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[Lesenswert] At Home in the World – Thich Nhat Hanh

Ich liebe es, in fremden Bücherregalen zu stöbern und mir anhand der dortigen Bücher eine Vorstellung, von der jeweiligen Person zu machen (jupps, ist schon während Dates passiert und mal positiv und mal eher negativ ausgegangen). Als ich nun At Home in the World von Thich Nhat Hanh in Panama bei meinem Housesitting fand, musste ich es mir direkt schnappen. Denn auch wenn ich nicht gerade viel zum Thema Zen-Buddhismus und Mindfulness lese (außer es geht um Gerotranszendenz für meine Forschung), so war mir der Name Thich Nhat Hanh natürlich ein Begriff. Da ich davon überzeugt bin, dass Bücher uns finden und nicht immer nur wir sie, war also der Zeitpunkt bekommen, die Worte von einem der bekanntesten, noch lebenden, Mönchen zu lesen.

Worum geht’s Das Buch ist eine Zusammenstellung vieler, meist autobiographischer, Kurzgeschichten des vietnamesischen Mönches Thich Nhat Hanh, der den Großteil seines Lebens im Exil verbracht hat. Thematisch ist das Werk unterteilt in diese breiten Kategorien: Life in Vietnam, War and Exile, The Blossoming of Plum Village, At Home in the World und I have arrived. Es endet mit einer kurzen Zusammenfassung seines sehr außergewöhnlichen, aber doch irgendwie einfachen Lebens, womit ich allerdings begonnen habe, um mir ein besseres Bild von dem Verfasser machen zu können.

Wie ist’s Ich wusste nicht wirklich, was mich erwarten würde, aber habe mir vorgenommen, jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen 30 Minuten in At Home in the World zu lesen. Was sich als fantastische Idee herausstellte, denn ich bin jeden Tag mit inspirierenden Gedanken, neuen Ideen und einer stärkeren Bewusstheit für alle mir begegnenden Erfahrungen gestartet. Es sind sehr viele, teilweise gerade einmal eine Seite umfassende Anekdoten, doch hat jede ihren Nachklang. Auf sehr einfache, aber doch nachdenklich machende Art schreibt Thich Nhat Hanh über seine Kindheit in Vietnam, welche Auswirkungen der Vietnamkrieg auf die Menschen und ihn hatte, über das Leben in der Fremde, wodurch er erst herausfindet, was es bedeutet, „angekommen“, „zuhause zu sein“. Natürlich spielen sein „Mönchsein“, die Meditation und die Zuflucht in der Natur – besonders die Walking Meditation (was ich selbst seit Jahren betreibe und jedem nur empfehlen kann) eine große Rolle und bieten spannende Einblicke in eine Welt, die einem oft verschlossen bleibt.

Das Buch ist einfach ein visueller und mentaler Genuss; es finden sich hervorragende Illustrationen, die für sich schon zum Träumen einladen, in Kombination mit den Geschichten aber einfach unfassbar stimulierend sind. Die Lehren hallen nach, ich habe neue Lust bekommen, mich meiner Vipassana-Meditation wieder zu widmen und mir wurden diese täglichen, morgendlichen Seiten wirklich wichtig. In Ruhe mit Blick auf das Meer zu lesen, ist aber auch einfach ein absoluter Luxus, den ich auch nicht täglich leben kann.

Ich will unbedingt mehr von Thich lesen, er hat ja sehr viele Bücher und Übersetzungen in seinem Leben verfasst; bzw. lebt er ja noch und das nach all den Jahren in Frankreich sogar wieder in Vietnam, was mich sehr für ihn freut. Denn er wird einem einfach nur sympathisch und wächst einem durch seine leise, freundliche Art ans Herz. Auf Youtube gibt es viele Interviews mit ihm und sogar Dokus über ihn; bisher habe ich mir nur den Trailer von Walk with me angesehen und bin jetzt schon ganz angefixt:

Ein absoluter Glücksgriff, welcher mich noch viele Stunden, Tage und bestimmt Wochen begleiten wird und mir nicht nur Lust auf Vietnam und seine spannende Kultur macht, sondern auch, mich doch mal wieder intensiver mit dem Zen-Buddhismus und den Auslegungen von Thich Nhat Hanh zu widmen. Für mich ist das übrigens auch ein Geschenk, was einfach zu jedem passt (ok, außer absolute Lese-Gegner *g*), denn die Themen sind so vielfältig, dass da für jeden etwas dabei ist, womit man sich identifizieren kann.

