Kategorie: Reisen

[Reisen] Unterwegs auf den Lofoten!

Eigentlich wollte ich letztes Jahr das Lofoten Longcrossing wandern, aber da dies logistisch (& finanziell) dann doch irgendwie komplizierter war als erwartet, ging es am Ende im August 2025 mit dem Auto von Oulu aus einmal durch Schweden und Nordnorwegen. Das Jahr davor war ich schon am Nordkap wandern (große Empfehlung!) und 2025 sollten es dann endlich die Lofoten sein. Welche durch Social Media wirklich enorm beliebt sind – also auch absolut zu recht, die Natur ist phänomenal, aber eben leider auch sehr überlaufen. Dazu dann aber später mehr 😉 Wir waren Anfang August dort, also auch direkt in der Hauptsaison, aber ich wollte möglichst gutes Wetter haben – was wir mehr als bekamen, die ersten Tage war es einfach 28 Grad heiß?


Ich dachte, ich gebe euch mal unseren genauen Reiseplan, welcher ein bisschen zu ambitioniert war (also es war viel Autofahren auf Straßen, die entweder nicht so gut, sehr voll oder mit niedrigem Tempolimit waren) und ich hätte lieber 1-2 Tage mehr Zeit und weniger Kilometer pro Tag im Auto gemacht. Also plant lieber ein paar Tage mehr ein, denn es ist wunderschön dort oben in Nordnorwegen!

Ach und Oulu ist jetzt nicht unbedingt die schönste Stadt der Welt, aber Oulu ist Europäische Kulturhauptstadt 2026, so gibt es z.B. mit AirBaltic günstige Flüge ab Frankfurt via Riga (da empfehle ich einen 1-2 Tage Aufenthalt) und ein Auto mieten ist hier nicht ganz so teuer wie in Norwegen. Plus bekommt man sehr viel Natur und den nördlichste Ikea der Welt in Happaranda zu sehen, wenn man von Oulu auf die Lofoten fährt und kann auch einen Abstecher nach Rovaniemi zum Weihnachtsmann machen 😉

Da ich alles zwischen Oulu und der schwedischen Grenze schon gut kenne, sind wir morgens einfach direkt bis nach Haparanda durchgefahren. Hier oder noch auf finnischer Seite in Tornio lohnt sich ein kurzer Stop, es gibt ein kleines, aber feines Stadtmuseum, ein Kunstmuseum und besagten Ikea, wo man günstig essen kann. Danach ging es stundenlang mehr oder weniger gerade aus durch einen grünen Tunnel, wo ab und zu Rentiere am Straßenrand standen und wir immer mal wieder anhielten, um uns kurz von den Moskitos attackieren zu lassen. Diese waren sehr zahlreich, das hatte ich nach wenigen Stechmücken in Finnland nicht kommen sehen.

Ziel dieses ersten Tages war Kiruna, da das die größte Stadt im Umkreis mit dem günstigsten Hotel (120€ für 2) war. Welches weder günstig noch seinem Preis angemessen war, aber ich sage es jetzt schon, überall in Skandinavien bezahlt man sehr viel und bekommt eher mäßige Zimmer. Oft in spektakulärer Lage, aber bequem und einladend oder schallisoliert ist etwas anderes. Hier gab es allerdings eine Gemeinschaftssauna und einen Pool, welchen man nutzen konnte, was nach dem langen Sitzen super war.

In Kiruna selbst haben wir uns ein bisschen die Altstadt angesehen und besonders die Kirche. Das habt ihr vielleicht mitbekommen, diese Kirche und andere Häuser müssen aufgrund der Miene umziehen und sie haben die komplette Kirche auf ein Gerüst und sie dann gaaaaaaanz langsam ein paar Kilometer weiter transportiert. Wir waren leider zu früh, um dieses Spektakel live zu erleben (ich sah dann später den Livestream), aber alleine zu sehen, wie sie eingepackt wurde, war spannend! Die große Miene kann man sich hier auch anschauen, ich wollte aber lieber über der Erde bleiben und die Sonne so lange es ging genießen.

Am nächsten Morgen ging es los und wow, nach wenigen Kilometern hörte die Straße auf, asphaltiert zu sein und ich fuhr Ewigkeiten über Schotter. Kenne ich von den Northwest Territories aus Kanada schon und bin somit recht entspannt, hier brach aber gleich mal was am Auto ab und klapperte dann für die restlichen 1400km 😉 Mit einem Mietwagen würde ich hier definitiv noch vorsichtiger sein, denn insgesamt sind die Straßen hier oben durch das Wetter echt in einem schlechten Zustand und die Schlaglöcher sehr tief.

Erster Stop heute war der Abisko Nationalpark, wo u.a. der Kungsleden startet (noch so ein „wollte ich eigentlich wandern“-Ort). Hier sind wir drei kurze Rundwanderungen gelaufen, welche alle absolut herrlich waren und die Menschenmassen hielten sich in Grenzen. Also der Parkplatz und das Besucherzentrum waren voll, aber sobald man ein paar Hundert Meter gelaufen war, war man ziemlich alleine. Wundervolle Wasserfälle, Flüsse, Seen und einige nachgebaute Sami-Häuser – wir hatten Spaß!


Anschließend fuhren wir durch das schwedisch-norwegische Grenzgebiet und wow, ist es hier schön! Bergig, man sah noch Schnee, absurd große Seen und überall Steine. Ich war sehr glücklich und hätte am liebsten hier eine Nacht verbracht. Häuser gibt es hier, aber die sahen alle eher privat aus, schade. Die Grenze war unspektakulär und kurze Zeit später hatte man einen tollen Blick auf Narvik, wo wir nicht hinfuhren, sondern direkt weiter gen Lofoten. Wir machten diverse Stops, weil es einfach zu schön ist, um direkt vorbeizufahren, ich musste häufiger meine Kombination „Höhenangst + über Brücken fahren“ überwinden und am Ende kamen wir in Sandtorgholmen bei unserem Hotel (154€ für 2) an.


Die Lage war mega, direkt am Wasser und wir hatten tollen Meerblick vom Bett aus. Der Strand vor der Tür mit türkisem, soooo klarem Wasser lud zum Spazieren ein und wir haben hier so viele Seeigel gefunden! Ein paar Schafe als Nachbarn gab es auch noch und hach, es war so erholsam, dass wir auf der Rückfahrt nochmal für einen kurzen Spaziergang gestoppt habe.

Am nächsten Tag ging es mit vielen Zwischenstops (halt, wie schön ist das!) nach Svolvaer, wo wir eigentlich den Tjeldbergtinden wandern wollten. Als wir versuchten, das Parkticket zu lösen (Parken ist ein großes Problem, die kleinen Städte sind nicht auf die vielen Touristen vorbereitet und es gibt akuten (Park-)Platzmangel), als die Welt unterging. Im strömenden Regen wollten wir nicht hoch wandern, um keine Aussicht zu haben und so gingen wir spontan in das sehr kleine Aquarium.


Anschließend gab es wieder viele kurze Halte, manchmal an sehr vollen Stränden, manchmal sehr alleine in der Natur und am Ende kauften wir dann noch kurz was zum Abendessen in Leknes ein. Unsere Unterkunft Statles Rorbu (133€ für 2) war auch wieder direkt am Wasser (wobei der Meerblick hier etwas unbezahlbar war und wir hatten somit nur eine Terasse mit Hausblick) und wir konnten noch eine kleinen Spaziergang machen, wo wir am Ende den Sonnenuntergang auf einem großen Felsen (Mortsund) erleben durften. Hier fühlte es sich richtig nach „ich bin am Ende der Welt“ an und das raue Wetter mit starkem Wind war grandios!



Juhu, endlich etwas weniger Kilometer dachte ich. Aber nach einiger Diskussion beschlossen wir, jetzt auch wirklich bis ans Ende, nämlich nach Å. Das waren nochmal Hin- und Zurück 150km und da das eine einspurige, sehr volle Straße ohne Seitenstreifen (hallo all ihr Fahrradfahrer!) war, dauerte das sehr lang. Aber es war so malerisch, all diese kleinen Fischerorte mit den roten Stelzenhäusern und direkt dahinter diese mächtigen Berge, und ich verstehe auch wirklich, wieso hier jeder hin will. Zum Ende hin wurde es seeeeeeehr voll, wir bekamen aber am Å Aussichtspunkt noch einen Parkplatz und liefen dort dann für vielleicht eine Stunde herum. Ich bin sehr froh, dass ich dort gewesen bin, Vögel mit dem Fernglas beim Füttern ihrer Jungen beobachten konnte, ein bisschen über die Felsen klettern und mir die raue Meeresluft durchs Gesicht blasen lassen konnte.



Mit vielen Zwischenhalten (ein Strand war absurd schön, aber ich finde den Namen gerade nicht mehr), ging es dann bis nach Fiskebøl. Von dort kann man nämlich eine Fähre nach Melbu nehmen, was einerseits ein tolles Erlebnis und anderers eine super Zeitersparnis ist, da man keinen großen Umweg fahren muss. Gekostet hat das für unser Auto um die 11€ und die Fahrt dauert nur 25 Minuten. Man konnte sowohl drinnen als auch auf dem Deck die Aussicht genießen und das war wunderbar. Danach fuhren wir direkt nach Sortland, wobei ich eigentlich noch das Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes besichtigen wollte, aber der Tag war schon zu lang.


Sortland oder auch die blaue Stadt, habe ich ausgesucht, da das Hotel dort nicht so teuer war (272€ für 2 Nächte), aber das einzig Gute hier war das Frühstück im Billardsalon nebenan. Also dreckig, laut und unser Meerblick war zwar gegeben, aber dass da noch zwei gigantische Parkplätze und eine Straße dazwischen waren, wurde verschwiegen. Ich nenne mal nicht den Namen, aber geht bitte in das Scandic-Hotel, welches nicht viel teurer war 😉

Das Wetter war morgens leider nicht so schön und es war Regen vorhergesagt. Somit entschieden wir uns gegen die Fahrt nach Nyksund, um die Dronningruta zu laufen. Denn das sind zwar nur 15km, man soll aber 5-8 Stunden einplanen und nee, da wollte ich wenn zumindest blauen Himmel. Stattdessen liefen wir also erst mal durch Sortland, was nicht allzu lange dauert und ja, das war nett, aber nicht so „wow, hier muss man gewesen“ sein.


Dann suchten wir uns – das Wetter wurde nämlich besser, in den Lofoten geht das sehr schnell – eine Wanderung in der Nähe und fanden Steiroheia. Direkt bei Sortland geht es gut den Berg hoch, zunächst noch auf einem Weg, später klettert man direkt über die Felsen und trifft viele nette Schafe. Welche schneller und weniger jappsend als ich da hochlaufen. Unterwegs gibt es noch eine Hütte zum Ausruhen und hach, es war herrlich! So viele tolle Aussichten, so viel schöne Natur direkt um einen herum und endlich die Ruhe, die ich hier in den Hotels vermisse. Also ja, die Dronningruta ist vielleicht bekannter, aber so ein Tag ohne viel Autofahren einfach nur in der Natur war genau, was ich gebraucht habe.

Hallo du mein Lieblingstag, welcher so unerwartet kam! Ich muss kurz ausholen: mein Freund ist kein Freund von Booten oder Schiffen und hat sich schon monatelang auf den 7. Tag mental vorbereitet. Denn da habe ich ihm etwas geschenkt, was wir in Andenes machen werden und ein sehr kleines Boot beinhaltet. Als ich aber schaute, was man so zwischen Sortland und Skarsteindalen machen kann, fand ich Bleik. Und Bleik ist allen ein Begriff, die wie ich großer Papageintaucher-Fan sind. Denn dort gibt es direkt vorm Strand einen großen Felsen, wo sich im Sommer etwa 100.000 (!!!) dieser niedlichsten aller Vögel treffen.


Jetzt kann man an diesem Strand in Bleik entlanglaufen, Schafe am Strand streicheln und diesen Felsen in der Ferne sehen (sehr idyllisch, haben wir auch gemacht und viele andere, sich jagende Vögel beobachtet), aber die Papageientaucher sieht man nicht, man kann höchsten erahnen, dass da viel durch die Luft fliegt.


Oder man kann eine Puffin Safari buchen, wo man auf einem älteren Boot mit einem älteren sehr sympathischen Mann für 1,5 Stunden näher an diese Insel heranfährt. Also natürlich nicht zu nah, man will die Puffins ja nicht stören, aber eben so, dass man sie mit und ohne Fernglas gut sehen kann. Was für mich ein absoluter Traum war und die schlechten Handybilder können das gar nicht zeigen, aber man kann die niedlichen Vögel so gut erkennen, da sie sehr nahe über einem fliegen und neben einem im Wasser eintauchen oder auf der Oberfläche dahingleiten.


Bei der Rückfahrt ging dann die Welt unter und es wurde ganz schön wild auf dem Wasser, aber zum Glück dauert es nicht allzu lange. Das Gewitter hatte richtige Endzeitstimmung und wir mussten noch zu unserem Hotel auf einem Berg fahren. Ich war sehr gespannt, denn das Hotel war in einer ehemaligen Militäranlage und die Bewertungen waren sehr durchmischt, da anscheinend primär Angeltouristen dort übernachten, welche laut und müffelnd sein können. Ganz ehrlich, wir hatten einen gigantischen Raum (80€) mit bequemem Betten, zwei Couchen, Tischen, Sesseln und einem Bad, welches mit seiner Heizung sogar unsere Kleidung wieder trocken bekam. Dazu eine sehr saubere Gemeinschaftsküche, die wir zum Kochen benutzten und das Highlight: einen Saal mit Billard- und Tischtennistischen, die man kostenfrei benutzen durfte. Was wir dann vollkommen alleine taten, während das Gewitter draußen richtig Spektakel machte. Es klingt komisch, aber für mich war das ein perfekter Tag!

Am nächsten Morgen mussten wir früh losfahren, denn wir hatten in Andenes eine Wal-Safari gebucht. Ich habe diese schon in Kanada und den USA gemacht, war immer wahnsinnig begeistert und wollte meinem Freund dieses Erlebnis auch einmal geben. Und jetzt kommt das ABER (& ich verlinke den Anbieter auch nicht): es war schrecklich. Statt – wie ich es kenne – mit einem Speedboat rauszufahren, wurden hier Massen an Leuten rangeschifft und es ging in insgesamt drei vollbesetzten Booten los. Was erstmal ewig dauert, bis jeder angezogen, geprüft und im Boot war. Dann fuhr man gar nicht so weit raus, das braucht man hier nicht, weil der Meeresgrund schnell tief wird und dann dümpelte man. Was nicht gut ist, so wurden in unserem Boot gleich mal ein paar Leute seekrank.


Wir fanden dann einen männlichen Pottwal, der in der Nähe eines beschäftigten Fischerboots frühstückte und sahen ihn genau drei Mal kurz an der Oberfläche und sofort wieder abtauchen. Dabei war diese Situation einfach schrecklich, drei Boote umkreisten diesen Wal und es fühlt sich nur falsch an, wie hier „Jagd“ gemacht wurde, um ihn immer wieder zu finden, wenn er auftauchte. Denn wenn man keinen Wal sieht, hat der Anbieter eine Garantie, dass man eine zweite kostenlose Fahrt bekommt – und die wollen sie einem natürlich nicht geben. Somit waren diese – meine drei Videos vom Wal sind keine Minute lang insgesamt) – paar Sekunden aus der Ferne bei starkem Wellengang etwas Dunkles im Wasser sehen, genug, um ihren Auftrag erfüllt zu haben und es ging ohne Erklärung oder zurück. Also Wal & check, fertig. Viel früher als geplant und alles ohne Erklärung – meine Erwartung war, dass wir noch zu einem anderen Ort fahren, wo sich normalerweise Orkas aufhalten, aber das wurde nicht mal erwähnt und insgesamt haben wir einfach kaum Infos über die Tiere und über ihre Forschung (was sie sehr betonen, weil das legitimiert ja, dass man Massen an Touristen hier hinbringt).

Eine absolut unschöne Erfahrung und ich war sehr traurig, denn ich wollte mit diesem Geschenk eine einmalige Erfahrung teilen und es war überhaupt nicht wie bei meinen vorherigen Trips mit EINEM kleinen Boot, Ruhe, einem Guide, der viel erzählt und man fühlt, wie wichtig ihnen die Tiere sind. Unser Guide wusste nichts über das Tier, ich habe dann von einem anderen Guide an Land Infos über Name, Alter etc bekommen. Enttäuschend :/

Danach liefen wir einmal komplett durch Andenes, aber so viel gibt es dort nicht zu sehen und so fuhren wir noch einmal nach Bleik, wo wir es toller fanden, entspannten uns am Strand, beobachteten Vögel und besichtigten die Andoya Space Station. Hier sollte sogar an diesem Tag eine Rakete gelauncht werden, aber wir haben nichts davon gesehen bzw war auch nirgends abgesperrt, also vielleicht wurde das aufgrund des starken Windes verschoben. Interessant war es auf jeden Fall zu entdecken, dass es hier oben Raketen-Tests gibt, inmitten dieser tollen Natur.

Nach einer Nacht mit verdammt gutem Schlaf ging es nach einem kurzen letzten Spaziergang am Europäischen Nordmeer setzten wir uns ins Auto und fuhren los. Da wir jetzt die Straße auf der anderen Inselseite nutzten, sahen wir viel Neues und erneut gab es sooo viele „WOW“-Momente. Welcher dann noch davon getoppt wurde, dass da einfach eine Elchkuh mit Baby an der Straße stand – und sogar wartete, dass wir drehen und sie fotografieren konnten. Es waren nur wenige Minuten, aber ich war hin und weg! Bisher habe ich Elche nur in Alaska & Kanada getroffen, dies waren die ersten in Europa.


Wir hielten für einen kurzen Spaziergang entlang eines Wasserfalls hinter der norwegischen Grenze in Schweden, also genau diesem Landstrich, der mir auf der Hinfahrt so gut gefallen hat. Wenn es machbar ist, will ich nächstes Jahr unbedingt noch einmal hier hoch! Dann gab es erneut einen Halt im Abisko Nationalpark zum Beine vertreten sowie in Kiruna, um ein bisschen Essen für den Abend einzukaufen.

Denn uns erwartete ein großes und sehr gemütliches Ferienhaus in Krokfors (90€ für 2), direkt an einem gigantischen See, wo wir gemütlich am Steg Kaffee trinken und sogar Kanu fahren konnten. Wir haben einen wunderbar entspannten Abend in dieser himmlischen Ruhe verbracht, umgeben von Natur und – wie wir später gelernt haben – direkt neben einem Gebiet, wo Elche leben. Diese haben wir nicht gesehen, aber die ganze Kalix-Gegend ist super schön und hat viel für Outdoor-Liebhaber zu bieten.

Und dann war der Urlaub schon fast vorbei, verrückt. Nach einem Kaffee am See ging es ins Auto, entlang an sehr viel Wasser (und einem Flugzeug aus dem 2. WK) und natürlich wurde erneut bei IKEA gestoppt sowie im letzten schwedischen Supermarkt, um sich eine „Bunte Tüte“ aus diversen Süßigkeiten selbst zusammenzustellen. Macht sehr viel Spaß und ist um einiges günstiger als in Finnland, wo alles mit Zucker teurer ist.

Wenn ihr noch einmal halten wollt, sind Simo zum Wandern, die Gegend rund um Kemi am Meer, sowie Haukipudas & Ii direkt bei Oulu sehr schöne Orte, um eine Pause zu machen. Ich wollte noch schnell der Ostsee Hallo sagen, aber dann auch einfach nur noch in die Sauna.


Dass sich die Lofoten aufgrund ihrer spektakulären Landschaft lohnen, steht außer Frage 🙂 Mir hat es sehr gut gefallen und hinter jeder Ecke sieht es wieder ein bisschen anders aus und somit gibt es auch nichts, wo ich sagen würde, da muss man nicht hin. Für Sortland würde ich weniger Zeit einplanen und lieber durch eine Nacht in Narvik oder in dem norwegisch-schwedischen Grenzgebiet ersetzen, wenn das funktioniert.

Mit einem Auto ist man sehr flexibel und einige der Wanderwege gehen direkt an/auf der Straße entlang, was mir weniger gut gefiel. Diese menschenleere, tagelang unberührte Natur findet man hier weniger, dafür gibt es einfach nicht genug Insel(n). Wir haben alles vorgebucht und für die Hauptsaison empfehle ich euch das, denn die meisten Hotels und auch Campingplätze waren ausgebucht. Es gibt ein paar kostenlose Möglichkeiten für Camper/Vans zum Übernachten, aber hier sollte man rechtzeitig da sein.

Und jetzt kommen wir schon zum oben angesprochenen Problem, wovon ich selbst Teil bin: es gibt zu viele Touristen hier. Es ist überall voll, ihr findet immer mal wieder Orte, wo ihr kurz alleine seid, aber die sind eher rar. Stattdessen sind überall Touristen, jedes dritte Auto mit einem deutschem Nummernschild, ansonsten sooo viele Mietwagen und ich war wirklich überrascht, wie viele Menschen hier Urlaub machen (können). Denn es ist nicht so einfach zu erreichen und sehr teuer, also egal ob Hotel, Restaurant oder das Einkaufen im Supermarkt. Wir hatten unser eigenes Auto, haben günstig im Supermarkt oder mal eine Pizza gegessen und hach, ich wollte nicht auf mein Konto schauen 😉 Ah, ja, also Vegetarier ist es nicht so einfach, eine Auswahl zu finden, das meiste Essen ist doch Fisch und Fleisch. Schweden war da erstaunlicherweise viel besser geeignet.

Die Einheimischen sind genervt und ich verstehe sie, denn ich war auch genervt. Viele kleine, enge Straßen und zu viele Autos, Radfahrer und Fußgänger sind hier ihr Alltag und auf den Parkplätzen gibt es keine/kaum freie Plätze. Eine Wanderung konnten wir z.B. nicht machen, weil der Trail mitten im Nirgendwo an einer Straße losging und der Parkplatz schon morgens überfüllt war. Norwegen überlegt, Quoten einzuführen und ich verstehe sie, denn so kann es dort nicht weitergehen. So schön die Natur dort auch ist, es gibt in Norwegen/Schweden/Finnland so viele andere ebenfalls tolle Orte, wo man die Natur noch in Ruhe genießen und sich einfach mit seinem Zelt eine Auszeit abseits der Menschenmassen gönnen kann. Ich war z.B. vor mittlerweile neun Jahren auf den Faroer Inseln und würde das eher empfehlen, wenn man brachiale Natur, aber Einsamkeit haben mag, hier habe ich sogar noch ein Video gedreht:

[Reisen] Ein erholsames Wochenende mit Rentieren in Syöte!

Seit Monaten schon wollte ich endlich ein Mal ein ruhiges, erholsames Wochenende mit Rentieren verbringen und jetzt ist es endlich passiert! Da ich auf keine „hier schnell füttern“ Rentierfarm wollte oder zu einem dieser touristisch überlaufenen Orte, wo man Rentiere vor Schlitten spannt und kurz durch die Gegend fährt, suchte ich ein finnisches Ferienhaus, wo eben auch Rentiere wohnen. Fündig wurde ich dann bei Wanha Rojola in Syöte (etwa 130km von Oulu entfernt) und bezahlte haben wir zu zwei mit Geniusrabatt 85€ für eine Übernachtung in einem riesigen, sehr charmanten Haus. Wovon ich euch nun ein bisschen mehr erzählen mag, denn das ist für mich ein absoluter Geheimtipp, wenn ihr in aller Ruhe Rentiere beobachten wollt! 🙂


Die Fahrt selbst war von Oulu aus kinderleicht immer geradeaus bis Pudasjärvi und kurz danach auf eine etwas kleinere Straße. Da es genau an diesem Morgen einen verspäteten Schneesturm gab, waren die letzten 35km eher eine kleine Nahtoderfahrung, aber immerhin weiß ich jetzt, wie gut die Winterreifen wirklich sind, wenn man mal richtig rutscht. Statt wie alle anderen mit 80km, fuhr ich nur 50km, aber hey wir kamen an und kaum waren wir in die Einfahrt zum Ferienhaus eingebogen, sahen wir schon eine kleine Rentierherde!


Das Ferienhaus befindet sich in direkter Nähe zu dem Stall und der Futterstelle der Rentiere und somit hatte ich nun das Vergnügen, Rentiere aus der Küche, dem Wohnzimmer, dem Schlafzimmer und abends sogar aus der Sauna zu sehen! Also genau, was ich wollte, denn natürlich ist es grandios, die Tiere draußen direkt zu treffen, aber es hat auch etwas, sie vom Warmen aus zu beobachten. Geschlafen haben sie auch direkt neben dem Haus und hach, mein Herz! Ich konnte mich einfach gar nicht satt sehen und habe vielleicht schon intensiv recherchiert, wie man Rentiere halten muss.


