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[Reisen] Roadtrip durch New South Wales (Australien)

Nach langen neun Wochen in Canberra, die zwar dank toller Gesellschaft und spannenden Aktivitäten gut auszuhalten waren, ging es endlich mit dem Auto los. Ohne funktioniert in Australien nämlich kaum etwas und somit fühlte ich mich etwas „gefangen“ und immer auf andere angewiesen. Wir haben uns einen Toyota Tarago (bei Lucky Rentals ein sogenannter Lucky Rookie) gemietet, welcher perfekt für zwei Leute und eben mehr Auto und weniger Schlachtschiff ist. Ließ sich gut fahren, auch wenn ich zu Beginn erst mal ein paar Linksverkehrprobleme hatte und mein Begleiter ein paar kleine Todeserfahrungen (ok, nicht wirklich, aber so reagierte er).

Dieser Camper war mit Abstand die billigste Möglichkeit, die wir finden konnten und im Grunde perfekt für uns. Ich werde nicht von Lucky Rentals bezahlt, ich fand das schon ziemlich angeschrammte, angerostete Auto aber einfach super, da man nicht ganz so aufpassen musste, wenn es eben noch einen Kratzer bekam und es mich an meinen eigenen Van erinnerte, mit dem ich durch Kanada gefahren bin. Wir bezahlten für 10 Tage um die $300 und hatten nur die Standardversicherung (und zum Glück auch keinen Unfall). Drinnen hatten wir Sitzbänke (mit Stauraum für das dazugehörige Geschirr etc), die man zu einem bequemen Bett umfunktionieren konnte, Waschbecken und Campinggrill und insgesamt waren wir beide super zufrieden mit dem Auto. Der Benzinverbrauch hielt sich zum Glück auch in Grenzen und dank AUX-Kabel hatten wir auch immer gute Musik (Radioempfang ist nämlich in Australien auch eher Glückssache).

Gestartet sind wir mit dem groben Ziel „Jervis Bay“ von Canberra aus und fuhren statt Highway eine kleinere Straße durch unberührte Natur und kleinen Städtchen, die alle irgendwie nach Filmkulisse aussahen und kaum Bewohner hatten. Die Idee nach einem Kaffee für die Strecke mussten wir dann auch schnell aufgeben. Wenn man in Australien Auto fährt, sieht man übrigens ständig tote Kängurus und Wombats neben der Straße liegen, was mir a) das Herz brach und b) Angst machte, dass ich auch eines der vielen Tierchen treffen könnte. Sie hüpfen aber auch gerne neben der Straße herum und besonders abends musste ich gut aufpassen und sehr langsam fahren. Passiert ist uns aber nichts und das hat mich doch sehr froh gemacht – muss man eben nur bei seiner Streckenplanung mit einbeziehen, dass es dann eben etwas länger dauert.

Unser erster Stop war dann die Stadt Nowra, wo wir unterwegs noch Rast an einem Wasserfall machen, der allerdings dank der langen Dürre nicht mehr allzu imposant war. In Nowra selbst kauften wir erst einmal diverse Lebensmittel ein, da wir die nächsten Tage eigentlich nicht in der Zivilisation sein wollten und machten uns dann auf Richtung Meer. Hier gibt es diverse Parkplätze mit Toiletten und Picknicktischen und da es erlaubt ist, in NSW im Auto zu schlafen, haben wir das dann dort auch umsonst getan. Die Plätze sind meist etwas versteckt, man trifft selten einen anderen Menschen dort und somit hatten wir unsere unberührte Natur. Dass man innerhalb von 2 Minuten ans Meer gelaufen ist und somit Meeresrauschen beim Einschlafen hört, ist natürlich auch nicht zu verachten. Wir verbrachten die ersten zwei Tage um Currarong, wo wir zur Honeymoon Bay und zum Leuchtturm (die Outer Tubs sind ein Traum) fuhren und dort ein wenig herumwanderten. Im Abrahams Bosom Reserve wanderten wir eine tolle Strecke entlang an verschiedenen Stränden, über Klippen, an denen noch ein Schiffswrack zu sehen war und dann quer durch meterhohes Gras, vorbei an vielen „Bottle Brush Trees“ und wunderschöne Blumen. 