Habt ihr schon etwas von Thich gelesen oder eine der Dokus/Talks gesehen? Wenn ihr mir etwas empfehlen könnt, würde ich mich freuen, denn die Masse an Möglichkeiten überfordert mich hier gerade doch ein klein wenig.

[Lesenswert] Let’s be less stupid – Patricia Marx

Das pinke Büchlein Let’s be less stupid von Patricia Marx hat im Schrank meiner aktuellen Wohnung (ich sitte Haus und Katzen in Panama) meine Neugierde geweckt. Der Untertitel verrät mir, dass es „an attempt to maintain my mental faculties“ ist und da mich alles rund um unser Denken doch sehr interessiert, habe ich es mir direkt mal geschnappt.

Worum geht’s Um unser Gehirn, wie wir denken und wie sich das über die Zeit verändert. Die Autorin hat ihr eigenes (zunehmendes) Alter und ihre abnehmenden kognitiven Fähigkeiten dabei ständig als Beispiele für alles mögliche parat. Es geht um Intelligenz, wie genau unser Gedächtnis nun funktionieren (soll) und warum es das oftmals nicht tut.

Wie ist’s Patricia Mary hat ehemals für Saturday Night Live geschrieben und ich hatte somit erwartet, dass unser Humor sich ähnelt. Leider ist das aber null der Fall und ich fand viele Witze flach bzw einfach gar nicht witzig. Passiert ja, dass man nicht zusammen passt, aber schade! Denn wie gesagt von der Thematik her hatte ich mir da einiges erhofft.

Leider geht sie nicht sehr auf die einzelnen Themen ein, hangelt sich von einer Oberflächlichkeit in die nächste, führt wenige Studien an und ihre Selbsttests sind einfach nur unnötig (aka einfach nicht mein Humor). Wer wirkliche Intelligenztests oder Denktrainer bzw. Anleitungen sucht, wird sie hier nicht finden. Für mich nicht mal eine Strandlektüre im Urlaub, da das Buch null Mehrwert für mich hatte und ich habe es nicht beendet. Was ich vielleicht bei einem von hundert Büchern mache – und auch ein Grund ist, dass ich es trotzdem vorstellen wollte. Denn man soll nicht immer nur Empfehlungen, sondern ruhig auch mal abraten.

Erwartet habe ich ein mir Mehrwert bringendes Sachbuch mit lustigen Beispielen, um die „trockene“ Theorie aufzulockern. Aber das bekam ich hier nicht, es ging von einem (schlechten) Wortwitz zum nächsten Leser-Quiz und ganz wenig wurde auch etwas fundierte Kenntnis eingestreut. Aber erinnern werde ich mich an nichts aus diesem Buch; wobei doch, das Cover bleibt mir in Erinnerung, da es mir sofort ins Auge gestochen ist, mich dabei aber fies getäuscht hat! Danke, nein, next.

[Lesenswert] Leticia Valle. Memoiren einer Elfjährigen – Rosa Chacel

Als ich Leticia Valle. Memoiren einer Elfjährigen von Rosa Chacel im öffentlichen Bücherschrank fand, war ich definitiv neugierig, wie es sein kann, dass eine Elfjährige schon so viel erlebt hat, dass sie Memoiren verfassen kann. Somit musste das Buch natürlich mit zu mir und ich habe es in zwei Sitzungen durchgelesen!

