Juhu, da habe ich doch tatsĂ€chlich Der Spieler von Fjodor Dostojewski in meinem Hostel auf Tioman gefunden 🙂 Seit Ewigkeiten will ich das Buch schon lesen, Dostojekwsi ist einer meiner Lieblingsautoren, doch bisher hatte ich noch nie GlĂŒck, dieses Buch in einem öffentlichen BĂŒcherschrank zu finden. Zwar sind Strand und Sonne nicht unbedingt die passende Kulisse fĂŒr diesen kurzen Roman, aber hey, da musste ich eben durch..und mit Ice Tea geht das auch!

Worum geht’s Der Titel verrĂ€t es schon, die Hauptfigur unseres Romans ist dem GlĂŒcksspiel verfallen, genauer gesagt dem Roulette. Als angestellter Hauslehrer eines verschuldeten Generals kommt der Russe Alexsej Iwanowitsch in den Kurort Roulettenburg (Deutschland), wo er sich nicht nur unglĂŒcklich verliebt, sondern durch das Spielen am Roulette-Tisch immer wieder hoch verschuldet.

Wie ist’s Persönlich lese ich Dostojewski nicht der Geschichte, sondern der AtmosphĂ€re und den einzelnen Charakteren wegen. Es gelingt ihm einfach, jede noch so fĂŒr mich uninteressant klingende Story mit Worten zu malen, die einen fesseln. Spannend an der Geschichte des Spielers ist, dass Dostojewski hier definitiv autobiographisch schreibt, da er selbst sein Leben lang mit dem GlĂŒckspiel bzw der Sucht zu kĂ€mpfen hatte. Die unglĂŒckliche Liebe hat er ebenfalls erlebt und hier verarbeitet. Das Werk ist leicht zu lesen, man taucht schnell in die menschlichen AbgrĂŒnde ein, welche von Geld, Macht und Liebe dominiert werden und beginnt, sich selbst ein wenig in diesen Gedanken zu verlieren.

Dostojewski kann einem sehr gut vermitteln, wie SpielsĂŒchtige denken, wieso sie immer wieder in das Casino zurĂŒckkehren, um noch mehr Geld zu verlieren. Nicht nur der Hauslehrer, auch eine alte Tante ruinieren sich vor Ort, was klarmachen soll, dass es jeden „treffen“ kann. Der Roman zeigt, wie ein Mensch schließlich komplett von der Spielsucht besessen sein kann, sodass ihm alles andere egal zu sein scheint. Keine UrlaubslektĂŒre (ich habe es am Strand liegend versucht), da man hier nicht unbedingt gute Laune bekommt, aber definitiv ein Klassiker, den man einmal in ein paar ruhigen, verregneten Stunden gelesen haben sollte! Achja, Dostojewski soll diesen Roman seiner Frau ĂŒbrigens in nur 26 Tagen diktiert haben, da er die Rechte an ihm schon verpfĂ€ndet hatte, bevor er geschrieben war.

Welches ist euer Lieblingswerk von Dostojewski? So langsam sollte ich alle durch haben, aber das Gute daran ist, dass man sie auch immer wieder lesen kann, da einen die AtmosphĂ€re einfach umhaut. Den Spieler habe ich aber zurĂŒck ins öffentliche BĂŒcherregal gestellt, so kann sich jemand neues daran erfreuen!

1 Comment on [Lesenswert] Der Spieler – Fjodor Dostojewski!

  1. Zitat: „Persönlich lese ich Dostojewski nicht der Geschichte, sondern der AtmosphĂ€re und den einzelnen Charakteren wegen.“
    Wie wunderbar, einmal eine solche Auffassung zu lesen. Ich kann ihr in Teilen vollkommen folgen. Das Problem einem solchen Lesen wird dann aber das Durchhalten bis zum Ende eines Buches.

    Dostojewski hat seiner zukĂŒnftigen Frau es tatsĂ€chlich in dieser kurzen Zeit diktiert. Er hatte sich um nichts gekĂŒmmert, dass er erst durch die Empfehlung seines bekannten Miljukow dazu kam, sich einer Stenografistin zu bedienen – seiner zukĂŒnftigen Frau.

    Als Favorit rangiert bei mir kein Werk, sondern lediglich eine Auskopplung aus den BrĂŒder Karamasow: Der Großinquisitor. Essentieller sollte nur schwerlich zu schreiben sein. Zudem auch nicht Dostojewskis StĂ€rke.

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