Die Strände an der Ostküste sind allesamt traumhaft schön, oft sehr unberührt und wenig bis gar nicht besucht. Meist hatten wir sie für uns alleine und konnten den morgendlichen Kaffee gleich doppelt genießen! Gefunden haben wir unsere Übernachtungsmöglichkeiten einfach per App (also googlemaps bzw maps.me) und das hat super geklappt. Nur einmal mussten wir – da wir nachts einfach nichts fanden und irgendwann keine Lust mehr hatten – auf einen Campingplatz fahren, was dann aber auch zu verkraften war und wir immerhin heiße Duschen und Billard sowie einen Wasserkocher und Strom dafür geboten bekamen. Auf unserem weiteren Weg ging es zunächst nach Hyams Beach, welcher laut Guinessbuch der Rekorde der „weißeste Strand der Welt“ ist. Er ist auf jeden Fall verdammt weiß, sehr fein, quietscht beim Laufen und auch sonntags noch menschenleer, ich habe es nicht fassen können. Wie üblich hatten wir unsere Decke dabei, machten ein Picknick, liefen entspannt eine Weile durch die Sonne und tauchten die Füße in den immer noch recht kalten Ozean. 

Da wir dann aber für zwei Tage im Booderee-Nationalpark bleiben wollten, haben wir uns dort für $21/Nacht einen Campingplatz sowie den Parkeintritt gekauft und das war absolut genial. Wir hatten auch hier den Campingplatz Greenpatch für uns allein und konnten dort sogar ein richtiges Feuer entfachen. Grillmöglichkeiten gab es dort mehr als genug und halbwegs trockenes Feuerholz auch – BBQ abends, nachdem wir erst den Sonnenuntergang allein am Strand genossen hatten, war also Pflicht. Im Park selbst braucht man dann aber doch das Auto, um zu den unterschiedlichen Wanderungen zu kommen.

Dank gutem Infomaterial (gibt es am Eingang) hatten wir genug Wanderungen (besonders schön ist Cave Beach, am Leuchtturm und die lange Wanderung, wo man Bowen Island gut sieht, wenn auch die Pinguine nicht erkennbar waren) zur Auswahl und haben sowohl die längeren Trips wie auch die kurzen Spaziergänge gemacht. Wale sahen wir leider nicht mehr, wir waren ein paar Tage zu spät, aber dafür gab es Delfine und Kängurus in Massen. Und die Opossums, die einem abends versucht haben, das Essen vom Picknicktisch zu stehlen (und unser Brot erfolgreich erbeuteten), gab es auch dazu. Wunderschöne grüne und rote Papageien sowie andere Vögel sah man auch ständig und keines der Tiere war sonderlich scheu. Auch der Botanische Garten im Park ist sehenswert und wir verbrachten bestimmt zwei Stunden dort, bevor wir uns schweren Herzens schließlich wieder zurück in die reale Welt wagten.

Wir wären gerne noch länger geblieben, hatten aber leider doch einen recht engen Zeitplan und mussten uns in Richtung Süden aufmachen. Wir fuhren also zunächst bis nach Batemans Bay, wollten dort aber dann doch nicht bleiben und stiegen erneut ins Auto und erst in Mystery Bay (noch hinter Narooma) wieder aus. Dort hatten wir einen traumhaft tollen, kostenlosen Parkplatz wieder direkt am Meer, aber auf steilen Klippen mit einem Vollmond, der unbeschreiblich schön war. Von hier aus erkundeten wir vormittags Narooma, aber mehr als Kaffee wollten wir dann doch nicht und machten uns auf in den Eurobodalla Nationalpark. Hier gibt es wieder zig Wanderungen in der Umgebung, wir entschieden uns für einen Rundweg quer durch den Regenwald, vorbei an einem riesigen See und die Landschaft war wirklich komplett anders als die, welche wir die letzten Tage hatten. Aber keine 10km später gab es wieder die traumhaft schönen Strände, die wir mittlerweile „fast“ über hatten. Ok, nicht wirklich, es ist immer noch schmerzlich-schön, wir wollten nur etwas anderes sehen.

