Seit dem Jahre 2012 stand das Buch Der Junge, der Träume schenkte von Luca Di Fulvio nun bei mir im Schrank, denn ich bin ehrlich, selbst hätte ich es mir nie gekauft. Aber da es ein Geschenk ist, habe ich mir immer wieder gesagt, dass ich bestimmt „irgendwann einmal Lust darauf haben würde“ und nein, der Zeitpunkt ist nicht eingetreten. Aber ich wollte endlich ein bisschen Platz in meinen Regalen schaffen und ihm somit endlich eine Chance geben. Was soll ich sagen, es ist immer noch nicht mein Interessensgebiet, aber die 780 Seiten ging verdammt schnell rum, denn plötzlich wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und wissen, wie es mit den verschiedenen Charakteren weitergeht!


Im Jahr 1909 kommt die junge Italienerin Cetta gemeinsam mit ihrem Sohn Natale per Schiff nach New York, um dort ihren Traum nach einem besseren Leben wahrwerden zu lassen. Doch statt einem traumhaften Leben in Freiheit voller Möglichkeiten, erwartet die beiden der harte Alltag in der Lower East Side voll von Kriminalität, Elend und Armut. Der junge Natale muss in dieser Welt schnell erwachsen werden und lernen, wie er sich in ihr behaupten kann..und als plötzlich Ruth in sein Leben tritt, verändert sich alles.

Für mich sind Romane in dem 20er Jahre New York Setting nicht so interessant, weswegen ich das Buch auch so lange nicht in die Hand nahm. Aber es war am Ende doch sehr spannend geschrieben, da es in recht kurzen Kapiteln auf verschiedenen Zeitebenen und an verschiedenen Orten (und eben nicht nur in New York) spielte und man so recht schnell involviert war und wissen wollte, wie es mit den einzelnen Personen weitergeht. Natale bzw Christmas (wie er bei der Ankunft in den USA umgetauft wird) ist ein sehr sympathisch beschriebener Charakter, dessen Leben man gerne verfolgt, mit ihm lacht, leidet und auf diese bessere Zukunft hofft, die seine Mutter sich wünscht. Aber auch Ruth, die er zufällig kennenlernt, wächst einem als Leser schnell ans Herz.

Durch die vielen kleinen, gut beschriebenen Details bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, wie das Leben damals in den verschiedenen sozialen Schichten gewesen sein dürfte, wie die Leute ausgesehen und gesprochen haben, und ich mag, dass das Buch authentisch wirkt. Man hat das Gefühl, dass Luca Di Silvio hier viel Zeit mit Hintergrundrecherchen verbracht hat und auch Wortschatz verwendet, der in den damaligen Kreisen wohl genutzt wurde. Beim Lesen hat man einfach viele Bilder im Kopf und kann manchmal quasi mitriechen und schmecken, was die jeweiligen Charaktere gerade erleben. Interessant fand ich die Geschichte rund um das Radio, was damals ja eine tolle Erfindung war!

Es passieren in diesem Buch einige überraschende Dinge, die ich nicht habe kommen sehen, welche einerseits absurd, andererseits aber irgendwie doch glaubwürdig sind und in die Zeit passen. Daran hatte ich meine Freude, doch andererseits gibt es auch sehr viele brutale Schilderungen von roher Gewalt, die ich nicht unbedingt gebraucht hätte. Also manchmal hätte eine Andeutung ohne so viele Details ausgereicht, denn das hat mich teilweise ganz schön verfolgt und somit mir hier keinen reinen epochalen Familien-Wohlfühlroman beschert (sondern eher die harte Realität).


Insgesamt wurde ich gut unterhalten und habe definitiv mal wieder etwas außerhalb meiner Komfortzone gelesen. Die zwei weiteren Bücher des Autoren, deren Titel zumindest ähnlich klingen, muss ich jetzt aber auch nicht unbedingt lesen. Da habe ich einfach noch zu viele mehr meinem Geschmack entsprechenden Bücher auf meinem Lese-Stapel! Habt ihr das Buch zufällig gelesen? Wenn ja, wie hat es euch gefallen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert