Kategorie: Lesen

[Lesenswert] Kim Jiyoung, Born 1982 von Cho Nam-Joo!

Gekriegt hat mich Kim Jiyoung, Born 1982 von Cho Nam-Joo (Partnerlink) zwar ganz klar durch das Cover, aber das Buch ist inhaltlich sooooooo wütendmachend, also richtig gut, dass ich es euch heute vorstellen muss. Gelesen habe ich es vor über einem Monat, aber es hallt weiterhin nach!


Worum geht’s

Wie der Titel schon verrät, ist unsere Hauptfigur Protagonistin Kim Ji-young, welche im Jahr 1982 geboren wurde und mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Seoul lebt. Früher war sie Büroangestellte, hat ihren Job aber aufgegeben, um sich um ihr Kind und den Haushalt zu kümmern. Nach der Geburt zeigt sie psychische Symptome: Sie „übernimmt“ zeitweise Stimmen und Verhaltensweisen anderer Frauen – etwa ihrer Mutter oder verstorbener Verwandter. Ihr Ehemann bestärkt sie, einen Psychiater aufzusuchen, um mit diesem zu sprechen und herauszufinden, was „nicht stimmt“.

Wie ist’s

Der Roman zeigt eindrücklich, mit welchen geschlechtsspezifischen Erwartungen und Diskriminierungen Frauen in Südkorea im privaten sowie im beruflichen Leben zu kämpfen haben. Hierbei bekommen wir das Leben einer Frau von ihrer Kindheit bis zu ihrem Leben als Mutter gezeigt und erleben mit ihr gemeinsam, wie sie sich immer wieder behaupten und gegen Dinge ankämpfen oder vor ihnen kapitulieren muss. Der Ehemann bekommt nicht allzu viel Raum in diesem Buch, wobei ich sehr neugierig war, inwieweit er sich gegen die kulturellen Normen für seine Frau auflehnen würde.

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, da es mich gefesselt hat, oftmals sprachlos zurückgelassen hat und noch häufiger einfach wütend gemacht hat. Und Wut ist nun einmal eine starke Motivation. Die Situationen, die hier beschrieben werden, findet man nämlich so ziemlich überall auf der Welt, wo Frauen im Laufe ihres Lebens immer wieder aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden. Man kann sich als Frau sofort in die Protagonistin hinein fühlen, hat einige der Situationen in ähnlicher Weise erlebt und reflektiert somit beim Lesen ständig, was man selbst wann/wie gemacht hat oder hätte machen wollen. Man lernt hier gleichzeitig viel über die südkoreanische Gesellschaft aus Perspektive einer Frau, was für mich besonders spannend war, da ich dieses Jahr schon viele Bücher südkoreanischer Autoren gelesen habe und mehr darüber lernen mag.

Besonders gut finde ich, dass hier Fiktion mit realen Fakten gemischt wird und man in Fußnoten immer wieder mehr Informationen und real existierende Quellen bekommt. Man lernt viel über die Situation von Mädchen und Frauen in Südkorea und insgesamt liest sich das Werk ein bisschen wie ein wirklicher Tatsachenbericht, welcher eben durch die Protagonistin nahbarer gemacht werden sollte. Finde ich richtig, richtig gut realisiert und könnte ich mir auch für andere Themen sehr gut vorstellen, da es den Worten noch mehr Gewicht gibt, wenn man sieht, wie vielen Personen das schon passiert ist. Also wenn ihr wie ich Fußnoten-Fan seid und beim Lesen sonst selbstständig im Internet recherchiert, hier wird euch diese Arbeit abgenommen.


Ein Buch, welches ich wirklich jedem empfehlen würde, da es spannend geschrieben ist, noch lange nach der Lektüre in einem arbeitet und starke Emotionen weckt, die einen vielleicht sogar zum Handeln bringen könnten. Und wenn ihr noch mehr in dieser Thematik lesen wollt, Cho Nam-Joo hat noch mehr Geschichten über Frauen, die unter der südkoreanischen patriarchalen Gesellschaft leiden, geschrieben.

[Lesenswert] ABC-Challenge – 3. Update!

2023 und 2024 habe ich die ABC-Challenge nun erfolgreich gemeistert, also mindestens einen Buchtitel mit jedem Anfangsbuchstaben des Alphabets gelesen. Dabei habe ich bunt deutsche und englische Titel miteinander vermischt und insgesamt auch ziemlich viel gelesen – 2024 wurden es 116 Bücher 🙂 Für dieses Jahr habe ich mir nun vorgenommen, jeweils zwei Bücher pro Anfangsbuchstaben zu lesen, um die Challenge wieder etwas schwieriger zu gestalten!

Heute gibt es das 3. und somit vorletzte Update und ich bin gespannt, wieviele „Buchstaben“ ich mittlerweile komplett gelesen habe und wo es noch Lücken gibt. Die Bücher unten sind jeweils mit Amazon-Partnerlink versehen, falls ihr euch eines genauer ansehen wollt!


Zwischenstand: 19 von 26 Buchstaben „gelesen“


After Life – Gayle Forman (klick)

After that Night – Karin Slaughter (klick)

Almost American Girl – Robin Ha (klick)

Ashes of Eden, The – William Shatner (klick)

Atlas of Forgotten Places – Travis Elborough (klick)

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Beautiful Ugly – Alice Feeney (klick)

Beautiful World, where are you – Sally Rooney (klick)

Binding 13 – Chloe Walsh (klick)

Black Sheep – Rachel Harison (klick)

Blue Sisters – Coco Mellors (klick)

Book Lovers – Emily Henry (klick)

Book will bury me, This – Ashley Winstead (klick)

Boyfriend, The – Freida McFadden (klick)

Bright Young Women – Jessica Knoll (klick)

Business Trip, The – Jessie Garcia (klick)

Butcher & Blackbird – Brynne Weaver (klick)

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Chernobyl The Fall of Atomgrad – Matyas Namai (klick)

Conversations with Friends – Sally Rooney (klick)

Crash, The – Freida McFadden (klick)

Creative Act – A Way of Being, The – Rick Rubin (klick)