Worum geht’s Die elfjährige, spanische Halbwaise Leticia lebt mit ihrem Vater, einem länger verschollen gewesenen Kriegsinvaliden, im Schweizer Exil. Sie entdeckt sich selbst, ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Ambitionen, schärft und erweitert ihren Geist mit Hilfe zweier Menschen: Dona Luisa, die ihr Musikunterricht erteilt sowie deren Mann Don Daniel, welcher sie in allen anderen wissenschaftlichen Aspekten unterrichtet. Es kommt zu einer nie ausgesprochenen, moralisch sehr fragwürdigen, Dreieckskonstellation zwischen dem Ehepaar und ihr, besonders jedoch zwischen ihrem sehr viel älteren Lehrer und ihr.

Wie ist’s Ich war sehr fasziniert, von der Erzählart. Rosa Chacel nennt die Dinge nicht bei Wort, sie spricht nicht aus, was passiert, sondern lässt es den Leser durch viele kleine Aspekte erahnen und „fühlen“. Man begibt sich mit Leticia in diese Welt der Erwachsenen, von der man unbedingt Teil sein will, es aber doch noch nicht wirklich ist. Die Protagonistin wird sehr komplex, leidenschaftlich und ehrlich dargestellt, die selbst nicht immer weiß, welche Wirkung sie auf ihre Außenwelt hat und überfordert scheint.

Man wartet, dass „etwas“ passiert, doch man muss die nebenbei eingestreuten Sätze lesen, aufmerksam verfolgen, was geschieht, da es eben keinen groß beschriebenen, dramatischen Moment gibt. Was diese Geschichte so glaubhaft macht, so fesselnd und faszinierend. Da man beginnt, zu verstehen, wie Leticia denkt, wie ihre Vergangenheit sie zu dem Menschen geformt hat, welcher jedoch gerade erst dabei ist, erwachsen zu werden. Der Roman endet ohne großen Knall, lässt den Leser nachdenklich zurück, man hat dieses „was habe ich da gerade erlebt“-Denken, welches surreal erscheint. Ein wirklich großer Lesegenuss, der zwar nicht an Lolita herankommt, aber mir sehr gut gefallen hat! Dass das Buch bereits 1946 erschienen ist, macht es noch besser, da es definitiv zu einem kleinen gesellschaftlichen Aufschrei geführt haben dürfte.

Kennt ihr das Buch oder habt etwas schon anderes von Rosa Chacel gelesen? Da es mich nicht loslässt, will ich unbedingt noch mehr von ihr lesen und sehen, wie sie mit anderen Themen umgeht.

[Lesenswert] Never Knowing. Endlose Angst – Chevy Stevens

Als ich mich dazu durchgerungen hatte, nur ein einziges Buch mit nach Panama zu nehmen, dauerte es doch etwas, bis die Entscheidung auf Never Knowing. Endlose Angst von Chevy Stevens gefallen war. Krimis und Thriller sind nämlich nicht so wirklich meines, aber ein paar im Jahr gehen eben doch und somit starten wir 2020 einfach mal mit einem Serienmörder und dessen Tochter 😉

Worum geht’s Kurz vor ihrer Hochzeit macht sich die adoptierte Sara auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern. Erfolgreich steht sie wenig später vor ihrer biologischen Mutter (die zufällig ebenfalls auf Vancouver Island lebt), welche jedoch sehr verstört reagiert und auch nicht über Saras Vater sprechen mag. Durch eigene Nachforschungen erfährt sie, dass sie das Ergebnis einer Vergewaltigung durch einen Serienmörder ist und ebenjener noch immer auf der Flucht. Noch während Sara versucht, diese Information zu verdauen, gelangt ihre wahre Identität in die Presse und plötzlich ist ihr leiblicher Vater ihr auf den Fersen.