Ein kleines, im Gesicht geflecktes Rentier, war auch so überhaupt nicht scheu, sondern lief sofort auf einen zu und wollte wohl gefüttert werden. Als wir ihm nichts anzubieten hatten, beobachtete es uns trotzdem noch einige Zeit neugierig, rutschte genau wie ich auf der unter dem Schnee verborgenen Eisschicht aus und lief dann zu seiner Herde zurück. Wir folgten da mit viel Abstand, denn man will die Tiere ja nicht unnötig stressen. Wobei sie einen sehr entspannten Eindruck machten und ich bin mir sicher, dass sie menschliche Nähe gewohnt sind. Die Wachhunde waren da weniger entspannt, aber sie haben ja auch einen Job zu erledigen 😉



Die Familie, der die Rentiere und auch ein paar Hunde, die hier ebenfalls leben, gehören, wohnt direkt nebenan und war sehr freundlich. Miia, unsere Gastgeberin, hat uns alles erklärt und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Wohnung auch einen offenen Kamin hat. Das ist einfach so gemütlich und in Kombination mit der Sauna, den Rentieren und der himmlischen Ruhe könnte ich hier durchaus längere Zeit verbringen. Wobei das Haus so groß ist, dass man sich zu zweit schon fast ein wenig verläuft 😉 Insgesamt passen hier sechs Personen rein und damit einem auch nicht langweilig wird, gibt es viele Brettspiele, Puzzle, Kinderspielzeug und Bücher. Ich habe fantastisch unter dem Dach geschlafen und meinen Morgen mit Kaffee, Buch und Rentieren vor dem Fenster richtig genießen können.


Da wir aber auch ein bisschen aktiv sein wollten und das Wetter am Sonntag Sonnenschein und mehr oder weniger blauen Himmel zu bieten hatte, sind wir dann noch in den nicht weit entfernten Syöte Nationalpark gefahren. Dort kann man aktuell noch super Ski fahren oder Langlaufen, aber wir wollten wandern und sind den kleinen Rundweg vom Besucherzentrum aus gelaufen. Diese Route kannte ich zwar schon von einem Besuch im Sommer, aber wo damals Blaubeeren und Moskitos ohne Ende waren, gab es nun Schnee, noch mehr Schnee und einen Specht 😉 Und natürlich erneut diese frische, klare Luft und diese Ruhe, die einfach nur friedlich ist. Das Besucherzentrum selbst ist sehr niedlich eingerichtet, bietet Infos über die lokale Flora und Fauna, hält einiges an Kartenmaterial mit Wanderwegen bereit und natürlich gibt es auch ein Restaurant.


Von hier ging es dann wieder über einen etwas fragwürdigen, ungeräumten Privatweg „auf eigene Gefahr“ zurück zur großen Straße und gen Oulu. Also mit einem Mietwagen, der gute Winterreifen hat, ist das bestimmt gar kein Problem, bei unserem alten, gerne mal kaputtgehenden Auto aber immer ein bisschen mehr Risiko. Geklappt hat es aber und auf dem Rückweg – wenn ihr die Strecke Pudasjärvi – Oulu fahrt, empfehle ich euch noch einen kurzen Halt am Hirvisuo (ein Sumpf, wo man etwa 500m Weg zu einem Vogelbeobachtungsturm laufen kann) und bei den Stromschnellen in Kiiminki (sie heißen Koiteli). Beides keine „nur dafür muss man hinfahren“-Sehenswürdigkeiten, aber doch nett genug, wenn sie eh auf dem Weg liegen und ihr euch für Natur interessiert. Für mich kann man da nur einfach nicht genug laufen, ohne nasse Füße zu kriegen.


Am liebsten würde ich ja direkt zurück zu den Rentieren fahren, wobei die Eichhörnchen hier vorm Fenster auch nett sind. Aber vielleicht mache ich es im Sommer nochmal, wobei ich mir unsicher bin, ob sie dann überhaupt dort sind oder durch die Gegend streifen – das hätte ich mal fragen sollen. Aber wenn ihr gerne finnische Natur, Ruhe und Rentiere haben wollt, vielleicht ist die Wanha Rojola etwas für euch – wir fanden es grandios dort!

[Reisen] Unterwegs auf der Bärenrunde in Finnland!

Nachdem mein norwegisches E1-Abenteuer ins Wasser gefallen ist, musste ich mir noch eine Alternative suchen, um wenigstens ein paar mehr Tage in der Natur zu verbringen. Was gar nicht so einfach war, da es überall schlechtes Wetter und Sturmwarnungen gab, ich aber auch nicht wieder 1000km fahren wollte. Am Ende wurde es dann die Bärenrunde (Karhunkierros) in Nordostfinnland, welche entgegen des Namens keine Rundwanderung ist, sondern sich 82 Kilometer lang von Hautajärvi nach Ruka erstreckt.

Die Region war mir nicht gänzlich unbekannt, da ich dort schon einmal für ein paar kurze Tageswanderungen und lesende Entspannungsmomente im Sitzsack war und euch spontan auch diese Region und die dortige 14km lange Kleine Bärenrunde (Pieni Karhunkierros) ans Herz legen will. Hier bekommt ihr – wie auch bei ihrem großen Bruder – eine tolle Mischung aus Wald, Wasser und Vögel/Rentieren geboten, aber müsst nicht übernachten. Für mich selbst ging es nun mit dem Auto nach Ruka, dort schlief ich dann direkt noch auf dem Parkplatz und am nächsten Morgen ging es früh mit dem Bus nach Hautajärvi. Mein Plan war, in 3-4 Tagen gemütlich zurück zum Auto zu laufen und natürlich habe ich da auch wieder ein Video zu gedreht:



Da die Bärenrunde die beliebteste Wanderung in Finnland ist, habe ich auch außerhalb der Saison mit einigen Menschen gerechnet und die gab es auch. Somit war es nicht dieses „ich bin alleine in der Wildnis“-Gefühl, sondern sehr bequemes „hier ist überall eine Bank zum Sitzen, etwas zum Unterstellen, Feuer machen oder direkt in einer Hütte schlafen“-Wandern. Was nicht wirklich meines ist und somit waren es am Ende dann nur drei Tage, welche aber durchaus schön waren, nur war mir einfach zu viel los 😉 Hoffentlich wird das nächstes Jahr auf den Lofoten anders, ich bin gespannt!

Wenn ihr Fragen zu dieser Wanderung habt, gerne her damit, ich habe mich bisschen im Internet darüber informiert, aber ihr habt auch vor Ort überall Karten und Wegweise, wodurch man sich einfach nicht verlaufen kann!

[Reisen] 5 Tage Wandern auf dem E1 in Norwegen!

Geplant hatte ich, im August insgesamt 340km auf dem Europäischen Fernwanderweg, dem E1 in Norwegen zu verbringen. Von Kautokeino aus bis zum Nordkap war die Route, aber das Wetter hat mir leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es war nass und zwar so richtig. Dabei kam das Wasser gar nicht von oben, sondern die Seen, Flüsse und Sümpfe waren einfach komplett überflutet und ich hatte dann an Tag 5 doch keine Lust mehr auf dauernasse Füße. Dass die Wettervorhersage mir dann auch noch mehrere Tage mit Wasser von oben prophezeite, brachte mich zum Umdenken und ich beendete dieses Abenteuer. Aber natürlich will ich euch trotzdem meine beiden Videos dazu zeigen, denn vielleicht spielt ja der ein oder andere auch mit dem Gedanken, durch Nordnorwegen zu wandern!





Am Ende lief ich dann raus Richtung Straße, an dieser entlang, wurde von einem sehr netten Finnen aufgesammelt, bis zu einem Supermarkt mitgenommen, aber da es langweilig war, dort nur zu warten, lief ich einfach immer weiter die Straße entlang, bis ich von meinem Freund aufgesammelt wurde. Mit dem Auto ging es dann erst nach Alta (wie schön ist das bitte!) und dann bis kurz vors Nordkap, wo wir gemeinsam den Knivskjelodden Trail liefen, die Aussicht bewunderten und unsere Hände am nördlichsten Punkt ins Meer hielten. Eigentlich wollte ich ja direkt reinspringen, aber Klippen und starke Brandung sind einfach keine gute Kombination 😉

Wenn ihr Fragen zu diesem ersten Teil der Wanderung habt, gerne her damit, ich versuche sie so gut es geht zu beantworten! Ich lief dann am Ende noch die Bärenrunde, den Karhunkierros, in Finnland, was nette drei Tage und 82km durch viel Wald, an viel Fluss und am Ende ganz schön hoch und runter ging.