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Dare I Say It – Naomi Watts (klick)

Deep End – Ali Hazelwood (klick)

Diego ist der Name der Liebe – Barbara Krause (klick)

Doppelganger – Naomi Klein (klick)

Dunkles Wasser – Charlotte Link (klick)

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Einsame Nacht – Charlotte Link (klick)

Entdeckung des Hugo Cabret, Die – Brian Selznick (klick)

Erste letzte Tag, Der – Sebastian Fitzek (klick)

Exit Wounds – Rutu Modan (klick)

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Famous Last Words – Gillian McAllister (klick)

Favourites, The – Layne Fargo (klick)

Fearless – Lauren Roberts (klick)

Fish swimming in dappled Sunlight – Riku Onda (klick)

Flusslinien – Katharina Hagena (klick)

Friends, Lovers and the Big Terrible Thing – Matthew Perry (klick)

Für Polina – Takis Würger (klick)

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Geschichte machen – Stephen Fry (klick)

Gender Queer – Maia Kobabe (klick)

God of the Woods, The – Liz Moore (klick)

Good Dirt – Charmaine Wilkerson (klick)

Grave in the Ice, The – Satu Rämö (klick)

Great Big Beautiful Life – Emily Henry (klick)

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Halbinsel – Kristine Bilkau (klick)

Herscht 07769 – László Krasznahorkai (klick)

Hey guten Morgen, wie geht es dir? – Martina Hefter (klick)

Horror-Date – Sebastian Fitzek (klick)

Hustler, The – Walter Tevis (klick)

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Icebreaker – Hannah Grace (klick)

I Love You But I’ve Chosen Darkness – Claire Vaye Waktins (klick)

In einem Zug – Daniel Glattauer (klick)

Inmate, The – Freida McFadden (klick)

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J

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Kalendermädchen, Das – Sebastian Fitzek (klick)

Kälteschlaf – Arnaldur Indridason (klick)

Keeping 13 – Chloe Walsh (klick)

Kim Jiyoung, Born 1982 – Cho Nam-Joo (klick)

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Last One at the Wedding, The – Jason Rekulak (klick)

Leben ist eines der Härtesten, Das – Giulia Becker (klick)

Leiden des jungen Werthers, Die – Johann Wolfgang von Goethe (klick)

letzte Party, Die – Clare Mackintosh (klick)

Livid – Patricia Cornwell (klick)

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Man kann auch in die Höhe fallen – Joachim Meyerhoff (klick)

Mr Einstein’s Secretary – Matthew Reilly (klick)

My Friends – Hisham Matar (klick)

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neuen Leiden des jungen W., Die – Ulrich Plenzdorf (klick)

Never again will I visit Auschwitz – Ari Richter (klick)

Nora goes off Script – Annabel Monaghan (klick)

norwegische Gast, Der – Anne Holt (klick)

Not in Love – Ali Hazelwood (klick)

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Onyx Storm – Rebecca Yarros (klick)

Ostseenebel – Eva Almstädt (klick)

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Pebble in the Sky – Isaac Asimov (klick)

Perfect Day to be alone, A – Nanae Aoyama (klick)

Pineapple Street – Jenny Jackson (klick)

Possession, The – Annie Ernaux (klick)

Powerless – Lauren Roberts (klick)

Property, The – Rutu Modan (klick)

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Quiet Girl in a Noisy World – Debbie Tung (klick)

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Rebel – Rebecca Yarros (klick)

Reckless – Lauren Roberts (klick)

Reichskanzlerplatz – Nora Bossong (klick)

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Say You’ll Remember Me – Abby Jimenez (klick)

Schmerzenskinder – Waris Dirie (klick)

Schneebraut – Ragnar Jónasson (klick)

Safekeep, The – Yael van der Wouden (klick)

Saving 6 – Chloe Walsh (klick)

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Talent for Murder, A – Peter Swanson (klick)

Theft – Abdulrazak Gurnah (klick)

They called us Enemy – George Takei (klick)

Three Lives of Cate Kay, The – Kate Fagan (klick)

Tim – The Official Biography of Avicii – Mans Mosesson (klick)

Timeline – Michael Crichton (klick)

To Strip the Flesh – Oto Toda (klick)

Tom Lake – Ann Patchett (klick)

Tunnel – Rutu Modan (klick)

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unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry, Die – Rachel Joyce (klick)

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Vaterländer – Sabin Tambrea (klick)

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Wahrheit aus meiner Sicht, Die – Moutasm Alyounes (klick)

Waldstein oder der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005 – Moritz von Uslar (klick)

Wedding People, The – Alison Espach (klick)

We do not part – Han Kang (klick)

Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes – Giulia Becker (klick)

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X

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Y

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Zeit im Sommerlicht, Die – Ann-Helén Laestadius (klick)


Waren es nach den ersten sechs Monaten schon 17 Buchstaben und 68 Bücher, so sind es mittlerweile nur 2 Buchstaben mehr geworden! Gelesen habe ich somit aktuell 19 Buchstaben und 101 Bücher! Also sehr viele Bücher, nur habe ich bisher absolut nicht auf die Anfangsbuchstaben der Titel geachtet und merke nun, dass ich das in den nächsten drei Monaten etwas machen muss 😉 Denn während sich z.B. bei B die Bücher nur so häufen, so sind J und X noch ganz alleine. Mal schauen, ob ich das mit meinem SUB bei meinen Eltern und der Bücherei ausgleichen kann!

Besonders gut gefallen haben mir Flusslinien von Katharina Hagena, Für Polina von Takis Würger, Halbinsel von Kristine Bilkau, Kim Jiyoung, Born 1982 von Cho Nam-Joo, Theft von Abdulrazak Gurnah und Vaterländer von Sabin Tambrea. Besonders Cho Nam-Joo ist mir mit ihrer ruhigen, aber doch so gewaltig wütend-machenden Stimme im Kopf geblieben und ich will unbedingt mehr von ihr lesen. Aber auch alle anderen genannten Autoren konnten mich durch ihren Schreibstil und/oder ihre Geschichte sehr begeistern. Dass ich jetzt erst Abdulrazak Gurnah entdeckt habe, ignorieren wir mal – wie grandios schreibt er denn bitte!