Wie ist’s Ganz schön dick! Lese ich normalerweise fesselnde Thriller in einem runter, habe ich hier zwei Nachmittage für die 489 Seiten gebraucht. Die Schreibweise von Stevens ist gut, sie lässt mich nicht die Welt um mich herum vergessen, aber zieht mich doch in ihren Bann. Teilweise ist die Story etwas langatmig, man hätte einige Seiten einsparen oder die Gespräche von Sara an ihre Therapeutin weglassen können. Wir haben eine interessante Protagonistin, welche zu sehr intensiv vorgestellt und von allen Seiten durchleuchtet wird. Trotzdem reagiert sie manchmal überraschend und die Story an sich hat auch einige Wendungen parat, die man nicht unbedingt kommen sieht.

Die Beziehung zwischen Sara und ihrem Verlobten/ihren Adoptiveltern/ihrer Tochter/ihrer Therapeutin und dem sie betreuenden Polizisten sowie ihrem leiblichen „Mörder“-Vater machen den Hauptteil des Buches aus. Denn so enorm viel passiert nicht, es wird gesprochen, gestritten, gefühlt und gedacht. Was einmal eine andere Erzählweise ist, aber mich wie gesagt nicht umhaut. Dass das Buch auf Vancouver Island spielt und ich diese Insel liebe, hat alles definitiv besser gemacht!

Zieht sich die Story teilweise sehr, kommt das Ende dann doch etwas abrupt und lässt einige Fragen unbeantwortet..was ich per se gut finde, aber ein bisschen mehr „Klärung“ hätte ich doch gerne noch gehabt. Aber es scheint wohl, dass da im nächsten Buch weiter drauf eingegangen wird (wenn ich den Rezensionen vertraue).

Kathy Reichs und Karin Slaughter mögen Chevy Stevens sehr und auch wenn mich dieses Buch nicht umgehauen hat, würde ich mir ihren Erstling Still Missing – Kein Entkommen doch schnappen, sollte ich im öffentlichen Bücherschrank über ihn stolpern. Denn wenn diese beiden Autorinnen so viel von ihr halten, hat sie eine zweite Chance verdient, mich umzuhauen. Denn das hat sie mit diesem Thriller nicht, er ist einfach nur eine nette Strandlektüre, wenn man sich leicht berieseln lassen mag. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Habt ihr zufällig schon ein Buch von Chevy Stevens gelesen? Wenn ja, wie gefällt euch ihr Schreibstil? Und habt ihr einen anderen Thriller, von dem ihr gerade sehr begeistert seid? Her damit!

[Lesenswert] Die Wahrheit über Alice – Rebecca James

Auf der Suche nach etwas seichter Unterhaltung stolperte ich im Bücherschrank über Die Wahrheit über Alice von Rebecca James und da ich bisher noch nie einen Coming of Age Roman einer australischen Schriftstellerin gelesen hatte, war ich sofort neugierig!

Worum geht’s Die selbstgewählte Außenseiterin Katherine wird vom beliebtesten Mädchen der Schule, Alice, zu ihrer Party eingeladen. Bisher hat sie es vermieden, sich ihren Klassenkameraden anzunähern, da sie ihre Vergangenheit geheimhalten mag. Doch sie beschließt, dass es Zeit wird, eine Freundin zu finden und lässt Alice und deren Freund nach und nach an sich herum – nur um herauszufinden, dass die geglaubte Seelenverwandtschaft in einer absoluten Katastrophe gipfelt.

Wie ist’s Ich habe es in einem Rutsch gelesen, denn Rebecca James versteht es, fesselnd zu schreiben. Das Buch ist spannend, die Charaktere sehr interessant und vielschichtig entworfen und die Geschichte hat immer wieder ein paar Wendungen, die man nicht kommen sieht. Ist die Vergangenheit Katherines zwar recht schnell durchschaut, weiß der Leser aber wirklich nicht, wo die Reise hingeht und besonders das Ende fand ich wahnsinnig gelungen.

Ein aus der Ich-Perspektive erzähltes Jugendbuch, in welchem es viel um Erwachsenwerden, die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, aber auch menschliche Abgründe, psychische Störungen und Gewalt geht. Teilweise sehr verstörend-hart, aber eben real geschildert und somit ein Buch, welches definitiv auch für erwachsene Leser sehr gut funktioniert. Man könnte das Buch sofort in eine Serie verwandeln und ich wäre lockere neun Folgen dabei (mit YOU konnte ich ja leider nichts anfangen..), aber das Lesen war wirklich ein Genuss und ich konnte und wollte das Buch nicht aus der Hand legen.

