig, obwohl mir das jeder sagte, einen schönen Schlafplatz zu finden und so fand ich mich bei Ben und Vince wieder, die ebenso kunstvernarrt sind wie ich und mir viele tolle Tipps geben konnten. Den ersten Abend verbrachten wir dann quatschend und leckere libanesische Delikatessen von der Mama futternd, in ihrer Küche. Draußen ging zu diesem Zeitpunkt eh die Welt unter, mein Sydneyaufenthalt war insgesamt recht verregnet, aber dafür, dass man das hier „Winter“ nennt, war es nicht schlimm.


Am nächsten Morgen ging es früh los Richtung Bondi Beach, wohl der Ort, wo jeder Tourist hin will und ich muss gestehen, dass ich da auch keine Ausnahme bin. Ich wollte nicht unbedingt viel Zeit an diesem Strand verbringen, aber eben den Swimmingpool vom Iceberg Restaurant sehen und dann den Coastalwalk bis nach Coogee Beach laufen. Solltet ihr so meer- und naturverliebt sein wie ich, dann ist das auch genau euer Ding. Man ist zwar nie weit weg von der „Stadt“, hat aber eben doch die wilde Küste, versteckte Strände, Surfer, die riesige Wellen bezwingen und ständig ein neues tolles Panorama zu bewundern, welches sich hinter der nächsten Kurve versteckt hat. Da es zunächst tröpfelte und auch recht kalt war, hatte ich diesen Weg mehr oder weniger für mich alleine, normalerweise sollte man möglichst früh kommen, da es hier voll wird. Man kann an kleineren Stränden unterwegs Pause machen, sich den Friedhof ansehen, durch den man durchläuft und hier locker ein paar Stunden verbringen. Von Coogee fahren einen dann diverse Busse zurück in die Innenstadt.


Als ich so durch die hochhausgesäumte Innenstadt Sydneys lief, schrie wirklich alles in mir „Vancouver“und „Toronto“. Nach wie vor finde ich es verrückt, wie ähnlich die Briten weltweit ihre Städte angelegt haben, mich erinnert hier so viel an Kanada. Ich schaute mir die Gegend um den Hauptbahnhof an, während ich mir meinen Weg zur White Rabbit Gallery suchte, meinem ersten Kunst-to-do-Punkt. Die momentane Ausstellung „The Dark Matters“ war absolut atemberaubend, die unterschiedlichsten chinesischen Künstler wurden hier einfach grandios vereint. Der dazugehörige kleine Shop ist ebenfalls besuchenswert und einen leckeren Tee musste ich im angeschlossenen Cafe natürlich auch noch trinken. Wie alles, was ich in Sydney besuchte, war auch diese Galerie kostenlos zu bewundern. Von hier lief ich dann quer durch die Stadt nach Chinatown, was ich jetzt nicht unbedingt sehen musste, aber hier gab es viele günstige und vegetarische Gerichte, wo ich mich kaum entscheiden konnte. Das Essen nahm ich einfach mit und setzt mich bei Darling Harbour in die Sonne. Der Ort wurde mir von einigen Freunden empfohlen, soooo besonders fand ich die Gegend jetzt aber nicht, trotzdem, wenn man genug Zeit hat, wieso nicht.


Ich marschierte weiter, schaute mir das Viertel The Forks kurz an und kam schließlich im Museum of Contemporary Art an. Bevor es zur Kunst ging, nahm ich allerdings erst einmal den Aufzug ganz nach oben und bekam von der Dachterasse meinen ersten Blick auf das Opernhaus und die Harbour Bridge. Das Museum ist insgesamt ganz interessant, besonders die Aboriginal Art Sektion kann ich empfehlen, es war allerdings sehr, sehr voll und somit nicht ganz leicht, den Besuch richtig zu genießen. Glücklicherweise war ich während Vivid in Sydney, das ist ein einmonatiges Illuminationsfestival, an welchem jeden Abend diverse Gebäude beleuchtet werden und überall in der Stadt Installationen aufgebaut sind. Da es hier (Winter, ihr erinnert euch) schon früh dunkel wird, begann das Spektakel schon um 18.00h und ich suchte mir ein schönes Plätzchen am Hafen mit Blick auf das Opernhaus. Dessen Dach wurde mit einer Lichtershow beleuchtet, was schön anzusehen war und danach ließ ich mich mit der Vivid-Map durch Downtown treiben und sah mir alle Beleuchtungen und Installationen an, die meinen Weg kreuzten. Leider ging dann ein kleiner Tropensturm runter, der uns alle so durchnässte, dass ich früher als geplant, meinen Heimweg antreten musste. Die Beleuchtung des botanischen Gartens konnte ich somit leider nicht sehen, der stand nämlich direkt mal unter Wasser. Den Abend ließ ich dann wieder mit meinen beiden Hosts ausklingen.


Am nächsten Morgen (Jetlag sei Dank war ich ja wach) machte ich mich auf zum Opernhaus, was ehrlich gesagt nicht soooooo spannend für mich klang. Aber ich wollte es eben doch mal aus der Nähe gesehen haben und es lag „auf dem Weg“. Hier lernte ich gleich mal, dass das Dach überhaupt nicht weiß ist, sondern aus unterschiedlichen Kacheln besteht und äh ja, mein Weltbild wackelte kurz. Schnell noch angefasst und dann ab in den Botanischen Garten. Dieser stand leider noch immer unter Wasser, es war somit ein abenteuerlicher Spaziergang, aber doch wunderbar entspannend. Bis ich auf einmal nach oben sah und der Himmel quasi voller gigantischen, schwarzen Spinnen hing. Schaute ich vorher hier in Australien immer penetrant auf den Boden, um auf keine Schlange zu treten, schaue ich jetzt, ob mich nicht gleich auf Augenhöhe ein Spinnennetz erwartet oder sich gleich jemand abseilt. Der Spaziergang durchs Grün brachte mich zu meinem nächsten to-do-Punkt, der Art Gallery of New South Wales, wo ich unbedingt die Ausstellung der New Australian Art indigener, zeitgenössischer Künstler sehen wollte. Nach bestimmt zwei Stunden vollster Glückseeligkeit musste ich mich dann doch wieder auf den Weg machen. Aber habt ihr nur Zeit oder Lust auf ein Kunstmuseum, dann empfehle ich euch dieses (was ja auch ganz praktisch liegt, nicht weit entfernt vom Opernhaus).


Mit einem Kaffee – ich lernte, 7/11-Kaffee schmeckt weltweit leider nicht gleich – ging es nun durch den Hyde Park, welcher allerdings ein ehemaliges Schlachtfeld ist und somit nicht ganz so entspannend in meinen Augen. Die Statue von James Cook sah ich mir auch kurz an und ein gar sonderliches Kriegsdenkmal. Danach lief ich ohne großen Plan durch die Innenstadt zum Queen Victoria Building. Architektonisch ganz spannend und ich war auch noch nie in einem Einkaufszentrum, welches komplett mit Teppich ausgelegt war, ob man es jetzt gesehen haben muss, nunja. Ich fand ein paar spannende Streetart-Werke in der Nähe und beschloss, einfach noch bis zum Hauptbahnhof zu laufen, da ich noch etwas Zeit hatte. Von dort ging ein paar Stunden später nämlich mein Bus nach Canberra.


Insgesamt gefiel mir Sydney ganz gut, die Stadt ist grün, es gibt viele Sachen, die man besichtigen kann und das ohne groß Geld ausgeben zu müssen. Die Menschen, die ich so kennenlernte, waren alle sehr nett, was natürlich viel ausmacht und auch wenn ich den „Hype“ um die Stadt nicht ganz verstehe – ok, sie liegt am Meer, das ist immer großartig – würde ich jetzt auch nicht panisch wegrennen, wenn ich noch einmal für ein paar Tage hinfahren müsste. Hätte ich mehr Zeit gehabt, die Gegend um Blue Mountain muss wunderbar sein, um ein paar Stunden zu wandern.

Seid ihr schon einmal in Sydney gewesen? Wenn ja, wie hat es euch gefallen und habt ihr vielleicht noch einen Tipp, was man sich ansehen sollte? Wer will denn noch hin?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.