So gar nichts anfangen kann ich mit der enorm gefeierten Powerless-Trilogie von Lauren Roberts. Also ich habe sie durchgelesen, da ich immer dachte, es wird bestimmt noch fesselnder, aber nee, das sind einfach nicht meine Bücher. Die zwei noch dazugehörigen kurzen Bücher ignoriere ich mal, ich brauche nicht noch mehr Perspektiven zu dieser Geschichte 😉 Ein bisschen enttäuscht/gelangweilt war ich auch von Pineapple Street von Jenny Jackson, hier hätte man einfach viel mehr aus den Charakteren herausholen können, aber man konnte das Buch immerhin schnell durchlesen.


Mission für die nächsten drei Monate

  • SUB der ausgeliehenen Bücherei-Bücher lesen
  • 2 Titel mit dem Buchstaben J
  • 1 Titel mit dem Buchstaben Q
  • 1 Titel mit dem Buchstaben U
  • 1 Titel mit dem Buchstaben V
  • 2 Titel mit dem Buchstaben X
  • 2 Titel mit dem Buchstaben Y
  • 1 Titel mit dem Buchstaben Z

–> Insgesamt fehlen mir also noch 10 Bücher, damit ich jeden Buchstaben doppelt gelesen habe. Alleine von der Bücheranzahl ist das überhaupt kein Problem, aber ich habe gerade mal geschaut, ich habe nicht ein Buch mit einem dieser Anfangsbuchstaben im Titel in der Wohnung 😉 Was mich bei J und Y doch irgendwie irritiert, aber gut, da werde ich dann mal genauer suchen müssen, was es da spannendes gibt – wenn jemand eine Empfehlung (deutsch/englisch) mit einem meiner fehlenden Buchstaben hat, sehr gerne her damit!


Macht auch jemand von euch bei einer Lesechallenge mit? Wenn ja, wie läuft es bei euch und was lest ihr aktuell gerade? Wir sehen uns dann Ende Dezember mit dem Endstand und ich bin gespannt, ob es klappen wird!

[Lesenswert] Flusslinien von Katharina Hagena!

Ein Buch, welches ich sehr erwartet habe, ist Flusslinien von Katharina Hagena (Partnerlink) und endlich konnte ich es aus der Bibliothek abholen! Zwei Tage später war ich dann schon durch mit diesem bewegenden Hamburger Generationenroman und etwas traurig, dass er nicht noch ein bisschen länger ist. Aber gut, somit kann ich euch jetzt direkt erzählen, worum Flusslinien geht und wie mir das Werk gefallen hat – aber alleine das Cover ist schon eine 10/10, oder?


Worum geht’s

Der Roman spielt an insgesamt zwölf Frühsommertagen und dreht sich im die Leben von der 102-jährigen Margrit, welche ehemals Stimmbildnerin war, ihrer zornigen Enkelin Luzie und Arthur, welcher Margrit als Fahrer der Seniorenresidenz täglich in den Römischen Garten fährt. Dort verliert sich Margrit während sie auf die Elbe blickt mehr und mehr in Erinnerungen, während sie gleichzeitig durch Zeit mit Luzie (Margrit lässt sich von ihr tatöwieren) versucht, herauszufinden, was mit ihrer Enkelin passiert ist. Diese war für ein Austauschjahr in Australien, kam verändert zurück und brach nun plötzlich kurz vorm Abitur die Schule ab, um lieber zu tätowieren. Auch Arthur hat neben seinen spannenden Interessen (Sprachen erfinden, Metallsonden-Läufer am Strand, Naturschutz) auch eine Schuld zu tragen, welche ihn stark in seinem Alltag beeinflusst.

Wie ist’s

Ich mag die Einteilung in Tage und die unterschiedlichen Perspektiven sehr, das ist genau mein Schreib- bzw Lesestil. Man erfährt viel über die einzelnen Personen, ihr Denken, ihre (traumatische) Vergangenheit und ihre Einstellungen, während sie auch eine gemeinsame Geschichte haben, die von Beginn an spannend ist und sich rasch nach vorne bewegt und aktuelle Themen aufgreift. Man fragt sich schnell, wie das Buch ausgehen wird und hofft, dass es mal nicht mit dem Tod ist (was bei dem Thema Altwerden häufig der Fall ist), aber eben auch nicht mit einem allzu kitschigen, unrealistischen Happy-End.

Hamburg ist ein Ort, den ich nur flüchtig kenne, aber durchaus immer positiv empfunden habe. Somit mag ich sehr, wie er hier immer wieder eine Rolle spielt, besonders der wirklich existierende Römische Garten, die Elbe und wie die sie umgebende Natur ausführlich beschrieben werden. Das versetzt einen sofort an diese Orte und transportiert eine starke Stimmung, besonders wenn das Wetter etwas ungemütlicher wird. Ich würde die Natur bzw die Beschreibungen hier fast als eine eigene Person und Perspektive bewerten (und habe einige neue Pflanzen und Vögel kennengelernt).

Die Vergangenheit von Margrits Mutter, die enorm wichtig in diesem Buch ist, wird von der Autorin mit der Geschichte der realen Landschaftsgärtnerin und Else Hoffa verknüpft und ach, großartig! Diese führt für eine Frau in der damaligen Zeit ein sehr untypisches Leben, arbeitete als erste Frau überhaupt gegen den Willen ihres Vaters als Obergärtnerin und musste schließlich während der Zeit des Nationalsozialismus aus Deutschland fliehen. Sie lebte bis zu ihrem Tod in England, arbeitete auch dort als Obergärtnerin und kam nur 1957 noch einmal nach Hamburg und zu „ihrem“ Garten zurück. Dies gibt allem hier noch so viel mehr Tiefe, ich habe es absolut nicht erwartet, die Fiktion zu verlassen und durch diese beeindruckende Frau in die Realität einzutauchen, danke! Da musste ich natürlich nach der Lektüre noch einiges selbst recherchieren und das nächste Mal, wenn ich in Hamburg bin, auch den Römischen Garten besuchen.


Spannende, ausgefallene, komplexe Charaktere, eine Mischung aus Fiktion und Realität, eine brachiale Natur und so viele wichtige Themen – alles zusammengefügt durch wunderbarste Sprache, die manchmal schmerzhaft trifft, manchmal durch Sarkasmus zum Lachen bringt und einen dann wieder still und nachdenklich werden lässt. Ich hatte hohe Erwartungen an Flusslinien und diese wurden alle noch übertroffen und ich bin einfach nur begeistert von diesem Werk (wenn es schon wer gelesen hat, können wir bitte über das Orchester „Stille Wasser“ reden! Von Katharina Hagena will ich unbedingt mehr lesen und solltet ihr gerade auf der Suche nach einem neuen Buch sein, kann ich euch dieses hier vollsten Herzens empfehlen!

[Lesenswert] Halbinsel von Kristine Bilkau!

Ein Buch, welches ganz weit oben auf meiner Sommerleseliste für dieses Jahr stand, ist Halbinsel von Kristine Bilkau (Partnerlink) und was habe ich mich gefreut, als ich es unerwartet in der Bibliothek entdeckte. Bücher, die am Meer spielen, funktionieren einfach immer für mich und ich habe bisher nur positive Dinge über dieses mit dem Preis der Leipziger Buchmesse gelesen. Somit setzte ich mich also mit ein bisschen Zeit an die Ostsee und verschlang Halbinsel nur so!


Worum geht’s

Annett, Ende 40, lebt seit vielen Jahren in einem mittlerweile etwas veraltetem Haus auf einer Halbinsel an der Nordsee. Dort hat sie – seit dem plötzlichen Tod ihres Mannes – ihre Tochter Linn alleine großgezogen, welche jetzt in Berlin lebt und ihren ersten Job nach der Uni gefunden hat. Während einer Konferenz kippt Linn um und beschließt, sich davon bei ihrer Mutter zu erholen. Aus dieser kurzen Erholungspause werden immer mehr Wochen, in welchen Linn und Annett mit- und gegeneinander versuchen, Sinn aus ihrer Lebenssituation zu ziehen und diese zu verändern. Wobei es natürlich auch immer wieder zu Konflikten kommt, welche die beiden zu lösen versuchen.

Wie ist’s

Großartig geschrieben, ich las bei einer Rezension, „dass das Buch große Themen leise anspricht“ und das trifft es genau. Es geht um so viele fundamentale, wichtige Dinge wie eigene & gesellschaftliche Erwartungen, Autonomie, Sorgen, ungeklärte Fragen, Unausgesprochenes & Vorwürfe in Mutter-Kind-Beziehungen, Zukunftsängste, Erinnerungen an die Kindheit, Trauer, Verlust, Ratlosigkeit und Verzweiflung. Was sowohl für Anett als auch ihre Tochter Linn zutrifft, obwohl sie beide an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben stehen.

Der Autorin gelingt es, die Personen so tiefgründig zu beschreiben, dass man sich leicht in sie hineinversetzen, ihre Standpunkte und Fragen verstehen und mit überlegen kann, wie man wohl selbst handeln würde. Obwohl ich nicht Mutter bin, kann ich die Beziehung aus Tochter- und Mutterperspektive gut nachvollziehen. Alles hier fühlt sich real und nicht seicht an, aber trotzdem mit der Kulisse Nordsee nach einem perfekten Buch für den Sommer.

Der Schreibstil ist suchterzeugend, ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, da ich einfach wissen musste, wie es im Leben der beiden Frauen weitergehen wird. Die Sprache selbst ist einfach, direkt und hallt trotzdem nach – ich fotografiere selten Seiten in einem Buch, hier musste es dann aber doch auf S. 67 geschehen, wo es um die Hinterfragung der doch ziemlich kuriosen Aussage „Sei authentisch“ ging.


Insgesamt ein Buch, welches sich leise und unaufdringlich Platz in meinem Kopf gesucht hat und auch jetzt Tage später denke ich noch darüber nach. Von Kristine Bilkau will ich unbedingt mehr lesen und habe mir schon Nebenan von ihr auf meinen Wunschzettel geschrieben.

Kennt ihr schon ein Buch von ihr, vielleicht sogar Halbinsel? Wenn ja, wie hat es euch gefallen?

[Lesenswert] Für Polina von Takis Würger!

Nachdem ich mich durch ein paar eher mäßig gut geschriebene Bücher gequält habe, konnte ich es gar nicht abwarten, mit Für Polina von Takis Würger anzufangen. Obwohl ich bisher noch nichts von ihm gelesen habe, sprach mich der Klappentext so an, dass es einfach kein schlechtes Buch sein konnte – und wie richtig ich damit lag! In einem Schwung habe ich Für Polina durchgelesen und hätte da auch locker noch 100 weitere Seiten verschlingen können. Leseflaute dank Takis Würger vermieden, vielen Dank!


Hannes ist ein stiller, sensibler und musikalisch hochbegabter Junge, der mit seiner Mutter Fritzi, einer Kämpfernatur, in einer verfallenen Villa in einem Moor aufwächst. Dort lebt auch noch der ältere Mann Heinrich, der zu einer sehr wichtigen Bezugsperson der beiden wird, ebenso wie Günnes, Arbeitskollegin und Freundin von Fritzi, welche ihre Tochter Polina mitbringt. Polina und Hannes werden Freunde, ihre Beziehung verändert sich mit der Zeit und dann kommt es zu einem Bruch – welchen Hannes Jahre später durch von ihm komponierte Musik am Klavier zu kitten versucht.