Wohl mit mein Highlight war Guerilla Bay, welche wahnsinnig spannende Felsformationen hat, auf die wir dann auch geklettert und den Sonnenuntergang angesehen haben. Diese Steine sahen aus wie ein Drachen, waren sehr alt und so unterschiedlich, so etwas habe ich noch nicht gesehen! Wir fuhren schließlich doch hoch bis nach Batemans Bay, wo wir überraschend gut thailändisch zu Abend gegessen haben und uns dann noch ein paar Lebensmittel einkauften. Übernachten wollten wir im Deua Nationalpark, genauer gesagt auf dem Berlang Campingplatz.

Auch hier waren wir wieder mal alleine und am nächsten Morgen machten wir uns früh zu unserer Wanderung auf, die erst durch einen verdammt kalten Fluss führte, dann vorbei an einem riesigen Loch, dem „The Big Hole“ und schließlich in eine Schlucht, in welcher wir viel Marmor sahen, den „Marble Arch„. Diese Wanderung wird unter den Top 10 aufgeführt und sie ist wirklich sehr spannend und mit knapp 16 Kilometern auch gut machbar. Es gibt viel zu sehen, die Landschaft wechselt zwischendurch und wir haben einen Wombat gesehen. Was mein Ziel für Australien war und am letzten Natur-Tag klappte es dann doch noch. Wir verbrachten den Vormittag mit Wandern und Erkunden, machten dann Klarschiff und fuhren zurück nach Canberra, wo wir noch ein paar Dinge zu erledigen hatten, bevor es nach leckerem Pho (bei IPHO natürlich) zur letzten Nacht nach Sydney ging.

Solltet ihr euch überlegen, diese Gegend zu erkunden, ich kann es euch nur wärmstens empfehlen, wir hatten eine grandiose Zeit und die Natur ist einfach unbeschreiblich schön. Je nach Gusto kann man kurze und lange Wanderungen unternehmen, einfach nur am Strand relaxen oder sich die kleinen Städtchen ansehen, wir wollten der Zivilisation möglichst entfliehen, was uns auch gut gelungen ist.

Ich würde definitiv erneut einen Roadtrip in der Ecke, besonders in Jervis Bay, unternehmen, sollte ich wieder dort sein – wobei, wenn wieder Australien, dann muss es das nächste Mal nach Alice Springs gehen (hätten wir eine Woche mehr Zeit gehabt, das wäre unser Traumziel gewesen). Seid ihr schon einmal in Australien gewesen oder plant einen Urlaub? 🙂

[Reisen] Ab in’s Outback! Tidbinbilla Nature Reserve zur Einstimmung!

Juhu, unser Roadtrip hat begonnen (und ich fluggs mal etwas vorgebloggt, denn ich habe keine Ahnung, wann wir wieder Wifi haben werden). Da wir ziemlich planlos drauflos fahren und als Ziel nur „Meer“ sowie „Outback“ im Kopf haben, kann ich gar nicht viel vorher sagen – der Blogpost wird nach dem hoffentlich tollen Abenteuer aber kommen. Stattdessen gibt es mal ein paar Worte über das Tidbinbilla Nature Reserve, welches gar nicht weit von Canberra entfernt liegt, aber ohne Auto eben doch bisher unerreichbar war. Das Reserve war das erste hier in Australien, wo wir Eintritt bezahlen mussten und es auch ein offizielles Visitor Center mit Ansprechpartner gab. Wir konnten leider erst nachmittags los und da um 17.00h die Sonne aktuell schon wieder untergeht, hatten wir also nur wenige Stunden Zeit. Diese haben wir genutzt, um uns den Eucalyptus Forest inklusive Koalas sowie das Sanctuary anzusehen, ein wenig durch die Gegend zu wandern, die Ruhe und den leckeren Waldgeruch zu genießen, sowie in Körperkontakt mit diversen Kängurus zu treten, die so überhaupt nicht scheu, sondern sehr an meinem iPhone interessiert waren.

Das Reserve ist sehr groß und bietet von 15minütigen Wegen bis hin zu 8-Stunden-Wanderungen alles, was man sich nur wünschen kann. Es liegt inmitten grüner Hügel, geht ganz gut rauf und runter, belohnt einen dann aber auch mit schönen Aussichten. Typisch amerikanisch kann man auch hier alles mit dem Auto erkunden. Wir waren unter der Woche da und hatten das gesamte Gelände ziemlich für uns alleine, was natürlich klasse war. Der einmalige Eintritt pro Auto kostet 12$, was jetzt auch nicht die Welt war und der Kaffee im Visitor Center war auch ganz lecker. Wir haben jetzt weder Schlangen noch Schnabeltiere oder Wombats (bis auf einen Überfahrenen :/ ) gesehen, aber dafür Koalas in semi-freier Wildbahn, die sich von uns nicht im Geringsten beim Futtern stören ließen. Allein ihnen beim Blätterrupfen zuzusehen, war schon ein meditativer Akt. Dank der vielen Seen sieht man viele Vögel, hier kommen Liebhaber bestimmt auf ihre Kosten und ich sah zwei gigantische Pelikane, bei denen ich froh war, dass sie brav auf der anderen Seeseite blieben. Irgendwie hatte ich diese Tiere etwas kleiner in Erinnerung – oder erfolgreich verdrängt.

Ich würde jetzt nicht sagen, dass man es unbedingt gesehen haben muss, aber wenn man schon mal in Canberra ist, sollte man Tidbinbilla mitnehmen und einfach ein paar Stunden in der Natur entspannen und ein paar Wege erwandern oder einfach mit den Kängurus in der Sonne sitzen. Der Weg dorthin ist ebenfalls landschaftlich sehr schön, es liegen viele große Felsen verstreut in der Gegend rum und wir haben noch an einer ehemaligen Satellitenstation gehalten, die aussah, als würde von hier aus gleich die nächste russische Mondmission starten. Zumindest hatte ich diesen Gedanken, als die Gebäude komplett unerwartet für mich plötzlich in der Landschaft auftauchten. Jetzt kann ich es aber gar nicht mehr erwarten, die ungezäunte australische Natur zu erleben und auch wenn wir es nicht bis Alice Springs schaffen, ich will ins Inland und zwar sofort 🙂

Falls wer einen Tipp hat, was wir zwischen Melbourne, Brisbane und irgendwo dazwischen ansehen sollen, nur her damit!

[Reisen] Australien-Halbzeit!

Da ich nun schon seit fünf Wochen unterwegs bin und in etwa einem Monat Australien wieder verlassen werde, dachte ich mir, ich erzähle euch mal ein wenig von meinen Eindrücken. Es ist ja schon mein zweiter Aufenthalt dieses Jahr in Down Under und auch wie schon beim ersten Mal bin ich bisher primär in Canberra, da ich dort bei Freunden wohnen kann.

Angekommen bin ich in Sydney und habe mir die Stadt erstmal zwei Tage angesehen. Viele Tipps, wie man möglichst günstig durchkommt und was ich als sehr sehenswert empfand, habe ich euch schon in diesem Blogbeitrag erzählt. Insgesamt kann ich sagen, dass mir die Stadt gut gefallen hat, ich jetzt nicht unbedingt wieder hinmüsste, sie mir aber wohl vor meinem Abflug noch einmal für einen Tag ansehen werde.