Wenn ihr Thriller mögt, die vielleicht mal andere, sprich jugendliche, Protagonisten haben oder in Australien spielen, kann ich euch Die Wahrheit über Alice uneingeschränkt empfehlen!

[Lesenswert] Fürchtet euch – Wiley Cash

Der Roman Fürchtet euch von Wiley Cash lag locker fünf Jahre in meinem „muss ich irgendwann mal lesen“-Bücherstapel, bevor ich endlich danach gegriffen habe. Krimis und Thriller sind nicht mein liebstes Genre, sondern kommen immer nur phasenweise zu mir und somit ist dieses Werk irgendwie immer auf der Strecke geblieben – bis jetzt!

Worum geht’s Im ländlichen North Carolina, abgeschieden in den Bergen, stirbt der 13-jährige Christopher während der Abendmesse seiner Kirche. Der etwas größenwahnsinnige und leider auch charismatische Prediger Carson hat es sich nämlich zur Aufgabe gesetzt, die Gemeinde von allerlei „Unheil“ zu erlösen und so auch dem Jungen zu helfen, welcher seit seiner Geburt noch nie gesprochen hat. Jedoch haben er und sein jüngerer Bruder Jess Tage zuvor etwas gesehen, was die sowieso schon dramatische Lage nach dem Tod des Jungen in einer Katastrophe enden lässt.

Wie ist’s Seien wir ehrlich, ich hatte keine großen Erwartungen. Die Story entfaltet sich schon im Klappentext, man weiß sehr gut, was passiert. Aber der Schreibstil von Wiley Cash ist wirklich großartig und er hat die Preise dafür verdient gewonnen. Er zieht einen in einen Bann und ich habe das Buch in zwei Sitzungen durchgelesen, da ich es nicht aus der Hand legen wollte.

Die Geschichte wird aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt, was sehr gut funktioniert und es gibt auch einige Zeitsprünge, welche einem helfen, Dinge aus der „historischen Perspektive“ besser in einem Gesamtzusammenhang zu setzen. Die Figuren sind gut konstruiert, die Handlungen glaubhaft und somit nicht wirklich überraschend. Aber dieser Roman kommt ohne Überraschungen aus und ist trotzdem enorm fesselnd.

Die Kombination aus religiösem Fanatismus, dem ruralen, etwas abgeschiedenen Leben, Alkoholismus und Unglücklich-Sein packt einen und man erwartet mit Grauen das Ende. Denn man weiß, dass es kommt und kann nichts dagegen machen; und sich der Empathie, die man empfindet, aber auch nicht entziehen.

Wortgewaltig, packend, atmosphärisch wirklich grandios und ja, ich will mehr von Wiley Cash lesen. Sein Nachfolger Schaut nicht zurück spricht mich vom Thema erneut nicht wirklich an, aber er kommt trotzdem auf die Leseliste, da ich mir erneut einen faszinierenden Lesegenuss erhoffe! Kennt wer von euch Wiley Cash zufällig? Wie gefällt er euch?

[Lesenswert] Lob der Stiefmutter – Mario Vargas Llosa

Einer meiner literarischen Vorsätze ist, mehr spanischsprachige Autoren (also natürlich in einer Übersetzung, so gut ist mein Spanisch dann leider doch noch nicht) zu lesen. Lob der Stiefmutter von Mario Vargas Llosa stand auf meiner Liste recht weit oben, habe ich doch schon Die Stadt der Hunde (meine Review) von ihm verschlungen und wollte mehr.

Worum geht’s Die 40-jährige Lukrezia heiratet den Witwer Don Rigoberto und will sich mit ihrem neuen Stiefsohn, dem 10-jährigen Alfonsito gut verstehen. Dieser scheint sie jedoch mehr als nur zu mögen und Lukrezia reagiert auf diese Annährungsversuche nicht als Mutter, sondern als leidenschaftliche Frau.

Wie ist’s Definitiv nicht die Lektüre, welche man im Wartezimmer des Arztes lesen sollte (was ich natürlich tat). Vargas Llosa ist ein Meister der Sprache und in der Übersetzung ist es weiterhin ein Lesegenuss. Die Geschichte hat Wendungen, die ich nicht kommen sah, das Ende ist sehr gelungen und ich wusste einfach nie, wie es weitergeht. Zwischen der Realität und der Götterwelt, in welcher sich ähnliche Dinge abspielen, wird hin und hergewechselt, was die Novelle spannend macht.

Lukrezia, Don Rigoberto und Alfonsito werden sehr gut beschrieben und sind Figuren in einem meiner Meinung nach nicht erotischem Roman, sondern einem Roman über Erotik. Welche von Vargas Llosa sehr facettenreich, direkt und ohne Scham beschrieben wird. Dinge, die man kennt, andere Dinge, an die man nicht denkt, werden vermischt und immer, wenn man mal wieder verwirrt zwischen Menschen- und Götterwelt wankt, kommt in dem Büchlein doch wirklich noch ein abgedrucktes Kunstwerk, um einen wieder in eine andere Richtung zu drängen. Ich hatte beim Lesen durchaus meinen Spaß!

Mehr will ich gar nicht sagen, da ich nicht noch mehr Details der Erzählung offenlegen mag, denn insgesamt hat man sie in wenigen Stunden gelesen und da sie fesselt, ist das schnell an einem Nachmittag getan. Wenn ihr Bücher des peruanischen Autoren mögt (oder vielleicht schon die Fortsetzung Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto kennt), ist es definitiv was für euch. Wenn ihr Lust auf einen etwas anderen Lesegenuss habt, der diverse Sinne stimulieren und zum Nachdenken über diverse Themen anregen dürfte, dann ebenso..aber wenn ihr einen erotischen Roamn a la 50 Shades of Grey sucht, Hände weg, das ist nicht euer Buch!

[Lesenswert] Mach dein Leben einfach reicher. Tagebuch & Praxisheft – Ines Keerl & Karin Lichtenstein

Vor keinen zwei Monaten habe ich euch den Glück Glück Ratgeber von Ines Keerl & Karin Lichtenstein vorgestellt und heute geht es um das frisch erschienene Begleitheft dazu. Unter dem Titel Mach dein Leben einfach leichter haben die beiden ein Tagebuch und Praxisheft herausgebracht, in welchem man sich mit Übungen, Tipps und praktischen Beispielen für die individuell auf einen herabstürzenden Alltagsanforderungen rüsten kann.

Das Tagebuch und Praxisheft bietet auf knapp 100 Seiten eine gute Mischung an Gedanken und Fragen, die dich zum Nachdenken bringen und dich inspirieren werden, dich mit dir selbst intensiver zu beschäftigen. So geht es z.b. um die folgenden Themen:

  • Aufmerksamkeit verbessern
  • Bewusster (er)leben
  • Lebensfreude steigern
  • Leben mehr Inhalt/Sinn geben
  • Eigenes Mindset nachhaltig verändern

Das Arbeitsheft ist in zwei große Teilabschnitte geteilt: der erste Teil dreht sich um Fragen an einen selbst, man soll herausfinden, was einem wichtig ist und es werden fünfzehn Gedanken aus dem Glücksbuch als Anregung genommen, sie „moderiert“ zu üben. Im zweiten Teil ist Platz für persönliche Aufzeichnungen, also ein Gedankentagebuch, wo sich zeigen wird, was euch persönlich wichtig ist. Dieser Teil hat viel Raum für eigene Notizen, wobei es weniger um den konkreten Gedanken geht, sondern um die Fragen, was ihr gelernt habt bzw aus dieser Situation für euch und eure Zukunft herausziehen könnt. Klingt zu kryptisch? So sieht das aus:

Das Schöne daran ist, dass man das Buch nicht chronologisch durcharbeiten muss, sondern entweder einfach zufällig eine Seite aufschlagen oder sich natürlich vorne ein Thema aussuchen kann, mit welchem man sich an diesem Tag beschäftigen kann. Da ich es liebe, morgens mit einem Kaffee einfach meine Gedanken aufzuschreiben, nutze ich das Arbeitsheft nun genau dann. Man ist ungestört, kann sich notfalls auch etwas mehr Zeit nehmen und hat einen Gedanken, welchen einen den weiteren Tag begleiten wird. Wenn einem dann doch noch etwas einfällt, ist das Buch schnell zur Hand – da es leicht ist, kann man es auch super mitnehmen und unterwegs weiterschreiben!

Für mich immer wieder wichtig ist das ruhige, tiefe Durchatmen, welches wir im Alltag so gerne vernachlässigen. Mittlerweile bin ich ganz gut darin, täglich wenigstens morgens und abends daran zu denken (danke Vipassana-Meditation), aber es war trotzdem hilfreich, diese Gedanken noch einmal zu verschriftlichen. Für mich trägt das nämlich zu einem bewussteren Leben und Umgang mit allem bei, wodurch meine Aufmerksamkeit verbessert und meine Lebensfreude auch an kleinsten Dingen gesteigert wird.

Wenn ihr Lust habt, zunächst mit Anleitung und dann mit Anregungen andere Sichtweisen auf die Welt zu entwickeln und euch selbst einfach besser kennenzulernen, euer Handeln zu hinterfragen und vielleicht auch zum Positiven zu verändern, kann ich euch dieses kleine Heft sehr empfehlen. Zumindest ich habe Freude daran und finde meine Zeit damit sehr genutzt 🙂

Mehr Infos dazu findet ihr auf dem Blog My Day Reloaded der beiden Autorinnen und das Tagebuch und Praxisheft könnt ihr für 8,99€ z.b. bei Amazon bestellen. Obwohl es als Begleitheft konzipiert ist, kann man es meiner Meinung aber auch ohne das Glück Glück Buch (12,99€) bearbeiten, denn es ist selbsterklärend. Beide Bücher zusammen „runden“ die Thematik aber durchaus ab und dürften euch ein paar Wochen (oder länger) mit euren eigenen Gedanken beschäftigen.

Kennt wer eines der beiden Bücher zufällig schon? Wenn ja, wie haben sie euch gefallen und/oder welches Buch aus diesem Bereich könnt ihr denn besonders empfehlen?

[Lesenswert] tschick – Wolfgang Herrndorf

Das Buch tschick von Wolfgang Herrndorf war mir zwar schon lange ein Begriff und das Artwork vom Cover hat sich ebenfalls bei mir eingebrannt, aber ich habe es erst die letzten Tage hingekriegt, es ENDLICH einmal zu lesen. Dabei liest es sich runter wie Butter, man will nicht mehr aufhören und schwupps, ist man am Ende des Nachmittages auch schon damit durch – herrlich!

Worum geht’s Der 14-jährige Maik kommt aus einem zwar reichen, sonder aber ziemlich kaputtem Elternhaus und ist in der Schule ein als langweilig geltender Außenseiter. Unglücklich verliebt ist er auch noch und hat einen sehr langweiligen Sommer alleine (Mutter in der Entzugsklinik, Papa mit der Geliebten unterwegs) vor sich. Doch er hat die Rechnung ohne den neuen Mitschüler Tschick gemacht, welcher beschliesst, dass die beiden zu einem nicht unbedingt legalen Abenteuer mit einem geklauten Lada „in die Walachei“ aufbrechen sollten.

Wie ist’s Wie ein wunderbarer, nach Freiheit und Abenteuer schmeckender Sommertag, wie ihn die meisten von uns bestimmt schon einmal erlebt haben. Die Charaktere des coming of age Romans sind ganz wunderbar beschrieben, die Story eines Roadtrips durch Deutschland nett und durchaus überraschend und ich musste viel lachen. So richtig laut. In der Öffentlichkeit. Das Buch macht einfach nur Spaß und genau wie diese Sommertage will man nicht, dass es vorbei geht. Da ich nichts von der Handlung verraten will, muss ich mir hier gerade echt auf die Zunge beißen, aber es sind definitiv einige sehr absurde Situationen dabei!