Hannes gibt Menschen, die ihm wichtig sind, eine Melodie und nimmt die Welt auf eine ganz besondere Weise wahr. Das wird in diesem Buch wunderbar beschrieben, man kann mitfühlen und versuchen, die Welt durch Hannes Augen zu erfahren. Die verschiedenen Hauptcharaktere sind sympathisch, gut und glaubhaft beschrieben und dümpeln nicht nur an der Oberfläche herum, ein paar der Nebencharaktere gleiten aber doch ein bisschen ins Klischee ab. Was nicht tragisch ist und den Lesegenuss in keinster Weise schmälert, sondern einen die Geschichte hierdurch leicht und schnell lesen lässt. Das Buch spielt viel in Hamburg und auch das fühlt sich für mich authentisch erzählt an.

Musik weckt Gefühle, dieser Roman weckt sie bei mir durch seine emotionalen Charaktere, die zwischen dem Suchen und Finden, dem Sein und Lassen, der Nähe und der Trennung ihre Leben bestreiten, in welchen besagte Musik dank Hannes eine Rolle spielt. Wir haben ein bisschen Coming of Age, aber auch alle anderen Personen machen Entwicklungen durch, welche manchmal sehr überraschend, aber doch immer schlüssig sind.

Für Polina hat mich berührt, ohne es zu erzwingen. Ich wollte nicht aufhören zu lesen, einerseits weil ich gespannt auf das Ende war, aber andererseits auch, weil es einfach Spaß gemacht hat. Teilweise wurde es traurig, manchmal habe ich beim Lesen die auf der jeweiligen Seite angesprochene Komposition gehört, was allem noch mehr Atmosphäre verliehen hat und am Ende hätte ich soooo gerne Polina’s Melodie gehört – denn wie bestimmt jeder andere Lesende habe ich davon nun eine Idee im Kopf.



Danke für diesen absoluten Lesegenuss, ich kann es gar nicht abwarten, ein weiteres Werk von Takis Würger zu lesen! Habt ihr dieses oder ein anderes Buch von ihm schon gelesen? Wenn ja, was sagt ihr?

[Lesenswert] The Hustler von Walter Tevis!

Seitdem ich vor einigen Jahren The Queen’s Gambit gesehen habe, wollte ich etwas von Walter Tevis lesen, auf dessen Buch die Serie nämlich beruht. Geworden ist es nun endlich (!) sein Debüt von 1959 und ich war wirklich sehr gespannt, wie es mir gefallen wird! Ich kann nun verkünden, dass ich The Hustler von Walter Tevis (Amazon-Partnerlink) nur so verschlungen habe und lediglich eine Pause machte, da ich dringend schlafen musste 😉



Worum geht’s

Wir folgen in dieser Geschichte dem talentierten, aber arroganten Billardspieler Eddie Felson, der in Bars Geld mit seinem Können verdient. Er will der Beste sein und fordert schließlich den legendären Spieler Minnesota Fats heraus. Nach einer sich über viele Stunden hinziehenden Niederlage beginnt Eddie eine persönliche und emotionale Reise, auf der er lernen muss, was es bedeutet, ein Gewinner zu sein. Das Buch dreht sich um Stolz, Selbstzerstörung, Ehrgeiz und die Suche nach Identität, aber auch um (romantische) Beziehungen und Sucht.

Wie ist’s

Eddie will gewinnen und lässt sich von diesem Gedanken immer wieder in Situationen ziehen, die nicht wirklich gut für ihn sind. Auch der Leser wird mitgerissen, einerseits fiebert man mit Eddie mit und will, dass er Erfolg hat. Andererseits scheint er aber kein sonderlich netter Mensch zu sein, wodurch sich das Mitgefühl dann wieder in Grenzen hält, wenn ein Spiel nicht so gut für ihn verläuft. Persönlich war ich zunächst irritiert, da etwas in der Geschichte sehr früh passierte und ich dies eigentlich am Ende erwartet habe. Fand ich aber gut gemacht und im Nachhinein sogar besser, denn so war das Ende für mich überraschender.

Wir tauchen mit Eddie recht tief und realistisch in die menschliche Psyche ein und in Themen wie Ehrgeiz, Selbstzweifel und die Frage, was Erfolg und Scheitern eigentlich bedeuten. Also alles Dinge, über die man selbst bestimmt auch schon häufiger nachgedacht und für sich passende Definitionen gefunden hat.

Walter Tevis schreibt direkt, da sind keine unnötigen Sätze, um die Atmosphäre weiter aufzubauen, aber das braucht man auch nicht. Die Story ist spannend, man bekommt genug Charakterentwicklung und wie auch „The Queen’s Gambit“ ist das ein hervorragendes Werk, um verfilmt zu werden. Was natürlich schon 1961 mit Paul Newman in der Hauptrolle geschehen ist und ich überlege, ob ich mir den Film irgendwann einmal anschauen werde. Für mich war das Buch mit knapp über 200 Seiten nur recht kurz, aber die Geschichte ist ausreichend erzählt und so kann ich nicht meckern. Es gibt allerdings noch ein weiteres Buch „The Color of Money“, was die Fortsetzung dieser Geschichte sein soll und das zu wissen, macht mich glücklich!


Kennt ihr dieses oder ein anderes der Werke von Walter Tevis? Wie hat es euch gefallen?

[Lesenswert] Good Dirt von Charmaine Wilkerson!

Heute will ich euch wieder einen absoluten Zufallsglücksgriff aus meiner Bibliothek vorstellen, nämlich das Buch Good Dirt von Charmaine Wilkerson! Das Cover hat mich sofort angesprochen und nach dem Scannen der ersten Seiten wusste ich schon, dieses Buch und ich, wir werden eine grandiose, nicht einfache, aber doch sehr wichtige Zeit zusammen haben. Und genau das ist dann auch eingetroffen und ich kann es gar nicht abwarten, noch mehr von ihr zu lesen! Black Cake, wir sehen uns bald!



Unsere Protagonistin Ebby Freeman ist die Tochter einer wohlhabenden schwarzen Familie in einer elitären Gemeinde in Neu-England, in welcher sonst nur weiße Menschen leben. Mit 10 Jahren beobachtet sie, wie ihr Bruder Baz bei einem Einbruch erschossen wird und das Familienerbstück – ein jahrhundertealtes, getöpfertes, Steinware-Gefäß namens Old Mo – dabei zerstört wird. Der Mord bleibt ungelöst, und die Familie wird über Jahre hinweg zur öffentlichen Sensation, während Ebby und ihre Eltern versuchen, mit diesem unsagbaren Schicksalsschlag weiterzuleben.

An ihrem Hochzeitstag geschieht dann ein weiteres, traumatisches Ereignis – ihr Verlobter Henry taucht einfach nicht auf und für Ebby bricht erneut eine Welt zusammen. Sie flieht zu einer Freundin nach Frankreich, da sie von allem Abstand braucht, doch taucht dort unerwartet jemand aus ihrer Vergangenheit auf und sie muss sich dieser Situation stellen.

    Ein absoluter Lesegenuss, welcher am liebsten noch viele Seiten weitergehen dürfte! Schon nach wenigen Kapiteln war mir klar, dass ich mehr von Charmaine Wilkerson lesen mag, da mich ihr Schreibstil eingefangen hat und ich das Buch nicht mehr zur Seite legen wollte. Natürlich ist auch hier der Inhalt genau nach meinem Geschmack, da wir diese spannende Kombination aus Gegenwart und verschiedenen Vergangenheiten einer Familiengeschichte mit Geheimnissen haben, mit mehreren Erzähl-Perspektiven, historisch spannenden Gegebenheiten und die Frage, wie Traumata über Generationen wirken können. Aber es geht auch darum, wie man hier Heilung erzielen kann und so kann das Buch doch irgendwie positiv enden.

    Die Familiengeschichte, die anhand Old Mo erzählt wird, ist eine, die es so sehr oft in den USA geben dürfte und über die noch immer viel zu wenig gesprochen wird. Wobei ich jetzt sogar für nächste Woche am 8.7.25, einen virtuellen, kostenlosen Vortrag vom DAR Museum in Washington über Die Wilson Potters von der Sklaverei bis zur Rekonstruktion gefunden habe, den ich mir ansehen werde! Perfektes Timing, oder? Ich liebe Bücher, die mich gut unterhalten und mir gleichzeitig die Augen für ein Thema öffnen, über welches ich noch nie wirklich nachgedacht habe.


    Habt ihr dieses oder ein anderes Werk von Charmaine Wilkerson schon gelesen? Wenn ja, seid ihr ähnlich begeistert? Und von welchem Buch habt ihr das letzte Mal etwas Neues gelernt?

    [Lesenswert] ABC-Lesechallenge 2025 – Halbzeit!

    2023 und 2024 habe ich die ABC-Challenge nun erfolgreich gemeistert, also mindestens einen Buchtitel mit jedem Anfangsbuchstaben des Alphabets gelesen. Dabei habe ich bunt deutsche und englische Titel miteinander vermischt und insgesamt auch ziemlich viel gelesen – 2024 wurden es 116 Bücher 🙂 Für dieses Jahr habe ich mir nun vorgenommen, jeweils zwei Bücher pro Anfangsbuchstaben zu lesen, um die Challenge wieder etwas schwieriger zu gestalten! Heute gibt es das Halbzeit-Update und ich bin gespannt, wieviele „Buchstaben“ ich schon gelesen habe und wo ich noch so gar keinen Fortschritt gemacht habe. Die Bücher unten sind jeweils mit Amazon-Partnerlink versehen, falls ihr euch eines genauer ansehen wollt!


    Zwischenstand: 17 von 26 Buchstaben „gelesen“

    After Life – Gayle Forman (klick)

    After that Night – Karin Slaughter (klick)

    Almost American Girl – Robin Ha (klick)

    Ashes of Eden, The – William Shatner (klick)

    Atlas of Forgotten Places – Travis Elborough (klick)

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    Beautiful Ugly – Alice Feeney (klick)

    Beautiful World, where are you – Sally Rooney (klick)

    Binding 13 – Chloe Walsh (klick)

    Black Sheep – Rachel Harison (klick)

    Blue Sisters – Coco Mellors (klick)

    Boyfriend, The – Freida McFadden (klick)

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    Chernobyl The Fall of Atomgrad – Matyas Namai (klick)

    Crash, The – Freida McFadden (klick)

    Creative Act – A Way of Being, The – Rick Rubin (klick)

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    Dare I Say It – Naomi Watts (klick)

    Deep End – Ali Hazelwood (klick)

    Diego ist der Name der Liebe – Barbara Krause (klick)

    Doppelganger – Naomi Klein (klick)

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    Einsame Nacht – Charlotte Link (klick)

    Entdeckung des Hugo Cabret, Die – Brian Selznick (klick)

    Exit Wounds – Rutu Modan (klick)

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    Famous Last Words – Gillian McAllister (klick)

    Favourites, The – Layne Fargo (klick)

    Fish swimming in dappled Sunlight – Riku Onda (klick)

    Friends, Lovers and the Big Terrible Thing – Matthew Perry (klick)

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    Geschichte machen – Stephen Fry (klick)

    Gender Queer – Maia Kobabe (klick)

    God of the Woods, The – Liz Moore (klick)

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    Herscht 07769 – László Krasznahorkai (klick)

    Hey guten Morgen, wie geht es dir? – Martina Hefter (klick)

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    Icebreaker – Hannah Grace (klick)

    I Love You But I’ve Chosen Darkness – Claire Vaye Waktins (klick)

    In einem Zug – Daniel Glattauer (klick)

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    Kalendermädchen, Das – Sebastian Fitzek (klick)

    Kälteschlaf – Arnaldur Indridason (klick)

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    Leben ist eines der Härtesten, Das – Giulia Becker (klick)

    Leiden des jungen Werthers, Die – Johann Wolfgang von Goethe (klick)

    letzte Party, Die – Clare Mackintosh (klick)

    Livid – Patricia Cornwell (klick)

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    neuen Leiden des jungen W., Die – Ulrich Plenzdorf (klick)

    Nora goes off Script – Annabel Monaghan (klick)

    norwegische Gast, Der – Anne Holt (klick)

    Not in Love – Ali Hazelwood (klick)

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    Onyx Storm – Rebecca Yarros (klick)