Mein Alltag spielt sich also größtenteils in Australiens Hauptstadt ab, die so gut wie gar keine Touristen hat. Hier lebt man, um zu arbeiten und am Wochenende verschwinden die meisten in Richtung Natur oder eben in die Küstenstädte. Nach Sydney sind es nur 3,5 Stunden mit dem Bus, nach Melbourne sind es circa 8 und das pendeln viele gerne am Wochenende, um etwas mehr Abwechslung zu haben. Denn – auch wenn man es nicht sagen mag – Canberra kann auf Dauer doch etwas langweilig werden 😉

Aber bleiben wir mal positiv, denn die Stadt hat auch einiges zu bieten und selbst, wenn einem gar nichts mehr einfällt, gibt es noch genug Natur mit wilden Kängurus drumherum, die man erwandern kann. Außer wenn es richtig regnet, bin ich täglich mindestens eine Stunde in der Wildnis unterwegs, höre beim Laufen spannende Podcasts oder mache eine Pause und lese etwas. Entspannend ist Canberra nämlich sehr und wenn man nicht in die „richtige“ Natur mag, gibt es unzählige Parks und Seen, an denen man sich mit Freunden treffen kann. Auch der ANU-Campus lädt hier zum Verweilen ein.

Kulturell hat Canberra ein paar Museen zu bieten, die fast alle umsonst sind, was ich natürlich schon einmal großartig finde. Denn oftmals gibt es doch so viel zu sehen, dass ein paar Stunden gar nicht ausreichen und man erneut hingehen mag. Die Öffnungszeiten sind für meinen Lebensrhythmus etwas ungünstig, da alles schon um 17.00h bzw um 16.00h am Wochenende schließt und ich den Vormittag meist zum Schreiben nutze. Besonders sehenswert finde ich das National Museum of Australia, das Canberra Museum (mit seinen wechselnden Ausstellungen) und die National Gallery of Australia. Ob ihr euch für die Geschichte Australiens interessiert, für Aborigines oder für Kunst, so ziemlich jeder Geschmack dürfte hier getroffen werden. Praktisch ist, dass alle Museen nicht weit voneinander entfernt liegen, man kann sie sich also erlaufen. Ebenfalls noch nennen mag ich die National Portrait Gallery, die National Library und den Canberra Contemporary Art Space, welche definitiv alle einen Besuch wert sind, wenn man etwas mehr Zeit hat.

Für politisch interessierte Besucher wird das Parliament spannend sein, welches man ebenfalls besichtigen kann sowie der High Court, der auch öffentlich zugänglich ist. Wenn ihr mehr wie ich seid, findet ihr die Tent City vor dem Parliament spannender, wo Aborigines gegen diverse Verbrechen der Regierung demonstrieren und davon gibt es viel zu viele. Für mich war es wahnsinnig lehrreich, mit den Aktivisten vor Ort zu quatschen und zu lernen, was in diesem Land alles schiefläuft – manchmal scheint es, dass Menschen eben doch nichts aus der Geschichte lernen.

Insgesamt kann man sich also locker zwei Tage damit beschäftigen, die verschiedenen Museen der Stadt zu besuchen. Noch erwähnen muss ich fairerweise das Australian War Museum, welches ich ziemlich verstörend fand. Man glaubt gar nicht, in wie vielen Kriegen Australien mitgemischt hat, ich war total überrascht. Das Museum ist riesig, ich lief nur durch und brauchte dafür über eine Stunde. Ich warne euch vor, hier geht es enorm patriotisch zu und es ist definitiv mal eine Erfahrung der anderen Art, nur wirklich empfehlen kann ich diese nicht. Wenden wir uns also lieber der Natur zu, die wunderbar glücklichmachend ist. Der australische Himmel ist einmalig und jeder Sonnenuntergang ein kleines Spektakel, welches ich jeden Tag auf’s Neue wertzuschätzen weiß.