Sunday again – irgendwo in Norwegen #1

Seitdem ich Hals über Kopf im März 2020 von Panama zurück nach Deutschland geflogen bin, war ich nicht mehr für längere Zeit unterwegs. Was weiterhin irgendwie verrückt für mich ist, denn mein „Normal“ bestand nun einmal darauf, mir alleine die Welt anzugucken und meistens einige Wochen oder gar Monate pro Land zu investieren, um wirklich ein Gefühl für das Leben dort zu bekommen. Auch hatte ich mit meinem Thru-Hike des PCTs 2018 und 2019 wirklich Blut am Fernwandern geleckt und sooo viele zukünftige Wanderpläne geschmiedet. Welche nicht nur für mich in den letzten Jahren dann nicht realisierbar wurden. Stattdessen gab es plötzlich viel mehr Arbeit..yay 😉


Jetzt habe ich mich aber dazu entschlossen, mir drei Wochen im August freizunehmen und endlich, ENDLICH wieder zu wandern. Ganz alleine mit meinem Zelt befinde ich mich gerade irgendwo auf dem E1 in Norwegen und bin wahrscheinlich einfach nur glücklich und strahle wie ein Honigkuchenpferd, da die Landschaft mich begeistert und ich wieder dieses Gefühl von Freiheit in mir habe! Da ich auf Internet und alles damit verbunden so gut es geht verzichten will, gibt es auch hier nun keine wöchentlichen Rückblicke, denn ja, auch das ist Freiheit. Bisschen vorgebloggt habe ich aber natürlich trotzdem!

Einen Bericht wie die Tour gelaufen ist, wird es aber definitiv am Ende geben. Aktuell kann ich euch nur die folgenden Details geben: ich laufe von Kautokeino hoch bis zum Nordkap, was etwa 350 Kilometer sind und ich habe knapp 16 Tage Zeit. Ich plane, nur einen Resupply in Olderford zu machen, was nach den ersten zehn Tagen sein wird und gönne mir da auch eine Nacht im Hotel. Ich weiß ja mittlerweile ganz gut, wann mein Körper statt Zelt eine Nacht in einem Bett haben will. Da wird dann erneut Proviant eingekauft und das klappt hoffentlich halbwegs gut. Danach laufe ich bis zum Nordkap, wo ich mit dem Auto eingesammelt werde. Am nächsten Tag geht es dann aber wirklich zum nördlichsten Punkt Europas und nicht nur dieser Touristenattraktion – da kommt man nämlich nur zu Fuß hin und ich freue mich schon sehr darauf, mir dort den Wind um die Nase wehen zu lassen!

Am Ende geht es dann noch ungeplant ein paar Tage mit dem Auto durch Norwegen und ich will einfach nur Fjorde, Klippen, Vögel und Rentiere sehen, heißen Tee trinken und auch ein bisschen der norwegischen Kultur(en) entdecken. Also drückt mir die Daumen, dass bis jetzt auf dem Trail alles geklappt hat und mich weder die Moskitos aufgefressen haben noch es dauerhaft geregnet hat! Die Vorbereitung war nämlich ganz schön chaotisch und auch ein bisschen hektisch, da mein tolles Big Agnes Zelt noch kaputtgehen und ich schnell hier in Nordfinnland halbwegs guten (und nicht absurd teuren) Ersatz finden musste. Aber das war ein Vergangenheitsproblem und im Hier und Jetzt ist es hoffentlich einfach nur ein grandioses, wenn auch immer noch viel zu kurzes Abenteuer!

[Reisen] Last Minute Wander-„Haul“

Wisst ihr, was so richtig, richtig super ist? Wenn man seine 350km Sommer-Wanderung geplant hat, es fast los geht und man doch nochmal sein Zelt im Wohnzimmer aufbauen will, weil es einfach schon so lange her ist. Denn ja, das letzte Mal aufgebaut habe ich mein geliebtes Big Agnes Fly Creek UL1 auf dem Pacific Crest Trail 2019. Da konnte ich das mit geschlossenen Augen, so routiniert waren mir die Bewegungen, aber das ist schon lange her. Also machte ich mich ans Aufbauen und hörte wohl das schlimmste Geräusch, was es gibt. Eine Zeltstange am Eingangsbereich brach!

Natürlich habe ich erst vor Ort im Outdoor-Geschäft versucht, das reparieren zu lassen, aber das passte mit den Größen nicht. Big Agnes hat einen tollen Kundenservice, aber leider sind sie sooooooooo langsam, dass ich jetzt seit über vier Wochen noch keine Versandbestätigung meiner Ersatz-Stange aus den USA erhalten habe (und sie nicht mehr rechtzeitig ankommen kann). Ich musste mir somit nun leider ein neues Zelt kaufen und konnte da einfach keine 500€ für eine UL-Variante ausgeben. Welches nun viel dicker und schwerer ist, aber es ist leider nicht mehr anders machbar. Da ich aber auch noch ein paar andere Dinge auf den letzten Drücker besorgt habe, teile ich sie doch mal kurz mit euch (plus meine Vorfreude beim Tippen dieses Blogposts)!



Geworden ist es nach kurzer Recherche bezüglich Gewicht und Preisvergleich dann das Gossamer Zelt von Jack Wolfskin (Amazon-Partnerlink) in der Farbe Gingko für eine Person. Das wiegt 1,75kg (flockige 1000g mehr als mein altes Zelt) und ist definitiv platzeinnehmender, aber der Aufbau geht einfach und schnell. Drinnen ist es bei 1,76m kuschelig, sitzen kann man nicht und insgesamt ist der Einstieg ein bisschen fummeliger (+ soll man den Rucksack in den Eingangsbereich legen, was mir so mäßig gefällt), aber für den Preis ist es eine gute Option. Klar, eine wirklich lange Wanderung würde ich damit nie machen, die 350km bis zum Nordkap sind aber kein Problem!


Meine letzte Merino-Hose von Decathlon hat nach dem PCT ihren Lebenswillen verloren und somit brauchte ich eine neue Schlafhose. Hier schwöre ich auf Merino, da ich es hasse, beim Schlafen zu frieren und Merino warm hält und nicht unangenehm müffelt. Geworden ist es dann am Ende eine Männerhose, die Arctic 260 Merino Pants von Northoutdoor, da ich a) keine Hose für Frauen finden konnte (alle sind ausverkauft?) und b) diese dann in Größe S für 42€ im Angebot war..und es doch vollkommen egal ist, in was für einer Hose man schläft. Sie ist auf jeden Fall bequem, zu 100% aus Merino und wird mich kuschlig-warm schlafen lassen. Mal schauen, ob sie länger halten wird als meine vorherige Version von Decathlon!



Ich wandere nicht gerne in nassen Socken und da der E1 in Norwegen einige wässrige Passagen hat, nehme ich ein zweites Paar mit. Ihr seht, ich bin nicht ganz so ultralight unterwegs und das ist vollkommen ok. Geworden sind es in Finnland produzierte aus 40% Merino bestehende Socken von UphillSport (im Angebot für 6€, die Marke, leider nicht genau das Modell, gibt es auch bei Amazon, Amazon-Partnerlink), welche sich gut anfühlen und meine bevorzugte Länge haben. Warum sie diese Socken weiß gemacht haben, „weiß“ ich nicht, aber mir hätte da jede andere Farbe besser gefallen..denn so sauber werden sie nie wieder aussehen 😉 Ich bin auf jeden Fall neugierig, wie gut sie sich machen werden und ob sie ein bisschen mehr Strapazen aushalten können.


Ich habe zwar eine ganz wunderbar leichte Regenjacke, aber sie ist mir zu kurz und das nervt mich immer wieder. Somit habe ich jetzt diese Noname-Regenjacke für 5€ mitgenommen, die ebenfalls leicht ist, kaum Platz wegnimmt und über meinen Po geht. So kann man sich bei Regen auch mal kurz hinsetzen, ohne danach einen nassen Hintern zu haben und genau das wollte ich haben. Eine Kapuze ist ebenfalls dran und super zum Layern ist sie auch, sollten die Moskitos oder der Wind zu stark werden. Zwar gibt es in Finnland keine so grandiosen Secondhand Läden für Wandersachen wie in den USA, aber mit Glück findet man doch immer mal wieder was.