    Ostseenebel – Eva Almstädt (klick)

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    Pebble in the Sky – Isaac Asimov (klick)

    Perfect Day to be alone, A – Nanae Aoyama (klick)

    Property, The – Rutu Modan (klick)

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    Reichskanzlerplatz – Nora Bossong (klick)

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    Say You’ll Remember Me – Abby Jimenez (klick)

    Schmerzenskinder – Waris Dirie (klick)

    Schneebraut – Ragnar Jónasson (klick)

    Safekeep, The – Yael van der Wouden (klick)

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    Talent for Murder, A – Peter Swanson (klick)

    They called us Enemy – George Takei (klick)

    Three Lives of Cate Kay, The – Kate Fagan (klick)

    Tim – The Official Biography of Avicii – Mans Mosesson (klick)

    Timeline – Michael Crichton (klick)

    Tom Lake – Ann Patchett (klick)

    Tunnel – Rutu Modan (klick)

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    unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry, Die – Rachel Joyce (klick)

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    V

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    Wahrheit aus meiner Sicht, Die – Moutasm Alyounes (klick)

    Waldstein oder der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005 – Moritz von Uslar (klick)

    Wedding People, The – Alison Espach (klick)

    We do not part – Han Kang (klick)

    Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes – Giulia Becker (klick)

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    X

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    Y

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    Zeit im Sommerlicht, Die – Ann-Helén Laestadius (klick)


    Waren es nach den ersten drei Monaten schon 8 Buchstaben und insgesamt 27 Bücher, die ich verschlungen habe, so sind es mittlerweile 17 Buchstaben und 68 Bücher, woohoo! Da ich aktuell noch nicht mit dem „welcher Buchstabe fehlt mir denn noch“-Blick lese, ist es spannend zu sehen, wo sich die Bücher nur so zusammenrotten und wo im Moment noch überhaupt keine Titel stehen.

    Die Genres sind bunt gemischt, ebenso die Aktualität der Bücher – während ich nämlich dank der Bücherei die neuen Werke recht schnell in die Hände bekomme, reduziere ich gleichzeitig meine eigenen Bücherregale und lese endlich auch einmal die Bücher, die ich vor 20 Jahren gekauft und reingestellt, aber nie gelesen habe. Dabei gibt es natürlich immer mal wieder ein Werk, welches nicht so meins ist, aber letzte Woche habe ich mich dann z.b. endlich mal an „Die Leiden des jungen Werthers“, „Die neuen Leiden des jungen W.“ und „Waldstein oder der Tod..“ gesetzt und das war eine tolle Lese-Reise, die ich schon vor Ewigkeiten geplant hatte! Beim Aussortieren werde ich auch besser, so durften sehr viele gelesene Bücher, die „gut, aber nicht mich enorm bewegend“ waren, dann auch in den öffentlichen Bücherschrank gestellt werden, damit andere Freude daran haben.


    Macht auch jemand von euch bei einer Lesechallenge mit? Wenn ja, wie läuft es bei euch und was lest ihr aktuell gerade?

    [Lesenswert] We do not part von Han Kang!

    Nachdem ich The Human Act von Han Kang nur so verschlungen habe, musste ich direkt wieder los und mich an We do not part (Partnerlink) heranwagen. Hierbei handelt es sich erneut um ein so grausam gutes Werk voller poetischer Erinnerungen an ein verdrängtes Kapitel der koreanischen Geschichte. Aber zunächst einmal geht es um zwei Frauen und einen Vogel, dessen Leben gerettet werden muss!


    Worum geht’s

    Im Zentrum steht Kyungha, eine Schriftstellerin aus Seoul, die nach dem Schreiben über das Massaker von Gwangju selbst in eine Krise stürzt. Als ihre Freundin Inseon nach einem schweren Arbeitsunfall im Krankenhaus liegt, bittet sie Kyungha, um ihren Vogel Ama zu kümmern, der dringend mit Wasser und Futter versorgt werden muss. Die Reise auf die Insel Jeju, Inseons Haus liegt dort sehr abseits von allem, wird zu einer existenziellen Erfahrung: Inmitten eines schweren Schneesturms kämpft Kyungha nicht nur gegen die Naturgewalten, sondern auch gegen die Geister der Vergangenheit. In Inseons Haus begegnet sie Visionen und Erinnerungen, die die Schrecken der Jeju-Massaker lebendig werden lassen.

    Wie ist’s

    Auf enorm eindrucksvolle Weise schafft es Han Kang, persönliche Traumata mit den dunklen Kapiteln der koreanischen Geschichte zu verbinden. Hierbei ist einem als Leser nicht immer klar, was gerade Traum, was Erinnerung und was Wirklichkeit während der Reise durch den Schnee ist und genau das hat mich sehr gefesselt. Direkt nach dem Lesen wollte ich das Buch am liebsten noch einmal lesen, musste es aber leider zurück zur Bücherei bringen, da die Nachfrage einfach zu groß ist. We do not part thematisiert die Jeju-Massaker von 1948 – ein lange verschwiegenes und nur langsam aufgearbeitetes Verbrechen, bei dem bis zu 30.000 Zivilisten getötet wurden, Familien ausgelöscht und Menschen ohne jegliche Spuren bis heute verschwunden sind.

    Han Kang schreibt sehr poetisch, die Sprache ist symbolreich und erinnert an einen Traum, wodurch für den Leser die Grenzen zwischen Realität und Erinnerung verschwimmen. Schnee bzw Schneeflocken werden hier zu einem immer wiederkehrenden Motiv – er bedeckt, konserviert und enthüllt zugleich. Die Erzählung springt zwischen Zeitebenen und Perspektiven, wodurch ein vielschichtiges Bild von persönlichen und kollektiven Traumata und Erinnerung entsteht, welches in einem nachhallt und dieses Plädoyer für das Sichtbarmachen verdrängter Geschichte so eindringlich macht. Man kann sich gar nicht dagegen wehren, an die dunklen, verdrängten Kapitel in der (eigenen) Geschichte zu denken und wird motiviert, hier Aufklärungsarbeit zu leisten, damit nicht vergessen wird. Ein sehr bewegendes, tiefgründiges, mitreißendes und trotzdem poetisches Buch, welches ich jedem nur empfehlen kann!