Wir wohnen in North Canberra und da der öffentliche Nahverkehr hier eher noch in der Planungsphase ist und ich nicht immer ewig mit dem Rad fahren mag (es geht hier gut auf und ab), wandere ich besonders gerne durch das O’Connor Ridge Nature Reserve, das Bruce Ridge Nature Reserve und das Black Mountain Nature Reserve. Letzteres schließt an den Botanischen Garten an, den ich euch auch nur ans Herz legen kann, da er so viele unterschiedliche endogame Bäume und Pflanzen zeigt, die man vorher noch nie gesehen hat. Bin ich etwas motivierter, radele ich zu Mount Majura und Mount Ainslie herüber, wo soooooo viele Kängurus wohnen, dass man gar nicht keine sehen kann. Sie sind auch nicht sonderlich scheu, schauen einen nur skeptisch an und so lange man genug Abstand hält, hüpfen sie auch nicht weg. Wer mag, kann die Berge natürlich erklimmen und eine schöne Aussicht über die Stadt und die Bergketten im Hintergrund bekommen – machen wir auch ab und zu, wenn wir besonders viel laufen wollen. Etwas weiter entfernt ist das National Arboretum, wo Baumliebhaber ganz auf ihre Kosten kommen und ich mag die kurzen Wanderwege dort sehr gerne, da sie einiges an Abwechslung bieten. Ohne Auto, welches aber demnächst gemietet wird, kommt man leider nicht zum Tidbinbilla Nature Reserve, wo wir die Elsies und Gibraltar Wasserfälle ansehen wollen.

Downtown Canberra hat einiges an Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten zu bieten und auch hier kann man sich einige Zeit beschäftigen. Mir gefiel besonders gut der Secondhand-Laden „The Green Shed“, wo man sich durch so viele tolle Sachen wühlen kann und ich weine der Imperal-Schreibmaschine doch etwas hinterher – aber die kann ich unmöglich mit ins Flugzeug nehmen. wie schon oft erwähnt, Australien ist nicht günstig und Essengehen ist hier definitiv für uns nicht oft drin. Stattdessen gibt es dann eben einen leckeren Kaffee und dann einfach etwas aus dem Supermarkt – wer Heimweh hat, im Canberra Centre gibt es sogar einen Aldi 😉 Bisher waren wir wenn indisches oder vietnamesisch essen, was definitiv lecker war, aber wir kochen dann doch lieber selbst und mieten für das gesparte Geld ein Auto 😉

Zum Weggehen ist es hier etwas mau (und ebenfalls wieder richtig teuer), es gibt Downtown ein paar Pubs, aber wenn man nicht trinkt, ist das nur bedingt spannend. Mein gewohntes Berliner Weggehen mit die Nacht durchtanzen ist hier unmöglich, da alles verdamm früh endet und zumacht. Später als 1 Uhr nachts war ich noch nie zuhause und ja, das fühlt sich weiterhin komisch an. Interessanterweise hat die Stadt aber einige enorm gute Musiker zu bieten und so gehen wir meist zu Live-Jazz mittwochs ins Old Canberra Inn, was auch nur ein paar Schritte von hier entfernt liegt. Dort lernt man schnell nette Menschen kennen und kriegt etwas von ihrem Alltag mit. So lernte ich z.b. eine liebe Frau kennen, die handgemachte Seifen auf dem samstäglichen Wochenmarkt verkauft und schwupps durfte ich zusehen und lernen, wie man das macht (denn ja, das steht auch auf meiner Agenda).