Und damit habe ich dann alles zusammen und muss mich nur noch entscheiden, ob ich einen Gaskocher mitnehme oder einfach nur kalte Sachen esse (ich tendiere wie immer zur zweiten Option, da ich einfach faul bin) und meinen Proviant einkaufen..hach, ich freue mich so sehr! Und wenn ich merke, dass ich weiterhin soooo viel Spaß am Wandern habe, werde ich wohl mal in einen neuen, leichteren Rucksack investieren, denn ich trage noch immer meinen ersten 1800g Rucksack von Decathlon durch die Gegend.

[Reisen] Ab auf’s Wasser!

Was ich momentan sehr liebe, ist die Tatsache, dass ich zwischen zwei Seen und circa drei Kilometer vom Meer sowie vom nächstgrößeren Fluss entfernt lebe. Somit habe ich enorm viel Auswahl, wie ich meinen Sommer auf dem Wasser gestalten will und nutze das natürlich auch so oft es geht aus!

Sommeraktivitäten auf dem Wasser

Aktuell bin ich ganz vernarrt ins Schwimmen und mit einem SUP-Board oder einem Kayak über das Wasser zu gleiten und dabei die Ruhe zu genießen. Wasser ist einfach wahnsinnig entspannend und beruhigend. Gleichzeitig bin ich aber auch aktiv, tue meinem Körper durch die Bewegung etwas Gutes und entdecke immer wieder neue schöne Ecken, was auch wiederum stimulierend für meinen Geist ist.

Ein kleiner Traum ist es bisher noch, wie viele Menschen in Finnland, selbst irgendwann ein eigenes Boot zu besitzen (natürlich inklusive dem eigenen Haus direkt am Wasser). Für mich ist das noch recht weit weg, für viele Bekannte hier ist es aber ganz normal und so spricht man häufig über das eigene Boot und darüber, was es zu beachten gibt, wenn man sich für einen Kauf interessiert. Ja, ein Segelboot oder eine Segelyacht kaufen steht mittlerweile auch auf meiner Wunschliste und fühlt sich gar nicht mehr so utopisch an. Zeit auf dem Wasser ist einfach so wunderbar!


Bevor es soweit ist, muss ich aber ganz vorne anfangen, da ich bisher keinen Segelschein habe und auch bisher immer nut „mitgesegelt“ bin. Also ein bisschen Grundwissen ist vorhanden, aber wirklich ein Segelboot auf dem offenen Meer zu bedienen, traue ich mir definitiv noch nicht zu. Toll ist, dass man den Sportbootführerschein See mittlerweile auch online und immer, wenn man selbst Zeit hat, machen kann. Aber natürlich ist ein Segelschein nicht das einzige, was man beachten muss, wenn man ein Boot kaufen will.


Wie finde ich die passende Segelyacht?

In meinem Bekanntenkreis haben die meisten Menschen 1-2 Boote, je nach Einsatzgebiet. Zum Angeln und für die entspannten Freizeittouren über den See nimmt man einen Cruiser und für die sportliche Fahrt über das offene Meer eine Racer Segelyacht. Während ich Zweites definitiv bewundere, weiß ich auch, dass das nichts für mich ist, denn schon beim Zusehen finde ich das zu hektisch. Für mich käme somit ein Cruiser in Frage.


Für mich ist Segeln aktuell eher eine Tagesaktivität, wobei ich auch immer wieder bewundernd Videos von Menschen anschaue, die einfach für ein paar Jahre um die Welt segeln. Das sieht einerseits traumhaft aus (ich wollte 2020 die Kurzversion für eine Woche auf der karibischen Seite Panamas erleben), wäre für mich aber einfach zu viel Boot. Lieber ein paar Stunden am Tag oder mal über Nacht am Wochenende, wenn man etwas weiter fahren will, aber mehr brauche ich dann glaube ich auch nicht. Was genau man mit seinem Boot machen will, spiegelt sich dann natürlich auch in der Ausstattung nieder!


Was ich übrigens nicht wusste, ist, dass man auch gebrauchte Segelyachten und Segelboote kaufen kann. Also das ist natürlich logisch, aber ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht und ein Boot immer nur als „ist verdammt teuer“ in meinem Kopf abgespeichert. Dabei sind die gebrauchten Modell gar nicht so unerschwinglich, sondern mit ein bisschen Sparen für mich absolut erreichbar. Dann hat man als laufende Kosten noch die Versicherung und – je nach Lage – noch eine Hafengebühr, wenn man nicht das eigene Grundstück am Wasser hat und natürlich Wartungsarbeiten. Wobei ich da selbst gerne werkele und versuche, wie auch bei meinem Auto, so viel wie möglich selbst zu machen, da mir das Spaß bereitet und ich immer wissen muss, wie alles funktioniert.


Wenn ihr selbst noch nie segeln wart, kann ich euch nur sehr ans Herz legen, es einmal selbst auszuprobieren und die Magie des Wassers und seine beruhigende Wirkung zu erleben. Wenn ihr keine Freunde habt, die ein Boot besitzen (wir haben da wirklich sehr viel Glück), man kann im Internet auch „Mitfahrgelegenheiten“ für Segeltrips finden oder wenn das zu abenteuerlich ist, auch einfach eine organisierte Segelreise buchen.

Anbieter gibt es viele und ihr müsst dann nur noch entscheiden, wohin es gehen soll. Ich fand meinen ersten Segeltrip damals via Couchsurfing (Arbeit gegen Überfahrt) und suche aktuell, ob ich noch etwas für Norwegen Ende August organisieren kann. Wenn ihr dann Blut geleckt habt, ist die Idee einer eigenen Segelyacht oder einem Segelboot vielleicht auch etwas für euch! 🙂

[Reisen] Hallo vom Polarkreis!

Aktuell ist es etwas ruhiger hier, da ich einen kleinen Roadtrip durch Lappland unternehme und einfach mal geschwind ein paar Bilder mit euch teilen möchte 🙂 Finnland hat nach wie vor mein Herz im Sturm erobert, da die Landschaft und Ruhe einfach nur traumhaft sind, selbst wenn die Sonne mal nicht scheint! Zum Wandern, Erholen, Seele Baumeln lassen (ich vermisse meine Tropilex Hängematten, die müssen das nächste Mal mit) und aktuell Beeren pflücken ist es einfach nur ein Paradies und ich sehr glücklich, es erfahren und anderen Menschen zeigen zu dürfen!








Finnland hat aber nicht nur Natur, sondern auch immer wieder kulturelle Besonderheiten zu bieten, die mich überraschen. Die Menschen sind hier einfach härter im Nehmen, so liefen wir an einem Soldatenorchester vorbei, welches vor mitsingenden Menschen im Nieselregen bei nicht wirklich hoher Temperatur ein Konzert spielte..was man eben abends so macht in Rovaniemi 😉



Die nächsten Tage geht es nun in eine sehr einsame Hütte (gestern schliefen wir vollkommen alleine in einer ehemaligen Schule im Klassenzimmer..sehr verrückt) und es wird viel gewandert, die Sauna genossen und hoffentlich auf ein paar Rentiere getroffen. Ich will diese niedlichen Tierchen meiner Mama unbedingt in freier Wildbahn zeigen – drückt uns die Daumen! 🙂

[Reisen] Tagesausflug nach Würzburg!

Um mein Deutschlandticket einmal etwas ausgiebiger zu nutzen, ging es gemeinsam mit meiner Mama für einen Tag in die bayrische Metropole Würzburg. Wo ich erst einmal in meinem Leben kurz war und somit sehr neugierig, was es dort alles zu entdecken gibt!



Würzburg hat rund 127.000 Einwohner und liegt malerisch am Main und an diversen Weinbergen. Erstmal urkundlich erwähnt wurde die kreisfreie Stadt im Jahr 704 und sie galt schon im Mittelalter als wichtiges wirtschaftliches, hoheitliches und geistliches Zentrum. Zwar wurde die Stadt im 2. Weltkrieg stark zerstört, viele bedeutende Gebäude und Denkmäler wurden aber wieder aufgebaut, allen voran natürlich die Würzburger Residenz mit Hofgarten, heute ein UNESCO-Weltkulturerben.



Kirchen, Kirchen, Kirchen und ein Dom

Egal, wohin man läuft, man steht in Würzburg irgendwie immer wieder schnell vor einer Kirche. Somit haben wir uns auch einige dieser architektonischen Meisterwerke angesehen und auch wenn ich nicht katholisch bin, ist das einfach sehr beeindruckend! Besonders bekannt ist der St.-Kilians-Dom, den wir natürlich besichtigten, aber wir schauten uns auch die Marienkapelle auf dem Marktplatz, das Neumünster und Stift Haug an. Jede Kirche hatte etwas anderes besonderes, was ich bewunderte und es ist bei der Hitze auch einfach eine tolle Abkühlung, kurz in einer Kirche zu verweilen.




Würzburger Residenz mit Hofgarten

Eigentlich kann man gar nicht an der Residenz vorbeilaufen (falsch gedacht, wir bogen nämlich schon vorher in die Fußgängerzone ab und schauten uns dann eben erst mal andere Sachen an), denn sie ist das Wahrzeichen Würzburgs! Fertiggestellt wurde der barocke Schlossbau 1781 und diente zunächst als Sitz der Würzburger Fürstbischöfe, bevor er dann zur großherzoglichen/kurfürstlichen Residenz wurde.


Leider ist wirklich viel während des Krieges zerstört, aber danach in jahrelanger Kleinstarbeit wieder aufgebaut worden! Besonders das Spiegelkabinett gilt als das „vollkommenste Raumkunstwerk des Rokoko“, aber auch alle anderen Räume und Ausstellungsgegenstände sind wahnsinnig beeindruckend!




Heute kann man wieder viele Räume im 1. Stock besichtigen, welche restauriert und eingerichtet wurden (Eintritt 9€/8€/Ehrenamtskarte kostenlos). Sehr beeindruckend sind die zahlreichen Deckengemälde, aber auch die Böden sind wunderbar. Neben zwei Rundgängen kann man sich anschließend noch die Kapelle (soooo viel Gold und Stuckmarmor!) und den Hofgarten anschauen, welcher wirklich zum Lustwandeln angelegt wurde.

Wir waren etwa eine Stunde in der Residenz und ich hatte viel Spaß alles zu entdecken und mir das Leben hier vorzustellen. Wer kein Interesse an der Residenz hat, lauft trotzdem eine Runde durch den Hofgarten, das ist nämlich kostenlos und einfach entspannend!




Festung Marienberg & Botanischer Garten

Über die wunderschöne alte Mainbrücke ging es dann auf die andere Flussseite gen Festung Marienberg. Diese sieht man schon vom Bahnhof aus majestätisch über der Stadt thronen und da wollte ich definitiv hoch. Trotz einigen Treppen und über 30 Grad 😉 Direkt hinter der Brücke gab es aber noch ein kleines kostenloses Kunstmuseum, da ging es nochmal für Schatten und Abkühlung rein.



Die Festung Marienberg kann man von außen besichtigen, rein kann man nur mit einer Führung. Somit erkundeten wir einfach ein wenig das Gelände und den Innenhof, was definitiv nett war, aber Highlight ist ganz klar die phänomenale Aussicht! Würzburg erstreckt sich unter einem und man kann lange zählen, bis man alle Kirchtürme gefunden hat. Hier oben gab es auch ein klein bisschen Wind, was angenehm war. Im frühen 8. Jahrhundert stand auf dem Marienberg wohl ein Kastell mit Kirche und ab 1200 entstand die große Burg, die ständig erweitert wurde.




Von hier liefen wir etwa 3 Kilometer bis zum Botanischen Garten und wow, ich war sehr positiv überrascht! Wunderschön gestaltete, große Aussenflächen mir Lehrpfad und sehr vielen Fröschen sowie himmlische Ruhe, da kaum Menschen da waren. Die waren alle eher im Freibad um die Ecke.



Dass das Gewächshaus so groß und vielfältig war, habe ich nicht erwartet, mein Pflanzenherz hat getanzt aufgrund der Vielfalt und dann gab es da plötzlich noch lebende Axolotl! Welche ich in Mexiko City leider nicht gesehen habe, dann aber eben heute hier in Würzburg! Eine wunderbare Entspannungsoase, welche sogar noch kostenlos ist und ein lautes Froschkonzert gibt es auch noch obendrauf!



Zurück in die Stadt ging es dann mit der Tram, denn es war ganz schön heiß und wir brauchten eine Pause. Gegessen haben wir dann spontan im thailändischen Restaurant Bangkok (Theaterstraße 4), wo es nicht nur verdammt leckeren Eistee, sondern auch große, knackig-frische vegetarische Gerichte und sehr netten Service gab. Würde ich definitiv wieder hingehen! Im Innenhof der Stadtbibliothek (befindet sich wie die Touristeninfo im gelben Falkenhaus) kann man aber auch wunderbar sitzen und in Ruhe seinen Kaffee genießen, während man ein bisschen in Büchern und Zeitschriften stöbert. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hier wäre ich gerne etwas geblieben!

Nicht geschafft haben wir es zum Lusamgärtchen, einem Park in der Innenstadt, wo Walther von der Vogelheide begraben wurde und auch nicht zum Käppele, welches hoch über der Stadt thront. Es war leider einfach zu heiß, noch einen weiteren Berg an diesem Tag zu erklimmen, aber umso besser, denn so habe ich einen Grund erneut nach Würzburg zu fahren. Über all das Verspätungsdrama inklusive Umstieg um 2 Minuten verpassen und eine Stunde in Aschaffenburg warten zu müssen, sehe ich mal hinweg und hoffe einfach, dass es die Bahn in Zukunft mal auf die Reihe kriegt, dass nicht ALLE Züge verspätet sein werden.


Seid ihr schon einmal in Würzburg gewesen? Wie hat es euch gefallen und welche Stadt habt ihr euch mit dem Deutschlandticket denn schon angesehen?

[Reisen] Auf dem Landweg von Deutschland nach Finnland!

Ok, nicht ganz Landweg, einmal musste ich dann doch die Fähre benutzen, aber das war das einzige Mal in diesen etwas über drei Tagen! 🙂 Warum? Gute Frage. Zwar ist Fliegen um einiges schneller, aber ich versuche es ganz gerne zu vermeiden, wenn man denn auch auf dem Landweg irgendwie halbwegs bequem hinkommt. Somit habe ich einfach mal im Internet gesucht und war hin und weg, dass es doch wirklich einen Direktbus von Berlin nach Tallinn gibt. Angeboten hat ihn Flixbus und gekostet hat es mich ganze 60€ für 24 Stunden Busfahrt – verrückt günstig, wie ich finde! Aber fangen wir am Anfang an.

Um nach Berlin zu kommen, startete ich Sonntagabend in Frankfurt ebenfalls mit dem Flixbus. Die Fahrt über Nacht war in Ordnung, wir hatten nur sehr viele Haltestellen und so war kein wirklicher guter Schlaf drin. Da ich jetzt aber endlich ein Nackenkissen habe, war es erstaunlich bequem. Nein, nichts im Vergleich zu den tollen Nachtbussen in Asien, die ich gerne nutze, aber es war ok. Morgens kam ich dann in Berlin an und hatte genug Zeit, mich mit Kaffee wach zu bekommen und mir genug Proviant für die nächsten 24 Stunden Busfahrt zu kaufen. Beinevertreten war ebenfalls toll, aber also einen Preis gewinnt der ZOB in Berlin immer noch nicht. Da wird zwar gebaut, aber aktuell..nein, alles andere als einladend.


Kurz nach 14 Uhr ging es dann im vollen Bus gen Osten und unsere polnische Busfahrerin war ein kleines Highlight. Wir standen erstmal fast 2 Stunden auf der Ringautobahn in Berlin im Stau und sie versucht danach alles, diese Zeit wieder rauszuholen. Also brav auf der linken Spur fahren, hupen und wild gestikulierend – das ein oder andere polnische Schimpfwort habe ich auch erkannt 😉 Aber da sie auch brav viele Rauchpausen machte, da sie diese wohl brauchte, konnte ich immer auf Toilette gehen. Denn die Toilette im Bus hätte mich nicht in Indien überrascht, aber bei einem Flixbus erwarte ich nicht, dass mir die Wand unter dem Waschbecken entgegenkommt und ich durch ein Loch im Boden (nicht Toilette) einfach die Autobahn unter mir vorbeirasen sehe. Dass durch die Lüftung oben dann noch Wasser kam, hat mich schon wieder zum Lachen gebracht. Aber hey, 60€ und das Abenteuer Baltikum!


Durch die viele Verspätung habe ich leider kaum noch etwas von Polen gesehen, da es schon bald nach Grenzüberfahrt dunkel wurde. Aber ich weiß jetzt, dass es bis Warschau sehr viele Mautstationen auf der Autobahn gibt und danach eigentlich keine mehr. Die Grenzüberfahrt nach Litauen war ebenfalls unspektakulär, wir machten kurz vorher Rast in einem kleinen, sehr verschlafen wirkenden Ort und alle wollten eigentlich nur weiter, da die russische und belarussische Grenze sehr nah waren.



In Litauen lag dann plötzlich Schnee und meine Sitznachbarin mit ihren vier Kindern, die um mich herum verteilt saßen, stieg in Kaunas aus. Juchu! Endlich zwei Sitzplätze für mich und himmlische Ruhe, ich konnte doch wirklich gut schlafen (erneut, ein großer Dank an mein Nackenkissen, du darfst jetzt immer mit). Da ich zwischendurch immer mal wieder aufwachte, war ich natürlich neugierig, was ich von Litauen so sehe. Jetzt war es aber leider grau-nass-matschig draußen und sah so etwas trostlos aus. Wir fuhren auch nur durch kleinere Städtchen und verlassen wirkende Orte, aber als es dann nach Lettland ging, wurde es spannender! Das Wetter schlug um, Sonne, blauer Himmel und hallo Riga, du siehst architektonisch sehr abwechslungsreich aus! Ich konnte mir kurz vor dem Bus die Beine vertreten, mich an Wasser und Möwen erfreuen und merkte sofort, hier will ich mal für 2-3 Tage hin! Genau, was ich mir von der Reise erhofft hatte, einen ersten positiven Eindruck zu bekommen.



Danach ging es weiter durch sehr viel Wald und dann waren wir plötzlich auch schon in Estland und somit fast am Ziel. Auch hier gab es viel Natur, sehr viele vereinzelt herumstehende, große Häuser, die mich neugierig machten und die ersten Blicke auf das Meer konnte ich auch erhaschen. Die Stimmung im mittlerweile ziemlich leeren Bus war super, denn trotz eines kleinen Staus bei Riga waren wir nur 30 Minuten verspätet. So ging es dann die letzten Meter bis zum Busbahnhof nach Tallinn, wo ich meinen Koffer doch wirklich in Empfang nehmen konnte und meine 2,5km bis zum Hotel laufen konnte. Was zwar anstrengend war nach dem vielen Sitzen, aber auch genau das, was mein Körper brauchte!


Jetzt hatten wir also Dienstagnachmittag und ich checkte zuerst mal in mein Hotel direkt neben dem Fährenterminal ein, von wo es morgen weitergehen würde. Das Hotel war nichts besonderes, also die ausgeschriebenen 4 Sterne hat es definitiv nicht, aber für 40€ die Nacht hatte ich ein sauberes, großes Zimmer für mich mit lustigerweise Blick auf meine Fähre, die schon bereit stand und einer tollen Regenwasserdusche. Denn alles, was ich nach den vielen Stunden im Bus wollte, war viel heißes Wasser. Notiz an mich selbst: das nächste Mal nicht nur frische Unterwäsche und Socken einpacken, sondern vielleicht insgesamt neue Kleidung (die war aber im Vakuumsack und somit nicht erreichbar).


Frisch geduscht ging es dann in die Innenstadt nach Tallinn, wo ich bei meinem Lieblingsinder eigentlich ein gigantisches Thali essen wollte. Überraschung: dort gibt es jetzt stattdessen Sushi und da ich wirklich enorm Hunger hatte, ging es dann gegenüber zu Burger King, wo es auch einen veganen Burger gibt. Danach streifte ich ein wenig durch die Altstadt, aber der Wind war kalt und ich erschöpft – also ging es schnell wieder zurück ins Bett, wo ich mich gemütlich ausstrecken und lesen konnte.


Am nächsten Morgen ging es geschwind zu Rost, wo die heißen Zimt- und Kardamonschnecken mich beim letzten Besuch schon begeistert hatten und frisch gestärkt mit heißem Kaffee ging es dann zum Fährenterminal. Welches dankbarerweise wirklich direkt neben meinem Hotel war, denn mein Körper war insgesamt etwas kraftlos. Das Einchecken war problemlos wie immer, die Fähre nach Helsinki ging pünktlich und das Wetter war zwar regnerisch-grau, aber die Wellen so schwach, dass mir nicht schlecht wurde. Stattdessen saß ich mit tollem Blick aufs Wasser ganz entspannt da und konnte sogar lesen!


In Helsinki hatte ich dann etwa vier Stunden Zeit, bis es mit dem Zug noch die letzten sechs Stunden hoch nach Oulu ging. Somit lief ich gemütlich in die Innenstadt und setzte mich in ein Cafe, wo es kostenlosen Kaffee-Refill gibt, was mich immer glücklich macht. Hier hielt ich es einige Zeit aus, konnte mein Buch fertig lesen, dann besorgte ich mir noch ein paar Snacks für den Zug und lief gemütlich die letzten Meter zum Bahnhof. Da es nun der Mittwochabend vor Ostern war, war mein Zug sehr voll, denn viele waren schon auf der Reise in den Urlaub oder auf dem Weg, die Familie zu besuchen. In Finnland kann man aber nur Tickets mit Sitzplätzen kaufen, somit muss man sich keine Sorgen machen, dass man stehen muss. Unbequem ist nur, dass es nicht genug Gepäckaufbewahrungen gibt und ich somit die ersten zwei Stunden mit meinem Koffer vor meinem Sitz und meinem Rucksack auf mir verbringen musste. Aber nach Tampere wurde es zum Glück leerer.

Nach sechs Stunden kam ich dann um 00.30h in Oulu an und brauchte noch etwa 30 Minuten zu Fuß bis zur Wohnung. Womit ich insgesamt von Sonntagabend um 21.00h bis Donnerstagmorgen um 01:00h unterwegs gewesen bin. Gekostet hat mich dieser komplette Trip:

  • RMV-Fahrkarte nach Frankfurt: 5,80€
  • Flixbus Frankfurt-Tallinn mit 2x Sitzplatzreservierung: 67€
  • 4-Sterne Hotel in Tallinn mit Genius Booking.com Discount: 40€
  • Fähre Tallinn-Helsinki: 14€
  • Zugticket Helsinki: 24€

–> 150,80€

Was definitiv günstiger ist, als ein One-Way-Ticket von Frankfurt nach Oulu, da ich in den Osterferien fliegen musste, aber nur um den Preis ging es mir gar nicht. Ich wollte einmal wirklich Polen und das Baltikum sehen, um zu schauen, ob ich da nochmal hin will (absolut ja!) und auch, wie schlimm das lange Busfahren in Europa ist. Definitiv unbequemer als in Asien, auch nicht unbedingt pünktlicher, aber ich finde die Strecke insgesamt gut und kann mir vorstellen, dass ich sie erneut fahre, aber dann eben mit ein paar Pausen zwischendrin, z.b. in Riga, Kaunas und Warschau. Oder ob ich ab einem dieser Orte dann eben fliege oder mit dem Zug fahre.

Ein litauischer Mitreisender erzählte mir begeistert, dass eine Zugschnellstrecke zwischen Riga-Berlin ab 2026 gebaut wird und ich hoffe, dass das auch passiert! Denn beim langen Zugfahren kann man sich entweder ein Schlafabteil nehmen oder sich zumindest mal länger die Beine vertreten. Natürlich hätte ich den Preis auch noch drücken können und mir für 8€ ein Hostelbett in Tallinn nehmen können, aber ich fand, ich hatte mir ein Zimmer nur für mich verdient 😉


Was sagt ihr – Abenteuer oder absolut verrückt? Würdet ihr so eine Busreise unternehmen? Oder klingt das nach dem reinsten Horror? Noch genau eine Person ist mit mir die Strecke Berlin-Tallinn gefahren (er saß direkt hinter mir) und wir waren beide überrascht, dass das noch jemand freiwillig macht. Aber auch er meinte, es war aushaltbar 😉

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