Einfach nur ein rundum gelungenes Lesevergnügen, welches durch den wunderbaren Schreibstil nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird. Von Wolfgang Herrndorf werde ich definitiv noch mehr lesen – und dieses Buch nicht weitergeben, sondern doch wirklich in meinem Regal behalten, da ich es noch einmal lesen mag.

ABSOLUTER LESETIPP von mir, da hat 2020 wirklich großartig angefangen! Ob im Urlaub, unterwegs oder wenn es draußen grau und nass ist, dieses Buch geht immer und macht euch garantiert gute Laune!

[Lesenswert] Die falsche Fährte – Henning Mankell

Beginnen wir 2020 doch mit meinem ersten Kurt Wallander Roman, welcher aber schon der 5. Fall des schwedischen Kommissares ist. Da ich kein wirklicher Krimi-Fan bin und meist pro Jahr nur eine 3-4 Bücher überdauernde „Lese-Phase“ in diesem Genre habe, stand „Die falsche Fährte von Henning Mankell“ viele Jahre lang in meinem „muss ich endlich mal lesen“-Regal. Aber endlich ist es vollbracht und nun kann ich euch ein bisschen über das Buch erzählen und ob es wohl in der fernen Zukunft noch einen weiteren Wallander-Krimi für mich geben wird!

Worum geht’s Kommissar Wallander wird aus Personalmangel zu einem unbedeutenden Ereignis geschickt, welcher jedoch im Selbstmord eines jungen Mädchens vor seinen Augen endet. Gleichzeitig beginnt ein Serienmörder in Schweden sein Untreiben, welcher seine zunächst willkürlich erscheinenden Opfer auf grausame Weise zurichtet. Die Ermittlungen bringen nach und nach Licht ins Dunkle, gleichzeitig zieht Wallander jedoch den Zorn des Mörders auf sich.

Wie ist’s Seien wir mal ganz ehrlich, ich musste mir Mühe geben. Erwartet habe ich einen süchtigmachenden, spannenden Schreibstil, welchen einen das Buch bis 3 Uhr nachts gefesselt lässt und immer „nur noch schnell ein Kapitel mehr“ denken lässt. Aber das war für mich leider nicht der Fall und die 500 Seiten haben sich wirklich gezogen. Es gibt kaum überraschende Wendungen, die Story wird so konzipiert, dass man als Leser schon früh weiß, was Sache ist und man sich eher ärgert, dass die Polizisten und Kommissare so lange brauchen und es eben alles so vor sich her „dümpelt“.

Gut beschrieben finde ich die Person Kurt Wallander allerdings und kann verstehen, wieso diese Krimis aufgrund dieser einzelnen Figur so erfolgreich sind. Es war wohl eher dieser Fall, der nicht nach meinem Geschmack war, ein anderes Buch aus der Reihe könnte mich vielleicht mehr fesseln. Denn man beginnt, emotional mit dem Kommissar zu leiden, lernt viel über seine Vergangenheit und aktuellen Gefühlswelten und das mochte ich sehr. Schade, dass der Rest so langweilig und teilweise einfach banal war!

Verfilmungen will ich mir bestimmt nicht anschauen, aber sollte ich über einen anderen Wallander-Krimi stoßen und mich die Buchrückseite und der angeteasterte Fall zumindest etwas ansprechen, würde ich Mankell noch eine zweite Chance geben, mich mit seinem Schreibstil für ein paar Stunden in eine andere Welt zu ziehen; oder zumindest zu lernen, dass wir beide einfach nicht zusammen kommen 😉

Habt ihr schon einen/mehrere Wallander-Krimi/s gelesen? Welcher hat euch denn besonders gefallen?

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