    Auch das zweite Werk von Han Kang hat mich umgehauen, was bedeutet, dass ich noch mehr von ihr lesen werde und hoffe, dass es noch etwas in der Bibliothek vor Ort gibt. We do not part werde ich definitiv noch ein zweites Mal lesen, um zu schauen, wie es sich dann anfühlt!

    [Lesenswert] Dare I Say It von Naomi Watts!

    Es ist immer wieder überraschend, was man auch als mittlerweile erwachsener, so „im Leben stehender“ Mensch nicht weiß. Seit ein paar Monaten fühle ich mich immer mal wieder seltsam, nicht so wie ich halt und was macht man dann – genau, man sucht im Internet nach Antworten 😉 Irgendwann stieß ich dann auf das schicke, mir bis dato unbekannte Wort Perimenopause und hui, wieso habe ich da denn echt noch nie von gehört und wieso hat mir weder meine Hausärztin noch meine Gynäkologin, denen ich beiden natürlich meine für mich unverbundenen, diffusen Symptome schilderte, diesen netten Begriff mal nähergebracht.

    Menopause ist etwas, was auch ich ignoranterweise eher mit Frauen Ende 40, Mitte 50 verbunden habe, nicht aber mit mir bzw meinem gerade erst vor wenigen Wochen in die 40 gestarteten Körper. Tzja, Überraschung, vor der Menopause kommt die Perimenopause und das gerne auch schon Mitte/Ende 30. Frau sein hält echt immer noch neue Überraschungen für mich parat und das mit den verrücktesten Symptomen. Auf jeden Fall wollte ich dann mehr über diesen Lebensabschnitt erfahren und was man da so selbst alles machen kann, um die Situation zu verbessern. Langer Rede, kurzer Sinn: die vor allem als Schauspielerin bekannte Naomi Watts hat genau zu diesem Thema ein Buch mit dem Titel Dare I Say It: Everything I Wish I’d Known About Menopause (Amazon-Partnerlink) herausgebracht und ich es mir direkt in der Bücherei ausgeliehen!


    Man bekommt hier eine sehr persönliche Einführung in das Thema (Peri-)Menopause mit all den körperlichen und seelischen Veränderungen, die auftreten können. Dabei schreibt Naomi Watts eher wie eine gute Freundin, die auf ehrliche Weise versucht, durch Witz schlimme Momente aufzulockern, einem Mut zu machen und gleichzeitig viele Informationen zu geben. Während man ein paar Symptome vielleicht schon kennt, habe ich hier noch viele neue Dinge erfahren, was alles passieren kann und worauf man präventiv achten kann, z.b. was die Ernährung anbelangt.

    Unterhaltsam, manchmal zum Schmunzeln und gleichzeitig wahnsinnig informativ, mit gut belegten Quellen, Studien und Experten, die zu Wort kommen. Man bekommt einen guten ersten Einblick in die Thematik und viele Quellen an die Hand, um sich intensiver damit zu beschäftigen. Ich habe einige komplett neue Dinge gelernt (mein Gedächtnis kann hierdurch schlechter werden, ernsthaft?) und fühle mich definitiv etwas vorbereiteter für diesen Lebensabschnitt. Gleichzeitig ist da aber natürlich noch Luft nach oben, was die individuelle Situation betrifft und muss selbstverständlich mit einem/mehreren Ärzten abgeklärt werden. Vertrauen in meine aktuellen Ärzte habe ich damit aber auch gleichzeitig verloren, da ich dort nicht das Gefühl hatte, sonderlich ernstgenommen zu werden. Hormontherapie war bzw ist für mich noch immer etwas, wovor ich viel Respekt habe, aber ein bisschen wurde mir hier doch die Hemmung genommen, das anzusprechen und zu schauen, was man da machen kann – vielleicht aber bei neuen Ärzten, da bin ich noch unsicher.

    Ich kann nichts negatives über dieses Buch sagen, persönlich würde ich die Lektüre wahrscheinlich jedem empfehlen, denn leider ist die (Peri-)Menopause noch immer ein Tabuthema, was dringend geändert gehört. Das ist weder peinlich, „zum Schämen“ noch sonst irgendwie negativ, sondern die ganz natürliche Entwicklung in unserem Leben (und doch auch erst einmal überhaupt ein Privileg, dieses Alter erleben zu dürfen) und verdient, zu einem Alltagsthema zu werden, über das man sich offen austauschen kann. Eben auch, um zu verstehen (hallo Partner!), was in der anderen Person vorgeht und wie man ihr vielleicht helfen kann. Zu wissen, wie andere mit der Situation umgehen, was ihnen vielleicht hilft, sei es ein Produkt für die Haut, ein Nahrungsergänzungsmittel, eine Hormoncreme oder ein bestimmter Tee zum Einschlafen – all diese Dinge können mit Schwarmwissen und Austausch bestimmt vielen Menschen helfen. Plus fühlt man sich damit nicht mehr so alleine und (ja, ich wiederhole es nochmal) nicht unbedingt ärztlich ernstgenommen.


    Ich weiß, dass es ein ähnliches Buch schon auf Deutsch gibt, welches ich auch unbedingt lesen mag. Inwieweit es in Woman on Fire: Alles über die fabelhaften Wechseljahre von Dr. med. Sheila de Liz (Partnerlink) auch um die Perimenopause geht, weiß ich (noch) nicht oder ob sich diese beiden Bücher inhaltlich sehr überschneiden, aber ich bin mir sicher, dass ich auch bei dieser Lektüre noch etwas lernen werde. Alleine, dass das Thema dadurch mehr in die Öffentlichkeit gelangt, ist schon großartig und ja, das unterstütze ich dann auch gerne mit einem Buchkauf (oder verschenke das Buch).


    Mich würde jetzt natürlich interessieren, ob ihr den Begriff Perimenopause schon kanntet und vielleicht schon eines dieser beiden Bücher gelesen habt?

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