Insgesamt ist Canberra eine Stadt, in der es sich gut arbeiten und lernen lässt, da man sich eben nicht ständig mit zig anderen Dingen ablenken kann. Wir haben hier unseren Rhythmus gefunden, den ich täglich mit Spaziergängen in der Natur und so jeden zweiten Tag mit etwas Kulturellem verbinde und das war es dann auch schon. An der Uni besuche ich einige spannende, denkanregende Vorträge, wo ich auch wieder Menschen kennenlerne, mit denen ich dann etwas unternehme und doch, ich würde sagen, ich habe einen ganz guten Einblick ins Canberraer Leben bekommen. Dass wir kein Auto haben, ist in dieser Stadt leider echt ungünstig, da man sie nur bedingt erlaufen bzw mit dem Rad erkunden kann, aber wie gesagt, das wird sich noch ändern. Solltet ihr also herkommen, bedenkt das – und wenn ihr weitere Fragen habt, nur her damit!

Seid ihr zufällig schon einmal hier gewesen oder plant einen Aufenthalt? Wir sind gerade am Planen, wo wir Anfang August für um die zehn Tage hinfahren, denn ich muss doch noch ein wenig mehr von diesem Kontinent sehen. Wenn ihr Empfehlungen habt, besonders gerne im Bereich „spektakuläre Natur“ und „Wombat-Sichtung“ würde ich mich sehr freuen!

[Reisen] Oh, was ist es hier teuer – Australien #1

Dass es ein finanzieller Schock werden würde, von Indien direkt nach Australien zu fliegen, war mir zwar irgendwie bewusst, dass es jedoch so ein krasser preislicher Unterschied sein würde, habe ich nicht erwartet. Die erste Cola, die ich mir in Perth am Flughafen kaufte, hat mich gleich mal $5 (3,70€) gekostet und mir ziemlich gut gezeigt, was mich im Weiteren erwarten wird. Zwar muss ich noch keinen Kleinkredit aufnehmen, da ich zum Glück in Canberra bei meinem Freund wohnen kann, aber mein typischer, billiger Backpacker-Urlaub ist das hier nicht.

Seit etwas über einer Woche bin ich nun schon in Canberra und habe einige Dinge entdeckt, die man hier kostenlos unternehmen kann. Canberra ist nicht nur die Hauptstadt Australiens, sondern auch die reichste Stadt des Landes und das merkt man echt an jeder Ecke. Heute war ich z.b. bei einem öffentlichen Vortrag an der Uni und ach, von der Ausstattung dieses banalen Saales können wir in Heidelberg echt nur träumen. Klar, die „normalen“ Studenten müssen hier enorm viel Studiengebühren bezahlen (ich wollte selbst nach Adelaide und konnte es mir damals einfach nicht leisten), aber zu den öffentlichen Talks kann jeder gehen, man muss nur googlen, was gerade stattfindet. Aber auch über den Campus der ANU zu spazieren, kann ich empfehlen, da er wunderbar grün ist und viele interessante Gebäude zu bieten hat. Plus ist man vielleicht auch neugierig, wie sich das australische Studentenleben so anfühlt.

Für mich absolut atemberaubend ist die einmalige Landschaft Australiens. Hier gibt es so viele Pflanzen und Bäume, die ich noch nie im Leben gesehen habe und ich bin ständig am Stehenbleiben und Staunen. Parks gibt es viele in der Stadt bzw am Rand oder man macht sich auf, einen der nahen Berge zu erklimmen. Mir gefällt es besonders gut am West Lake (tolle Sonnenuntergänge), im National Rockgarden und National Arboretum sowie im Bruce Ridge Nature Reserve. Alles gut mit dem Rad oder zu Fuß zu erreichen und man hat nicht mehr das Gefühl, in der Stadt zu sein.

Die tierischen Bewohner muss ich natürlich auch erwähnen, ihr glaubt nicht, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich meine ersten wilden Kängurus (vor einer unkrainischen Kirche statt in einem der Parks) gesehen habe. Sie schauen einen zwar skeptisch an, richten sich auf und schütteln den Kopf, wenn an sich ihnen nähert, aber weghüpfen tun sie nicht und so kann man sie in aller Ruhe beim Fressen beobachten. Die Kakadus hatte ich gar nicht erwartet, ihre lauten Schreie hört man aber überall und ich mag sie sehr! Viele weiße Papageien, schwarze Schwäne, kleine Hasen und diverse bunte Papageien (die Vogelwelt hier ist gigantisch) sieht man auch an jeder Ecke. Mit anderen Bewohnern a la Spinnen, Ameisen und Schlangen habe ich auch schon Bekanntschaft gemacht, das müsste ich aber nicht unbedingt wieder. Da wünsche ich mir doch stattdessen einen Wombat!

Das National Museum ist – genau wie die anderen hier aufgeführten Museen – kostenlos zu besuchen und definitiv sehenswert. Mich hat erst einmal das Gebäude an sich gekriegt, sehr spannende, organische Architektur und dann natürlich die Abteilung über die indigene Bevölkerung Australiens und der Torres Strait Inseln. Ich war jetzt schon zweimal dort und werde bestimmt noch ein weiteres Mal hingehen, da ich noch immer nicht alles richtig gesehen habe (die Aborigines-Kunst ist so grossartig!) und auch die Umgebung am See sehr mag.

Die National Portrait Gallery (erstes Bild) ist für einen kurzen Besuch gut geeignet, sie befindet sich im Regierungsviertel, wo man sich dann auch noch die National Gallery of Art (die weiteren Bilder) und das Parliament ansehen kann. Persönlich finde ich Portraits sehr spannend und fand die sehr unterschiedlichen Interpretationen sehenswert – besonders beeindruckt hat mich allerdings die momentane Ausstellung von digitalen Portraits, also Filmen mit ein wenig Sound, aber ohne Sprache.

In der NGA dann war ich einfach nur noch überfordert, an jeder Ecke fand ich einen bekannten Künstler (hier wurde mir wieder bewusst, wie reich Canberra ist) und ach, mit Monet, Jackson Pollock, Andy Warhol, Anselm Kiefer (Twilight ist eines meiner liebsten Bilder überhaupt) und Henry Matisse war ich irgendwann überfordert. Dass es dann auch noch eine große Abteilung mit indigener und hier besonders spannend contemporary art gibt, war für mich wie der 6er im Lotto. Ich war einige Stunden dort, aber auch hier muss ich erneut hin! Dass diese Museen umsonst sind, finde ich richtig, da sich so jeder etwas Kunst und Kultur gönnen kann und das sollte auch in Deutschland (zumindest an einem Tag der Woche oder so) sein.

Jetzt werde ich noch ein wenig mein Vorstadtleben hier in Lynham (wir haben nicht die schlechteste Aussicht) genießen, bevor wir noch ein wenig Australien erkunden werden. Unser „Campen am Strand“-Wochenendplan wurde leider dadurch verhindert, dass man hier nicht wild zelten darf und alles schon ausgebucht war, bei aktuellen 34 Grad und Sonnenschein aber keine Überraschung. Somit werden wir wohl einen der Berge hier besteigen und hoffentlich noch viele weitere Kängurus sehen.

Besonders schön ist in Australien, ich muss es erwähnen, aber auch der Himmel. Tagsüber meist knallblau, zaubert er gigantische Sonnenuntergänge und nachts erschlagen einen die Sterne sogar hier in der Stadt. Auch wenn mich hier vieles an Kanada und die USA erinnert, die Natur holt sich die Stadt hier doch noch etwas zurück und das gefällt mir sehr gut. Nicht gut genug, um hier leben zu wollen, aber doch so sehr, dass ich sagen würde, solltet ihr an Canberra vorbeikommen, schaut euch die Stadt 2-3 Tage an (mit dem Bus kann man für unter 30€ von Sydney aus in 3,5 Stunden hinfahren).

Seid ihr schon in Australien und vielleicht sogar Canberra gewesen und könnt mir etwas empfehlen? Oder steht eure Reise noch bevor? Für Tipps, was man in Sydney gemacht haben muss, bisher habe ich nur ganz klassisch das Opernhaus und Bondi Beach auf dem Plan.